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CliniCum 03/2017

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Forschung & Karriere

Forschung & Karriere „Nobelpreis für Ingenieurswissenschaften“ an österreichische Forscher Univ.-Prof. Christoph Hitzenberger und Univ.-Prof. Adolf Fercher wurden gemeinsam mit drei US-amerikanischen Kollegen für die Entwicklung der Optischen Kohärenztomografie (OCT) ausgezeichnet. ❙❙ Dr. Adolf Friedrich Fercher, ehemaliger Leiter des Instituts für Medizinische Physik, gilt als internationaler Pionier auf dem Gebiet der Ophthalmologischen Laser-Interferometrie. 1986 gelang es ihm erstmals, das menschliche Auge mit dieser Technik zu vermessen. Er gilt als geistiger Vater der ersten Low-Coherence-Interferometrie(LCI)-Geräte auf dem Gebiet der Augenheilkunde. MedUni Wien-Rektor Univ.-Prof. Dr. Markus Müller (links) und DI Dr. Michaela Fritz, Vizerektorin für Forschung und Innovation, begleiteten Prof. Christoph Hitzenberger zur Preisverleihung nach Washington D.C. Bei der Entwicklung des Spectral-Domain-LCI-Verfahrens, das aufgrund seiner überragenden Messempfindlichkeit die Grundlage der modernen klinischen OCT-Augenuntersuchungsgeräte ist, arbeitete Fercher bereits in den 1990er Jahren eng mit Dr. Christoph Hitzenberger zusammen. Hitzenberger, er ist heute stellvertretender Leiter des Zentrums für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik der MedUni Wien, entwickelte seinerseits das erste heterodyn LCI-System zur Vermessung intraokularer Distanzen (axiale Augenlänge, Dicke der Retina). Der im Zweijahresabstand vergebene und mit 500.000 US-Dollar dotierte Fritz J. and Dolores H. Russ Prize wird von der United States National Academy of Engineering (NAE) für technologische Entwicklungen verliehen, die „signifikante Auswirkungen auf die Gesellschaft hatten und zur Verbesserung des menschlichen Wohlbefindens beitrugen“. Gemeinsam mit dem Gordon Prize und dem Draper Prize wird er auch als „Nobelpreis für Ingenieurswissenschaften“ bezeichnet. „Das ist eine außergewöhnliche und hochverdiente Auszeichnung für Adolf Fercher und Christoph Hitzenberger, die herausragende Pionierarbeit auf dem Gebiet der OCT, eine der wichtigsten medizinisch-diagnostischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, geleistet haben“, freut sich Rektor Markus Müller, der gemeinsam mit der für Forschung zuständigen Vizerektorin Michaela Fritz persönlich zur Preisverleihung angereist war: „Die Auszeichnung durch den ‚Nobelpreis für Ingenieurswissenschaften‘ ist auch für unsere Universität eine ganz besondere Ehre.“ ❙ „Think Camp“ über die Berufsbilder der Zukunft ❙❙ Die deutsche Stiftung Münch sucht Studierende, Jungmediziner und -forscher sowie Nachwuchsführungskräfte aus den Bereichen Pflege, IT und Public Health für ein Think Camp zum Thema „Welche Berufe braucht die Gesundheitsversorgung von morgen?“. Österreichische Bewerber sind nicht nur zugelassen, sondern laut Veranstalter zwecks internationalen Austausches ausdrücklich erwünscht. Künstliche Intelligenz, Apps, Roboter – immer mehr Technik verändert die Gesundheitsversorgung nachhaltig, stellt völlig neue Anforderungen an die Gesundheitsberufe. Welche neuen Berufsbilder und Qualifikationen braucht es, wer wird wo eingesetzt? Zwischen 19. bis 21. Mai 2017 werden sich 15 ausgewählte Teilnehmer – junge Wissenschaftler, Studenten und Berufsanfänger mit einem Hintergrund in Medizin, Gesundheitsökonomie, Medizinischer Informatik, Pflegewissenschaft und Pflegeberufen oder Public Health – in Berlin intensiv mit dem Frage „Welche Berufe braucht die Gesundheitsversorgung von morgen?“ auseinandersetzen, gemeinsam konkrete Konzepte erarbeiten und diese einer Expertenrunde präsentieren. Die Konzepte werden später auch publiziert. Unterstützt werden die Teilnehmer unter anderem von Prof. Achim Jockwig, Geschäftsführender Direktor der Carl Remigius Medical School, Prof. Christian Lovis, Chairman der Division of Medical Information Sciences der University Hospitals of Geneva, oder Martin U. Müller, Medizin-Journalist DER SPIEGEL. Weitere Informationen und Bewerbungen unter http:// www.stiftung-mue nch.org/netz-werkmacher/ Mit diesem Veranstaltungsformat richtet sich die Stiftung Münch laut eigener Aussage an „junge Menschen, die das Gesundheitswesen weiterentwickeln und zukunftsfähig machen wollen“. Die Teilnehmer sollen auch von der Vernetzung untereinander und den anwesenden Wissenschaftlern und Konzernmanagern profitieren. Die Stiftung Münch stellt für dieses „Think Camp“ insgesamt 15 Plätze zur Verfügung, trägt die Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Lediglich die Anreise muss selbst übernommen werden. Auf explizite Nachfrage der CliniCum-Redaktion sind Bewerber um die Plätze aus Österreich herzlich willkommen. Bewerbungen können bis 15. April 2017 eingereicht werden. ❙ Foto: NAE/rlstevensphotography 34 clinicum CC 3/17

