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CliniCum 10/2017

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8 l CliniCum 10/2017 l POLITIK & MEINUNG Form von Personal- und Finanzhoheit. Aber ich möchte schon betonen: Wir haben jetzt eine funktionierende Führung im KAV, drei Leute, die einen hervorragenden Job machen. Szekeres: Die Idee, Budget- und Personalhoheit ins Unternehmen zu geben, ist eine, die wir immer unterstützt haben, auch die Nicht- Privatisierung finden wir gut. Etwas, was uns aber immer Sorge bereitet, ist die Frage, ob das Budget ausreichend ist, um die notwendigen Leistungen erbringen zu können. „Die österreichweiten Ausgaben für Gesundheit sind nicht explodiert, ganz im Gegenteil, sie wachsen sehr langsam, sind niedriger als etwa in Deutschland.“ Dr. Thomas Szekeres Frauenberger: Uns ist durchaus bewusst, dass ein breites Versorgungsangebot in einer wachsenden Stadt auch Geld kostet. Alleine die steigenden Personalkosten oder die steigenden Medikamentenkosten sind große Herausforderungen für uns. Deswegen ja auch das Spitalskonzept, deswegen auch eine Änderung der Rechtsform. Wir müssen im KAV auch weiter in der Kostendämpfung bleiben, um die gute Versorgung gewährleisten zu können. Szekeres: Mich beunruhigt dennoch die Ansage sämtlicher Parteien anlässlich der Nationalratswahlen, wenn ich einen Blick über Wien hinaus machen darf: alle wollen Milliarden einsparen. Einsparungspotenzial scheint aber nur im Pensions-, Sozial- und Gesundheitswesen vorhanden zu sein. Das wünschen wir uns nicht und glauben auch nicht, dass das möglich ist. Es ist ja nicht so, dass wir das Geld für Gesundheit bisher mit beiden Händen ausgegeben haben. Die österreichweiten Ausgaben für Gesundheit sind nicht explodiert, wie manche behaupten, ganz im Gegenteil, sie wachsen sehr langsam, sind niedriger als etwa in Deutschland. Viel diskutiert wird derzeit auch über mögliche Strategien, um die zum Teil völlig überlaufenen Ambulanzen zu entlasten und sie auf ihre gesetzlich geregelten Kernaufgaben zurückzufahren. Kann das in absehbarer Zeit gelingen? Szekeres: Unser gemeinsam von Stadt Wien, Gebietskrankenkasse und Ärztekammer ins Leben gerufene Pilotprojekt einer allgemeinmedizinischen Ambulanz im AKH parallel zur Notaufnahme belegt, dass man schon Maßnahmen setzen kann, die den Ambulanzbetrieb entlasten und dabei gar nicht so teuer sind. Diese allgemeinmedizinische Ambulanz, die vom Funkdienst betrieben wird, entlastet die Notfallambulanz nachweislich um 25 Prozent. Frauenberger: Ja, der Nutzen zeigt sich schon jetzt eindeutig. Es gilt, kreativ und innovativ zu sein, wenn es darum geht, eine Entlastung tatsächlich zustande zu bringen. Da gehören die PHCs ebenso dazu wie die erwähnte allgemeinmedizinische Ambulanz oder etwa die Kinderambulanz im Kaiser-Franz-Josef-Spital. Wir sind außerdem ganz massiv dran, in den Spitälern die zentralen Notaufnahmen gut auszustatten, damit sie nochmals eine Menge abfangen können. Erfolgreich läuft auch das Projekt Gesundheitstelefon 1450. Bei unserer Evaluierung ist herausgekommen, dass mehr als die Hälfte der Anrufer in die Ambulanz gegangen wären, hätte es das Service nicht gegeben. Das sind Ideen, die gut sind und wirken. Da müssen wir uns alle gemeinsam noch weiter bemühen, solche gute Ideen zu entwickeln. Szekeres: Dazu zählt auch der Ärztefunkdienst. Wir sind also sehr für einen Ausbau solcher Serviceangebote. Da, wo wir uns ein bisschen unterscheiden: PHC sehen wir als Zusatzangebot, ich glaube nicht, dass es den Hausarzt ersetzen kann. Das wurde aus meiner Sicht zu sehr gehypt. Frauenberger: Die Evaluierung des PHC Mariahilf hat ganz klar gezeigt, dass wir nicht den Hausärzten in der Umgebung etwa abgesaugt haben, sondern den Ambulanzen. Und genau das war das Ziel. ❮❮ Meinung komprimiert – fünf spontane Assoziationen Sandra Frauenberger, Gesundheitsstadträtin Dr. Thomas Szekeres, Ärztekammer-Präsident Bewegte Bilder Die neue medONLINE Augmented Reality App (AR + ) für iOS und Android erweckt Bilder in unseren Magazinen zum Leben! Ab sofort finden Sie im CliniCum gekennzeichnete Bilder (mo AR + ), die Ihnen digital erlebbare Inhalte näherbringen. Holen Sie sich einfach die neue kostenlose App, und schon können Sie sich Experteninterviews, Kongressvideos, wissenschaftliche Quiz usw. bequem am Handy oder Tablet ansehen. Und so funktioniert es: 1. Laden Sie die neue medONLINE Augmented Reality App (AR + ) aus dem App Store oder Google Play Store. Weitere Infos unter https://medonline.a7/app/ 2. Aktivieren Sie den AR-Scanner 3. Scannen Sie den gekennzeichneten Inhalt 4. Sofort können Sie bequem weiterführende, interaktive Inhalte ansehen Fotos: Sven Gilmore

POLITIK & MEINUNG l CliniCum 10/2017 l 9 Gastkommentar Der gesundheitspolitische Wert des Aortenaneurysmascreenings … ist weit mehr als nur die Vermeidung von Rupturen. Ein strukturiertes Screeningprogramm beeinflusst durch rechtzeitige Modifikation von Risikofaktoren auch die Volksgesundheit nachweislich positiv. Von Prim. PD Dr. Afshin Assadian Foto: Florian Senekowitsch ❯❯ Screeninguntersuchungen zur Entdeckung und gezielten Behandlung potenziell tödlicher Erkrankungen sind in der Onkologie bekannt und werden vom Gesundheitssystem in Österreich finanziert, gefördert und unterstützt. Im vaskulären Bereich ist eine einfache, sehr günstige und sichere Sreeningmethode – der Schall der abdominelle Aorta bei über 65-Jährigen – international gut etabliert. Die Sinnhaftigkeit des Aortenscreenings zur Vermeidung von Rupturen ist seit mehr als zwei Jahrzehnten unbestritten. 1 Bei der Untersuchung wird die abdominelle, infrarenale Aorta geschallt. Ab einem Durchmesser von 3cm oder mehr spricht man von einem Aneurysma. Bei Patienten mit kleinen Aneurysmen bis knapp unter 5cm bei Frauen und knapp über 5cm bei Männern ist eine Kontrollschalluntersuchung einmal jährlich angezeigt. Zusätzlich ist es wichtig, das Risikoprofil – Blutdruck, Blutfette, Nikotinkonsum – günstig zu verändern. Ab 5cm maximalem Aortendurchmesser bei Frauen, 5,5cm bei Männern, ist eine chirurgische Therapie mittels Stent oder offener Operation indiziert. Verglichen zu nicht gescreenten Menschen ist die Rupturrate von Männern und Frauen in der gescreenten Population signifikant geringer (OR 0,66, 95% CI 0,47–0,93, P=0,02), dieser Effekt ist bei Männern noch deutlicher (OR 0,40; 95%CI 0,31–0,51, P

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