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CliniCum pneumo 04/2018

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Sauerstoffsysteme

Sauerstoffsysteme Welches Gerät für welchen Aktuell wird die Frage diskutiert, ob durch die Weiterentwicklung der verschiedenen Therapieoptionen der COPD die Indikationsstellung für die Sauerstoff-Langzeittherapie (Long-term oxygen therapy, LTOT) hinterfragt und gegebenenfalls neuformuliert werden sollte. Von Helmut Täubl, BScN MScN ❙❙ Die Sauerstoff-Langzeittherapie (Long-term oxygen therapy, LTOT) ist bereits seit Jahrzehnten eine etablierte Therapie der hypoxämischen respiratorischen Insuffizienz, wie sie z.B. durch die COPD verursacht wird. Durch die Weiterentwicklung verschiedener Behandlungsmöglichkeiten der COPD und ihrer Komorbiditäten wurde die Entwicklung der Krankheit in den letzten Jahren positiv beeinflusst. Dies betrifft nicht nur die Lebenserwartung, sondern auch die Lebensqualität und andere wichtige Krankheitsparameter. Damit einhergehend findet sich eine Zunahme der Anzahl von Patienten, die eine Sauerstofftherapie erhalten. Verordnung zur Sauerstofftherapie Die Grundlage der Verordnung zur Sauerstofftherapie ist unter anderem in einzelnen Publikationen der jeweiligen nationalen wissenschaftlichen Gesellschaften für Pneumologie und verwandten Fachgesellschaften dokumentiert. Dabei wird aktuell die Frage diskutiert, ob durch die Weiterentwicklung der verschiedenen Therapiemöglichkeiten der COPD die Indikationsstellung für die LTOT hinterfragt und gegebenenfalls neu formuliert werden sollte (Vogelmeier et al., 2018; Hardinge et al., 2015). So wird die 2008 publizierte Leitlinie zur LTOT der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) mit der diesbezüglichen Leitlinie der Britsh Thoracic Society (BTS), die 2015 publiziert wurde, verglichen. Es werden dabei einige Parallelen festgestellt, wie etwa die Indikationskriterien und der Verabreichungszeitraum. Allerdings werden auch Unterschiede beschrieben, die als Grundlage weiterer Forschung und Anlass zur eventuellen Überarbeitung nationaler Leitlinien identifiziert werden. In diesem Zusam- menhang sei die Technik der Blutgasanalyse als Grundlage der Verordnung ebenso genannt wie beispielsweise die Titration der Sauerstoffflussraten oder der Umgang mit Patienten, die unter der LTOT weiter rauchen (Magnet et al., 2017). Für Österreich gilt aktuell die Richtlinie der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) zur Verordnung von Sauerstoff-Langzeittherapie und mechanischen Atemhilfen (Aigner et al., 2001) und die regelmäßig aktualisierten diesbezüglichen Empfehlungen der LTOT Task Force der ÖGP (2015) bzw. die ebenfalls regelmäßig aktualisierten Einschulungsleitfäden zu den einzelnen Sauerstoffsystemen der Arbeitsgruppe Pflege der ÖGP (2018). Drei Schritte Indikationsstellung. Die Grundlage der Verordnung zur LTOT orientiert sich an drei Schritten: Indikationsstellung, Titration der Insufflationsmenge und Verordnung des individuell passenden Sauerstoffsystems (ÖGP 2015). Dabei wird die Indikation für die LTOT geleitet von pathologischen Veränderungen einzelner Werte der Blutgasanalyse bzw. der Sauerstoffsättigung. Wenn zumindest einer der folgenden Parameter zutrifft, besteht die Indikation für eine LTOT: • in Ruhe: paO 2 45mmHg • bei Belastung (= 0,5Watt/kg KG oder Äquivalent der Aktivitäten des täglichen Lebens): paO 2 45mmHg • im Schlaf: SpO 2 30 Prozent des Zeitraums des Schlafes) Dabei muss der Patient im Zeitraum der Indikationsstellung stabil und optimal therapiert sein, und es dürfen durch die korrekte Anwendung des Sauerstoffes keine schweren Nebenwirkungen auftreten. Hyperkapnie ist dabei keine Kontraindikation zur Indikation einer LTOT. Titration der Insufflationsmenge. Für die Titration der Insufflationsmenge sind drei Situationen ausschlaggebend, die hinsichtlich einer optimalen Sauerstoffversorgung des Patienten mittels Blutgasanalyse und Sättigungsmessung ausgetestet werden müssen. Die Zielwerte sind dabei der paO 2 ≥60mmHg oder SpO 2 >90 Prozent. Zur optimalen Anpassung an den individuellen Sauerstoffbedarf soll die Analyse in Ruhe, bei Belastung und im Schlaf durchgeführt werden. Es kann zu einem späte- Foto: leremy/GettyImages 12 pneumo CC 4/18

