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ärztemagazin 11/2018

MEDIZIN LUNGENKREBS

MEDIZIN LUNGENKREBS FRAUEN ERKRANKEN HÄUFIGER In den USA ist die Inzidenz von Lungenkrebs in den letzten 20 Jahren kontinuierlich gesunken. Allerdings erkranken in den jüngeren Altersgruppen mittlerweile mehr Frauen als Männer an Lungenkrebs. Während für 40- bis 44-jährige Frauen in den Jahren 1995 bis 1999 die Inzidenz um zwölf Prozent niedriger lag als bei Männern, war sie in den Jahren 2010 bis 2014 um 17 Prozent höher. (DOI: 10.1056/NEJ- Moa1715907) LUNGENKREBS BEI FRAUEN (40–44) IM VERGLEICH ZU MÄNNERN 1995–99 –12% +17% 2010–14 154.000 Menschen sterben in den USA jährlich an Lungenkrebs GEBURTSKOMPLIKATIONEN PRÄNATALER STRESS UND SCHIZOPHRENIE PLAZENTA ALS MEDIATOR ZWISCHEN GENEN UND UMWELTEINFLÜSSEN. SCHWANGERSCHAFTS- und Geburtskomplikationen erhöhen womöglich das Risiko für genetisch bedingte Schizophrenie des Kindes. Die Plazenta wirkt dabei als ein Risikomediator: Gene, die mit erhöhtem Schizophrenie- Risiko assoziiert sind, werden offenbar vermehrt in der Plazenta abgelesen und interagieren mit Umwelteinflüssen wie vorgeburtlichen Komplikationen. In Schwan- Geburts- und Schwangerschaftskomplikationen sind ein Stressor gerschaften mit Komplikationen, wie Schwangerschaftsvergiftung und Wachstumsverzögerung des Kindes, ist das Risiko für eine genetisch bedingte Schizophrenie laut einer im Fachjournal „Nature Medicine“ publizierten internationalen Studie fünffach erhöht. Ein weiteres Ergebnis: Bei Schwangerschaften mit Buben waren die betreffenden Gene in der Plazenta stärker aktiviert als bei Mädchen. Dies könnte möglicherweise ein Erklärungsansatz für die höhere Neuerkrankungsrate an Schizophrenie bei Männern sein. „DIE INTRAUTERINE Umgebung beeinflusst maßgeblich das Risiko für kardiovaskuläre, metabolische und auch neuropsychiatrische Erkrankungen wie Schizophrenie im späteren Leben“, erläutert Dr. Evident Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine der häufigsten Ursachen für unerfüllten Kinderwunsch und betrifft vier bis acht Prozent aller Frauen weltweit. In den letzten Jahren kamen Studien zu unterschiedlichen Einschätzungen, ob der Aromatasehemmer Letrozol mindestens so effektiv in der Behandlung ist wie der selektive Östrogenrezeptormodulator Clomifencitrat, das am häufigsten eingesetzte Medikament. Ein aktueller Cochrane-Review hat nun Letrozol mit Clomifencitrat und dem laparoskopischen ovariellen Drilling (LOD), einem minimalinvasiven Operationsverfahren, verglichen. Das Ergebnis: Letrozol führt zu mehr Schwangerschaften und Lebendgeburten als Clomifencitrat oder LOD („Stichelung“). Die Evidenz dieser Erkennnis wird von den Cochrane-Autoren als moderat eingestuft. Hochqualitative Evidenz hingegen liegt dafür vor, dass es zwischen den drei untersuchten Optionen keinen Unterschied betreffend Fehlgeburten und Mehrlingsschwangerschaften gibt. (doi: 10.1002/14651858.CD010287.pub3) Florian Rakers, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Fetale Hirnentwicklung und Programmierung von Krankheiten, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Jena. Diese frühe Prägung des Ungeborenen durch externe Stressoren wird als „fetale Programmierung“ bezeichnet. Die Ergebnisse der Studie kommen für den Experten daher nicht überraschend: „Die Plazenta ist die wesentliche Schnittstelle zwischen Mutter und Kind und schon länger als Stressmediator bekannt. „PRÄNATALER STRESS – das heißt, mütterlicher psychosozialer Stress, Unterernährung oder auch Geburtskomplikationen, wie sie unter anderem in dieser Studie analysiert wurden – erhöht das Lebenszeitrisiko, an Schizophrenie zu erkranken“, erklärt Rakers weiter. Gleichzeitig wurden umfangreiche genetische Risikofaktoren für die Schizophrenie beschrieben. Die aktuelle Studie kombiniert nun erstmals beide Beobachtungen, indem sie einen Zusammenhang zwischen den genetischen Risikofaktoren, pränatalem Stress – hier: Geburtskomplikationen – und Schizophrenie herstellt. „Richtungsweisend ist die Entdeckung einer erhöhten Expression von Risikogenen in männlichen Plazenten, da sie möglicherweise erstmals erklären kann, warum Schizophrenie bei Männern häufiger vorkommt als bei Frauen“, unterstreicht der deutsche Neurologe. „EINE WICHTIGE Eigenschaft solcher humangenetisch-epidemiologischer Studien wie der hier publizierten Studie ist, dass sie bisher unklare oder weniger beachtete Zusammenhänge zutage fördern beziehungsweise neu gewichten können“, ergänzt Prof. Dr. Hans-Georg Frank, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl II – Neuroanatomie, Ludwig-Maximilians-Universität München. Denn für die meisten Neurowissenschaftler ist die Assoziation plazentarer Genexpression mit dem Risiko des Auftretens einer Schizophrenie zunächst befremdlich. Die Plazenta ist das einzige große menschliche Organ, das keinerlei Nervenzellen oder Nervenfasern enthält. Frank: „Deswegen ist sie für Neurowissenschaftler uninteressant; sie haben in der Regel selbst noch nie mit diesem Organ gearbeitet.“ (doi: 10.1038/s41591-018-0021-y) Fotos: tatyana_tomsickova/GettyImages, scyther5/GettyImages; Illustration: theasis/GettyImages 6 . ärztemagazin . 11 2018

