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CliniCum neuropsy 06/2018

über elf Jahre von mehr

über elf Jahre von mehr als 200 Patienten aus der BENEFIT(Betaferon/Betaseron in Newly Emerging Multiple Sclerosis for Initial Treatment)-Studie zeigte. Mit steigenden Vitamin D-Spiegeln in den ersten beiden Jahren nahm das Risiko einer kognitiven Verschlechterung ab. Rauchen führte zu einer signifikanten Risikoerhöhung. Darüber hinaus wurde der Titer von Antikörpern gegen das Epstein-Barr-Virus (EBV) bestimmt, erwies sich jedoch nicht als korreliert mit kognitiver Verschlechterung. (Cortese M et al., Late Breaking Abstract 321) ■■Der psychiatrisch auffällige MS-Patient Psychiatrische Komorbiditäten bei MS sind häufig. In der klinischen Praxis ist es wichtig, an psychiatrische Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten bei MS-Patienten zu denken. Manche dieser Manifestationen sprechen sehr gut auf Therapie an. „Major Depression betrifft im Verlauf ihres Lebens bis zu 50 Prozent der MS-Patienten“, unterstreicht Prof. Dr. Anthony Feinstein von der University of Toronto. Depression ist auch in der MS-Population assoziiert mit schlechterer Lebensqualität, erhöhter Suizidgefahr und zusätzlichen kognitiven Problemen. Dieses Problem sollte daher therapeutisch angegangen werden. Feinstein weist auf den nachgewiesenen, aber relativ kleinen Effekt antidepressiver Medikation in dieser Population hin, dem nicht zu unterschätzende Nebenwirkungen gegenüberstehen. Insbesondere werde antidepressive Medikation von Patienten nicht selten abgelehnt. Depression kann jedoch, so Feinstein, auf kognitive Verhaltenstherapie und auf Mindfulness basierende Therapien ansprechen. Neben der extrem häufigen Depression sind auch andere psychiatrische Erkrankungen und Symptome bei MS-Patienten keine Seltenheit. So ist die Prävalenz von bipolarer Erkrankung in der MS-Population doppelt so hoch wie in der Normalbevölkerung. Feinstein: „Wir haben in dieser Indikation keine Daten aus klinischen Studien. Allerdings können wir aus der Allgemeinpsychiatrie die Therapieprinzipien übernehmen. Mood Stabilizer (Lithium, Valproat) sind die Therapie der Wahl. Sedierende Medikation (Benzodiazepine) und zuweilen Antipsychotika können ebenfalls erforderlich sein. Ob Psychosen bei MS-Patienten häufiger auftreten, ist unklar. Auch zu dieser Indikation gibt es keine Daten aus randomisierten, kontrollierten Studien. Feinstein: „Antipsychotika sind Mittel der Wahl. Allerdings sind die Nebenwirkungen in dieser Population oft problematisch.“ Hinzu kommen spezielle psychiatrische Phänomene, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der MS stehen. Feinstein nennt den pseudobulbären Affekt, der bei zu zehn Prozent der MS-Patienten auftritt und sich in grundlosem, inadäquatem Lachen oder Weinen äußert. Die Patienten empfinden dabei keine Freude oder Traurigkeit. Lange Krankheitsdauer und signifikante Behinderung erhöhen das Risiko, einen pseudobulbären Affekt zu entwickeln. Das Syndrom spricht gut auf die Kombination von Dextromethorphan und Quinidin an. Ebenso tritt bei MS-Patienten häufig – in bis zu 40 Prozent – Euphorie auf. Feinstein: „Euphorie bedeutet eine fixierte Veränderung der Persönlichkeit und ist untrennbar verbunden mit fortgeschrittener Erkrankung, signifikanter kognitiver Einschränkung, Gehirn-Atrophie und einer hohen Läsionslast verbunden. Typisch ist eine unrealistische Einschätzung der eigenen Situation und des Feinstein: „Euphorie ist untrennbar mit fortgeschrittener Erkrankung, signifikanter kognitiver Einschränkung, Gehirn-Atrophie und einer hohen Läsionslast verbunden.