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CliniCum 03/2017

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Pflege-Management-Forum

Pflege-Management-Forum Koordination, Kooperation, Kommunikation Vor dem Hintergrund der aktuellen Ausbildungsreform wurde am diesjährigen Pflege-Management-Forum zwei Tage lang intensiv über die Konsequenzen, neue Herausforderungen und veränderte Rahmenbedingungen für die diplomierte Pflege diskutiert – etwa darüber, wie die Politik angesichts massiver demografischer Veränderungen mit den sich zunehmend verknappenden finanziellen und personellen Ressourcen in Medizin und Pflege zukünftig umzugehen gedenkt. Von Volkmar Weilguni ❙❙ Ein persönlicher Eindruck des Autors sei diesem Bericht vorangestellt: Auch bei dieser Veranstaltung wurde wieder einmal augenscheinlich, dass die personell mit Abstand größte Gruppe der Gesundheitsberufe nach wie vor um ihre Anerkennung als gleichberechtigter, kompetenter Gesprächs- und Verhandlungspartner im heimischen Gesundheitswesen kämpft und dabei um die offensichtlich nach wie vor fehlende interne Einheit des Berufsstandes ringt. Immer wieder appellierten die Referenten und Diskutanten an die Teilnehmer, sich die eigene Stärke bewusst zu machen, sich von den Verhandlungspartnern nicht auseinanderdividieren zu lassen. Nur so könne das Ziel erreicht werden, irgendwann tatsächlich als Dialogpartner auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden, von den politischen Entscheidern ebenso wie von den Arbeit- und Geldgebern und vor allem von den Ärzten. Gesundheitsberuferegister kommt bis 2020 Die Akademisierung der Pflege mit ihrer dreistufigen Ausbildungsreform (GuGK-Novelle) soll einen wichtigen Schritt am Weg zu mehr Standesbewusstsein darstellen. Einen noch größeren Schub erwarten sich die Verantwortlichen allerdings vom Gesundheitsberuferegister-Gesetz (GBRG), ÖGKV-Präsidentin Ursula Frohner (2.v.r.) diskutierte mit Martin Schaffenrath (Hauptverband), Eva-Maria Kernstock (GÖG), Kornelia Fiausch und Ärztekammer- Vizepräsident Karl Forstner (v.l.n.r.) über die Konsequenzen der jüngsten Gesetzesnovellen für die Pflege. das im Vorjahr zeitgleich mit der GuGK-Novelle beschlossen wurde. Viele Jahre hatte Ursula Frohner leidenschaftlich darum gekämpft. Zwischenzeitlich an Don Quijote erinnernd hat die Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes (ÖGKV) ihr Ziel endlich erreicht. Die Eintragung in das neue Register ist für alle Angehörigen der Gesundheits- und Krankenpflegeberufe verpflichtend. Die Eintragsfrist startet im Juli 2018 und endet am 30. Juni 2019. Mit 1. Jänner 2020 soll dann ein Register vorliegen, das neben Physiotherapeuten, Biomedizinischen Analytikern, Radiologietechnologen, Diätologen, Ergotherapeuten, Logopäden und Orthoptisten auch alle aktiven diplomierten Gesundheits- und Krankenpfleger, alle Pflegefachassistenten sowie alle Pflegeassistenten umfasst. Damit wird es dann erstmals einen Überblick über Anzahl und Qualifikation des Berufsstandes geben. Das wird nicht nur die Qualitätssicherung und Transparenz verbessern, sondern eine fundierte Bedarfsplanung überhaupt erst möglich machen. Noch viel Entwicklungsarbeit erforderlich „Wir haben unsere ersten Hausaufgaben gemacht“, zeigt sich Präsidentin Frohner mit dem bisher Erreichten durchaus zufrieden: „Wir haben eine Ausbildungsreform auf den Weg gebracht, die den Herausforderungen entspricht, uns aber auch genug Zeit Fotos: Thomas Magyar 10 clinicum CC 3/17

