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CliniCum pneumo 05/2017

Gräsertablette (Grazax

Gräsertablette (Grazax ® ) GAP-Studie: die krankheitsmodifizierenden Effekte der Gräsertablette Die GAP-Studie liefert den ersten Beleg dafür, dass die spezifische sublinguale Immuntherapie (SLIT) nicht nur Symptome einer allergischen Rhinitis, sondern auch Asthmasymptome verringert. Die placebokontrollierte Studie bestätigt damit erstmals einen krankheitsmodifizierenden Effekt bei Kindern. Von Dr. Susanne Kammerer ❙❙ Viele Kinder mit allergischer Rhinokonjunktivitis entwickeln im weiteren Krankheitsverlauf ein Asthma bronchiale. Ziel der Studie „Grazax® Asthma Prevention (GAP)“ war es zu untersuchen, ob sich durch eine SLIT mit der schnell löslichen Gräsertablette die Entstehung von Asthma bronchiale bei diesen Kindern verhindern lässt. Anzunehmen wäre, dass durch die Erhöhung der immunologischen Toleranz im Sinne des Konzepts der „United Airways“ auch weniger Kinder an Asthma bronchiale erkranken. Hinweise auf einen solchen präventiven Effekt gab es schon früher, allerdings wurde dies nie in einer prospektiven Studie untersucht. In die GAP-Studie wurden 812 Kinder im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren an 101 Zentren in elf europäischen Ländern mit einer Sensibilisierung gegenüber Gräsern und symptomatischem Heuschnupfen eingeschlossen. Nach einer Screeningphase erfolgte eine drei Jahre lange doppelblinde Behandlungsphase, in der entweder die Gräsertablette oder ein Placebo eingenommen wurden. Daran schloss sich ein zweijähriger Nachbeobachtungszeitraum an. 1 Primärer Endpunkt der GAP-Studie war die Zeit bis zur Asthmadiagnose nach drei Kriterien, die speziell für GAP definiert wurden. Darüber hinaus wurden der Einfluss auf die Asthmasymptome, auf Symptome einer Rhinokonjunktivitis, dafür eingenommene Medikation sowie mehrere weitere immunologische Endpunkte untersucht. Weniger Symptome Durch die Gräsertablette konnte das Auftreten von Asthmasymptomen signifikant verringert werden. 2 Dagegen entwickelten die mit Placebo behandelten Kinder im Studienverlauf zunehmend Asthmasymptome und erhielten auch eine entsprechende Medikation, was auf einen protektiven Effekt der spezifischen Immuntherapie hinweist. Der Nutzen der Therapie mit der SLIT-Gräsertablette nahm im Studienverlauf deutlich zu. In den zwei Jahren nach Abschluss der Therapie reduzierte sich das geschätzte Risiko des Auftretens von Asthmasymptomen um fast die Hälfte. Auch der Bedarf an Asthmamedikamenten war in der Interventionsgruppe signifikant niedriger und blieb es auch für die zwei Jahre nach Therapieende. Dagegen hatte die Behandlung keinen Einfluss auf die Zeit bis zur Entstehung eines Asthma bronchiale. Allerdings erfüllten nur wenige Studienteilnehmer die Asthmadiagnosekriterien, sodass die Spezifität und Sensitivität der Kriterien fraglich sind. Auch auf die allergische Rhinitis hatte die Therapie einen signifikanten Einfluss: Selbst am Ende des Nachbeobachtungszeitraums wiesen Patienten noch 24 Prozent weniger Symptome auf. Zudem zeigte ein geringerer Anteil der Patienten eine Sensibilisierung gegen Gräserpollen, auch die IgE-Konzentrationen waren geringer. Besonders bemerkenswert war die Tatsache, dass die SLIT-Tablette im vierten und fünften Jahr, das heißt ein bis zwei Jahre nach Beendigung der Einnahme, noch einen deutlichen Einfluss ausübte. Durch die Immuntherapie mit der Gräsertablette gelang es nicht nur, die Symptome während der Pollenzeit zu verhindern, sondern selbst Asthmasymptome im Winter nahmen ab. Wirkt auch bei Kindern „Mit der GAP-Studie konnte erstmals in einem placebokontrollierten Studiendesign der Nachweis eines krankheitsmodifizierenden Effekts durch die Gräsertablette bei Kindern erbracht werden“, erklärte auch Univ.- Prof. Dr. Eva-Maria Varga, Klinische Abteilung für Pädiatrische Pulmonologie und Allergologie, Universitätsklinik für Kinderund Jugendheilkunde, Graz, und GAP-Studienkoordinatorin in Österreich. Für die hohe Motivation der in die Studie eingeschlossenen Kinder und ihrer Eltern spricht auch, dass 75 Prozent aller Studienteil nehmer nach fünf Jahren die Studie abschlossen. Fazit Mit der GAP-Studie wurde auch erstmals nachgewiesen, dass die Therapie mit der schnelllöslichen SLIT-Gräsertablette selbst in der zweiten Saison nach Einnahmestopp noch wirkt. Dieser Wirknachweis ist ein Alleinstellungsmerkmal der hier untersuchten Tablette. Die GAP-Studie steht in Übereinstimmung mit den bisherigen positiven Studienergebnissen zu dieser SLIT-Tablette: So zeigte sich in zwei Studien eine hochsignifikante Wirksamkeit bei einem Therapiestart von 16 Wochen vor Beginn der Pollensaison bereits in der ersten Gräserpollensaison. 3,4 Die Symptomatik der Rhinokonjunktivitis wurde um durchschnittlich 30 Prozent reduziert (p

