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CliniCum pneumo 05/2017

Allergie Die Haut in

Allergie Die Haut in Aufruhr Therapeutische Optionen Emollenzien. Grundsätzlich werden bei der Neurodermitis lokale und systemische Therapien angewendet. Im Bereich der Emollenzien werden okklusive, harnstoffhaltige und hydrophile Typen unterschieden. Gegebenenfalls können die Emollienzien in Form von fettfeuchten Umschlägen angewendet werden, welche resorptionsfördernd wirken. „Je trockener die Haut, desto fetter sollte die Creme bzw. Salbe sein“, weiß Saloga. Die Cremes und Salben können durch die Beigabe bestimmter Inhaltsstoffe optimiert werden, wie etwa durch Ceramide, die die Barrierefunktion zusätzlich verbessern. Bestimmte Inhaltsstoffe wie etwa Duftstoffe, Detergenzien oder Antibiotika sollten vermieden werden. Glukokortikosteroide. Klassischerweise werden Glukokortikosteroide in Form einer einmal täglichen Gabe verabreicht. Als Nebenwirkungen gilt es, dabei mögliche Haut atrophien und periorale Dermatitis/Rosacea zu beachten. In der Zweitlinie kommen Calcineurininhibitoren zum Einsatz. Unerwünschte Wirkungen bestehen in Herpesinfektionen, zudem ist auf UV-Schutz zu achten. Auch durch Lichttherapie lässt sich eine gewisse Immunmodulation erreichen. „Bei der systemischen Therapie sollten Glukokortikoide aufgrund des Rebound-Phänomens und anderer Nebenwirkungen eher vermieden werden“, betont Saloga. Allenfalls seien sie für nur kurze Zeit einzusetzen. Derzeit untersucht eine Vielzahl von Studien zur Therapie des atopischen Ekzems unterschiedlichste Targets. Eine zielgerichtete Therapie erfordert allerdings eine genauere Definition von Endotypen. Von Dr. Michaela Steiner Wissenschaftlicher Vortrag im Rahmen des „Interdisziplinären Wiener Allergietages“, Wien, 10.5.17 ❙ ❙ „Zum einen kommt es beim atopischen Ekzem zu einer Barrierestörung und dadurch getriggert zu einer Immunantwort in Form einer Th2-dominierten Entzündung, die ihrerseits eine weitere Schwächung der Barriere fördert“, sagt Prof. Dr. Joachim Saloga, Leiter der Allergologie der Universitäts-Hautklinik, Universitätsmedizin Mainz. Zusätzlich kommt es zu einer mikrobiellen Besiedelung, die ebenfalls die Entzündung fördert. „Aus der Verquickung dieser Faktoren ergeben sich quasi Teufelskreise, die mit verschiedenen therapeutischen Ansätzen durchbrochen werden sollen“, so Saloga. Basierend auf Serum- Biomarkern und sich daraus ergebenden Patienten-Clustern lassen sich heute verschiedene Endotypen des atopischen Ekzems identifizieren, die allerdings derzeit nur ungenügend voneinander abgegrenzt werden können. Ciclosporin. Die einzige in Deutschland für das atopische Ekzem explizit zugelassene Systemtherapie stellt Ciclosporin dar. Es sollte in einer möglichst niedrigen Dosis von 2,5–3,5mg/kg KG täglich (max. 5–6mg/kg KG) und nur als drei- bis viermonatige Intervalltherapie verabreicht werden. In der Praxis gebe es laut Saloga allerdings schwer betroffene Patienten, die Ciclosporin jahrelang einnehmen. Eine lange Nachwirkung nach dem Absetzen ist nicht gegeben. Zu beachten sind Nierenfunktion, Blutdruck und UV-Exposition. Andere Immunsuppressiva wie Azathioprin, Mycophenolat Mofetil oder Methotrexat weisen eine geringere Wirksamkeit auf. Im Einzelfall kann eine Allergen-Immuntherapie eingesetzt werden, wenn bestimmte Allergene als Triggerfaktoren identifiziert wurden. Mittlerweile existiert eine Fülle von rationalen Targets, die auch in Studien untersucht werden. Unterschiedliche Targets Mittlerweile existiert zum atopischen Ekzem eine Fülle von rationalen Targets, die auch in Studien untersucht werden. 1 „Die am weitesten fortgeschrittene Substanz ist der Antikörper Dupilumab“, so Saloga. In Europa sei eine Zulassung für die Therapie des atopischen Ekzems noch für heuer wahrscheinlich. Weitere untersuchte Substanzen sind unter anderem PDE4-Antagonisten, Histamin-H4-Rezeptor- Antagonisten. Im Hinblick auf Juckreiz sind insbesondere Anti-IL-31-Rezeptor-Antikörper von Interesse. Foto: GI15606757/GettyImages 20 pneumo CC 5/17

