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CliniCum 03/2017

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Der Arzt als

Der Arzt als Führungskraft ... Soft Skills sind ein essenzieller Bestandteil jeder Job Description ❙❙ Mit dieser Ausgabe startet Clini­ Cum eine neue Serie unter dem Titel „Soft Skills in der Medizin“. Der Begriff „Soft Skills“ subsumiert all jene Fähigkeiten, die ergänzend zum Fachwissen sowie zur technischen Kompetenz und den praktischen Fertigkeiten benötigt werden, um als Führungskraft im Krankenhaus erfolgreich zu sein. Kommunikationsfähigkeit gehört ebenso dazu wie Eigenverantwortung oder etwa die Fähigkeit, sich selbst und andere zu motivieren. Der Begriff „Soft“ hat in diesem Zusammenhang aber auch gar nichts mit weich, sanft oder gar schwach zu tun, ganz im Gegenteil. Soft Skills zu beherrschen und zu beherzigen bedeuten nichts anderes, als sich selbst und andere zu „führen“ – und zwar führen im besten Sinn des Wortes: Engagement, Eigeninitiative und Eigenverantwortung der Mitarbeiter werden gefördert, anstatt deren Arbeitseinsatz mittels hierarchischem Druck zu „erpressen“. Ziel ist eine intrinsische Motivation zur Selbstverwirklichung jedes Einzelnen in seiner beruflichen Tätigkeit. Dafür müssen Kompetenzen entwickelt, Freiräume geschaffen und Verantwortung delegiert werden. In diesem Sinne sind Führungskräfte, die über Soft Skills verfügen, keine „Softies“, sondern Vorbilder, an denen sich Mitarbeiter orientieren und denen sie nacheifern können. Buchtipp zum Führen: Atilla Vuran, Stefan Jockenhövel: „Arzt sein heißt scheitern – Führen im Gesundheitswesen: klar, einfach, effizient“ Atilla Vuran: „Wir haben festgestellt, dass junge Mediziner kaum auf die Führungsaufgaben in ihrem Beruf vorbereitet werden. Mit diesem Buch möchten wir allen, die im klinischen Alltag mit Führung zu tun haben, das einfach verständliche System „Leading Simple“ direkt zugänglich machen.“ Prof. Dr. Wolfgang Jockenhövel: „‚Leading Simple‘ ist keine Masche, um Mitarbeiter kurzzeitig zu Höchstleistungen zu pushen. Es baut auf Nachhaltigkeit und Transparenz. Gerade weil der Arztberuf komplex ist – wirtschaftlich, humanitär und im Anspruch, erfolgreich zu sein –, sollte das Führungssystem einfach sein.“ Hardcover, 192 Seiten, ISBN: 978 – 3 – 7664 – 9939 – 4 2. unveränderte Auflage Detailinfos unter: https://www.arzt-sein-heisst-scheitern.de/ Gedanken – Sprache – Gefühle Für das Personalmanagement steht daher längst außer Frage, dass die Beherrschung von Soft Skills zum selbstverständlichen Instrumentarium jeder Führungskraft gehören muss – über alle Ebenen und Hierarchien hinweg. Intradisziplinär führen, interdisziplinär kooperieren oder multiprofessionell zusammenarbeiten – überall dort, wo Menschen auf Menschen treffen, Ärzte auf Patienten, Ärzte auf Ärzte, Ärzte auf Pflegekräfte, Pflegekräfte auf andere Gesundheitsberufe, Ärzte auf Betriebswirte, Ärztevertreter auf Sozialversicherungen, Krankenhausmanager auf politische Entscheidungsträger (die Liste ließe sich endlos fortsetzen), gehört die Beherrschung von Soft Skills inzwischen zur unverzichtbaren Job Discription. So weit die Theorie. In der täglichen Praxis ist diese Selbstverständlichkeit vielerorts allerdings noch nicht so richtig angekommen. Hierarchische Führungsmodelle sind gerade auch im klinischen Setting immer noch weit verbreitet. Praktische Umsetzungstipps Mit der neuen Serie wollen wir nicht nur neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Entwicklungen beschreiben, sondern auch das Bewusstsein für die Bedeutung der Soft Skills für den Erfolg der täglichen Führungsarbeit stärken. In den kommenden Ausgaben wird die Psychologin und Medizinredakteurin Mag. Christina Lechner mit Unterstützung namhafter Experten wesentliche Soft Skills aufbereiten und dazu jeweils auch gleich konkrete Umsetzungstipps für die tägliche Praxis mitliefern. Im ersten Teil widmet sich Lechner gemeinsam mit dem Kommunikationswissenschafter, Motivationspsychologen und Buchautor Mag. Dr. Jörg Zeyringer der Fähigkeit zur eigenen Emotionskontrolle. ❙ Fotos: andresr/iStock, og-vision/iStock, ChrisGorgio/iStock, Angel_1978/iStock, Privat 42 clinicum CC 3/17

