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krebs:hilfe! 01-02/2018

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XVIII JAHRESRÜCKBLICK

XVIII JAHRESRÜCKBLICK 2017 Erste Drittlinie bei Schilddrüsenkarzinom Für die Therapie von PatientInnen mit progredientem radiojodrefraktärem Schilddrüsenkarzinom stehen seit einigen Jahren die in dieser Indikation zugelassenen Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) Lenvatinib und Sorafenib zur Verfügung. Zur Drittlinientherapie des radiojodrefraktären Schilddrüsenkarzinoms lagen bisher keine Berichte vor. Eine im Jahr 2017 (Cabanillas ME et al., J Clin Oncol 2017; 10: 3315–21) publizierte Phase-II-Studie demonstrierte erstmals bei 25 zweifach vorbehandelten Patienten mit Krankheitsprogression eine Wirksamkeit des Multikinase- Inhibitors Cabozantinib in einer Tagesdosis von 60 bis 80mg. Das mediane PFS lag bei 12,7 und das Gesamtüberleben bei 34,7 Monaten. 40 Prozent der Patienten erzielten ein partielles Ansprechen, und 52 Prozent erreichten eine Stabilisierung nach RECIST1.1-Kriterien. Take Home Messages • SIRT ist beim Leberzellkarzinom gleich wirksam wie Sorafenib, ermöglicht aber eine signifikant höhere Lebensqualität. • Die ersten Ergebnisse zur Toxizität der Therapie mit 177 Lu- PSMA-617 beim metastasierenden, kastrationsrefraktären Prostatakarzinom erbrachten eine geringe Toxizität und gute Verträglichkeit. pression und Differenzierungsgrad, aus diagnostischen bildgebenden und molekularen Verfahren seit Jahren Anwendung. Dabei werden vorzugsweise Beta-Strahler eingesetzt, zukünftig werden vermehrt die strahlenbiologisch noch wirksameren Alpha- Strahler wie Actinium-225 zur Anwendung kommen. Die PET-Bildgebung beim biochemischen Rezidiv des kurativ behandelten Prostatakarzinoms mit Radiopharmaka zur Darstellung der Expression des Prostata-spezifischen-Membran-Antigens (PSMA) hat in Österreich in den letzten Jahren breite klinische Anwendung gefunden, vorzugsweise in Form der 68 Gallium ( 68 Ga)-PSMA-11-PET/CT oder -PET/MR. Als Grundlage des Konzepts der Theranostik ist die Ga-68-PS- MA-PET zudem für Therapieplanung mit 177 Lutetium ( 177 Lu)- PSMA erforderlich. Vergleichbar mit der Peptid-Rezeptor-Radionuklid-Therapie bei neuroendokrinen Tumoren wirkt an PS- MA gebundenes 177 Lu mit hoher Spezifität am Tumorgewebe. Baum veröffentlichte die Ergebnisse zu 56 Patienten mit metastasierendem, kastrationsrefraktärem Prostatakarzinom, die insgesamt 125 Behandlungen erhielten (mediane Aktivität 5,8GBq 177 Lu-PSMA; Baum RP et al., J Nucl Med 2016; 57(7): 1006– 13). Er berichtet über einen Abfall des PSA-Spiegels bei 80,3 Prozent der Patienten, wobei 33 Prozent einen Abfall um mehr als 50 Prozent erreichten. Eine komplette Schmerzfreiheit wurde bei 58 Prozent der Patienten mit ossären Metastasen und dadurch bedingten Schmerzen erzielt. Das PFS lag bei 13,7 Monaten. Der ECOG-Status blieb bei 74 Prozent der behandelten Patienten stabil. Die ersten Ergebnisse zur Toxizität der Therapie mit 177 Lu-PS- MA-617 aus einer retrospektiven deutschen Multicenterstudie bei 145 Patienten mit metastasierendem, kastrationsrefraktärem Prostatakarzinom erbrachten eine geringe Toxizität und gute Verträglichkeit der Therapie mit 177 Lu-PSMA-617 (Rahbar K et al., J Nucl Med 2017; 58: 85–90). Die Patienten erhielten median zwei (Spannweite 1–4) Behandlungen mit 177 Lu-PSMA-617 mit einer Aktivität von 5,5 bis 7,4 GBq. Die Häufigkeit der Grad-3/4-Toxizitäten lag für nicht hämatologische Ereignisse bei zwei Prozent, für eine Grad-3/4-Anämie bei zehn Prozent und für eine Thrombozytopenie dritten oder vierten Grades bei vier Prozent. 45 Prozent der Patienten wiesen einen Abfall der PSA- Spiegel um mehr als 50 Prozent auf. < Dr. Gregor Schweighofer-Zwink Universitätsklinik für Nuklearmedizin und Endokrinologie PMU Salzburg Prim. Univ.-Prof. Dr. Christian Pirich Universitätsklinik für Nuklearmedizin und Endokrinologie PMU Salzburg FOTOS: CHRISTIAN PIRICH, BARBARA KROBATH, PRIVAT, ASH 2017 1–2/2018

