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CliniCum neuropsy 06/2018

Aripiprazol Suspension

Aripiprazol Suspension zur Depot-Injektion (Abilify Maintena ® ) Schizophrenie: Zentrale Fragestellungen rund um die Depotbehandlung Im Rahmen eines Symposiums diskutierten Experten die Anwendung von Depot-Antipsychotika aus unterschiedlichen Perspektiven und machten klar: Für einen günstigeren Krankheitsverlauf ist eine möglichst frühzeitige und kontinuierliche medikamentöse Therapie besonders wichtig. Von Katharina Miedzinska, MSc ❙❙ Die Rezidivprophylaxe ist eines der vordringlichsten Ziele in der Therapie der Schizophrenie. „Dem Schutz vor Rückfällen kommt eine große Bedeutung in der Langzeitbehandlung von Patienten mit einer Schizophrenie zu“, betont Prim. Priv.-Doz. Dr. Andreas Erfurth, 1. Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, Krankenhaus Hietzing, Wien, und geht sogleich auf die wichtigsten Eckpfeiler der akuten antipsychotischen Behandlung ein, allen voran den Einsatz von D2-Antagonisten: „Die akute schizophrene Psychose ist oft durch Halluzinationen, einen Wahn und andere Positivsymptome gekennzeichnet, die sich mit D2-Antagonisten meist gut behandeln lassen. Dopamin- Antagonismus ist das grundlegende Prinzip der akuten antipsychotischen Therapie, es gibt bislang keine Alternative in der Akuttherapie.“ Depot als Maßnahme zur Rezidivprävention Nach erfolgreicher Anbehandlung ist vor allem das Schaffen von nachhaltiger Adhärenz vordergründig, welche im Management der Erkrankung eine der größten Herausforderungen darstellt. „Mangelnde Adhärenz ist ein relevantes Problem bei der Behandlung der Schizophrenie, das meist früh im Verlauf beginnt und vermeidbare Rückfälle nach sich zieht. Absetzen ist der stärkste Prädiktor von Rückfällen. Eine adhärent durchgeführte Depotmedikation kann das Rezidivrisiko von Ersterkrankten senken“, so Erfurth. Er verweist vor diesem Hintergrund auf eine Studie (n=86), in deren Rahmen Patienten mit einer Erstmanifestation entweder auf die orale oder Depot-Form derselben antipsychotischen Medikation randomisiert wurden, wobei das Depot-Antipsychotikum der oralen Therapie in Hinblick auf psychotische Exazerbationen und Rückfallraten überlegen war (5 vs. 33%; p