Dupilumab. Der monoklonale Antikörper wurde in einer Reihe von Studien auch bei Patienten mit atopischem Ekzem untersucht. Die Kombination der Studien M4A und M4B sowie die Studie M12 ergab für Dupilumab dosisabhängig eine signifikante Verbesserung sowohl im Eczema Area and Severity Index Score (EASI-50) als auch eine signifikante Besserung des Juckreizes, gemessen am Pruritus Numerical Rating Scale Score. 2 Die SOLO-Studie hat diese Ergebnisse untermauert, konnte darüber hinaus aber auch zeigen, dass die Therapie mit Dupilumab 300mg ohne wesentlichen Wirkungsverlust auch nur alle zwei Wochen verabreicht werden kann. 3 „Als Folge dieser Ergebnisse wird möglicherweise Dupilumab 300mg in einer zweiwöchentlichen Verabreichung zum Therapiestandard werden“, vermutet Saloga. Das Nebenwirkungsspektrum sei gering. Nemolizumab. Der Anti-IL-31-Rezeptor-Antikörper Nemolizumab zeigte besonders im Hinblick auf den schwer zu therapierenden Juckreiz in unterschiedlichen Dosierungen gute Wirkung im Vergleich zu Placebo. Saloga: „Wünschenswert wäre in Zukunft ein Einsatz auch bei anderen Erkrankungen, die mit zum Teil unerträglichem Juckreiz einhergehen.“ Die erste Mehrwege- Therapie mit kurzer Aufdosierung Kurz – flexibel – wirksam 1-4 – ab 5 Jahren Saloga: „Basierend auf Serum-Biomarkern und sich daraus ergebenden Patienten- Clustern lassen sich verschiedene Endotypen des atopischen Ekzems identifizieren.“ Strategien gegen bakterielle Erreger Im Kampf gegen die mikrobielle Besiedelung werden derzeit antiseptische Zusätze zu den Lokaltherapeutika verwendet. Zusätzlich wird speziell bei Head-Neck-Dermatitis eine antimykotische Therapie eingesetzt, während eine systemische antibiotische Therapie zu vermeiden versucht wird. Gefährlich kann laut Saloga eine Herpes-simplex-Infektion sein, die früher gelegentlich sogar zum Tod geführt habe, heute aber gut antiviral behandelt werden kann. Im Rahmen einer mikrobiellen Therapie wurden kommensale Bakterien gegen eine Besiedlung der Haut mit Staphylococcus aureus bei Patienten mit atopischem Ekzem eingesetzt. 4 Diese kommensalen Bakterien produzieren bestimmte Peptide, die antibiotische Eigenschaften aufweisen. Diese richten sich zum Teil sehr spezifisch gegen bestimmte Bakterien. Humane antibakterielle Peptide haben einen zusätzlichen Effekt bezüglich der Reduktion einer Staphylococcus-aureus-Besiedelung der Haut. Fazit Saloga zusammenfassend: „Für die zielgerichtete Therapie des atopischen Ekzems müssen die Endotypen genauer definiert werden. Künftig wäre die Entwicklung von Langzeittherapien ebenso wichtig wie die Entwicklung präventiver Maßnahmen.“ ❙ MIT SICHERHEIT HOHE QUALITÄT STANDARD 1 Brunner PM et al., J Allergy Clin Immunol 2017; 139:S65–S76 2 Beck LA et al., N Engl J Med 2014; 371:130–9 3 Simpson ELet al., N Engl J Med 2016; 375:2335–48 4 Nakatsuji T et al., Sci Transl Med 2017; 9:378 Alle ALK start SQ ® Referenzen sowie Fachkurzinformationen finden Sie auf Seite 36 5/17 CC

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