“ 34. ECTRIMS- Kongress, Berlin, 10.–12.10.18 Verlaufs der Erkrankung. Nicht selten kommen die Patienten im Rollstuhl und sind überzeugt, dass sie bald wieder gehen können. Subjektiv ist der Zustand daher für Verwandte und Pflegepersonen belastender als für die Patienten. (Educational Session 5) ■■Phase III: Neuer AK bei Neuromyelitis optica Die SAkuraSky-Studie untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit einer Anti-IL6-Therapie bei Patienten mit Neuromyelitis optica (NMOSD) und fand eine substanzielle Reduktion des Schubrisikos bei Nebenwirkungen auf Placebo-Niveau. Die NMOSD ist eine schubförmig verlaufende, autoimmun bedingte entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems und in den meisten Fällen mit Antikörpern gegen das in Astrozyten exprimierte Protein Aquaporin-4 (AQP4) assoziiert. Die Erkrankung betrifft vor allem den Sehnerv und das Rückenmark und äußert sich zunächst in Sehstörungen auf einem oder beiden Augen. Die Abgrenzung zur MS ist anhand der Klinik nicht immer möglich und muss daher u.a. durch Antikörper- Nachweis (AQP4-AK und MOG-AK) erfolgen. Die Abgrenzung zur MS ist wichtig, da die Langzeitbehandlung der Neuromyelitis optica mit immunsuppressiver Medikation erfolgt und die in der MS-Therapie eingesetzten Immunmodulatoren nicht wirksam oder sogar kontraproduktiv sind. Auf Basis der Erkenntnis, dass das proinflammatorische Zytokin Interleukin-6 (IL-6) nicht nur die Antikörperbildung stimuliert, sondern auch die Permeabilität der Blut-Hirn-Schranke erhöht, sind Anti-IL6- Therapien für Patienten mit NMOSD zumindest theoretisch von Interesse. Im Rahmen der multizentrischen Phase-III-Studie SAkuraSky wurde der gegen den IL6-Rezeptor gerichtete monoklonale Antikörper Satralizumab in einer Studienpopulation von 83 Patienten mit NMoSD mit Placebo verglichen. Die Patienten hatten in den beiden Jahren vor Einschluss in die Studie zumindest zwei Schübe (einen davon im letzten Jahr) durchgemacht und führten ihre immunsuppressive Hintergrundtherapie (Steroide oder Immunsuppressiva) weiter. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zum nächs ten Schub. Sekundäre Endpunkte waren Veränderungen der Schmerzsymptomatik und Fatigue. Die Studie zeigte eine signifikante Reduktion des Schubrisikos um 62 Prozent in den ersten 96 Wochen des Followup. Damit war der primäre Endpunkt erreicht. Treiber dieses Effekts war die Risikoreduktion bei den AQP4-positiven Patienten, die bei 79 Prozent lag. Bei der Minderheit der AQP4-negativen Studienteilnehmer reduzierte Satralizumab ebenfalls die Zahl der Schübe, dies allerdings in deutlich geringerem Ausmaß. Schmerzsymptomatik und Fatigue wurden durch die Therapie nicht beeinflusst. Die Nebenwirkungsraten lagen im Satralizumab-Arm auf Placebo-Niveau, weder das Infektions- noch das Malignom-Risiko waren erhöht. Einzig Injektionen an der Einstichstelle waren im Verum-Arm häufiger. (Yamamura T et al., Late Breaking Abstract 323) ❙ Foto: Monika Tenze-Kunit 46 neuropsy CC 6/18

Bei schubförmiger MS nicht angezeigt bei PPMS/SPMS AU/CPX/17/0042 KEEP THEIR FUTURE FULL OF POSSIBILITIES Fachkurzinformation siehe Seite 54

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