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krebs:hilfe! 01-02/2018

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IV JAHRESRÜCKBLICK

IV JAHRESRÜCKBLICK 2017 Darüber hinaus sind die Toxizitäten geringer als bei den meisten Chemotherapien in der Zweitlinie, und die Lebensqualitätsparameter weisen bessere Werte auf. Allerdings betrug die Ansprechrate nur 13,3 Prozent. Ein ähnliches Abschneiden wie Nivolumab zeigte in einer Phase-III-Studie Pembrolizumab – der Signifikanzvorteil wurde allerdings knapp nicht erreicht. Mit großem Interesse werden nun Kombinationstherapien von immuntherapeutisch wirksamen Substanzen verfolgt. So laufen Take Home Messages • Die bessere Prognose von HPV- positiven Kopf-Hals- Tumoren schlägt sich nun auch in der TNM-Klassifikation nieder. • Nivolumab stellt bei einzelnen Patienten nach Therapieversagen einer platinhältigen Therapie eine gute Option dar. derzeit Phase-III-Studien, in denen Kombinationen von CT- LA-4-, PD1- bzw. PDL1-Antikörpern untersucht werden. Auch die Kombination der Immuntherapie mit der Chirurgie bei operablen Tumoren – meist im neoadjuvanten Setting – ist ein spannendes Gebiet. Die Kombinationen verschiedener immuntherapeutisch wirksamer Substanzen sollen den Makel der geringen Ansprechraten bei Immuno-Monotherapien wettmachen. Abzuwarten bleibt, wie sich die Zunahme von Grad-3- und -4-Toxizitäten bei den Kombinationstherapien auswirken wird und welchen Einfluss dies auf die Lebensqualität von Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren haben wird. < Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Burian HNO, Kopf- und Halschirurgie Ordensklinikum, Barmherzige Schwestern Linz Praxisrelevantes bei Brustkrebs Von OÄ Dr. Theresa Czech Hormonrezeptor-positives Mammakarzinom Viel diskutiert wurde in den letzten Jahren der mögliche Benefit einer verlängerten adjuvanten endokrinen Therapie beim Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinom. Mehrere Metaanalysen zeigen einen marginalen Vorteil für die verlängerte Therapie (Ibrahim EM et al., Med Oncol 2017; 34(7): 131; Gold vaser H et al., Cancer Treat Rev 2017; 60: 53–9). In San Antonio 2017 wurden von Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant, Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie, Wien, die letzten ausständigen Daten der SALSA-/ABCSG 16-Studie, eine der bislang größten ABCSG-Studien (n=3.484) präsentiert (Gnant M et al., SABCS 2017; Abstract GS3-01; siehe auch Seite 28). Eingeschlossene Patientinnen erhielten laut Studienprotokoll entweder Anastrozol für zwei vs. fünf Jahre als erweiterte adjuvante Therapie nach initial fünf Jahren adjuvanter endokriner Therapie. Eingeschlossene Patienten hatten ein rezidivfreies Überleben nach 60 Monaten initialer adjuvanter Therapie mit Tamoxifen oder Aromatase-Inhibitor(AI)-Therapie oder Tamoxifen gefolgt von AI-Therapie. Auch hier konnte gezeigt werden, dass selbst im High-Risk-Kollektiv der Benefit der verlängerten Gabe sehr gering ist – ein Vorteil im erkrankungsfreien Überleben (DFS) konnte nicht bewiesen werden (p=0,925; HR 1,007). Aufgrund dieser Daten sollte die Indikation zur verlängerten endokrinen Therapie sehr streng gestellt werden: vor allem über das zunehmende Osteoporoserisiko muss die