... Teil 1: Gefühle zielorientiert einsetzen Emotionsmanagement und Selbstregulation Machen Ihnen mitunter negative Gefühle den Alltag schwer und beeinträchtigen sie Ihre Konzentration? Wenn negative Gedanken und Gefühle Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit gefährden, helfen gezielte Techniken der Selbstregulation! Von Mag. Christina Lechner in Zusammenarbeit mit Mag. Dr. Jörg Zeyringer ❙❙ Die Fähigkeit, Gefühle regulieren zu können und zielorientiert einzusetzen, gilt als ein grundlegendes Element mentaler Stärke – eine Qualifikation, die nicht nur im Spitzensport als das A und O des Erfolges gilt, sondern überall in Führungspositionen benötigt wird. Emotionen mithilfe einer guten Selbstregulation gleichsam zu verwalten heißt aber nicht, den negativen Teil des Gefühlsspektrums auszuschalten: alle Gefühle – angenehme genauso wie unangenehme – haben eine wichtige Funktion. Sie sind gewissermaßen Botschaften an uns selbst, sie sind Gradmesser unserer momentanen Befindlichkeit und beeinflussen ganz entscheidend unser Denken und Verhalten. Im beruflichen Kontext wird eine „Positiv-negativ-Gefühlsrelation“ von zumindest 3:1 als günstig angesehen. Diese als „Losada-Rate“ bezeichnete Zahl lässt sich anhand der Verteilung positiver und negativer Elemente in der Kommunikation in Teams errechnen, und sie verweist zugleich auf die Effektivität. Teams mit Raten von mehr als 3:1 erreichen eher ihre Ziele, und den Mitarbeitern geht es deutlich besser als in Teams mit einer Rate von unter 3:1. Gedanken – Sprache – Gefühle Kommunikation und Gedanken stehen tatsächlich in engem Wechselspiel mit Gefühlen: Doch worüber reden wir mehr: über positive oder über negative Erlebnisse? Gejammert wird gerne, das Gute wird hingegen als selbstverständlich vorausgesetzt. Probieren Sie einmal, die guten Erlebnisse mehr zum Gesprächsthema zu machen als Dinge, die gerade nicht funktionieren! Mag. Dr. Jörg Zeyringer ist Kommunikationswissenschafter und Motivationspsychologe; www.zeykom.at Emotionskontrolle nach dem Ampelprinzip Emotionen lassen sich mithilfe einer gedanklichen Ampel als hilfreich, möglicherweise störend oder kontraproduktiv einordnen. Über die Schaltstelle der Gedanken und unter Zuhilfenahme konkreter kleiner, für andere „unsichtbarer“ Verhaltensweisen gelingt es, sie situationsspezifisch anzupassen. Mit guter Kommunikation, die aber auch nichts „schönredet“, und mehr noch mit guten und hilfreichen Gedanken lässt sich eine negative Gefühlsspirale bremsen. Voraussetzung ist jedoch, sich seiner Gedanken und Äußerungen bewusst zu werden, sie vielleicht aufzuschreiben und in Ruhe situationsangepasste Ersatzgedanken zu definieren und zu trainieren. Genauso lernen Leistungssportler, sich mit widrigen Wettkampfbedingungen oder Angstgegnern zu arrangieren. Emotionen, die eigenen wie die anderer Personen, zu erkennen, zu verstehen und zu nutzen ist übrigens die Basis emotionaler Intelligenz, die heute als Eckpfeiler der Soft Skills von Führungskräften angesehen wird. ❙ Buchtipp: Dr. Jörg Zeyringer: „Vom Traum zum sportlichen Erfolg“ (Haufe) mit konkreten Übungen zur Emotionsregulation. Grün: Alles ok, meine Emotion passt zur aktuellen Situation. Die leichte Anspannung vor einer wichtigen Besprechung kann durchaus als passend eingestuft werden, sie sorgt vielleicht sogar für den nötigen Adrenalinschub und damit für Ausdauer und Aufmerksamkeit. Gelbes Blinklicht: Achtung, es geht in eine unerwünschte Richtung! Überschwängliche Freude über ein privates Ereignis senkt möglicherweise die Aufmerksamkeitsschwelle und macht fehleranfällig, genauso wie hochkommender Ärger über Kollegen. Jetzt heißt es, rasch regulierend einzugreifen, am besten durch einen konkreten Selbstbefehl wie: „Vorsicht, meine Gefühle sagen mir, ich muss mich jetzt konzentrieren und gut bei der Sache bleiben.“ Damit holen Sie sich gedanklich und emotional in das „Hier und Jetzt“ zurück. Bei Rot ist sofortiges Reagieren gefordert, denn der emotionale Zustand bereitet den Boden für unangepasstes Verhalten! Hilfreich ist ein tiefes Durchatmen oder besser ein kurzes Stopp-Ritual wie etwa mit den Fingerspitzen auf die Tischplatte klopfen und zugleich kräftig ausatmen. Idealerweise wird das im „Trockentraining“ erprobte Stopp-Ritual von einem hilfreichen Gedanken begleitet, der z.B. „Gefühle zügeln und bei der Sache bleiben“ lautet. Eine ebenso hilfreiche Kurzvariante der Gefühlsregulation ist die „STOPP-&-WEITER-TECHNIK“. Negative Gedanken und damit negative, störende Gefühle herrschen vor? Denken Sie an das Stopp- Schild, und holen Sie aktiv hilfreiche Gedanken hervor. Wenn in der Mitte einer herausfordernden Woche negative Gedanken wie „noch drei Tage“ oder „ich kann nicht mehr“ auftauchen, dann ersetzen Sie diese z.B. durch: „In den letzten zwei Tagen habe ich so viel weitergebracht – jetzt schaffe ich den Rest der Woche auch noch.“ 3/17 CC clinicum 43

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