Gräsertablette (Grazax ® ) Benefit der SLIT bei Gräserallergie Experten-Statement „Die SLIT gegen Gräser verringert langfristig Asthmasymptome“ Univ.-Prof. Dr. Eva-Maria Varga, Klin. Abt. für Pädiatrische Pulmonologie und Allergologie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Graz, im Gespräch mit CliniCum pneumo zu den Ergebnissen der GAP-Studie CliniCum pneumo: Was ist für Sie das wichtigste Ergebnis der GAP-Studie? Varga: Das Wichtigste war zu zeigen, dass bei Kindern mit Heuschnupfen nach dreijähriger placebokontrollierter Therapie, das heißt in einem Studienarm wurde ein Placebo, im anderen Arm die Gräser-SLIT-Tablette eingenommen, signifikant weniger Asthmasymptome aufgetreten sind. Das Interessante an der GAP-Studie war, dass dieser Effekt auch zwei weitere Jahre nach Ende der Immuntherapie angehalten hat. Nach dreijähriger Therapie und zweijähriger Nachbeobachtungsphase ohne Behandlung wurden die Asthmasymptome bei Therapie mit der Gräsertablette im Vergleich zu Placebo halbiert. Erstmalig wurde in der GAP-Studie an über 600 Kindern in einem placebokontrollierten Studiendesign nachgewiesen, dass bei Kindern, die zu Studienbeginn lediglich Heuschnupfen und kein Asthma bronchiale aufwiesen, mit der Gräsertablette deutlich seltener Asthmasymptome auftreten, und das schon ab dem zweiten Behandlungsjahr. Wie ist zu erklären, dass Patienten auch im Winter also außerhalb der Pollenzeit, unter weniger Beschwerden leiden? Die entzündliche Komponente hat durch die Gräsertablette offensichtlich deutlich abgenommen, dadurch auch die Bereitschaft zur Bronchialobstruktion, was zu einer Reduktion der Asthmasymptome geführt hat. Die spezifische Immuntherapie bei Gräserpollenallergie scheint also auch einen allgemein antiinflammatorischen Effekt zu haben. Halten Sie gerade in der Pädiatrie die sublinguale Verabreichung für einen Vorteil? Die Tablette hat den großen Vorteil, dass die Kinder diese zu Hause, also unabhängig vom Arzt, nehmen können. Lediglich die erste Anwendung soll in Anwesenheit des Arztes erfolgen. Im ersten Monat werden einige lokale Nebenwirkungen bechrieben, d.h. Juckreiz im Mund oder auch Lippenschwellungen. Wenn die Kinder über diese kritische Zeit kommen, merken sie auch sehr rasch, dass die Allergiesymptome geringer werden, nämlich häufig schon in der ersten Gräserpollensaison. Wenn wir die Therapie also im Januar beginnen, haben viele Patienten bereits im Mai und Juni deutlich weniger Heuschnupfensymptome. Dies ist natürlich auch ein Faktor, der sich ganz wesentlich positiv auf die Compliance auswirkt. Im Rahmen der GAP-Studie war auch besonders beeindruckend, dass 75 Prozent aller Studienteilnehmer diese nach fünf Jahren abgeschlossen haben. 5/17 CC pneumo 33

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