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CliniCum 03/2017

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Faktor-VIII-Inhibitor-Bypassing-Aktivitäts-Komplex (FEIBA) Bewährte Blutungsprophylaxe bei Inhibitorpatienten Der aktivierte Prothrombinkomplex FEIBA wird seit 40 Jahren zur Behandlung von Hämophiliepatienten mit Inhibitoren eingesetzt. Im Rahmen der Immuntoleranzinduktion sowie als Langzeit-Blutungsprophylaxe kann die zusätzliche Gabe des Wirkstoffes, eine mit Faktor-VIII-Inhibitor-Bypassing-Aktivität angereicherte Humanplasmafraktion, eine klinisch bedeutsame Reduktion des Blutungsrisikos bewirken. Zudem ist das positive Verträglichkeitsprofil von FEIBA in zahlreichen Studien und langjähriger klinischer Erfahrung belegt. Von Dr. Christina Nowikow ❙❙ Die Hämophilie ist eine seltene X-chromosomal vererbte Blutgerinnungsstörung, die auf Mutationen der für Faktor VIII (FVIII; Hämophilie A) bzw. Faktor IX (FIX; Hämophilie B) kodierenden Gene beruht. 1 Gerinnungsfaktorkonzentrate stellen die Basis der Hämophilietherapie dar; allerdings besteht das Risiko, gegen einen substituierten Faktor Inhibitoren zu entwi ckeln. Diese Antikörper neutralisieren den verabreichten Gerinnungsfaktor und führen damit zum raschen Abbau, was so weit führen kann, dass auch nach der Gabe sehr hoher Dosen von FVIII oder FIX kein erhöhter Spiegel im Blut nachweisbar ist. 2 Inhibitorpatienten (ca. 20–30 Prozent bei schwerer Hämophilie A, unter fünf Prozent bei Hämophilie B) haben ein höheres Komplikationsrisiko (z.B. unkontrollierte Blutungen, reduzierte Lebensqualität, erhöhtes Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko) und stellen eine besondere therapeutische Herausforderung dar. 3 In der Therapie von Inhibitorpatienten, die gegenüber den standardmäßig eingesetzten Gerinnungsfaktorkonzentraten refraktär sind, werden alternative Wirkstoffe, sogenannte Bypassing Agents, in der akuten Blutungstherapie bei Bedarf, der Langzeit-Blutungsprophylaxe sowie im Rahmen einer Immuntoleranzinduktion (ITI) eingesetzt. 4 FEIBA ist ein Prothrombinkomplex, der die Gerinnungsfaktoren II, IX und X in überwiegend nicht aktivierter Form, aktivierten Faktor VII sowie Protein C, Thrombin und Spuren von FVIII enthält. Die multifaktorielle Zusammensetzung ermöglicht den gleichzeitigen Angriff von unterschiedlichen Punkten des Gerinnungssystems. 5 Inhibitoreradikation mittels ITI Die ITI wird bei Inhibitorpatienten eingesetzt, mit dem Therapieziel, eine Eradikation der inhibitorischen Antikörper zu erreichen und Patienten wieder einer Standardtherapie mit Faktorkonzentraten zuführen zu können. Die Re-Etablierung einer Immuntoleranz ist ein Prozess, der Monate bis Jahre dauern kann; während dieser Zeit sind Patienten mit hohen Inhibitortitern weiterhin einem erheblichen Blutungsrisiko ausgesetzt. Das bereits 1974 entwickelte Bonn- Protokoll, das erste vorliegende Protokoll einer ITI, setzte aus diesem Grund zusätzlich zur Hochdosistherapie mit 100 Einheiten FVIII/kg auch FEIBA i.v. (50 Einheiten/kg) jeweils zweimal täglich bis zum Erreichen eines Inhibitortiters

