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CliniCum derma 03/2018

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Im Gespräch „Die

Im Gespräch „Die Dermatologie ermöglicht zahlreiche interdisziplinäre Kollaborationen“ Im Interview mit CliniCum derma gibt ao. Univ.-Prof. in Dr. in Gudrun Ratzinger, stellvertretende Direktorin der Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Medizinische Universität Innsbruck, unter anderem einen Einblick in ihre klinischen Schwerpunkte Phototherapie, Psoriasis und Autoimmundermatosen. Das Gespräch führte Mag. Dr. Barbara Hofer CliniCum derma: Wo liegt Ihrer Meinung nach die Expertise des Fachbereiches Dermatologie? Ratzinger: Die Dermatologie in Zentraleuropa zeichnet sich insbesondere durch die Breite des Faches aus. Daraus ergeben sich zahlreiche interdisziplinäre Kollaborationen, die wir an der Innsbrucker Universitätshautklinik stark fördern. In einer von zahlreichen Kooperationen arbeiten wir beispielsweise eng mit der Neurologie zusammen, und zwar zum Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS). Beim EDS handelt es sich um eine heterogene Gruppe von seltenen, erblichen Bindegewebserkrankungen, die durch eine Störung der Kollagensynthese verursacht werden. Die damit einhergehende Überdehnbarkeit des Bindegewebes kann unter anderem zu Gefäßdissektionen führen: Und genau zu diesem Aspekt der Erkrankung besteht die Kooperation mit der neurologischen Abteilung. „Nur mehr selten lässt sich Laborforschung mit den Anforderungen des Diplomstudiums vereinbaren.“ Beim Morbus Behçet, einer seltenen Systemerkrankung, bei der aufgrund einer Gefäßentzündung der kleinen, mittleren und großen Gefäße fast alle Organe des menschlichen Organismus betroffenen sein können, kooperieren wir wiederum eng mit der Rheumatologie der Innsbrucker Universitätsklinik. Im Rahmen einer internationalen Kooperation wurde auch ein Österreichisches Behçet-Register aufgebaut, um damit die Grundlage für zusätzlich pathophysiologische Untersuchungen zu schaffen. Ziel dieses Innsbrucker Registers ist die gemeinsame Erfassung aller in Innsbruck behandelten Patienten (rückwirkend und für die Zukunft). Im April 2018 wurden erste Ergebnisse zu 76 Innsbrucker Patienten mit Adamantiades-Behçet im „International Journal of Rheumatic Diseases“ publiziert (Moosmann et al., Int J Rheum Dis 2018). Gemeinsam mit Prof. Bernard Zelger, dem Leiter des histopathologischen Labors an der Hautklinik, besteht eine Kooperation mit Prof. Bettina Zelger von der Universitätsklinik für Pathologie zum Thema „Kutane Koagulopathien“. Dazu gehört beispielsweise der Morbus Sneddon. Durch einen gestörten Blutfluss entstehen „als blitzfigurenartig“ beschriebene Hautläsionen (Livedo racemosa). Ein histopathologisches Projekt zu dieser Thematik ist derzeit im Einreichungsprozess des „Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft“ (JDDG). Und wir haben jetzt auch mit dem Biologen und Biochemiker Prof. Dr. Pidder Jansen-Dürr vom Innsbrucker Forschungsinstitut für Biomedizinische Alternsforschung in einem molekularbiologischen Projekt zu UVB-induzierten Veränderungen und Alterungsprozessen kooperiert und mittlerweile auch erste Ergebnisse publiziert (Cavinato et al., J Gerontol A Biol Sci Med Sci 2017). Die Expertise der Innsbrucker Universitätshautklinik in diesem Zusammenhang ist die klinische Expertise zur Phototherapie. In der Behandlung der Psoriasis werden seit einigen Jahren bahnbrechende Fortschritte erzielt. Welche neuen Erkenntnisse gibt es? Immer mehr mit der Psoriasis verknüpfte Genloci konnten und können identifiziert werden. Aber auch Assoziationen zu anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen sind mittlerweile bekannt, so beispielsweise die Verbindung zu chronisch-inflammatorischen Darmerkrankungen (CED). Sowohl TNF-Alpha-Blocker, die ja für die Behandlung der Psoriasis, der Psoriasis-Arthritis, der rheumatoiden Arthritis und der CED zugelassen sind, als auch IL12/23-Inhibitoren zeigen bei CED Wirksamkeit. Interessant in diesem Zusammenhang ist nun der IL-17-Pathway: Obwohl dieser grob schematisch in den IL-23-Signalweg einfließt, haben IL-17-Inhibitoren überraschenderweise keinen positiven Einfluss auf Darmerkrankungen. Der Grund könnte nach derzeitigem Wissenstand sein, dass IL-17 auch in der angeborenen Immunität eine Rolle spielt und IL-17 daher für die Pilzabwehr notwendig ist. Aber Genaueres ist derzeit nicht bekannt. Fakt ist derzeit, die drei Vertreter dieser Gruppe dürfen bei Patienten mit Morbus Crohn oder einer Colitis ulcerosa nicht eingesetzt werden. Und auch bei Individuen, die aufgrund der Anamnese eine gewisse Prädisposition für CED haben könnten, sollte man vorsichtshalber IL-17-Inhibitoren nicht einsetzen. Mittlerweile sind auch IL-22-Inhibitoren eine möglicherweise vielversprechende zukünftige Behandlungsoption bei Psoriasis. Ich denke, bei der Behandlung der Psoriasis stehen mittlerweile zahlreiche sehr gute und potente Therapieoptionen zur Verfügung. Orale Janus-Kinase-Inhibitoren bei Psoriasis haben zwar aufgrund der geringeren Verträglichkeit als andere Substanzen in Europa keine Zulassung geschafft; aber zahlreiche Studien laufen weiter, da sie möglicherweise bei der schwer behandelbaren Alopecia areata, der Vitiligo und der atopischen Dermatitis wirksam sind. Fotos: Barbara Krobath 20 derma CC 3/18

