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CliniCum neuropsy 06/2018

Stroke Mimics bei

Stroke Mimics bei unbestätigtem Schlaganfallverdacht (n=83) Schlaganfallimitatoren n (%) Internistische Erkrankungen 41 (49,4) Infektionen 20 (24,1) Metabolische Entgleisung 10 (12,1) Dehydratation 4 (4,8) Synkope 3 (3,6) Hypertensive Krise 3 (3,6) Intoxikation 1 (1,2) Neurologische Erkrankungen 29 (34,9) Epilepsie 17 (20,4) Demenz 9 (10,9) Polyneuropathie 1 (1,2) Gehirntumor 1 (1,2) Motoneuronenerkrankung 1 (1,2) Psychiatrische Erkrankungen 10 (12,1) Akuter Verwirrtheitszustand 6 (7,3) Somatisierungsstörung 4 (4,8) Ophthalmologische Erkrankungen 3 (3,6) Katarakt 2 (2,4) Glaukom 1 (1,2) Die hohe Fehlzuweisungsrate in unserer Kohorte legt nahe, dass in Pflegeheimen bei medizinischer Verschlechterung rasch an die Möglichkeit eines Schlaganfalles gedacht wird, die Differenzierung der Symptome jedoch Schwierigkeiten bereitet. Eine höhere Rate an Fehlzuweisungen bei älteren Patienten ist durchaus bekannt und wurde in früheren Studien mit 13 bis 29 Prozent beschrieben. Unser deutlich höherer Anteil (67%) an unbestätigtem Schlaganfallverdacht könnte möglicherweise durch die ausgeprägten Komorbiditäten der untersuchten Pflegeheimpatienten begründet sein. Insbesondere das hohe Patientenalter (demenzielles Syndrom) mit der hohen Prävalenz an Begleiterkrankungen und Polypharmazie (80 Prozent nahmen mehr als fünf Medikamente ein) wie auch die engen Lebens verhältnisse in Pflegeheimen (Neigung zu Infekten) könnten zu dieser großen Häufigkeit Schlaganfall-imitierender Ereignisse geführt haben. Unabhängig davon erscheint eine Sensibilisierung des medizinischen Per sonals in Pflegeheimen hinsichtlich typischer und einfach zu detektie render Schlaganfall prädiktoren (insbesondere einseitige Tabelle 2 Quelle: Kneihsl et al., Cerebrovascular Diseases 2018 Literatur bei Dr. Markus Kneihsl Lähmungserscheinung) als eine wichtige aus unseren Daten abzuleitende Notwendigkeit. Späte Vorstellung in der Notaufnahme Andererseits kamen die zugewiesenen Patienten im Schnitt erst über sechs Stunden nach Symptombeginn in unsere Notaufnahme. Dies schloss ungefähr 50 Prozent aller ischämischen Schlaganfallpatienten von einer akuten Rekanalisationstherapie aus, obwohl keine anderen Kontraindikationen für die Durchführung einer systemischen Thrombolysetherapie (Abbildung) oder einer mechanischen Thrombektomie bestanden. Anhand unserer Studienergebnisse ist es daher wichtig, darauf hinzuweisen, dass auch bei Pflegeheimpatienten mit typischen Symptomen eines akuten Schlaganfalles der unverzügliche Transport an eine neurologische Fachabteilung in die Wege zu leiten ist. Einschränkend muss erwähnt werden, dass wir aufgrund des retrospektiven Studiendesigns nicht im Detail eruieren konnten, wer die Zuweisung an unsere Notaufnahme veranlasst hatte. Anzunehmen ist, dass der Rettungstransport zumeist durch das pflegerische Personal der Pflegeheime in die Wege geleitet wurde, wobei auch eine (zumeist telefonische) Beratung der betreuenden Hausärzte wahrscheinlich ist. Gerade in diesem Kontext ist es interessant, dass sehr einfache Features wie eine fokal-neurologische Symptomatik, bekanntes Vorhofflimmern und ein vorheriger Schlaganfall starke unabhängige Prädiktoren für das Vorliegen eines neu- Kontraindikationen für die Durchführung einer systemischen Thrombolysetherapie Kontraindikationen (%) 50 45 40 35 30 25 20 15 10 5 0 Zeitfenster >4,5h Ko-/ Multimorbidität Keine/ geringe Klinik erlichen Schlaganfalles waren, die auch für Pflegepersonen zu erheben sein sollten. Auf Basis unserer Arbeit lässt sich schlussfolgern, dass in Pflegeheimen vermehrt auf das Erkennen vorgenannter typischer Schlaganfallsymptome und -indikatoren geachtet und dann rasch reagiert werden sollte, da heute die Akutschlaganfalltherapie auch in gehobenem Alter eine möglicherweise sinnvolle und wirksame Maßnahme darstellt. Auf der anderen Seite sollte bei Patienten, die keine klaren Zeichen für das Vorliegen eines Schlaganfalles haben, an andere potenzielle Symptomursachen gedacht werden (siehe Tabelle 2), um so zu einer zielgerichteteren und patienten schonenden Diagnostik/ Therapie beizutragen. ❙ Dr. Markus Kneihsl Cand. med. Lisa Müller Priv.-Doz. DDr. Thomas Gattringer Univ.-Prof. Dr. Franz Fazekas Universitätsklinik für Neurologie, Medizinische Universität Graz E-Mail: markus.kneihsl@medunigraz.at Abbildung Pflegeheimpatienten mit akutem ischämischem Schlaganfall (n=34) OAK/NOAK >1 Kontraindikation Quelle: Kneihsl et al., Cerebrovascular Diseases 2018 Fotos: Privat (3), Barbara Krobath 36 neuropsy CC 6/18

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