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krebs:hilfe! 01-02/2018

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20 ASH

20 ASH 2017 Hämatoonko- News Zeitgleich mit einem Schneesturm trafen auch über 25.000 Experten – mehr oder weniger verspätet – zum weltgrößten Hämatologenkongress in Atlanta, Georgia, ein. Unter dem Motto Präzisionsmedizin wurden über 5.000 Präsentationen vorgestellt. Von Dr. Rosalia Rutter Einzel- vs. Tandem-Hochdosistherapie Beim 59. Treffen der American Hematology Association gab es u.a. Neuigkeiten in der Transplantationsmedizin, mit einem, im Vergleich zu den letzten Jahren, überraschend hohen Anteil an europäischen Präsentationen. Eine der herausragenden Studien (EMNO02/HOVON95) beschäftigte sich mit der Frage, inwiefern die Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation (ASCT) bei multiplem Myelom (MM) im Vergleich zu den neuen Substanzen noch notwendig ist und ob es einen Unterschied hinsichtlich des Überlebens nach Einzel- vs. Tandem-Hochdosistherapie bei neu diagnostizierten Patienten gibt (siehe Kommentar nächste Seite). 1, 2 Insgesamt wurden 1.192 Patienten in die Studie eingeschlossen und erhielten zunächst eine Induktionstherapie mit drei bis vier Zyklen Bortezomib/Cyclophosphamid/Dexamethason (VCD), gefolgt von entweder vier Zyklen Bortezomib/Melphalan/Prednison (VMP) oder einer Einzel- bzw. Tandem-ASCT. Das progressionsfreie Überleben (PFS) war signifikant länger im Hochdosis- als im VMP-Arm (3-Jahres-PFS 64,3 vs. 57%, p=0,002). Hinsichtlich des Gesamtüberlebens (OS) zeigte sich generell kein Unterschied (3-Jahres-OS 84,8 vs. 84,9%, p=0,981). Wurden jedoch nur die Hochrisikopatienten betrachtet (del(17p), t(4;14) oder t(14;16) bzw. Stadium R-ISS III), zeigte sich ein signifikant längeres OS im Hochdosisarm. Patienten mit mindestens einer der genetischen Hochrisikoveränderungen hatten ein Drei-Jahres-OS von 74,1 vs. 61,4 Prozent (p=0,027). Patienten im Stadium R-ISS III hatten ein Drei-Jahres-OS von 69,2 vs. 47,3 Prozent (p=0,009). In den Zentren, die eine Tandem-ASCT praktizieren, wurden zusätzlich 415 Patienten in einen Einzel- oder Tandem- ASCT randomisiert. Hier zeigte sich, dass sowohl das PFS als auch das OS im Tandem-Arm verlängert waren (3-Jahres-PFS 72,5 vs. 64%, p=0,040; 3-Jahres-OS 88,9 vs. 81,5%, p=0,011). Besonders deutlich war dieser Unterschied in der Subgruppe der Patienten mit ungünstiger Zytogenetik zu beobachten, wo sich bezüglich des PFS kein Unterschied mehr zwischen Hochrisiko- und Standardrisikopatienten zeigte (3-Jahres-PFS 69,2 vs. 76,4%, p=0,483). CAR-T weiter im Vormarsch Autologe T-Lymphozyten, denen mittels eines Lentivirus ein chimärer Antigenrezeptor (CAR) eingepflanzt wird (CAR-T- Zellen), sind eine große Hoffnung für die Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen (siehe Kommentar nächste Seite). Was bei der pädiatrischen akuten lymphatischen Leukämie (ALL) bereits gut etabliert und in den USA auch schon zugelassen ist, wird nun auch für andere Malignome wie das MM getestet. Die Ansprechraten erweisen sich als vielversprechend. Im Vordergrund stehen derzeit Studien, die ein Anti-B-cell-maturation-antigen-CAR-T-Konstrukt (anti-BC- MA) verwenden. Dazu gehört die Phase-I- Studie CRB-401, die das CAR-T-Konstrukt bb2121 verwendet hat. 3 In die aktuell präsentierte Auswertung gingen 21 Patienten ein, die median sieben Vortherapien und zuvor eine autologe Stammzelltransplantation erhalten hatten. 43 Prozent waren refraktär gegenüber Bortezomib, Lenalidomid, Carfilzomib und Pomalidomid. Nach einer Konditionierung mit Fludarabin/Cyclophosphamid erhielten die Patienten unterschiedliche Dosierungen von bb2121 (50x10 6 bis 800x10 6 CAR-T-Zellen). Bei den 18 Patienten, die höhere Dosen an infundierten CAR-T-Zellen erhielten, stieg die Ansprechrate auf 94 Prozent. 56 Prozent davon erreichten eine komplette Remission. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 40 Wochen war das mediane PFS noch nicht erreicht. Teilweise konnten bereits lang andauernde Remissionen von mehr als einem Jahr beobachtet werden. Ein Progress der Erkrankung trat bei nur vier der 18 Patienten auf. Die gefürchtete Nebenwirkung des Zytokin-Freisetzungs-Syndroms (ZFS) wurde bei 71 Prozent der Patienten beobachtet und war überwiegend vom Grad 1 oder 2. Zwei Patienten erlitten ein ZFS Grad 3, vier Patienten wurden wegen eines ZFS mit Tocilizumab behandelt. Chemo-freie Optionen bei CLL Für vorbehandelte CLL-Patienten erweitert sich das Therapiespektrum ebenfalls zusehends. Die primäre Analyse von MU- RANO, der ersten Phase-III-Studie von Venetoclax (V) bei Patienten mit rezidivierter/refraktärer chronisch lymphatischer Leukämie (r/r CLL), zeigt eine deutliche Verbesserung des PFS gegenüber der Standard-Therapie mit Bendamustin/Rituximab (BR, siehe Kommentar rechts). 4 Der Prüfarm enthielt eine maximal zwei Jahre dauernde Therapie mit 400mg Venetoclax, kombiniert mit sechs Dosen Ritu- FOTOS: ASH 2017 (2), BARBARA KROBATH (2) 1–2/2018