XIX Flut an neuen hämatologischen Studien Von OÄ Priv.-Doz. Dr. Alexandra Böhm Rückblickend gab es im Jahr 2017 zahlreiche praxisrelevante Erkenntnisse aus klinischen Studien und Highlights aus dem Bereich der Immuntherapie. Chronisch lymphatische Leukämie (CLL) Die Inhibierung der B-Zell-Signaltransduktion durch Venetoclax hat bereits in den letzten Jahren Einzug in die Behandlung von zahlreichen hämatologischen Erkrankungen gefunden. Hier konnte die MURANO-Studie beim Rezidiv/Relaps einer CLL einen deutlichen Vorteil im progressionsfreien Überleben (PFS) zugunsten der Venetoclax/Rituximab-Kombination gegenüber Bendamustin/Rituximab zeigen. Auch die Gabe von Venetoclax mit Ibrutinib, einem BTK-Inhibitor, zeigte bei ähnlichen Patienten sehr gute Ergebnisse. Die deutsche CLL-13-Studie, die auch in einigen österreichischen Zentren angeboten wird, untersucht jetzt basierend auf diesen Ergebnissen vier Kombinationstherapien bei Patienten mit unbehandelter CLL: Chemo-/Immuntherapie, Rituximab/ Venetoclax, Obinutuzumab/Venetoclax sowie Obinutuzumab/ Ibrutinib/Venetoclax. Bei jungen, fitten CLL-Patienten bleibt aktuell noch die Chemo-/Immuntherapie Standard, mit dem Vorteil einer begrenzten Behandlungsdauer. Für ältere Patienten und/oder High-Risk-Patienten, z.B. jenen mit einer TP53-Mutation, stehen aber bereits andere, chemo-freie Therapiemodalitäten zur Verfügung. Follikuläres Lymphom Beim therapiebedürftigen follikulären Lymphom wurde – basierend auf der GALLIUM-Studie, die eine Überlegenheit gegenüber Rituximab zeigte – der CD20-Antikörper Obinutuzumab in Europa zugelassen (siehe auch Seite 26). Morbus Hodgkin Die HD-18-Studie für fortgeschrittene Stadien des Morbus Hodgkin war eine Therapieoptimierungsstudie, die belegte, dass das Interims-PET-CT nach zwei Zyklen dosiseskaliertem CAR-T-Zell-Therapie besser managen Bei den lymphoproliferativen Erkrankungen wurde weiterhin der Einsatz der Chimeric Antigen Receptor T-cells (CAR-T-Zellen) untersucht und 2017 bereits im amerikanischen Raum durch die FDA zugelassen. Die Herstellung für einen breiteren Einsatz ist zwar weiterhin noch nicht ausreichend optimiert, aber das Management der Nebenwirkungen – insbesondere des Cytokin-Release-Syndroms – über die Blockade von IL-6 lässt sich mittlerweile besser beherrschen. Die Zulassung für Tocilizumab, einem Il- 6-Antikörper, wurde um diese Indikation erweitert. 1–2/2018

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