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CliniCum neuropsy 06/2018

International League

International League Against Epilepsy (ILAE) Lennox-Gastaut-Syndrom und tuberöse Sklerose Eine Vortragsreihe beim diesjährigen Europäischen Epilepsie-Kongress der ILAE in Wien widmete sich neuen Behandlungsmöglichkeiten der Epilepsie im Kindesalter, insbesondere dem Cannabidiol als Ergänzungstherapie beim Lennox-Gastaut-Syndrom und Everolimus bei der tuberösen Sklerose. Diese beiden Medikamente erreichen jetzt die klinische Praxis. Von Dr. Andreas Billich ❙❙ Das Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS) ist eine Form der Epilepsie bei Kindern, die mit sehr häufigen, oft mit Stürzen verbundenen Anfällen einhergeht; verschiedene Anfallsformen wie tonische und tonisch-klonische Anfälle und atypische Absencen treten auf. Die meisten Kinder mit LGS zeigen auch eine kognitive Behinderung und Verhaltensauffälligkeiten (Hyperaktivität, Aggression). Das LGS tritt meist ab dem Alter von zwei bis sechs Jahren auf; ca. fünf Prozent aller Kinder mit Epilepsien sind betroffen. LGS ist eine der am schwersten behandelbaren Epilepsien des Kindesalters, die oftmals refraktär gegen Therapieversuche mit Antiepileptika wie Clonazepam, Lamotrigen, Valproat, Rufinamid etc. sind. Cannabidiol beim Lennox-Gastaut-Syndrom Cannabidiol (CBD), ein Bestandteil der Hanfpflanze mit geringer psychoaktiver Wirkung, ist seit Längerem für die Behandlung neurologischer Erkrankungen, darunter der Epilepsien, im Gespräch. Die Wirksamkeit und Sicherheit von oralem Cannabidiol (CBD) als Ergänzungstherapie beim LGS wurde nun in zwei klinischen Phase-III- Studien untersucht, die in diesem Jahr publiziert wurden. 1,2 Dr. Antonio Gil-Nagel, Hospital Ruber Internacional, Madrid, fasste die vereinten Resultate dieser Studien zusammen. Die beiden Studien schlossen fast 400 Patienten ein, die im Mittel 15 Jahre alt waren. Zur Zeit der Studien wurden diese Patienten typischerweise mit drei Antiepileptika behandelt, während sich zuvor bereits sechs andere Medikamente als unwirksam erwiesen hatten. Die Patienten hatten vor der Studie im Median ca. 80 Sturzanfälle pro Monat. Beide geprüften Dosierungen von CBD (10 und 20mg/ kg/Tag) zeigten eine Reduktion der Sturzanfälle um 37 bis 48 Prozent, sowohl zu Beginn der Behandlung als auch zwei Wochen danach und auch nach drei Monaten fortgesetzter Therapie. Diese Reduktion war gegenüber der Abnahme, die bei Placebo-behandelten Patienten auftrat (17–20%) hochsignifikant. CBD zeigte dosisabhängige Nebenwirkungen (vor allem Schläfrigkeit, verminderter Appetit, Durchfall), die hauptsächlich zu Beginn der Behandlung auftraten, doch während der dreimonatigen Behandlungsperiode kontinuierlich abklangen. Eine Erhöhung von Transaminasen trat vor allem bei Patienten auf, die gleichzeitig Valproat erhielten. Hinweise auf generelle Lebertoxizität von CBD gab es dagegen in der Studie nicht. „Epilepsy in childhood“, Vortrag im Rahmen des 13 th European Congress on Epileptology of ILAE, Wien, 27.8.18 Referenzen: 1 Devinsky O et al., N Engl J Med 2018; 378:1888–97 2 Thiele EA et al., Lancet 2018; 391:1085–96 3 French JA et al., Lancet 2016; 388:2153–63 Im Juni 2018 hat die FDA Cannabidiol als Ergänzungstherapie bei Kindern mit LGS und mit Dravet-Syndrom zugelassen. Die EMA räumte CBD schon im Jahr 2017 „orphan drug“-Status für LGS sowie West- und Dravet-Syndrom ein. Everolimus bei der tuberösen Sklerose Epilepsie ist das häufigste neurologische Symptom des Tuberösen-Sklerose-Komplexes (TSC), einer autosomaldominant vererbten Krankheit. Ein Großteil der Patienten hat bereits im ersten Lebensjahr fokale Anfälle und Spasmen, die eine ungünstige Prognose für das Auftreten von neurologischen Entwicklungsstörungen, darunter Autismus und intellektuelle Behinderung, darstellen. Im Erwachsenenalter treten meist sekundär generalisierte fokale Anfälle auf. Die Epilepsie bei TSC kann durch etablierte antiepileptische Therapien bei etwa 60 Prozent der Patienten nicht kontrolliert werden. Der Krankheit liegt eine Überaktivierung der mTOR-Signalkaskade zugrunde, was unter anderem zur Bildung großer, dysplastischer und dysfunktionaler Neuronen führt. Der mTOR-Inhibitor Everolimus wurde bereits früher für die Behandlung des TSC-assoziierten subependymalen Riesenzellastrozytoms zugelassen. In zwei Vorträgen präsentierten Dr. Christoph Hertzberg, Vivantes Klinikum Neukölln, Berlin, und Dr. Tilman Polster, Krankenhaus Mara, Bielefeld, die finale Auswertung der EXIST-3-Studie zur Wirksamkeit von Everolimus in der Behandlung refraktärer Epilepsie bei TSC. 3 Die Studie schloss 361 Patienten ein, zwei Drittel davon Kinder unter zwölf Jahren, die vor und während der Studie mit ein bis drei Antiepileptika behandelt wurden. Eine zwölfwöchige Behandlung mit Everolimus als Zusatztherapie führte zu einer ca. 30-prozentigen Reduktion der Anfallshäufigkeit verglichen mit ca. 15 Prozent in der Placebogruppe. Die wichtigste hier neu vorgestellte Information ist, dass bei längerer Behandlung über drei Jahre eine weiter verbesserte Reduktion auf ca. 60 Prozent des Ausgangswertes beobachtet wurde; bis zu 15 Prozent der Patienten wurden nach zwei bis drei Jahren in einem Beobachtungszeitraum von sechs Monaten gänzlich anfallsfrei. Auch bei langer Anwendung waren die Nebenwirkungen meist moderat und durch Dosisreduktionen handhabbar. Somit stellt Everolimus eine wichtige neue Option zur Behandlung der Epilepsie bei Kindern mit tuberöser Sklerose dar. Die FDA erteilte in diesem Jahr bereits die Zulassung für diese Indikation. ❙ 42 neuropsy CC 6/18

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