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CliniCum 10/2017

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26 l CliniCum 10/2017 l MEDIZIN & FORSCHUNG Patientensicherheit „Ich bin mir nicht sicher, ob das stimmt“ Mit der Initiative „Speak Up!“ möchte die Österreichische Plattform Patientensicherheit Mitarbeiter im Gesundheitswesen dazu motivieren, mögliche Fehler anzusprechen – über Hierarchien und Berufsgruppen hinweg. Von Mag. Michael Krassnitzer, MAS ❯❯ Mitarbeiter im Gesundheits bereich werden immer wieder Zeugen von Fehlern oder Beinahe-Fehlern, wagen aber nicht, diese anzusprechen – aus Angst vor sozialen oder dienstrechtlichen Sanktionen. „Gerade junge Ärzte, die noch nicht betriebsblind sind, nehmen oft Fehler wahr, trauen sich aber nicht, etwas zu sagen“, spricht Dr. Brigitte Ettl, Ärztliche Direktorin des Krankenhauses Hietzing und Präsidentin der Österreichischen Plattform Patientensicherheit, aus Erfahrung. Ähnliches weiß DGKS Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbands, zu berichten: „Beim Verbinden einer Wunde fällt es möglicherweise der Pflegerin auf, dass der Wundverband an einem unsterilen Gegenstand streifte oder dass das Bestehen einer Allergie auf ein bestimmtes Medikament übersehen wurde.“ „Speak Up!“ Im Rahmen der Aktionswoche anlässlich des 3. Internationalen Tags der Patientensicherheit präsentierte die Plattform Patientensicherheit ein Programm, um die Kommunikation unter Kollegen der Gesundheitsberufe – über Berufsgruppen und Hierarchiestufen hinweg – zu verbessern: die Initiative „Speak Up!“. „Es geht darum, zu reagieren und sich gegenseitig anzusprechen, wenn die Sicherheit von Patienten oder Mitarbeitern gefährdet ist oder gefährdet scheint“, erklärt Ettl. Auch Patienten und Angehörige sollten sensibilisiert und motiviert werden, Auffälligkeiten und Missstände anzusprechen. Fehlerkultur Gute Kommunikation im Gesundheitswesen beinhalte auch einen offenen Umgang mit Fehlern, unterstreicht Ettl. Dies erfordere Wertschätzung, ein gemeinsames Herangehen an gute Lösungen, offene Türen sowie 10 Tipps für den klinischen Alltag Um Fehler zu vermeiden, die auf schlechter Kommunikation im Team bzw. zwischen Berufsgruppen beruhen, hat die Plattform Patientensicherheit zehn konkrete Tipps formuliert: •Beschreiben Sie die Situation, wie Sie sie wahrnehmen. („Es wurde das linke Knie angezeichnet, in der Krankengschichte steht aber das rechte.“) •Sprechen Sie den Gesprächspartner mit Namen an, und stellen Sie Blickkontakt her. •Verwenden Sie Ich-Aussagen, keine Du-Formulierungen, und bringen Sie die eigene Sorge zum Ausdruck („Ich bin mir nicht sicher, ob das stimmt“). •Bieten Sie einen konkreten Plan oder Lösungsvorschläge an und beziehen Sie das Gegenüber mit ein („Ich schlage vor, dass wir das überprüfen“). •Fragen Sie nach, ob Ihr Einwand Gehör findet („Haben Sie meinen Einwand gehört?“). •Nutzen Sie im Team abgesprochene Codewörter und Gesten. •Reagieren Sie situationsbezogen (das direkte Reichen des Desinfektionsmittels). • Bleiben Sie hartnäckig, sollte auf Ihren Einwand nicht eingegangen werden. •Regen Sie eine Nachbesprechung der Situation an •Geben Sie als Führungskraft Ihrem Team Rückendeckung. Raum und Zeit für Gespräche, Reflexionen und Diskussionen. „Damit diese offene Form der Kommunikation in der Praxis auch tatsächlich funktioniert, muss sie täglich gelebt werden“, betont die Präsidentin der Plattform Patientensicherheit: „Dafür haben Führungskräfte zu sorgen.“ CIRSmedical Als Vorbild für das Ansprechen von Fehlern und Beinahe-Fehlern im Gesundheitsbereich wurde bei der Präsentation von „Speak Up!“ das Fehlerberichts- und Lernsystem CIRSmedical genannt. Diese von der Österreichischen Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin (ÖQMed) betriebene Plattform gibt allen Beschäftigten im Gesundheitswesen – und seit Kurzem auch Patienten und Angehörigen – die Möglichkeit, Fehler, Beinahe-Schäden, entdeckte Risiken sowie kritische bzw. unerwünschte Ereignisse zu melden. Diese Berichte werden dann mit Fachexpertisen und Lösungsvorschlägen veröffentlicht. Teamwork Die Auswertungen der Meldungen an CIRSmedical haben gezeigt, dass der Faktor Kommunikation bei rund 43 Prozent der bislang 501 veröffentlichten Berichte verantwortlich für kritische Ereignisse war. „Wie unsere Analyse ergab, wären von den 214 berichteten Fällen, in denen eine schlechte Kommunikation ein beitragender oder auslösender Faktor war, 21 Prozent durch ein gelebtes Teamwork im Sinne von ,Speak Up!‘ wahrscheinlich vermeidbar gewesen“, analysiert Dr. Artur Wechselberger, MBA, MSc, Leiter des Referats für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement der Österreichischen Ärztekammer. ❮❮ Pressekonferenz „Speak Up! Wenn Schweigen gefährlich ist“, Wien, 20.9.2017 Foto: tirol kliniken/Seiwald