ist häufige Realität bei schizophrenen Patientinnen. Bei bestehendem Kinderwunsch sind eine regelmäßige Medikamenteneinnahme und die Entwicklung einer ausreichenden psychischen Stabilität bereits vor, spätestens jedoch während der Schwangerschaft wichtige Grundlage für das Erreichen einer Erziehungsfähigkeit, weswegen eine Depotmedikation bei diesen Patientinnen sinnvoll sein kann.“ Wirkstoff vordergründig Für Depotbehandlungen während der Schwangerschaft liegen derzeit kaum Studien vor, wobei für die fetale Entwicklung die Substanz ausschlaggebender Faktor ist, nicht deren Darreichungsform. Reiner-Lawugger: „Nebenwirkungsprofile, Absetzphänomene und andere Aspekte einer Behandlung beziehen sich stets auf die Substanz per se unabhängig von der Darreichungsform. Aus diesem Grund sind Depotpräparate, vor allem die der Atypika, wenn sie bereits vor der Schwangerschaft etabliert waren und bei Complianceproblemen, während der Schwangerschaft möglich.“ Postpartale Psychose „Bei guter Einstellung auf ein Depotneuroleptikum sollte in dieser Zeit nicht umgestellt werden. Sinnvoll bei einer Depotbehandlung während der Schwangerschaft sind zudem Spiegelbestimmungen mit einer Blutabnahme nach der ersten Hälfte der Depotphase“, erklärt Reiner-Lawugger. Ferner seien regelmäßige Dosisanpassungen wichtig, um die Stabilität zu erhalten und Rückfälle zu verhindern, für welche das Risiko im Wochenbett, so Reiner-Lawugger, besonders hoch sei: „Östrogen hat einen psychoseprotektiven Effekt. Postpartal sinkt der während der Schwangerschaft auf das bis zu 200-fache erhöhte Östrogenspiegel binnen weniger Tage auf ein Normlevel, weshalb es wichtig ist, rückfallprophylaktische Maßnahmen rechtzeitig zu planen.“ Aripiprazol-Depot Für die Langzeitbehandlung der Schizophrenie stehen als atypische Depot-Antipsychotika Olanzapin, Paliperidon, Risperidon und Aripiprazol zur Wahl. Diagnosen der Insassen in Prozent In der forensischen Psychiatrie untergebrachte Patienten (Stichprobe) gemäß § 21 Abs 1 StGB (2001–2010) 5 100 80 60 40 20 0 7 70 9 § 21/1 Abbildung 1 ■ Intelligenzstörung ■ Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störung ■ Persönlichkeits- und Verhaltensstörung ■ Organische, psychische Störung ■ Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen ■ Affektive Störung Quellen: BMJ/IRKS 2012 und ÖGPB-Tagung 2018 Reiner-Lawugger: „Während der Schwangerschaft sind Spiegelbestimmungen mit einer Blutabnahme nach der ersten Hälfte der Depotphase sinnvoll.“ Aripiprazol ist ein Dopamin-Serotonin-System-Modulator mit antagonistischer Wirkung am Serotonin-5-HT2A-Rezeptor und partiell agonistischer Wirkung am Dopamin- D2- und Serotonin-5-HT1A-Rezeptor. Aripiprazol kann sowohl i.m. (3x 9,75mg/die) bei akuten Psychosen als auch danach in oraler Form und schließlich in Form des Monatsdepots eingesetzt werden. Die empfohlene Anfangs- und Erhaltungsdosis beträgt 400mg als einmal monatliche Injektion, wobei die Behandlung mit oralem Aripiprazol nach Erstinjektion für 14 Tage fortgesetzt werden sollte. Im Rahmen einer 28-wöchigen, Open-label Head-to-Head- Studie (n=295) mit den Depotformulierungen von Aripiprazol 400mg (AOM 400) und Paliperidonpalmitat 1x monatlich (PP) konnte für AOM 400 hinsichtlich der Verbesserung der Lebensqualität, dem primären Endpunkt der Studie, eine signifikante Überlegenheit gezeigt werden, ferner zeigte sich hinsichtlich der Verbesserung des sekundären Endpunkts, dem CGI-S-Score, ein signifikanter Unterschied zugunsten von AOM 400 (Abb. 2). 6 Komorbide Substanzabhängigkeit Ein weiterer Head-to-Head-Vergleich der beiden Depotformulierungen wurde im Rahmen einer kürzlich publizierten Studie mit Patienten mit Schizophrenie und komorbider Substanzabhängigkeit durchgeführt, wobei für AOM400 nach einem Jahr erneut eine Überlegenheit in Hinblick auf die erreichte Lebensqualität sowie auf die Reduktion des Craving gezeigt werden konnte. 7 ● 1 Subotnik et al., JAMA Psychiatry. 2015; 72(8):822–829; 2 Hodgins et al., Bull Am Acad Psychiatry Law. 1993; 21(2):155–60; 3 Smith, Hospital and Community Psychiatry 1989; 40:491–496; 4 Schanda et al. 1998; 5 BMJ/IRKS 2012; 6 Naber et al., Schizophr Res 2015; 168(1-2):498–504; 7 Cuomo et al., Neuropsychiatr Dis Treat. 2018; 14: 1645–1656 Veränderung der klinischen Symptome Statistisch signifikante Verbesserung der klinischen Symptome vs. Paliperidonpalmitat 1x monatlich (gemessen als CGI-S-Score; sekundärer Endpunkt) LSM-Veränderung ab Baseline im CGI-S-Score Kastner: „Aus forensischer Sicht ist die Depotbehandlung die wirksamste Maßnahme, um Rückfälle und die Forensifizierung von Patienten zu verhindern.“ „Aripiprazol-Depot in der Schizophreniebehandlung: ausgewählte Fragestellungen“, Satellitensympsoium von Lundbeck im Rahmen der 20. Tagung der ÖGPB, Wien, 22.11.18 0,0 –0,2 –0,4 –0,6 –0,8 –1,0 Behandlungswoche 0 4 8 12 16 20 24 28 * ** *p

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