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CliniCum 10/2017

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28 l CliniCum 10/2017 l MEDIZIN & FORSCHUNG Patient Blood Management Optimales Anämie-Management Bei Patienten mit blutungsriskanten Operationen stellt die Anämie einen wichtigen Prädiktor für Morbidität und Mortalität dar, weswegen der Diagnostik und suffizienten Therapie der Anämie prä- und postoperativ eine immer größere Bedeutung zukommt. Von Katharina Miedzinska, MSc ❯❯ Das Patient-Blood-Management- (PBM)-Konzept basiert auf drei unterschiedlichen Säulen: Optimierung der Hämatopoese, Minimierung des Blutverlusts und Ausnützung der Anämietoleranz mit strenger Indikationsstellung zur Transfusion. Präoperativ wird im Rahmen der ersten Säule empfohlen, dass ein Anämie- Screening frühzeitig durchgeführt, die Ursachen für die Anämie ergründet und Mängel (Eisen, Folsäure, Erythropoetin (EPO), Vitamin B 12 ) suffizient behandelt werden. Die empfohlenen Einzelmaßnahmen des PBM sind evidenzbasiert, erscheinen auf den ersten Blick leicht umsetzbar und haben sich in einigen Krankenhäusern bereits in unterschiedlichem Ausmaß etabliert. Nichtsdestotrotz schaffen es nicht alle Krankenhäuser, das PBM-Konzept auszuschöpfen, wobei besonders die erste Säule häufig nicht regelkonform umgesetzt wird. „Vor allem Fälle, in welchen eine Anämie verspätet diagnostiziert wird, können eine Herausforderung darstellen, da es vonseiten chirurgischer Disziplinen häufig als notwendig erachtet wird, die Operation trotz Anämie durchzuführen. Das PBM-Konzept ist in hohem Maße multimodal und als solches im präoperativen Setting nur unter intensiver interdisziplinärer Zusammenarbeit erfolgreich umsetzbar“, erläutert OA Dr. Martin Reichmayr, Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie im Krankenhaus Hietzing: „Aus dem PBM-Konzept geht hervor, dass eine Anämie eine Kontraindikation für eine elektive Operation darstellt. Allerdings sind wir nicht nur mit elektiven Eingriffen, sondern häufig auch mit Akutsituationen konfrontiert. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie eine Anämie abgeklärt und behandelt werden soll und welche Rolle die späte Eisengabe in Hinblick auf ein optimales Anämie- Management spielt.“ Zentrale Bedeutung von Eisen Das Element Eisen ist vor allem für seine wichtige Rolle bei der Blutbildung und beim Sauerstofftransport bekannt, gleichzeitig ist es essenzieller Bestandteil zahlreicher sauerstoff- und elektronenübertragender Wirkgruppen. Eisen ist ein Zentralatom im Porphyringerüst von Hämoglobin (Hb) und Myoglobin sowie Bestandteil der Cytochrome und der Mitochondrien. Als Co-Faktor für die Funktion verschiedener Enzyme ist Foto: baranozdemir/GettyImages

es an unterschiedlichsten Reaktionen beteiligt, darunter z.B. NADH- und Succinat-Dehydrogenase sowie Cytochrom-c-Reduktase (Komplex I, II, III der Atmungskette), Xanthinoxidase (Nukleotidmetabolismus), Dihydropyrimidin-Dehydrogenase (Aminosäuresynthese) und Lipoylsynthase (Proteinmodifizierung). Reichmayr: „Diese und andere Reaktionen sind bei einer Anämie beeinträchtigt, was das Outcome einer Operation verschlechtert. Mit der intravenösen Verabreichung von Eisen wird einerseits ein sofortiger Effekt erzielt, da dadurch wieder Eisen für unterschiedliche enzymatische Reaktionen zur Verfügung steht, andererseits zeigt sich ein verzögerter Effekt, da es etwa sechs Tage nach Eisengabe zur Bildung von Erythrozyten durch das erythropoetische Knochenmark kommt.“ Auch immunologisch übt Eisen multiple Effekte aus, allen voran auf die Proliferation und Differenzierung von Immunzellen und die Aktivität von Immuneffektor-Mechanismen. „In einer Vielzahl von Studien konnte gezeigt werden, dass die optimale präoperative Versorgung mit Eisen mit einer Reduktion von postoperativen Komplikationen und Infektionen einhergeht“, so Reichmayr. Aktuelle Guidelines Aus den britischen NICE(National Institute for Health and Care Excellence)- Guidelines 2017 1 geht hervor, dass Patienten mit Eisenmangelanämie vor und nach einem chirurgischen Eingriff Eisen verabreicht bekommen sollen, bestätigt Reichmayr: „Die Guidelines sind in diesem Zusammenhang sehr deutlich. Die Eisengabe wird nicht angeraten, sondern ausdrücklich vorgegeben.“ Ähnliches wird in einem internationalen Consensus Statement für das perioperative Management der Anämie und des Eisenmangels 2 empfohlen. Dem daraus zu entnehmendem Algorithmus zufolge ist ein präoperativer Hb-Wert

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