Welche Erfahrungen möchten Sie jungen Kolleginnen und Kollegen mit Forschungsinteresse mitgeben? Die Dermatologie eignet sich aufgrund der Themenbreite sehr gut sowohl als klinisches Fach als auch zur Forschung. Jedoch ist es heutzutage meiner Meinung nach schwieriger als in der Vergangenheit, früh, schon vor der Facharztausbildung, in die Forschung einzusteigen. Mit ein Grund dafür ist die Verschulung des Studiums und die Kürze der verpflichtenden Diplomarbeiten. Deshalb erweisen sich vor allem Case Reports und Case Histories als geeignet für diese Abschlussarbeiten, und der wissenschaftlich/akademische Teil tritt in den Hintergrund. Nur mehr selten lässt sich Laborforschung mit den Anforderungen des Diplomstudiums vereinbaren. Hinzu kommt auch, dass durch den derzeit bestehenden Ärztemangel die Verlo ckung groß ist, sofort nach Studienende eine Facharztausbildung zu beginnen. Aber es ist extrem schwierig, die eigene wissenschaftliche Tätigkeit neben einer sehr konsumierenden Facharztausbildung erst zu beginnen und aufzubauen. Daher rate ich allen zukünftigen Kollegen und Kolleginnen bei Interesse an einer akademischen Karriere, sehr früh Forschungsexpertise zu erund Untertherapie und versucht, Automatismen, die sich im Laufe der Zeit eingeschlichen haben, zu überprüfen. Zu diesem Zweck möchte die ÖGDV diagnostische und therapeutische Maßnahmen in der Dermatologie aufzeigen, die aufgrund eindeutiger Evidenz entweder unnötig durchgeführt werden oder umgekehrt fälschlich unterlassen werden. Die Arbeitsgruppen der ÖGDV evaluieren daher, ob es in ihrem Bereich Über- oder Untertherapien gibt. Und aus diesen Erkenntnissen können Statements jeder Arbeitsgruppe entstehen. Zwei Beispiele zum besseren Verständnis: In der Dermatohistopathologie könnte die Empfehlung lauten: keine Exzision ohne histopathologische Befundung (dabei handelt es sich um ein Beispiel für eine Unterversorgung). Oder aber könnte eine Empfehlung lauten: keine prophylaktische Epikutantestung bei Friseurlehrlehrlingen bzw. keine prophylaktischen Allergietestungen, wenn gar keine Allergie bekannt ist. Das hat keinen Sinn. Dies ist wiederum ein Beispiel für einen eingeschlichenen Automatismus, der eine sinnlose Überversorgung bewirkt. Das Ziel der Initiative ist schlussendlich eine Sensibilisierung und die Verbesserung der Versorgungsqualität. ❙ werben, einen PhD anzustreben oder einen klinischen PhD zu erwerben. Wenn man über vorangegangene Forschungsergebnisse verfügt, dann ist es wesentliche leichter, während der Facharztausbildung darauf aufzubauen. Bereits laufende Forschungsprojekte in der Facharztausbildung weiterzuführen und zu betreuen, das lässt sich machen. Ein wesentlicher Schwerpunkt der Amtsperiode von Prof. Schmuth als Präsidenten der ÖGDV war, 2018 die „Forschungsförderung für klinische Forschung“ ins Leben zu rufen. Mithilfe dieses Stipendiums kann eine Freistellung finanziert werden, entweder ein Jahr Vollzeit oder zwei Jahre Halbzeit. In diesem Zeitraum kann dann die wissenschaftliche Karriere vorangetrieben werden. Was hat es mit der Initiative „Klug entscheiden“ (Choosing Wisely“) der ÖGDV auf sich? Die Initiative „Choosing Wisely“ in der gesamten Medizin, und nicht nur in der Dermatologie, möchte übliche Versorgungspraktiken kritisch hinterfragen und wissenschaftlich begründete Empfehlungen erstellen. Sie beschäftigt sich mit dem Thema der Über- Zur Person Ao. Univ.-Prof .in Dr. in Gudrun Ratzinger, stellvertretende Direktorin der Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Medizinische Universität Innsbruck und Generalsekretärin der ÖGDV, absolvierte nach dem Medizinstudium an der Medizinischen Universität Innsbruck ihre Ausbildung zur Fachärztin für Dermatologie und Venerologie. Nach einem zweijährigen Forschungsaufenthalt am Memorial Sloan Kettering Cancer Center (Labor für zelluläre Immunbiologie), New York, erfolgte die Rückkehr nach Innsbruck und die Habilitation im Jahre 2004; seit 2004 Leiterin Phototherapie, seit 2010 Gründung und Leitung der Psoriasissprechstunde, seit 2011 geschäftsführende Oberärztin und seit 2017 stellvertretende Klinikdirektorin der Innsbrucker Hautklinik; von 2016–2018 Generalsekretärin der ÖGDV. Klinische und Forschungsschwerpunkte sind Phototherapie, Psoriasis und Autoimmundermatosen. 3/18 CC derma 21

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