MEDIZIN & FORSCHUNG l CliniCum 10/2017 l 27 Foto: Grösel-Grafik Hemikolektomie rechts Neue OP-Techniken Mikrolaparoskopie und moderne Bergetechniken tragen zur Optimierung des onkologischen Ergebnisses bei rechtsseitigen Dickdarmkarzinomen bei. Sichere OP-Methode bei Darmkrebs ❯❯ Anders als in vielen europäischen Ländern werden in Österreich immer noch zwei von drei Patienten mit Kolonkarzinom mit offener Operationstechnik behandelt. Internationaler Standard bei rechtsseitigen Dickdarmkarzinomen ist inzwischen allerdings eine komplette mesokolische Exzision (CME) mit zentraler vaskulärer Ligatur (CVL) in Reduced- Port-Technik. Diese sei bei entsprechender Erfahrung des Operateurs sowie laufend optimierter Tools wie flexibler Ports wie dem Octoport, spezieller Ultraschallscheren und Klammernahtgeräten inzwischen mehr oder weniger ohne Blutverlust möglich, erläutert Prim. Univ.-Doz. Dr. Andreas Shamiyeh, Vorstand der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Kepler Universitätsklinikum in Linz. Wichtig sei dabei auch die Operationsvorbereitung. Patienten würden schon Tage bis Wochen vor dem Eingriff mit blutbildenden Nährstoffen vorbereitet, um später die Gabe von Blutkonserven möglichst hintanzuhalten. Die schichtgerechte Vorgangsweise bei der kompletten mesokolischen Exzision hat letztlich auch direkten Einfluss auf die Nachhaltigkeit des Ergebnisses, so Shamiyeh. Auf diese Weise ist es leichter möglich, das tumortragende Darmsegment „möglichst radikal samt dem notwendigen anhängenden Gewebe zu entfernen. Aufgrund der bisherigen guten Erfahrungen führen wir die CME in der beschriebenen Weise am Kepler Universitätsklinikum bereits standardmäßig durch.“ Am Kepler-Universitätsklinikum werden jährlich rund 370 Darmoperationen durchgeführt. Noch lägen keine Langzeitergebnisse vor, heißt es in einer Aussendung, „erste, erfolgversprechende Studien, die einen deutlich besseren onkologischen Erfolg und eine geringere Mortalitätsrate im Vergleich zur bisherigen Standard- Hemikolektomie zeigen“, seien aber derzeit im Laufen. Auch im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg setzt man seit Jahren auf Mikrolaparoskopie, speziell auf Single-Port- Techniken, die man schon über 4.500-mal bei Kolezystektomien, Hernienbrüchen und auch bei Eingriffen am Kolon durchgeführt hat. Die Zugangstechnik über einen einzigen, etwa 2cm langen Schnitt im Nabelbereich gilt derzeit als schonendste laparoskopische Methode, berichtet Prim. Prof. Univ.-Doz. Dr. Helmut Weiss, Vorstand der Chirurgie der BHB Salzburg. ❮❮ Quelle: Chirurgischen Fachtagung „Viszeralmedizin“, Linz, 28.–29.9.17 Colidimin 200mg Colidimin 400mg Fachkurzinformation siehe Seite 36 GPB.COL 160502 Zur [lokalen] antibiotischen Therapie im Darm Coli di min ® Rifaximin

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