Patienten? ren Zeitpunkt des Ablaufes der Sauerstoffverordnung notwendig sein, die Titration ein wiederholtes Mal durchzuführen, weil ein Atemzug-getriggertes Gerät bzw. ein mobiler Sauerstoffkonzentrator eine andere Sauerstoffversorgung des Patienten leistet als ein kontinuierlicher Fluss des Sauerstoffsystems. Es ist auf jeden Fall darauf zu achten, dass der Patient mit dem für ihn individuell festgelegten Sauerstoffsystem hinsichtlich der Sauerstoffversorgung getestet und die LTOT dahingehend titriert wird. Individuelle Voraussetzungen. Für die Verordnung des passenden Sauerstoffsystems müssen individuelle Voraussetzungen erfüllt sein, auf die im folgenden Kapitel zu den jeweiligen verfügbaren Systemen eingegangen wird. Auf jeden Fall ist die Auswahl des Systems zusammen mit dem Patient zu treffen, um eine höchstmögliche Kooperation und damit einen Therapieerfolg zu gewährleisten. Die Schulung, die durch die jeweilige Versorgungsfirma durchgeführt wird, ersetzt die Einschulung im Rahmen der Verordnung nicht, sondern ergänzt diese. Auch eine ausschließlich schriftliche Information ersetzt keine individuelle Patientenschulung, kann allerdings zur Unterstützung der Schulung ergänzt werden (ÖGP 2018; Bürkle et al., 2017; Hardinge et al., 2015; ÖGP 2015). Auswahl der Sauerstoffsysteme Die Auswahl der Sauerstoffsysteme orientiert sich einerseits an den medizinischen Bedürfnissen der Sauerstoffversorgung selbst, andererseits an den individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten bzw. der Kooperationsbereitschaft der Patienten. Im Folgenden werden die zurzeit in Österreich verfügbaren Sauerstoffsysteme beschrieben, wobei zu jedem System Hinweise zur Auswahl gegeben werden. Sauerstoff-Druckflasche. Die Druckflaschen werden häufig als Transportsauerstoff oder innerhalb einzelner Institutionen für die Notversorgung oder als Alternative zu einem zentralen Reservoir eingesetzt. Im häuslichen Setting bzw. als Dauerversorgung für Patienten haben sie allerdings durch die relativ geringe Sauerstoffmenge und das hohe Gewicht keine große Bedeutung. Allerdings können sie eingesetzt werden, wenn beispielsweise einzelne rezidivierende Atemnotattacken, auch bei prinzipiell ausreichender Sauerstoffversorgung, bestehen. Dies betrifft unter anderem palliative Situationen. Auch wenn nicht davon ausgegangen werden kann, dass die LTOT einen positiven Effekt auf Faktoren wie Mortalität, Krankenhauseinweisungen, gesundheitsbezogene Lebensqualität oder Intensität der Atemnot bei Patienten ohne Hypoxämie bewirkt (Vogelmeier et al., 2018; Albert et al., 2016; Abernethy et al., 2010), so gibt es doch einzelne Patienten, die eine subjektive Linderung ihrer Beschwerden beschreiben, wenn sie kurzzeitig oder auch länger Sauerstoff ohne Vorliegen einer Hypoxämie verabreicht bekommen. Sollte die Gesamtverabreichungszeit durch die Verwendung der Sauerstoff-Druckflasche ausreichend abgedeckt und die Mobilität durch das System nicht eingeschränkt sein und kann weiters ein sicherer Umgang mit diesem System garantiert werden, ist die Versorgung damit möglich. Es ist allerdings neben anderen Faktoren, die das Symptom Atemnot in solchen Fällen zu lindern vermögen, beispielsweise abzuklären, ob nicht ein auf den Patienten gerichteter Luftzug, hervorgerufen z.B. mit einem Ventilator, wie es bei Tumorpatienten mit Atemnot empfohlen ist, auch eine symptomverbessernde Wirkung hat und alternativ zu Sauerstoff verwendet werden kann (Leitlinienprogramm Onkologie, 2015). Die Auswahl der Sauerstoffsysteme orientiert sich einerseits an den medizinischen Bedürfnissen der Sauerstoffversorgung, andererseits an den individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten bzw. der Kooperationsbereitschaft der Patienten. Im Umgang bzw. in der Einschulung mit dieser Form der Sauerstoffverabreichung ist neben den üblichen Gebrauchsunterweisungen und Sicherheitshinweise insbesondere auf den hohen Druck, die Berechnung des Inhalts, die Sicherung der Flasche vor dem Umkippen und die Möglichkeit der Selbstentzündung durch Hochdrucksauerstoff in Verbindung mit Materialien wie Fetten, Ölen, Cremen und Ähnlichem einzugehen. Nur wenn ein gefahrloser Umgang mit dem System vorausgesetzt werden kann, ist der Einsatz möglich. Flüssigsauerstoff. Das Flüssigsauerstoffsystem besteht aus einem Standgerät, welches üblicherweise für die nächtliche Versorgung verwendet wird, und einer tragbaren Einheit, die untertags mitgenommen werden kann. Für die Auswahl von Flüssigsauerstoff bedarf es einerseits der vorhandenen Mobilität der Patienten, andererseits muss die Versorgung mit Sauerstoff untertags und/oder bei Belastung notwendig sein. Die Mobilität braucht für die Verordnung nicht näher beschrieben werden, ist aber ein wesentlicher Faktor bei der Auswahl der tragbaren Einheit. Daher soll mit dem Patienten und evtl. auch den Angehörigen eine genaue Erhebung der Mobilität, der Alltagstätigkeiten und Gewohnheiten durchgeführt werden. Hier ist abzustimmen, ob die durch das jeweilige tragbare System dargebotene Versorgungsdauer 4/18 CC pneumo 13

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