Aufrufe
vor 1 Jahr

CliniCum 10/2017

  • Text
  • Patienten
  • Wien
  • Medizin
  • Clinicum
  • Therapie
  • Behandlung
  • Gesellschaft
  • Erkrankungen
  • Wiener
  • Forschung

40 l

40 l CliniCum 10/2017 l INFRASTRUKTUR & SERVICE Eine der zwei Rohrpost-Verteilerzentralen im neuen Krankenhaus Nord. Acht Kilometer an Rohren wurden montiert, aufgeteilt in 37 Standard-Linien, vier Mehrhülsen-Linien und zwei direkte Verbindungen zwischen OP-Bereich und Pathologie. Zweier-Linie“, erzählt einer der Sumetzberger-Monteuere. Ganz am Ende ist die Geschichte noch nicht: Die Anlage soll nicht entsorgt, sondern sicherheitshalber aufbewahrt werden. Wohl endgültig im Wiener Technischen Museum gelandet ist die erste große Nutzung dieses Transportsystems: die Briefrohrpost. Bereits im Jahr 1799 unterbreitete der österreichische Erfinder Matthias Zagizek dem Kaiser einen Plan, „mittels einem Rohr einen geschwindten Briefwechsel herzustellen“ – vergeblich. Erst als ein halbes Jahrhundert später London, Paris und Berlin eine Rohrpost bauten, wurde auch in Wien das Interesse für eine „unterirdische pneumatische Postbeförderungsanlage“ geweckt. Diese war dann zwischen 1875 und 1956 höchst erfolgreich in Betrieb, zuletzt mit 82,5 Kilometer Rohrlänge und 53 angeschlossenen Postämtern. Die Rohre aus Präzisionsstahl hatten einen Innendurchmesser von 65mm, die Briefe mussten unter zehn Gramm wiegen und zusammenrollbar sein. Pläne für eine pneumatische Leichenbeförderung Ein Jahr vor der Inbetriebnahme der Rohrpost wurde in Wien der Zentralfriedhof eröffnet. Nicht zentral in Wien, eher peripher. Und so stellte sich die Frage, wie die Verstorbenen effizient und hygienisch zu dieser neuen Ruhestätte überstellt werden können, ohne dabei die Anrainer der Pressburger Reichsstraße (heute Simmeringer Hauptstraße) zu verärgern, die sich ob der bis zu 50 Begräbnisse am Tag über den vielen Pferdemist und den „deprimierenden Eindruck auf das Gemüth“ beschwerten. Es war also naheliegend, dass der Ingenieur Franz Ritter von Felbinger und der Architekt Josef Hudetz der Stadt das Konzept einer „Begräbnishalle mit pneumatischer Förderung für den Central-Friedhof“ unterbreiteten: Eine in der Stadt gelegene Begräbnishalle, die Feierlichkeiten für Katholiken, Protestanten und Juden ermöglicht, und direkt daran angeschlossen eine unterirdische Leichen-Rohrpost zum 4,5 Kilometer entfernten Friedhof mit einer projektierten Reisezeit von zehn Minuten pro Vier-Sarg-Waggon. Eine Zwischen 1875 und 1956 war eine „unterirdische pneumatische Postbeförderungsanlage“ in Wien erfolgreich in Betrieb. 53 Postämter waren angeschlossen, das Rohrsystem umfass te mehr als 80km. Idee, die logistisch hilfreich und technisch umsetzbar gewesen wäre, aber vom Gemeinderat letztendlich aus Pietätsgründen abgelehnt wurde. Bevor Felbinger diesen Spezialtunnel vorschlug, machte er Erkundungsreisen in andere Großstädte. In New York stieß er dabei auf den Beach Pneumatic Transit. Dort hatte der Erfinder Alfred Ely Beach 1869 mit dem Bau einer unterirdischen Rohrpostanlage begonnen und dabei still und heimlich ein weit größeres Rohr gebaut als genehmigt, eine 95 Meter lange Teststrecke für einen pneumatischen Personentransport. 1870 führte er seine kleine U-Bahn vor, scheiterte in den darauffolgenden Jahren jedoch an Politik und Banken. 143 Jahre später, im Jahr 2013, griff der Unternehmer Elon Musk (Tesla Elektroautos) die Idee einer Menschen- Rohrpost wieder auf: 28-Personen- Fahrzeuge, die mit Hochgeschwindigkeit (bis 1.100 km/h!) in teilevakuierten Röhren Städte und Kontinente verbinden. Utopie? Die ersten unbemannten Probefahrten in einer 500 Meter langen Teströhre (3,3m Durchmesser) finden gerade in der Wüste Nevada statt. Bis zu einem wirklichen Einsatz des sogenannten Hyperloops wird es wohl noch dauern. Aber auch Rohrpost-Experte Friedrich findet den Plan nicht unrealistisch: „In 20 Jahren wird niemand mehr darüber reden, da wird man einfach einsteigen und fahren.“ Noch bedeutender könnten solche Röhren seiner Meinung nach für den Gütertransport werden, „weil das wäre dann eine wirklich ökologische Alternative.“ ❮❮ Fotos: Andrea Seidling

