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krebs:hilfe! 01-02/2018

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VI JAHRESRÜCKBLICK

VI JAHRESRÜCKBLICK 2017 Update Brustchirurgie Von Univ.-Prof. Dr. Florian Fitzal, FEBS MBA 2017 war nicht das Jahr der Paradigmenwechsel, sondern das der (wiederaufgeflammten) Diskussionen bzw. der Verfeinerungen und Bestätigungen einiger Vorgehensweisen. Resektionsrand wieder in Diskussion Die letzte große Metaanalyse von Houssami 2014 führte zu neuen Richtlinien auf der ganzen Welt bzgl. des Resektionsrandes. Im Gegensatz zu früher wird nun der Terminus „no tumor on ink“ als R0-Definition angesehen. Damit ist gemeint, dass das Risiko, überbleibende Krebszellen in der Brust zu finden, ausreichend gering ist, um diese mit einer adjuvanten Strahlentherapie zu behandeln. Holland konnte in einer bekannten Anatomiestudie beweisen, dass es bis zu 40 Prozent Krebszellen in der übrigen Brust nach brusterhaltender Operation gibt. Beim heurigen St.-Gallen-Konsensus-Kongress in Wien bestätigte man nun diese Definition (Curigliano G et al., Ann Oncol 2017; 28(8): 1700–12). Vicini et al. präsentierten allerdings beim SABCS eine neue Metaanalyse, in die sie alle zwischen 1995 und 2016 durchgeführten, mit exakten pathologischen Definitionen arbeitenden und mindestens 50 Monate Follow-up bietenden Studien einfließen ließen - und stellten diese Definition wieder infrage (Vicini F et al., SABCS 2017, Abstract GS5-01). In dieser Analyse mit 55.302 Patientinnen (und sehr komplexer Statistik) zeigte sich, dass ein 2mm-Resektionsrand ein optimales Lokalrezidiv-freies Überleben erbrachte. In der Diskussion mit Monika Morrow am Ende einigten sich beide darauf, dass gültige Guidelines derzeit nicht abgeändert werden sollten und bei einem Resektionsrand unter 2mm keine zwingende Nachresektion geplant werden soll, ähnlich zu der Diskussion bei der ductalen intraepithelialen Neoplasie (DIN oder DCIS). Keine Axilladissektion bei Mikrometastasen im Sentinel Zehn-Jahres-Daten der Italienisch-Schweizerischen IBCSG- 2301-Studie, präsentiert am SABCS 2017, zeigten weiterhin keinen Benefit für eine Axilladissektion bei einer Mikrometastase im Sentinel – auch nicht bei mastektomierten Frauen (Galimberti V. et al., SABCS 2017, Abstract GS5-02). Der Sentinel nach neoadjuvanter Therapie und klinisch negativer Axilla wurde in St. Gallen heuer durchwegs als Standard akzeptiert. Sollte vor der neoadjuvanten Therapie der Lymphknoten klinisch positiv gewesen sein, war man sich jedoch uneinig. Hier gilt die Frage, wie gut die klinische Einschätzung der Axilla ist. Daten konnten heuer zeigen, dass der Ultraschall (US) immer noch die beste Methode ist und vor der MR und vor allem dem CT liegt. Prinzipiell ist aber auch bei Frauen mit prätherapeutisch klinisch positiver Axilla und posttherapeutisch negativer Axilla im US eine gute falsch negativ Rate zu erzielen, wenn entweder drei Sentinel-Lymphknoten gefunden wurden, eine duale Färbetechnik verwendet oder der positive Lymphknoten Klip-markiert und dieser dann entfernt wurde. Einige Studien zu diesem Thema sind in Europa geplant (TAXIS, SE- NOMAC). Keine OP bei Stadium IV Die österreichische ABCSG-Studie 28/POSYTIVE wurde heuer beim ASCO präsentiert und konnte zeigen, dass eine Operation des Primums bei „De novo Stage IV“-Brustkrebspatientinnen keinen Vorteil brachte (Bjelic-Radisic V et al., ASCO 2017, Abstract 1074). Sie wurde allerdings frühzeitig gestoppt. Die Daten sind vergleichbar mit zwei weiteren schon präsentierten Studien aus der Türkei und Indien. Daten der amerikanischen Studie werden 2018 erwartet. Einzeitige Rekonstruktion komplikationsreicher Eine prospektiv randomisierte Studie wurde im „Lancet“ publiziert und vergleicht Sofortrekonstruktion nach Mastektomie mittels endgültiger Prothese und ADM (Allergan und Strattice) versus Expander und sekundärer Prothesenrekonstruktion (Dikmans RE et al., Lancet Oncol 2017; 18(2): 251–8). Nur zehn Prozent wurden adjuvant strahlentherapiert. Es kam bei einzeitiger Rekonstruktion aber zu einer signifikant höheren Komplikationsrate (29 versus 5%) durch Wundinfektionen, Heilungsverzögerung und Nekrosen mit einer erhöhten Implantat-Verlustrate von 26 versus 4 Prozent. Die größte Serie an Sofortrekonstruktion mittels Omentumlappen wurde heuer von Zaha Hisamitsu publiziert. Von 200 Fällen konnte in 99,5 Prozent das Netz gehoben werden, 32 Prozent hatten ein weiteres Volumsdefizit. In nur zwei Prozent kam es zu laparoskopischen Komplikationen (2x Blutung und 2x Hernien) und 80 Prozent waren mit dem Ergebnis zufrieden oder sehr zufrieden (Zaha H et al., Breast Cancer Res Treat 2017; 162(2): 267–74). Keine Lymphomwarnung bei Prothesen Eine große Übersichtsanalyse publizierter Daten zum Thema Brustimplantat-assoziiertes anaplastisches großzelliges Lymphom (BIA-ALCL) und Prothesen zeigte 130 histologisch gesicherte Erkrankungen bei weltweit 363 berichteten Fällen (Srinivasa D et al., Plast Reconstr Surg 2017; 139(5): 1029–39). 50 Prozent dieser Fälle waren bei Prothesen mit texturierter Oberfläche aufgetreten und nur vier Prozent bei glatter, der Rest war unbekannt. Prinzipiell ist das Lymphom-Risiko scheinbar durch Prothesen erhöht. Die sehr niedrige Inzidenz und die nicht sicher statistisch nachvollziehbare tatsächliche Risikosteigerung durch Implantate sind ausschlaggebend dafür, dass weiterhin keine Warnung von Gesellschaften oder Regierungen ausgesprochen wurde. < Univ.-Prof. Dr. Florian Fitzal, FEBS MBA Universitätsklinik für Chirurgie Wien FOTOS: SABINE GRUBER/CCC VIENNA, BARBARA KROBATH (4), MEDONLINE 1–2/2018