Patientin aufgeklärt werden. HER-2-positives Mammakarzinom Die wohl wichtigste Studie zum HER-2-positiven Mammakarzinom wurde heuer am ASCO in Chicago von Prof. Dr. Gunther von Minckwitz, Gründer und ehemaliger Leiter der German Breast Group, Deutschland, präsentiert (Von Minckwitz G et al., ASCO 2017; Abstract LBA500). Die APHINITY-Studie beschäftigte sich mit der Fragestellung, ob die duale Blockade mit Pertuzumab und Trastuzumab in der Erhaltungstherapie einen zusätzlichen Nutzen bringt. Ein geringer statistischer Benefit konnte für die duale Blockade gezeigt werden, wobei der Effekt bei nodal-positiven Patientinnen etwas größer ist. Diese Borderline-Signifikanz ist möglicherweise durch ein zu kurzes Followup von nur 45,4 Monaten zu erklären. Offen bleibt die Frage, welche Patientin nun wirklich von der dualen Blockade in der Adjuvanz profitiert. Die Multicenter-Phase-III-Studie ExteNET wurde heuer am ESMO in Madrid präsentiert. Eingeschlossen wurden HER-2-positive Mammakarzinom-Patientinnen (n=2.840), die nach adjuvantem Trastuzumab 1:1-randomisiert den oralen irreversiblen Gnant präsentiert in San Antonio die letzten ausständigen Daten aus SALSA, einer der bislang größten ABCSG-Studien. FOTOS: PRIVAT (2), BARBARA KROBATH, MEDMEETINGIMAGES TODD BUCHANAN 2017 1–2/2018

V Tyrosinkinaseinhibitor Neratinib vs. Placebo erhielten (Martin Jimenez M et al., ESMO 2017; Abstract 149O). Im Gegensatz zum HERA-Trial mit einem vs. zwei Jahren Trastuzumab und medianem Follow-up von acht Jahren (Cameron D et. al., Lancet 2017; 389 (10075): 1195–205) konnte in ExteNET nach einem Jahr adjuvantem Trastuzumab gefolgt von Neratinib ein verlängertes erkrankungsfreies Überleben erreicht werden. Neratinib scheint geeignet zu sein, Spätrezidive vor allem bei luminalen HER-2-positiven Tumoren zu vermeiden. Diese Daten führten bereits zur FDA-Zulassung in den USA. Etwa 55 Prozent aller Patientinnen unter Neratinib entwickeln Diarrhoe, vor allem bei Therapiebeginn, so dass eine Loperamid-Prophylaxe unabdingbar ist. Triple-negativer Brustkrebs (TNBC) In San Antonio wurde eine „Practice changing“-Studie zum triple-negativen Mammakarzinom präsentiert. In der Survival-Analyse der GeparSepto-Studie konnte erstmals gezeigt werden, dass durch nab-Paclitaxel vs. Paclitaxel in der Neoadjuvanz deutlich höhere Raten einer pathologischen Komplettremission (pCR 38 vs. 29%) erzielt werden können (Schneeweiss A et al., SABCS 2017; Abstract GS3-05). Dieser Effekt ist beim TNBC am stärksten ausgeprägt. Die Ergebnisse schlagen sich auch beim DFS und OS nieder. Weiters korreliert das Erreichen einer pCR direkt mit einem besseren Outcome. Aufgrund dieser Daten kann Patientinnen mit einem triple-negativen Mammakarzinom, nab-Paclitaxel nicht mehr vorenthalten werden. In der randomisierten, kontrollierten, Placebo-kontrollierten Phase-III-OlympiAD-Studie wurde evaluiert, ob der PARP-Inhibitor Olaparib beim metastasierten BRCA-mutierten Mammakarzinom das Überleben verlängert (Robson M et al., N Engl J Med 2017; 377: 523–33). Unter Olaparib-Monotherapie versus Standardchemotherapie konnte ein signifikant verlängertes medianes progressionsfreies Überleben (7 vs. 4,2 Monate) erzielt werden. PARP- Inhibitoren werden, wie bereits beim Ovarialkarzinom, eine