kurzmeldungen | technik & forschung Neurobiologie Morbus Gaucher. Forscher aus Deutschland und den USA haben einen Mechanismus im Stoffwechsel aufgedeckt, der neue therapeutische Ansätze zur Behandlung der häufigsten Fettspeicherkrankheit Morbus Gaucher eröffnet: die Blockade des Rezeptors für die Substanz C5a verhindert die Auslösung der Erkrankung. (Pandey M et al., Nature 2016) Fotos: Svisio/iStock, Wikimedia Commons/Nephron, Gregory A. Grabowski, Helmholtz Zentrum München, Henrik_L/iStock Wie unreife Neuronen zu geschädigten Stellen im Gehirn migrieren können Die Regenerationsfähigkeit des erwachsenen menschlichen Gehirns ist sehr gering und nur auf einige wenige spezielle Regionen beschränkt. Neurobiologen suchen daher nach Strategien, um verlorene Neuronen zu ersetzen. Ein vielversprechender Therapieansatz ist es, unreife Neuronen, die in spezifischen Gehirnregionen angesiedelt sind, dazu zu veranlassen, zu Stellen von Gehirnschädigungen (z.B. nach einem akuten Hirnschaden oder Schlaganfall) zu wandern. Ein gemeinsames Projekt von Forschern des Zentrums für Hirnforschung der Medizinischen Universität Wien sowie der Semmelweis-Universität in Budapest konnte nun zeigen, dass manche reife Neuronen ihre lokale Mikroumgebung in einer Art und Weise anpassen können, dass sie die Abwanderung von unreifen Neuronen begünstigen. Auf Ösophaguskarzinom Basis dieser Erkenntnis haben die Forscher ein molekulares Verfahren neu entwickelt, mit dem unreife Neuronen zu den geschädigten Stellen im Gehirn gelenkt werden können. „Wir haben den gesamten molekularen Mechanismus entschlüsselt, den differenzierte Neuronen benützen, um für migrierende Ersatznervenzellen Platz zu machen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Tibor Harkany, Professor für Molekulare Neurowissenschaften an der MedUni Wien. Dies eröffne einen Weg, um Neuronen in ausreichender Menge für Neuroreparaturen an geschädigte Hirnbereiche umzuleiten: „Auch wenn die Entfernungen ziemlich weit sein können, sind wir zuversichtlich, dass molekulare Möglichkeiten existieren, um diese Herausforderungen zu bewältigen.“ (Hanics J et al., Proc.Natl.Acad.Sci.U.S.A. 2017) Sarkopenie verkürzt Lebensdauer Speiseröhrenkrebspatienten, die während der neoadjuvanten Therapie an einer Verminderung der Muskelmasse (Sarkopenie) leiden, leben im Schnitt um 32 Monate kürzer als Patienten ohne Sarkopenie. Dies ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Studie, die am Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien entstanden ist. Die Verminderung der Muskelmasse ist nicht unbedingt eine Nebenwirkung der Chemotherapie. Sehr viele Patienten waren schon vor der Therapie sarkopenisch, und es kam während der Therapie zu keiner signifikanten Zunahme der Sarkopenie. „Der Grund für diesen Verlust der generellen Muskelmasse sind schlechte Ernährung und zu wenig Bewegung“, erklärt Dr. Matthias Paireder, Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien, Erstautor der Studie. Das Ösophaguskarzinom ist die sechsthäufigste Todesursache im Bereich der Krebserkrankungen in Österreich. (Paireder M et al., Eur J Surg Oncol. 2016) Blutstammzellen. Um die Entwicklung von Blutstammzellen im Voraus zu berechnen, haben Forscher aus München und Zürich die Methode des Deep Learning eingesetzt. Ein Algorithmus wertet lichtmikroskopische Bilder und Videos einzelner Zellen aus und gleicht diese Daten mit bisherigen Erfahrungen zur Entwicklung derartiger Zellen ab. (Buggenthin F et al., Nat.Methods 2017) Biologischer Klebstoff. Aus der zementartigen Substanz, mit der Zecken ihre Mundwerkzeuge fest in der Haut verankern, um so für mehrere Tage Blut saugen zu können, wollen Wissenschafter der MedUni Wien und der Technischen Universität Wien einen biologischen Klebstoff für menschliches Gewebe entwickeln. Die derzeit verwendeten Gewebekleber in der Chirurgie seien entweder zu schwach oder teilweise toxisch, sagt Projektleiterin Dr. Sylvia Nürnberger. 3/17 CC clinicum 33

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