MEDIZIN 4.0 l CliniCum 10/2017 l 41 Digitale Hilfe bei Demenz Risiko für Demenzpatienten? Fotos: Ocskaymark/GettyImages, FrankRamspott/GettyImages, Oktay Ortakcioglu/GettyImages Erstmals können Demenzpatienten am Krefelder Klinikum in ihre eigene Vergangenheit reisen. Dazu haben Softwareentwickler eine 360-Grad-Version einer historischen Straßenszene rekonstruiert. Mittels Virtual-Reality-Brille können sich die Patienten umsehen und sich in der Umgebung bewegen. Das Projekt mit dem Titel „Krefeld im Wirtschaftswunder“ wurde von der gemeinnützigen Vereinigung von Spielern und Produktherstellern gemeinsam mit Ärzten und einem Entwicklerteam ins Leben gerufen. Susanna Saxl von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft sieht diese Methode im Rahmen sogenannter Biografie-Arbeit als durchaus sinnvoll. Durch den Versuch, positive Erinnerungen und Lebensfreude zu wecken, könne der Krankheitsverlauf möglicherweise verlangsamt werden. Es bestehe zwar die Gefahr, dass die Patienten durch den schnellen Wechsel zwischen Realität und Fiktion verwirrt würden, man habe jedoch bereits gute Erfahrungen mit anderen virtuellen Spielen gemacht. Der Einsatz sei allerdings nur im frühen Stadium der Krankheit sinnvoll. Außerdem sei es mit dem bloßen Anschauen der virtuellen Umgebung nicht getan, das Wichtigste ist der anschließende Austausch mit anderen Menschen. Durch diese spielerische Form der Therapie werde es zwar ermöglicht, alte Erinnerungen zu wecken und das Vergessen zu verdrängen, so Saxl abschließend, aufgehalten wird die Demenz dadurch allerdings nicht. Quelle: APAMED Pankreaskarzinom-Screening Aufgrund der oftmals späten Diagnose des Pankreaskarzinoms liegt die Fünf-Jahres- Überlebensrate bei nur neun Prozent. Forschende haben nun eine App entwickelt, die es Menschen ermöglichen könnte, durch ein Smartphone-Selfie quasi gescreent zu werden. Die App BiliScreen nutzt eine Smartphone-Kamera, Bilderkennungsalgorithmen und maschinelle Lerninstrumente, um erhöhte Bilirubinwerte in der Lederhaut zu erkennen, bevor der Ikterus für Smartphone als Echoersatz Im Rahmen einer neuen klinischen Proof-of-Concept- Studie wurde aktuell gezeigt, dass eine Smartphone-Kamera effektiv und nicht invasiv detaillierte Informationen über die Herzgesundheit liefern kann. Eine speziell entwickelte, benutzerdefinierte App verwendet neue Technologien, um die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) aus nich t invasiv gewonnenen, intrinsischen Frequenzen (IF) abzuleiten. Diese werden aus Hautverschiebungsgründen in das bloße Auge erkennbar wird. Im Rahmen einer Erststudie mit 70 Personen identifizierte die BiliScreen-App 89,7 Prozent der Fälle korrekt. Der nächste Schritt des Forschungsteams ist Die Zahl an Apps, die für Menschen mit Demenz entwickelt