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CliniCum pneumo 05/2017

Lungenkrebs

Lungenkrebs Frühdiagnose ist möglich Mit einer durchschnittlichen Fünf-Jahres-Überlebensrate von fünf Prozent ist der Lungenkrebs noch immer nicht nur einer der häufigsten, sondern auch einer der aggressivsten Tumore. Da die Prognose nicht nur abhängig vom histologischen Subtyp ist, sondern insbesondere auch vom Tumorstadium zum Diagnosezeitpunkt, kann ein Lungenkrebsscreening einen Überlebensvorteil durch die Möglichkeit einer frühen Diagnose bieten. Von Dr. Katharina Strohmayer und Dr. Norbert Vetter Abb. 1 Abb. 2 Solider Lungenrundherd: höhere Dichte, klare Abgrenzung von umgebendem Lungengewebe. Strukturen des Lungenparenchyms überdeckend „Milchglasherd“: höhere Dichte als das Lungengewebe, Bronchi und Blutgefäße sind durch die Läsion hindurch jedoch erkennbar ■■National Lung Cancer Screening Trial (NLST) 1 Seit 2014 werden die Resultate des NLST, einer US-amerikanischen Studie mit über 53.000 Patienten an 33 Universitätszentren, diskutiert. Dieses Screening wird mittlerweile in den USA von vielen Versicherungen bezahlt, u.a. von der staatlichen Versicherung Medicare. Der NLST zeigt, dass Screeninguntersuchungen von Personen mit hohem Risiko für Lungenkrebs (Alter: 55 bis 74 Jahre, Raucheranamnese innerhalb der letzten 15 Jahre, insgesamt über 30 Pack Years) die Wahrscheinlichkeit, in den nächsten sechs Jahren an Lungenkrebs zu sterben, von 1,66 auf 1,33Prozent senken. Das entspricht einer absoluten Risikoreduktion von 0,33 Prozent. Wie in der Studie erwähnt, bedeutet das, dass man 320 Patienten screenen müsste, um einen Todesfall an Lungenkrebs zu vermeiden (im Vergleich dazu müssen bei der Mammografie 781 Personen gescreent werden). Im NLST war ein positives Resultat in Bezug auf einen potenziellen Lungenkrebs als nicht kalzifizierter Herd von bis zu 4mm Durchmesser definiert, der im Rahmen der Erstuntersuchung oder der darauf folgenden jährlichen Screeninguntersuchung gefunden wurde. Das ist deshalb wichtig, da in dieser Studie eine sehr hohe Anzahl an Patienten ein positives Screeningresultat aufwies – nämlich insgesamt 27,3 Prozent aller Patienten. Davon wiederum waren 96,4 Prozent falsch positive Resultate. Diese Anzahl sowohl an positiven und im Speziellen an falsch positiven Resultaten ist viel höher als bei anderen Screeninguntersuchungen. Die Effizienz des Lungenkrebsscreenings wird deshalb auch großteils damit zusammenhängen, wie man mit diesen positive Resultaten umgeht. ■■Nederlands Leuvens Longkanker Screenings Onderzoek (NELSON) 2 Es gibt mehrere europäische Studien zu diesem Thema. Die größte ist mit über 7.000 Teilnehmern die belgisch/ niederländische NELSON-Studie. In dieser wurde die Größe der Lungenherde nicht mittels Messung des Durchmessers, sondern mittels 3D-Messung – der sogenannten Volumetrie – angegeben. Ein Volumen von 50mm 3 entspricht einem Durchmesser von ca. 4mm. Die NELSON- Studie liefert Hinweise darauf, dass Herde von

■ Definition der Lungenrundherde Ein solider Rundherd weist eine höhere Dichte und eine klare Abgrenzung von umgebendem Lungengewebe auf. Er überdeckt Strukturen des Lungenparenchyms (siehe Abb. 1). Ein „Milchglasherd“ weist eine höhere Dichte als das Lungengewebe auf, es sind jedoch Bronchi und Blutgefäße durch die Läsion hindurch zu erkennen (siehe Abb. 2). Semisolide Rundherde haben milchglasartige und solide Anteile (siehe Abb. 3). ■ Empfehlungen/Fleischner-Guidelines 2017 3 Abklärung solitärer nicht kalzifizierter solider Rundherde 1. Solide Rundherde

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