gibt, um die enormen Änderungen in die Tat umzusetzen.“ Dazu sei jetzt aber noch viel „Entwicklungsarbeit“ zu leisten, viel Dialog erforderlich, innerhalb der Gesundheitsberufe ebenso wie mit den Entscheidungsträgern. Dialog auf Augenhöhe findet derzeit nicht statt Um die von der Politik angestrebte Umorientierung des spitalslastigen Versorgungssystems sowohl in der Akut- wie der Langzeitpflege zu bewerkstelligen, müsse ein entsprechendes Angebot in der niedergelassenen Pflege aber erst einmal entwickelt werden, weiß Frohner. Hier sei man bislang über „erste kleine Schrittchen“ nicht hinausgekommen. Dazu sei ein „Dialog auf Augenhöhe mit den Zahlern“ erforderlich, der „derzeit aber nicht stattfindet. 65 Prozent der Gesundheitsberufe haben heute kein Mitspracherecht, etwa bei Beitragsverhandlungen und Honorierungen.“ Frohner fordert die Zahler daher auf, sich „zu überlegen, wie sie die Versorgungsleistung Pflege zukünftig bewerten wollen“. Lippenbekenntnisse seien ihr da jedenfalls zu wenig, denn „aus Erfahrung wissen wir, dass unter Pflege alles hineinkommt, was nirgendwo sonst hineinpasst. Daher hätten wir schon gerne eine konkrete Festlegung, welche Rolle Pflege zukünftig spielen soll.“ In der Steiermark jedenfalls sei die zentrale Rolle der Gesundheits- und Krankenpflege bereits im „Steirischen Gesundheitsplan 2035“ festgeschrieben worden, versichert Gesundheitslandesrat Mag. Christopher Drexler. In diesem „von allen Berufsgruppenvertretungen goutierten Papier“ seien die „Versorgungsstrukturen in der Steiermark für die nächsten 20 Jahre neu gedacht worden“. Und diese basieren laut Drexler auf einer „ebenso hochqualifizierten wie umfassenden Pflege“. Personalschlüssel wird Versorgungsqualität entscheiden Letztendlich entscheidend für die Finanzierung der Pflege ebenso wie für deren Qualität wird am Ende der Personalschlüssel sein, den die „Zahler“ dem neuen dreistufigen Ausbildungskonzept mit Diplomierter Pflege, Pflegefachassistenz und Pflegeassistenz zugestehen werden. Salzburg wird sich vorerst jedenfalls auf keinen verpflichtenden Schlüssel Workshop der Nachwuchsführungskräfte 9. Pflege-Management-Forum, Wien, 2.–3.3.17 Am Forum wurden auch die Ergebnisse eines Workshops präsentiert und anschließend mit den politischen Vertretern diskutiert, in dessen Rahmen 17 Studierende oder Jungabsolventen der Diplompflegeausbildung über essenzielle Zukunftsfragen ihres Berufsstandes nachgedacht und entsprechende Forderungen formuliert hatten. für die Landeskliniken, Pflegeeinrichtungen und die mobile Pflege festlegen. Lieber versucht man, im Rahmen zahlreicher kleiner Pilotprojekte einen vernünftigen Kompromiss zwischen Qualität und Kosten zu finden. „Wir sind das einzige Bundesland, das keinen fixen Personalschlüssel gesetzlich vorgibt“, bestätigt der Salzburger Landesrat für Soziales und Pflege Dr. Heinrich Schellhorn. Man wolle den einzelnen Häusern hier größtmögliche Entscheidungsfreiheit lassen. Ob diese Autonomie angesichts des im Finanzausgleich festgelegten Kostendämpfungspfads von 4,6 Prozent Steigerungs-Obergrenze in der Pflege tatsächlich hält, wird abzuwarten sein. Auch Ärztekammer-Vizepräsident Dr. Karl Forstner verspricht der Pflege einen offenen Dialog seitens der Ärzteschaft, wie die „Zusammenarbeit der Gesundheitsdiensteanbieter“ zukünftig besser organisiert werden könnte. Es brauche dabei „mehr Koordination, mehr Kooperation, mehr Kommunikation“, ist Forstner überzeugt: „Entweder werden wir die Zusammenarbeit positiv gestalten oder wir werden scheitern.“ Dazu werde es angesichts der zunehmenden Arbeitsteilung aber notwendig sein, die „Entscheidungsfähigkeit in den Kompetenzhorizonten der Gesundheitsberufe“ insgesamt zu stärken. Gleichzeitig müsse man sich aber auch verstärkt der Frage widmen, wie man mit der derzeit „chaotische Situation“ seitens der Leistungsempfänger umzugehen gedenkt. „Wenn die Politik das nicht rasch aufgreift in Richtung Lenkung, dann wird das Sys tem an die Wand fahren“, so die abschließende Prognose Forstners. ❙ Forderungen der Studierenden Themenblock 1: Konsequenzen der jüngsten Ausbildungsnovelle auf die Versorgungsstrukturen • Klarer Fokus auf eine umfassende Information des Pflegepersonals, um ihm vorhandene Unsicherheiten und Ängste zu nehmen und die Tätigkeiten bzw. Verantwortlichkeiten im Team klar festzuschreiben und abzugrenzen. • Stärkung des Fortbildungsangebots, um Kompetenz und Sicherheit zu erhöhen und gleichzeitig dem verbreiteten Wunsch nach „Evidence Based Nursing“ besser entsprechen zu können. Dafür müssen auch entsprechende Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. • Notwendigkeit einer späteren Evaluierung von Personalbedarfsplanung und Personalmanagement, um festzustelle, ob die Umstellung in den einzelnen Abteilungen funktioniert hat und sich alle Mitarbeiter ihren Kompetenzen entsprechend eingesetzt fühlen. Themenblock 2: Neue Herausforderungen für die Pflege • Teamwork, Beziehungsmanagement und Kommunikation zwischen den einzelnen Teammitgliedern bekommen aufgrund der neuen Personalstruktur einen noch größeren Stellenwert. Gleiches gilt für die interdisziplinären Beziehungen im klinischen Routinebetrieb. Die dafür benötigten Soft Skills gilt es zu entwickeln und zu schulen. • Ein österreichweit einheitliches Curriculum, damit „das Team auch Bescheid weiß, was von neuen Teammitglieder zu erwarten ist“. Themenblock 3: Rahmenbedingungen für das Pflegepersonal • Das wertvollste Gut für das Pflegepersonal ist Zeit. Zeit, die benötigt wird, um „vertrauensvolle Pflegebeziehungen“ mit den Patienten aufzubauen. • „Patientennahe Tätigkeiten“ dürfen bei der neuen Aufgabenverteilung für die Diplomierte Pflege „nicht zu kurz kommen“. • Die Delegation gewisser Tätigkeiten schafft einen Freiraum, den die Diplomierte Pflege nützen sollte, um sich stärker als bisher den Themen Prävention und Gesundheitsförderung zu widmen. 3/17 CC clinicum 11

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