Forschung T-Zellen als Spürhunde genau zu den Tumorzellen transportiert und dort zur Wirkung gebracht werden“, sagt Wozniak-Knopp. Milliarden Antikörper Als Grundlage haben Mitarbeiter des CD-Labors in einem ersten Schritt neuartige Bibliotheken mit Milliar­ Neue Immuntherapeutika werden dringend gesucht. Ein Christian-Doppler-Labor in Wien versucht es mit der Modifikation von T-Zell-Rezeptoren, mit T-Zell- Rekrutierung und der Entwicklung von Toxin-Konjugaten. Von Mag. Michael Krassnitzer, MAS Foto: G. Wozniak-Knopp ❙ ❙ „Auf Antikörpern basierende Therapeutika zählen zu den Hoffnungsträgern im Kampf gegen viele schwer zu behandelnde Krankheiten“, erklärt Dr. Gordana Wozniak- Knopp, Leiterin des Christian-Doppler- (CD-) Labors für Innovative Immuntherapeutika. Antikörper sind Proteine, die an bestimmten Stoffen, den sogenannten Antigenen, die sich an der Oberfläche von Zellen befinden, andocken. Auf diese Weise kann das Immunsystem erkennen, ob es sich um eine erkrankte Zelle – z.B. eine Tumorzelle – bzw. um ein Bakterium oder einen Virus handelt. Wirkstoffe, die auf Antikörpern basieren, machen sich diese Möglichkeit zunutze. Nun gibt es aber Tumorzellen, deren Antigene an der Zelloberfläche sich in nichts von den Antigenen auf der Hülle gesunder Zellen unterscheiden – weshalb sie vom Immunsystem nicht als krank erkannt werden. Lediglich im Inneren dieser Tumorzellen finden sich Antigene, die verraten, dass es sich um entartete Zellen handelt. Um an diese Antigene heranzukommen, sind Forscher auf folgende Idee gekommen: Warum nicht T-Zellen gewissermaßen als Spürhunde einsetzen? Diese weißen Blutzellen können nämlich ebenfalls Antigene erkennen – im Normalfall allerdings nur dann, wenn ihnen diese eigens von speziellen Molekülen präsentiert werden. Verändert man allerdings den T-Zell-Rezeptor, der für die Erkennung von Antigenen zuständig ist, so sind T-Zellen plötzlich auch in der Lage, an Zelloberflächen anzudocken – und können in der Folge auch intrazelluläre Antigene erkennen. Die Modifikation von T-Zell-Rezeptoren ist eines der Gebiete, mit denen sich das an der Universität für Bodenkultur Wien im Department für Biotechnologie angesiedelte CD-Labor für Innovative Immuntherapeutika beschäftigt. „Wir versuchen, die T-Zell- Rezeptoren so zu verändern, dass sie nicht nur ihr ursprüngliches, sondern noch ein zweites Target binden“, erklärt Wozniak-Knopp. T-Zellen manipulieren Ebenfalls mit T-Zellen beschäftigt sich ein zweiter Forschungsbereich dieses CD-Labors: die sogenannte T-Zell-Rekrutierung. „Auf diese Weise soll ein Arm des Immunsystems, der auf natürlichem Weg nicht stark durch Antikörper aktivierbar ist, mobilisiert werden“, erläutert Wozniak- Knopp. Dazu werden neue Antikörper entwickelt, welche die zum angeborenen Immunsystem gehörenden T-Zellen dazu bringen, ihr Verhalten zu ändern und sich in den Dienst des zellulären Immunsystems zu stellen. In der Forschungseinrichtung werden auch mithilfe von computergestützter molekularer Modellierung Moleküle mit neuartigen Architekturen designt, die erkrankte Zielzellen nicht nur spezifisch erkennen und binden können, sondern auch um neuartige Funktionen erweitert sind. Ein Beispiel sind sogenannte Toxin- Konjugate, bei denen Antikörper mit Zytostatika gekoppelt sind. „Auf diese Weise können toxische Stoffe punkt­ Modell eines modifizierten Antikörpers, der eine zusätzliche Bindungsspezifität aufweist, sich aber gleichzeitig strukturell von dem Ursprungsmolekül nur wenig unterscheidet. den von Antikörpern und Antikörperfragmenten als Quelle möglicher interessanter Moleküle angelegt. Diese werden dann mittels sogenannter Displaysysteme auf ihre Bindungseigenschaften oder ihre biologische Aktivität in Bezug auf ein bestimmtes Antigen gescreent. So ein Displaysystem ist in vielen Fällen nichts Mechanisches, sondern ein Organismus. Den Wiener Forschern dient neben einem gut etablierten Phage- und Saccharomyces-Oberflächendisplay die Hefeart Pichia pastoris als Plattform für Selektion von Antikörpern gegen relevante Antigene. „Am Schluss bleiben ein paar Antikörper übrig, die dann erst in vitro auf ihre biologischen Eigenschaften getestet werden“, erklärt Wozniak- Knopp: „Gesucht werden Rezeptor- Agonisten, Rezeptor-Antagonisten oder Verbindungen, die einen Liganden verdrängen.“ Wozniak- Knopp hofft, dass aus jedem Forschungsbereich ihres Labors – Modifikation von T-Zell-Rezeptoren, T-Zell-Rekrutierung und Toxin-Konjugate – zumindest ein Molekül entsteht, das als ernst zu nehmender Kandidat für einen Wirkstoff infrage kommt. Die weitere Forschung wird dann allerdings nicht mehr am CD- Labor stattfinden, sondern bei den Unternehmenspartnern (in diesem Fall Merck und F-star), deren Einbindung zum Prinzip der Christian- Doppler-Forschungsgesellschaft gehört. ❙ 3/17 CC clinicum 35

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