21 ximab (VR) in CLL-Standarddosierung. Das mediane PFS von BR lag bei 18,1 Monaten, für VR ist es noch nicht erreicht (HR 0,19; p> Vom Aussterben bedroht? Dieses Chemo-Dino-Skelett wurde beim ASH-Jahresmeeting gesichtet. Dramatischer Effekt der Chemo-freien Behandlung Zur CLL wurden beim ASH 2017 Chemotherapie-freie Ansätze untersucht, ebenso wie ein wichtiger neuer Endpunkt, die MRD-Negativität. Zusätzlich stellte man sich mehr und mehr die Frage, ob man die neuen Therapien auch absetzen kann. Die MURANO-Studie zeigt, wie potent die Chemotherapie-freie Behandlung sein kann. Das Konzept war einfach, der Effekt dramatisch – über 80 Prozent Risikoreduktion für ein Fortschreiten der Erkrankung und über 50 Prozent Reduktion des Mortalitätsrisikos. Ein weiterer Hinweis für die Wirksamkeit von Chemotherapie-freien Therapien wurde anhand der ersten Daten der CLARITY-Studie gezeigt. Das Fortsetzen der Therapie bis zum Erreichen einer MRD-Negativität bzw. ein Anpassen der Therapiedauer bis zum Erreichen einer MRD-Negativität ist ein sehr interessanter Ansatzpunkt, wobei wir hier sicher noch ein längeres Follow-up benötigen. OÄ Dr. Sonja Burgstaller Abteilung für Innere Medizin IV Klinikum Wels-Grieskirchen Erfreuliche Ergebnisse von DASFREE und CONTI-PV Die DASFREE-Studie hat gezeigt, dass die behandlungsfreie Remission bei Patienten mit chronisch myeloischer Leukämie in der chronischen Phase unter Dasatinib möglich ist – sowohl in der Erst- als auch in der Zweitlinie (bei Patienten mit Imatinib-Resistenz), vorausgesetzt man erreicht eine sehr tiefe Remission. Etwa die Hälfte der Patienten blieb nach Absetzen von Dasatinib in Remission. 41 der 43 Patienten, bei denen dies nicht gelang, sprachen bei Wiedereinsetzen der Therapie wieder an. 7 Die Interferon-Formulierung Ropeginterferon alfa-2b stellt eine neue Therapieoption bei Polycythaemia vera dar, die nicht nur bessere hämatologische Remissionen erreicht, sondern auch imstande ist, molekuare Remissionen zu erreichen, und dadurch eine krankheitsmodifizierende Wirkung zeigt. OA Dr. Thamer Sliwa 3. Medizinische Abteilung Hanusch-Krankenhaus Wien 1–2/2018

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