wurden, steigt. Ärzte warnen nun vor Angeboten ohne spezifische Datenschutzrichtlinien, da sie den Datenschutz ihrer Nutzer gefährden können. Das Risiko für eine Verletzung der Privatsphäre ist durch die kognitive Beeinträchtigung bei Menschen mit Demenz erhöht. Daher analysierten Forschende nun alle iPhone-Apps, die mit den Suchbegriffen „medizinisch Wellenform während des kardialen Zyklus erfasst, indem das iPhone an den Hals der Patienten platziert wird. Zur Testung der App unterzogen sich 72 Patienten sowohl einer Kardio-MRT als auch der nicht invasiven Erfassung einer Karotis-Wellenform mithilfe einer iPhone-Kamera. Die Autoren stellten fest, dass die IF-iPhone-Berechnung der LVEF stark mit der im MRT ermittelten LVEF korrelierte. doi: 10.1097/ CCM.0000000000002459 es, die App bei einem breiteren Personenspektrum mit einem Risiko für Ikterus und zugrunde liegenden Erkrankungen zu testen, denn laut Co-Autor Dr. Jim Taylor würde diese relativ kleine Anfangsstudie zeigen, dass die Technologie über Potenzial verfügt. Das Ziel der App sei die rechtzeitige Identifizierung, Operation und Verbesserung der Überlebenschancen für Betroffene. doi: 10.1145/3090085 und Demenz“ sowie „Gesundheit & Fitness und Demenz“ übereinstimmten, und sammelten nutzergenerierte Inhalte. Innerhalb der gefundenen Apps wurden dann die vorhandenen Datenschutzrichtlinien auf Basis von Kriterien evaluiert, um systematisch zu messen, wie mit den Daten von Nutzern verfahren wird. Nur 33 der 72 gefundenen Apps hatten eine Datenschutzrichtlinie. Doch auch darin fehlten sehr viele Informationen. Außerdem bestätigten die meisten die Weitergabe von Nutzerdaten an Drittparteien. Die Studie wurde im „American Journal of Geriatric Psychiatry“ veröffentlicht. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass es einen Bedarf an zusätzlichen Sicherheitsmechanismen gibt und die Kommunikation zum Thema Datenschutz im Sinne des Vertrauens der Verbrauer verbessert werden muss. Dies würde „zu einer breiteren und sinnvolleren Anwendung“ dieser Apps führen. doi: 10.1016/j.jagp.2017.04.009 Alzheimer Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft holte anlässlich des Welt- Alzheimer-Tages das von US-Forschern entwickelte Online-Computerspiel „Stall Catchers“ nach Österreich. Innerhalb dieses Bürger-Wissenschaftsprojektes müssen verstopfte Blutgefäße in Gehirnscans aufgefunden und damit nicht nur Punkte gesammelt, sondern auch Daten für die Alzheimer-Forschung generiert werden. Aus den gesammelten Daten können Forschende der Cornell University Muster zur zerebralen Durchblutung bei Alzheimer-Erkrankung ableiten. Die weltweit bereits 2.500 aktiven Spieler haben bisher schon 40.000 Gehirnscans bearbeitet. Quelle: Ludwig Boltzmann Gesellschaft

ärztemagazin

Medical Tribune