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CliniCum pneumo 05/2017

konsequente Anwendung

konsequente Anwendung würde bedeuten, dass Patienten mit benigner oder prädominant symptomatischer Erkrankung keine Steroide mehr bekommen sollen. Pavord: „Mit den Daten, die wir heute haben, wissen wir nicht, ob das sicher ist.“ Zumindest nach aktuellem Stand der Empfehlungen ist es sogar lebensgefährlich, da ICS bei Asthma bronchiale die Mortalität reduzieren. 7 Ob dies tatsächlich auf alle Subtypen von Patienten mit Asthmadiagnose zutrifft, ist gegenwärtig eine ungelöste, aber zentrale Frage. Ebenso ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht klar, wie hoch der Prozentsatz der COPD-Patienten ist, die von ICS profitieren. Laut GOLD werden ICS empfohlen, wenn die Erkrankung Züge von Asthma bronchiale zeigt – Genaues weiß man auch hier nicht. Ungelöste Fragen Auf die ungelösten Fragen verwies anlässlich der Präsentation des „Lancet“-Papers auch Prof. Dr. Helen Reddel, Woolcock Institute of Medical Research, Universität Sydney, die Vorsitzende des wissenschaftlichen Komitees der Global Initiative for Asthma (GINA). Aus Sicht von GINA benötige man „Daten, Daten und noch mehr Daten“. Beim gegenwärtigen Wissensstand sei von einem Absetzen der Steroide bei Asthmapatienten jedenfalls abzuraten. Darüber hinaus wies Reddel auch auf unterschiedliche Ebenen der medizinischen Kommunikation hin. So seien Begriffe wie Asthma bronchiale und COPD ausgezeichnet für die Kommunikation mit Patienten und Angehörigen geeignet. Man könne solche Termini auch verwenden, ohne nach einem System „one size fits all“ zu behandeln. Agusti und seine Gruppe machen sich unterdessen Gedanken, wie pulmologische Studien in Zeiten der „treatable traits“ aussehen könnten. In den nächsten Wochen wird im „European Respiratory Journal“ eine Arbeit mit dem Titel „Precision Medicine of Airway Disease: Moving to clinical practice“ erscheinen. Darin wird unter anderem ein Konzept entwickelt, wie mit sogenannten „platform trials“ Therapien von „treatable traits“ evaluiert werden können. In diesen Studien sollen „multiple targeted therapies“ sowie deren Kombinationen in praxisnahen Populationen simultan studiert werden können. ❙ 1 Agustí A, Celli B, Faner R: What does endotyping mean for treatment in chronic obstructive pulmonary disease? Lancet 2017 Sep 2; 390(10098):980–87; 2 Agusti A et al.: Treatable traits: toward precision medicine of chronic airway diseases. Eur Respir J 2016; 47(2):410–9; 3 Pavord ID et al.: After asthma: redefining airways diseases. Lancet 2017, published online: September 11; 4 Flood-Page P et al.: A study to evaluate safety and efficacy of mepolizumab in patients with moderate persistent asthma. Am J Respir Crit Care Med 2007; 176(11):1062–71; 5 Haldar P et al.: Mepolizumab and exacerbations of refractory eosinophilic asthma. N Engl J Med 2009; 360(10):973–84; 6 http://goldcopd.org; 7 Suissa S et al.: Low-dose inhaled corticosteroids and the prevention of death from asthma. N Engl J Med 2000; 343(5):332–6 „The Lancet commission on asthma“, Wissenschaftliche Session im Rahmen des Annual Congress of the European Respiratory Society (ERS), Mailand, 12.9.17 Kongressnachlese – ERS 2017, Mailand Rund um die Bei der größten Fachtagung für Atemwegs- und Lungenerkrankungen der Welt wurde fünf Tage lang ein umfassendes Themenspektrum präsentiert, was trotz strahlendem Spätsommerwetters für gefüllte Vortragssäle sorgte. Eine Auswahl der diskutierten Daten. Von Dr. Susanne Kammerer ■■Kinder mit Asthma bronchiale erhalten zu oft Antibiotika Kindern mit Asthma bronchiale werden deutlich häufiger Antibiotika verschrieben als ihren Altersgenossen ohne Asthmaerkrankung. So lautet die Quintessenz der Studie, die Dr. Esmé Baan, Abteilung für Medizinische Informatik, Erasmus Universität, Rotterdam, in Mailand vorstellte. Die holländisch-britische Studie schloss Daten von rund einer Million Kindern