SPORT KANN DEMENZ NICHT STOPPEN IMMUNSYSTEM WIRD NICHT ÜBERLASTET DIE ANNAHME, dass Bewegung den kognitiven Verfall bei Demenz aufhalten könne, ist weit verbreitet. Eine britische Studie kommt nun zu dem Ergebnis, dass weder moderate noch hochintensive Bewegung bei älteren Menschen mit Demenz das Fortschreiten der kognitiven Beeinträchtigung zu verlangsamen imstande ist. (doi: 10.1136/bmj.k1675) HERZINSUFFIZIENZ ACE-HEMMER WIRKEN INDIVIDUELL WARUM NICHT ALLE PATIEN- TEN GLEICHERMASSEN DAVON PROFITIEREN. ANTIKÖRPER ZUR MIGRÄNE- PROPHYLAXE Ein Kleinkind wird geimpft DIE BEFÜRCHTUNG, dass das Impfen von Kindern eine Überlastung des Immunsystems zur Folge habe, ist unter Eltern weit verbreitet. Eine Fall-Kontroll-Studie aus den USA belegt nun, dass Impfungen in den ersten beiden Lebensjahren nicht zu einem Anstieg von Infektionen führen, die durch andere Krankheitserreger ausgelöst wurden. (doi: 10.1001/jama.2018.0708.) MONOKLONALE ANTIKÖRPER gegen das CGR-Peptid (calcitonin gene related) sind eine neue Option für die Migräne-Prophylaxe. Mit Erenumab wurde in den USA der erste Antikörper dieser Art zugelassen. Es wird damit gerechnet, dass es in den USA und in Europa in den kommenden Monaten zu weiteren Zulassungen solcher Antikörper kommt. (doi: 10.1001/jama.2018.4852) ACE-HEMMER stellen seit 25 Jahren die Basistherapie bei chronischer Herzinsuffizienz dar. Diese Substanzen beeinflussen das Renin- Angiotensin-System, das den Volumenhaushalt und Blutdruck reguliert. Eine von Dr. Noemi Pavo, PhD an der Herzinsuffizienzambulanz der Klinischen Abteilung für Kardiologie der MedUni Wien/AKH Wien durchgeführte Querschnittsstudie kam nun zu dem Ergebnis, dass Patienten – trotz vergleichbarer Medikamentenarten und -dosierungen sowie unabhängig vom Schweregrad der Herzinsuffizienz – auf der molekularen Ebene des Renin-Angiotensin-Systems individuell extrem unterschiedlich auf die Therapie mit ACE- Hemmern reagieren. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass sich die Aktivierung der entscheidenden Peptide direkt mittels des leicht bestimmbaren Renins abschätzen lässt. BEDEUTEND in diesem Zusammenhang ist die neue Erkenntnis, dass bei vielen Patienten mit Herzinsuffizienz das Renin-Angiotensin- System offenbar gar nicht oder nur unwesentlich aktiviert ist. Dies gibt erstmalig einen Erklärungsansatz, warum nicht alle Patienten von einem ACE-Hemmer profitieren. Hier dominieren möglicherweise andere körpereigene überaktivierte Systeme das Krankheitsbild. Auf der anderen Seite gibt es viele Patienten mit einer exzessiven Aktivierung des Renin-Angiotensin-Systems, die möglicherweise eine aggressivere Therapie benötigen. Die Erkenntnisse der Studie unterstützen die Bemühungen in der Entwicklung einer zielgesteuerten individualisierten Therapie der Herzinsuffizienz mit der Möglichkeit einer Therapieanpassung je nach vorliegendem Phänotyp mit bereits bekannten Medikamenten. (doi: 10.1373/clinchem.2017.278705) Grüne Box IND kassenfrei* DYM_2018_4 Aktueller Pollenflug NEU Zweite Belastungswelle durch Gräserblüte Die heurige Gräserpollensaison ist gekennzeichnet durch die rasche und parallele Blüte zahlreicher Gräserarten. Derzeit rollt die zweite Belastungswelle des Jahres mit der Blüte von Schwingel, Quecke, Weidelgras und Goldhafer. Bessere Bedingungen für Gräserpollenallergiker herrschen derzeit nur an und über der Baumgrenze. In höheren Lagen blüht derzeit in deren Wuchsgebieten allerdings die Grünerle. Fachkurzinformation siehe Seite 30 Wirkeintritt nach 5 Minuten bei allergischer Rhinitis 1 1 Bousquet J. et al. Onset of action of the fixed combination intranasal azelastine-fluticasone propionate in an allergen exposure chamber. The journal of allergy and clinical immunology: In practice (2018), doi 10.1016/j.jaip.2018.01.031 * Zur symptomatischen Behandlung der mittelschweren bis schweren allergischen Rhinitis, wenn eine Monotherapie mit einem intranasalen Antihistaminikum oder einem Kortikosteroid nicht ausreichend ist. MIN. Wann startet was? Beifuß ab Mitte Juli blühbereit Birke abgeblüht Erle abgeblüht Esche abgeblüht Gräser in Blüte Hasel abgeblüht Ragweed ab Anfang August blühbereit Aktuelle Informationen: www.pollenwarndienst.at Illustration: Kloepfer 11 2018 . ärztemagazin . 7

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