potente Therapieoption beim BRCA-mutierten Mammakarzinom darstellen. Fertilitätsprotektion Oozyten- und Embryokryokonservierung sind mittlerweile Standardstrategien bei jungen Patientinnen mit onkologischen Grunderkrankungen, jedoch kann dadurch eine prämature Ovarialinsuffienz nicht verhindert werden. Nach den Fertiprotekt- Leitlinien konnten GnRH-Analoga bei Hormonrezepor-negativen Mammakarzinomem empfohlen werden, bei Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs war der Effekt bislang nicht eindeutig. Dr. Matteo Lambertini, National Cancer Institute, Genua, Italien, präsentierte heuer in San Antonio eine gepoolte Metaanalyse von fünf randomisierten Studien, die den Effekt von GnRH- Analoga zur Fertilitätsprotektion evaluierten (Lambertini M et al., SABCS 2017; Abstract GS4-01). Die Metaanalyse konnte für alle Subgruppen einen positiven Effekt von GnRH-Analoga bezüglich der prämaturen Ovarialinsuffizienz, Amenorrhoe, Gesamtüberleben, DFS und Schwangerschaft zeigen. Unabhängig vom Rezeptorstatus sollen nun Patientinnen mit unabgeschlossenem Kinderwunsch und Mammakarzinom GnRH-Analoga zum Erhalt der Ovarialfunktion erhalten. < OÄ Dr. Theresa Czech Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe Innsbruck Take Home Messages • Die adjuvante Gabe von Anastrozol über zehn statt sieben Jahre bringt keinen Vorteil im erkrankungsfreien Überleben (DFS). • Beim HER2-positiven Mammakarzinom brachte die duale Blockade mit Pertuzumab und Trastuzumab in der Erhaltungstherapie einen geringen statistischen Benefit (bei nodal-positiven Patientinnen etwas größer). • Die adjuvante Gabe von Niraparib über ein Jahr, nach vorheriger einjähriger Trastuzumab-Therapie, verlängerte beim HER2-positiven Mammakarzinom das DFS. • Für das triple-negative Mammakarzinom konnte erstmals gezeigt werden, dass durch nab-Paclitaxel vs. Paclitaxel in der Neoadjuvanz deutlich höhere Raten einer pathologischen Komplettremission erzielt werden. • Unter Olaparib-Monotherapie konnte gegenüber einer Standardchemotherapie beim triple-negativen Mammakarzinom ein signifikant verlängertes medianes progressionsfreies Überleben erzielt werden. • Unabhängig vom Rezeptorstatus sollen Patientinnen mit unabgeschlossenem Kinderwunsch GnRH-Analoga zum Erhalt der Ovarialfunktion erhalten. Bestrahlung: START-B-Schema als Standard bestätigt Das in Skandinavien und Großbritannien bereits seit Jahren etablierte START-B-Schema (40 Gy in 15 Fraktionen zu 2,67 Gy über drei Wochen) bei Patientinnen mit einem Mammakarzinom wurde in den AGO-Leitlinien und bei der 15. St. Gallen Breast Cancer Conference (15.–18. März 2017 in Wien) als Behandlungsstandard wieder bestätigt (Lancet 2008; 371 (9618): 1098–107). Dieses Schema kann bei den Tumorstadien pT1-3a pN0-1 M0, Alter >18 Jahre, nicht sofort rekonstruierten Mammae und erwarteter Compliance für die Nachsorge angewendet werden. Durch linksseitige Mamma- oder Thoraxwand-Bestrahlung in tiefer Inspiration (Deep Inspiration Breath Hold) kann zusätzlich das Herz optimal geschont werden. Prim. Univ.-Doz. Dr. Annemarie Schratter-Sehn (Foto), OÄ Dr. Claudia Steffal Institut für Radioonkologie Sozialmedizinisches Zentrum Süd, Kaiser- Franz-Josef-Spital, Wien 1–2/2018

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