und Jugendlichen aus den Niederlanden (NL) und Großbritannien (GB) ein. Dies entsprach insgesamt mehr als sechs Millionen Patientenjahren. Verglichen wurden nicht nur die Unterschiede der Antibiotika-Verschreibungshäufigkeit innerhalb, sondern auch zwischen den beiden Ländern. Die Informationen über die Antibiotikagabe stammten aus elektronischen Datenbanken mit Informationen aus der Primärversorgung der fünf bis 18 Jahre alten Studienteilnehmer. Neben der entsprechenden Asthmadiagnosekodierung wurde das Vorhandensein der Erkrankung über die Einnahme von mindestens zwei Asthmamedikamenten innerhalb eines Jahres definiert. Ergebnisse. Insgesamt wurden Kinder und Jugendliche mit Asthma bronchiale signifikant häufiger mit Antibiotika behandelt. Von 1.000 holländischen Kindern mit Asthmadiagnose erhielten jährlich 178 ein Antibiotikum, während es bei den Kindern ohne Asthmaerkrankung lediglich 131 waren. Dass in den NL grundsätzlich wesentlich seltener zu Antibiotika gegriffen wird, zeigen die Zahlen aus GB: Dort lag die entsprechende Verschreibungsrate bei 380 gegenüber 261/1.000 Patientenjahre. Fazit. Die Studie zeigt; dass bei einer bekannten Asthmaerkrankung bei 38 (NL) bzw. 14 Prozent (GB) der Kinder lediglich die Asthmaexazerbation als Indikation für die Antibiotika angegeben wurde. „Es kann für den Allgemeinarzt schwierig sein, zwischen einer Verschlechterung der Asthmasymptome und denen einer bakteriellen Atemwegsinfektion zu unterscheiden. Wir glauben, dass dies zu mehr Verschreibungen von Antibiotika bei den Kindern mit Asthma bronchiale führt“, so Baan. Jedenfalls wurde ein erheblicher Teil der Rezepte für die Antibiose nicht in Übereinstimmung mit den geltenden Guidelines ausgestellt.“ Baan E et al.: Antibiotic use in children with asthma. Session 422; OA3447, ERS-Kongress 2017 24 pneumo CC 5/17

Lunge ■ e-Zigaretten und Arteriensteifigkeit Eine schwedische Studie konnte erstmals nachweisen, dass die Arteriensteifigkeit unmittelbar zunimmt, wenn eine e-Zi garette mit Nikotin konsumiert wird. Dieses Ergebnis verlangt besondere Beachtung, da der Anstieg der Arterien steifigkeit einen unabhängigen Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse darstellt. Dr. Magnus Lundbäck, Karolinska Institut, Stockholm, und sein Team verglichen Blutdruck, Puls und Arteriensteifigkeit bei Personen, die alle Gelegenheitsraucher waren und zuvor noch nie eine e-Zigarette benutzt hatten. Die Probanden wurden nach einem Cross over-Verfahren randomisiert, sodass sie an verschiedenen Tagen für jeweils 30 Minuten abwechselnd Rauch mit und ohne Nikotin inhalierten. Die Messung der Werte erfolgte direkt im Anschluss an die 30 Minuten plus zwei und vier Stunden später. Die Arteriensteifigkeit wurde über die Geschwindigkeit der Pluswelle und deren Analyse beurteilt. Ergebnisse. Lundbäck: „Unsere Ergebnisse sind noch vorläufig, aber wir fanden eine signifikante Steigerung von Herzfrequenz und Blutdruck bei jenen Personen, die e-Zigaretten mit Nikotin konsumierten. Die Arteriensteifigkeit verdreifachte sich gegenüber der nikotinfreien Gruppe.“ Fazit. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die erhöhte Arteriensteifigkeit auf das Nikotin zurückzuführen ist“, so Lundbäck. „Die Wirkung bestand nur vorrübergehend, aber der gleiche temporäre Effekt in Bezug auf Arteriensteifigkeit konnte für das Rauchen konventioneller Zigaretten gezeigt werden. Deshalb vermuten wir, dass e-Zigaretten mit Nikotin den gleichen Langzeiteffekt auf die Arteriensteifigkeit hervorrufen“, fügte Lundbäck hinzu. Lundbäck M et al.: Acute effects of active e-cigarette inhalation on arterial stiffness. OA1979, ERS-Kongress 2017 5/17 CC ■ Tezepelumab: neuer Hoffnungsträger bei unkontrolliertem Asthma bronchiale Tezepelumab erwies sich in einer Phase-II-Studie mit Patienten mit schwerem Asthma bronchiale hinsichtlich der Reduktion der Exazerbationen als erfolgreich. Der Wirkstoff ist ein humaner, monoklonaler