VII Lungenkrebs: 15 Take Home Messages Von OA Dr. Maximilian Hochmair, OA Dr. Rainer Kolb, Dr. Romana Wass, PhD Den gesamten Artikel zum Jahresrückblick der Lungenkarzinomstudien finden Sie unter https://medonline.at sowie in der nächsten Ausgabe der krebs:hilfe. OA Dr. Georg Pall, Fachkliniken Wangen, Deutschland, hat die wichtigsten neuen Daten im Video-Interview zusammengefasst, siehe https://medonline.at. Video: State-of-the-art-Therapie des Lungenkarzinoms OA Dr. Georg Pall, Fachkliniken Wangen, Deutschland, beantwortet in diesem Video die Frage, ob die Immuntherapie in Zukunft auch als kurative Therapie eingesetzt werden kann. So funktioniert es: 1. Laden Sie die neue medONLINE Augmented Reality App (AR + ) für iOS und Android aus dem App Store oder Google Play Store. Weitere Infos unter: https://medonline.at/app/ 2. Aktivieren Sie den AR-Scanner 3. Scannen Sie den gekennzeichneten Inhalt 4. Schon können Sie den Inhalt ansehen Darüber hinaus steht Ihnen mit der App das gesamte Angebot von medonline.at – aktuelle Kongressvideos, laufend neue DFP-Kurse und onkologische Fachartikel – zur Verfügung! • Der PD-L1-Antikörper Atezolizumab ist in der Zweitlinie wirksamer als Docetaxel, sowohl bei PD-L1-Hoch exprimierern als auch bei PD-L1-negativen Tumoren. • Die Gabe von Atezolizumab über den Progress ist von Vorteil. • Die kontinuierliche Gabe von Nivolumab ist der auf ein Jahr begrenzten Gabe überlegen. • Tumormutationslast und Darmmikrobiom beeinflussen das Ansprechen auf PD1/PD-L1-Immuntherapien. • Adjuvantes Durvalumab reduziert die Metastasierung gegenüber Radiochemotherapie allein. • Alectinib ist neuer Erstlinienstandard beim ALK-positiven NSCLC. • Ceritinib ist in niedriger Dosierung mit Nahrung besser verträglich und vergleichbar wirksam wie die Standarddosis. • Alectinib reduziert die Hirnmetastasierung verglichen mit Crizotinib. • Die Drittgenerations-ALK-Inhibitoren Brigatinib, Ensartinib und Lorlatinib sind bei Resistenz wirksam. • Dacomitinib ist in der ARCHER-Studie bei asiatischen Patienten signifikant wirksamer als Gefitinib. • Afatinib ist bei ZNS-Metastasen und leptomeningealer Erkrankung von Vorteil. • Osimertinib steigert das PFS vs. Gefitinib oder Erlotinib in der Erstlinienstudie FLAURA. • Beim nicht resektablen NSCLC verbessert adjuvantes Gefitinib das PFS gegenüber Chemotherapie im Langzeitverlauf nicht. • Dabrafenib plus Trametinib ist neuer Standard beim BRAF-mutierten NSCLC. • Crizotinib ist beim MET-del14-mutierten NSCLC wirksam. OA Dr. Maximilian J. Hochmair Onkologische Ambulanz und Tagesklinik Otto-Wagner-Spital Wien OA Dr. Rainer Kolb Abteilung für Lungenkrankheiten Klinikum Wels-Grieskirchen Dr. Romana Wass, PhD Universitätsklinik für Pneumologie Salzburg 1–2/2018

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