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CliniCum pneumo 05/2017

Kongressnachlese – ERS

Kongressnachlese – ERS 2017 Pulmonalembolie: nach wie vor erheblich unterdiagnostiziert Patienten mit Lungenembolie (PE) werden häufig massiv symptomatisch mit Schmerzen und/oder Dyspnoe in den Notaufnahmen der Krankenhäuser aufgenommen. Häufig, aber keineswegs immer. Denn PE können durchaus auch asymptomatisch verlaufen. Und das geschieht offenbar öfter als bislang angenommen. Von Reno Barth „Interstitial Lung Disease and Pulmonary Vascular Diseases“, State-ofthe-Art-Session im Rahmen des Annual Congress of the European Respiratory Society (ERS), Mailand, 12.9.17 ❙❙ Die Unterdiagnose von PEs ist ein häufiges Problem – allerdings nicht das einzige im Zusammenhang mit dieser Erkrankung. Univ.-Prof. Dr. Horst Olschewski, Universitätsklinik für Innere Medizin, Graz, verwies im Rahmen des ERS-Kongresses 2017 nämlich auf Studiendaten, die zeigen, dass bei Patienten, die mittels CT auf eine PE abgeklärt werden, nicht einmal ein Viertel der Untersuchungen positive Ergebnisse bringen. Selbst bei Krebspatienten mit Verdacht auf PE liegt nur zu 24 Prozent tatsächlich eine PE vor. 1,2 Gleichzeitig herrscht hinsichtlich übersehener oder nicht diagnostizierter PE und generell venöser Thrombosen weitgehende Unklarheit, da es naturgemäß keine diesbezüglichen Statistiken gibt. Große Evidenzlücke Die Evidenzlücke ist enorm. Olschewski wies auf eine große Studie zur VTE-Epidemiologie in Europa hin, die die VTE-Mortalität auf 1.100 pro Million Einwohner und Jahr schätzt. 3 Diese Schätzungen beruhen auf kleineren Arbeiten, die beispielsweise die Häufigkeit von VTE in Autopsiebefunden untersuchten. Dem stehen Daten aus Studien gegenüber, die Werte zwischen 22 und 150 VTE-Toten pro Million Einwohner und Jahr fanden. Diese Vergleiche kranken, so Olschewski, schon einmal daran, dass diese recht rezenten Analysen zum Teil auf sehr alten Daten beruhen. Gute epidemiologische Daten kommen beispielsweise aus der kanadischen Provinz Alberta, wo zuverlässige Statistiken zu zahlreichen Diagnosen geführt werden. Für die Jahre 2002 bis 2012 wurden dort eine VTE-Inzidenz von 138/100.000 Einwohner und eine PE-Inzidenz von 38/100.000 registriert. Die Inzidenz nahm mit dem Alter stark zu, und 16 Prozent der Betroffenen hatten eine onkologische Grunderkrankung. Die 30-Tages-Mortalität der PE-Patienten lag bei 3,9 Prozent, wobei wieder ältere und Krebspatienten eine höhere Sterblichkeit zeigten. 4 Olschewski: „Das sagt uns, dass viele Patienten mit einer Thrombose, aber nicht an der Thrombose sterben.“ Daten der Mayo Clinic weisen Krebs, Übergewicht, chirurgische Eingriffe sowie höheres Alter als die wichtigsten Risikofaktoren für Thrombosen aus, wobei Krebs als Hintergrunderkrankung in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Als besonders überraschend bezeichnete Olschewski jedoch die in dieser großen Populationsstudie über 30 Jahre weitgehend konstante Inzidenz, die für VTE bei 117/100.000 Einwohner und für PE bei 56/100.000 Einwohner liegt. 5 Dies steht im klaren Gegensatz zu britischen Daten, die einen steilen Anstieg der PE- Inzidenz auf rund 100/100.000 Einwohner bei gleichzeitiger Abnahme der Mortalität zeigen. 6 Olschewski: „Was bedeutet das? Wahrscheinlich bedeutet es, dass sich in Kanada nicht viel verändert hat, während es in Großbritannien gelungen ist, die Detektionsrate um einen Faktor 2 zu verbessern.“ Langfristige Konsequenzen Allerdings haben wiederholte PEs, vor allem wenn sie nicht erkannt werden, auch potenzielle langfristige Konsequenzen. So zeigte eine Auswertung von Langzeitdaten der PEITHO-Studie, dass Patienten, die nach einer PE mit mittlerem Risiko mit Tenecteplase lysiert wurden, sowie die Placebopatienten der Studie langfristig ein nicht zu unterschätzendes Risiko für die Entwicklung einer chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTE- PH) hatten. Das Risiko war bei den Lyse-Patienten geringer, wobei Signifikanz allerdings nicht erreicht wurde. 7 Eine rezente Metaanalyse zahlreicher Studien fand für Patienten nach initialer PE eine CTEPH-Inzidenz von 2,3 Prozent. 8 Hier stelle sich allerdings die Frage, ob nicht bereits bei der initialen (klinisch auffälligen) Thrombose eine CTEPH vorhanden war. Tatsächlich gibt es Studiendaten, die in diese Richtung weisen. Eine französische Studie aus 2014 zeigte, dass bei jenen Patienten, die nach einer initialen PE eine CTEH entwickelten, mehrheitlich bereits im Zuge des initialen Ereignisses Anzeichen einer CTEPH vorhanden waren. 9 Man könne also davon ausgehen, so Olschewski, dass sowohl für die PE als auch für die CTEPH die Detektionsrate zumindest um einen Faktor 2 unter der tatsächlichen Inzidenz liegt. Olschewski: „Die Frage ist jedoch, wie wir damit umgehen sollen. Sollen wir aggressiver diagnostizieren? Sollen wir mehr prophylaktische Maßnahmen setzen und dafür ein höheres Blutungsrisiko akzeptieren?“ Diese Fragen können zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht schlüssig anhand von Evidenz beantwortet werden. ❙ 1 van der Hulle T et al., Lancet 2017; 390(10091):289–97; 2 Wilts IT et al., Thromb Res 2017; 152:49–51; 3 Cohen AT et al., Thromb Haemost 2007; 98(4):756–64; 4 Alotaibi GS et al., Am J Med 2016; 129(8):879, e19–25; 5 Heit JA et al., Thromb Haemost 2017; 117(2):390–400; 6 Kempny et al., ERS-Kongress 2017, PA 562; 7 Konstantinides SV et al., J Am Coll Cardiol 2017; 69(12):1536–44; 8 Ende-Verhaar YM et al., Eur Respir J 2017; 49(2):pii:1601792; 9 Guérin L et al., Thromb Haemost 2014; 112(3):598–605 26 pneumo CC 5/17