Antikörper mit Bindung an das „thymic stromal lymphopoietin“ (TSLP). Dieses Zytokin nimmt bei der Regulation von Entzündungsreaktionen eine wichtige Rolle ein und kommt in den Luftwegen von Asthmatikern häufiger vor als bei Gesunden. An der randomisierten Doppelblindstudie über 52 Wochen nahmen 584 Erwachsene teil. Die Patienten litten sämtlich unter Asthma bronchiale, das mit einer Kombinationstherapie aus LABA und ICS in den letzten sechs Monaten nicht ausreichend einzustellen war. Primärer Endpunkt war die Exazerbationsrate pro Jahr (AEJ) zu Studienende; sekundäre Endpunkte Veränderungen der FEV 1 vor und nach LABA- Gabe sowie Werte des Scores nach dem Asthma Control Questionaires. Die Probanden wurden in vier Gruppen unterteilt: 70 bzw. 210mg Tezepelumab alle vier Wochen (Gruppe A bzw. B), 280mg Tezepelumab alle zwei Wochen (Gruppe C) und Placebo (Gruppe D). Ergebnisse. Im Vergleich zu Placebo mit einer AEJ-Rate von 0,67 kam es in Gruppe A, B bzw. C zu einer Rate von 0,26, 0,19 und 0,22 AEJ. Im Placebovergleich konnten die Exazerbationen um 61, 71 bzw. 66 Prozent (Gruppe A, B bzw. C) reduziert werden. Zusätzlich verbesserte sich die FEV 1 vor LABA-Gabe sowie die Score-Werte im Fragebogen zur Asthmakontrolle. In den Verumgruppen dauerte es auch länger, bis es zu einer Exazerbation kam. Die gute Wirksamkeit musste auch nicht durch eine erhöhte Nebenwirkungsrate erkauft werden: Mindestens eine unerwünschte Wirkung trat bei 62,2 Prozent unter Placebo im Vergleich zu 66,2, 64,8 bzw. 61,6 Prozent (Gruppe A, B bzw. C) auf. Roseti S et al.: Efficacy and safety of tezepelumab in adults with severe asthma: A randomized phase 2 study. OA3189, ERS-Kongress 2017; zeitgleich publiziert: Corren J et al.: Tezepelumab in Adults with Uncontrolled Asthma. N Engl J Med 2017; 377:936–46 ■ Städtische Parks und Asthmasymptomatik Stadtkinder mit einer Asthmaerkrankung, die in der Nähe einer Grünanlage leben, leiden seltener unter Asthmasymptomen als Kinder, für die ein Aufenthalt im Park schwerer erreichbar ist. Dies zeigte sich in einer Studie mit 196 Kindern aus Baltimore. Die Probanden (Alter: drei bis zwölf Jahre) hatten wegen ihrer Asthmaerkrankung im Jahr zuvor mindestens zweimal die Notfallambulanz aufsuchen müssen bzw. waren stationär aufgenommen worden. „Es ist bekannt, dass das Leben in städtischer Umgebung das Risiko für kindliches Asthma bronchiale erhöht und Faktoren wie Luftverschmutzung, die mit dem Leben in der Stadt assoziiert sind, zu einer hohen Rate von schlecht kontrolliertem Asthma führen“, erklärte Kelli DePriest, Public Health Krankenschwester, Baltimore. Ergebnisse. Die Studie ermittelte für die Teilnehmer, wie weit deren Wohnort jeweils vom nächsten Park entfernt war, und korrelierte diese Distanz mit der Häufigkeit von Asthmasymptomen wie Kurzatmigkeit, Thoraxschmerz oder Giemen. Die Entfernung zur nächsten Grünanlage betrug im Durchschnitt 250m. In der multivariaten Analyse stellte sich heraus, dass die Nähe zum Park die Anzahl der Tage mit Beschwerden signifikant beeinflusste. Dabei bedeutete eine zusätzliche Entfernung von 305m einen Tag mehr mit Beschwerden innerhalb von zwei Wochen. Fazit. Besonders auffällig erwies sich in der Studie der Zusammenhang zwischen Wohnortentfernung zum Park und Tagen mit Asthmabeschwerden bei Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren. Die Distanz von 152m korrelierte in dieser Altersgruppe bereits mit einem zusätzlichen Beschwerdetag. De- Priest: „Die Ergebnisse untermauern den Benefit von Grünflächen in der Stadt auf die Kindergesundheit.“ DePriest K et al.: Access to greenspace and asthma symptoms in urban children with persistent asthma. PA2647, ERS-Kongress 2017 ❙ Sessions, Oral presentations und Posters im Rahmen des Annual Congress of the European Respiratory Society (ERS), Mailand, 9.–13.9.17 IPF HAT VIELE GESICHTER NUR OFEV ® IST FÜR PATIENTEN MIT FVC

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