IPF HAT VIELE GESICHTER OFEV ® FÜR EIN BREITES PATIENTENSPEKTRUM UND ALLE KRANKHEITSSTADIEN DER IPF 1-8 1. OFEV ® Fachinformation. Boehringer Ingelheim International GmbH. Stand: Juli 2017. 2. Cottin V, Taniguchi H, Richeldi L, et al. Effect of baseline emphysema on reduction in FVC decline with nintedanib in the INPULSIS ® trials. Abstract presented at the 18th International Colloquium on Lung and Airway Fibrosis; Mont Tremblant, Canada, September 20-24, 2014. Available at: Accessed June 11, 2015 3. Raghu G, Wells A, Nicholson AG, et al. Effect of Nintedanib in Subgroups of Idiopathic Pulmonary Fibrosis by Diagnostic Criteria. Am J Respir Crit Care Med 2017; 195:78-85 4. Costabel U, Inoue Y, Richeldi L, et al. Effect of baseline FVC on decline in lung function with nintedanib: results from the INPULSIS trials. Abstract presented at the European Respiratory Society International Congress; Munich, Germany, September 6-10, 2014. Available at: http://erj.ersjournals.com/content/44/Suppl_58/1907.short . Accessed August 5, 2015. 5. Kolb M, Richeldi L, Kimura T, et al. Nintedanib in patients with idiopathic pulmoanry fibrosis and preserved lung volume. Thoarx 2016; 0:1-7 6. Cottin V. Nintedanib: a new treatment for idiopathic pulmonary fibrosis. Clin. Invest (Lond.) 2015;5(7):621-632. 7. Keating GM. Nintedanib: a review of its use in patients with idiopathic pulmonary fibrosis. Drugs. 2015;75(10):1131-1140. 8. Bonella F, Stowasser S, Wollin LIdiopathic pulmonary fibrosis: current treatment options and critical appraisal of nintedanib.Drug Des Dev Ther 9, 6407 - 6419 (2015) Ofev 100 mg Weichkapseln, Ofev 150 mg Weichkapseln Ofev 100 mg Weichkapseln: QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Jede Kapsel enthält 100 mg Nintedanib (als Esilat). Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung: Jede Kapsel enthält 1,2 mg Phospholipide aus Sojabohnen. Ofev 150 mg Weichkapseln: QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Jede Kapsel enthält 150 mg Nintedanib (als Esilat).Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung: Jede Kapsel enthält 1,8 mg Phospholipide aus Sojabohnen. Liste der sonstigen Bestandteile: Kapselinhalt: Mittelkettige Triglyceride; Hartfett; Phospholpide aus Sojabohnen (E322) Kapselhülle Gelatine; Glycerol (85 %); Titandioxid (E171); Eisen(III)-oxid (E172); Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2O (E172) Drucktinte Schellack; Eisen(II,III)-oxid (E172); Propylenglycol (E1520) Anwendungsgebiete: Ofev wird angewendet bei Erwachsenen zur Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose (IPF). Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Nintedanib, Erdnuss oder Soja, oder gegen einen der genannten sonstigen Bestandteile. INHABER DER ZULASSUNG: Boehringer Ingelheim International GmbH, Binger Straße 173, 55216 Ingelheim am Rhein, Deutschland Verschreibungspflicht/ Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln und Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen. Zusätzliche medizinische Informationen erhalten Sie telefonisch unter 01/780157870 bzw. per e-Mail unter MEDmedicalinformation.AT@ boehringer-ingelheim.com Stand der Fachkurzinformation: Jänner 2016 AT/OFE/1017/00026

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