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krebs:hilfe! 01-02/2018

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30 ASCO GI

30 ASCO GI 2018 Gastrointestinale Highlights aus San Francisco Zirkulierende Tumorzellen könnten die Früherkennung von Kolorektalkarzinomen (CRC) erleichtern, und eine Immuntherapie-Kombi zeigt Erfolg bei MMRdefizientem, Mikrosatelliten-instabilem fortgeschrittenem CRC. Beim Magenkarzinom wird Ramucirumab trotz positiver Studie keinen Einzug in die Erstlinie finden. Von Mag. Anna Egger Beim diesjährigen Gastrointestinal Cancers Symposium der American Society of Clinical Oncology in San Francisco wurden über 1.000 Abstracts vorgestellt. Im Folgenden finden Sie eine Auswahl der vom Kongress als „notable Abstracts“ definierten Arbeiten (siehe auch Kasten). Früherkennung des Kolorektalkarzinoms Ein Screening zirkulierender Tumorzellen (CTCs) identifizierte Vorstufen eines Kolorektalkarzinoms bzw. Stadium I–IV-Tumore mit einer Genauigkeit von 84 bis 88 Prozent, die unter Einbeziehung von Sensitivität und Spezifität errechnet wurde (Tsai W-S et al., Abstract 556). Zu dem Ergebnis kam eine prospektive Studie mit 620 Personen, die eine Routine-Koloskopie durchführen ließen oder bei denen bereits ein CRC diagnostiziert worden war. 438 Personen hatten entweder adenomatöse Polypen oder Tumore im Früh- und Spätstadium. Bei allen anderen fanden sich keine Anzeichen von Vorstufen oder Karzinomen. Blutproben aller Studienteilnehmer wurden unter Verwendung des Assays CMx auf seltene CTCs untersucht, die in frühen Tumorstadien vorhanden sind. Die Ergebnisse daraus wurden in einer verblindeten Analyse mit jenen der Koloskopie verglichen. Die Spezifität, also der Anteil gesunder Personen mit korrekterweise unauffälligem Befund lag bei 97,3 Prozent. Die Sensitivität betrug 77 Prozent für die Detektion von CTCs in Vorstufen und 87 Prozent für Karzinome. Die aus diesen Werten errechnete Genauigkeit von 84 bis 88 Prozent ist vergleichsweise höher als jene für einen fäkalen okkulten Bluttest. Chirurgie des Ösophaguskarzinoms Die Roboter-assistierte minimalinvasive thorako-laparoskopische Ösophagektomie (RAMIE) zeigte sich in einer randomisierten Studie mit 112 Patienten mit resektablem intrathorakalem Ösophaguskarzinom gegenüber offener transthorakaler Ösophagektomie (OTE) überlegen (Van Der Sluis PC et al., Abstract 6). Koprimäre Endpunkte waren das Auftreten von postoperativen Komplikationen nach modifizierter Clavien-Dindo-Klassifikation Grad 2-5. Diese waren in der RA- MIE-Gruppe (59%) deutlich geringer als in der OTE-Gruppe (80%; RR 0,74; p=0,02). Infolge einer RAMIE kam es zu geringeren Blutverlusten (400 vs. 568ml, p

31 Dr. Jordi Bruix, Universität Barcelona, Spanien, der eingeladen wurde, den Abstract zu diskutieren, stuft den OS-Vorteil ebenfalls als klinisch relevant ein. Die mediane Expositionsdauer von Cabozantinib von 3,8 Monaten, bei einem medianen PFS von 5,5 Monaten lässt Bruix allerdings vermuten, dass viele Patienten die Therapie absetzten: „Das müsste besser untersucht werden.“ Sorafenib (S) in Kombination mit transarterieller Chemoembolisation (TACE) verbesserte das PFS gegenüber TACE alleine bei nicht resektablem HCC (Kudo M et al., Abstract 206). Das zeigte eine randomisierte, multizentrische Vergleichsstudie mit insgesamt 156 Patienten mit zwei oder weniger TACE-Vortherapien, ohne makrovaskuläre Invasion und extrahepatische Streuung, weniger als zehn intrahepatischen Läsionen mit einer maximalen Größe von 10cm. Das PFS war definiert als Zeit bis zu einer nicht behandelbaren Progression oder Versterben des Patienten. Neue intrahepatische Läsionen zählten nicht als Progression, da diese kein Therapieversagen implizieren würden, so Erstautor Prof. Dr. Masatoshi Kudo, Kindai University School of Medicine, Osaka, Japan. Das mediane PFS belief sich auf 13,5 vs. 25,2 Monate (HR 0,59; p=0,006) in der TACE- vs. TACE/S-Gruppe. Das mediane OS war zum Zeitpunkt der Auswertung nicht erreicht. Die mediane Zeit bis zur nicht-TACE-behandelbaren Progression lag bei 20,6 vs. 26,7 Monaten (HR 0,57; p=0,02). Das Nebenwirkungsprofil erwies sich als konsistent mit jenem aus früheren TACE-Kombinationsstudien. „Der in dieser Studie definierte Endpunkt ist ein guter Ansatz, der die Aktivität von Kombinationen im Bereich der Chemoembolisation bestätigen könnte“, kommentiert ASCO-Diskutant Bruix. Allerdings sei eine Validierung des neuen Endpunktes notwendig, um zu klären, ob er ein sinnvoller Marker für das Überleben sei. Die Therapie mit Pembrolizumab bewirkte bei Patienten mit fortgeschrittenem HCC nach Sorafenib-Vorbehandlung eine Gesamtansprechrate von 16,3 Prozent, mit einem Prozent komplettem Ansprechen, (Zhu AX et al., Abstract 209). Von 104 in die Phase-II-Studie KEYNOTE-224 eingeschlossenen Patienten setzten 23 die Therapie nach einem medianen Follow-up von 8,4 Monaten weiter fort. Das mediane PFS lag bei 4,8 Monaten, das mediane OS war zum Zeitpunkt der Auswertung nicht erreicht. Die Kombination Nivolumab/Ipilimumab erzielte bei Patienten mit Kolorektalkarzinom und DNA-Mismatch-Repair-Defizienz/hoher Mikrosatelliteninstabilität (dMMR/MSI-H) eine Gesamtansprechrate von 55 Prozent (Andre T et al., Abstract 553). Von insgesamt 119 eingeschlossenen Andre präsentierte Ergebnisse mit Nivolumab/ Ipilimumab bei Patienten mit Kolorektalkarzinom und dMMR/MSI-H. Neun Notable Abstracts Patienten hatten 76 Prozent bereits zwei oder mehr Therapielinien erhalten. Das mediane Follow-up lag bei 13,4 Monaten. Es wurde eine Krankheitskontrollrate von 80 Prozent erreicht. Patienten mit einer BRAF- Mutation erzielten ebenfalls eine Gesamtansprechrate von 55 Prozent. Unter den ansprechenden Patienten war die mediane Ansprechdauer bei Daten-Cut-off nicht erreicht, wobei 94 Prozent weiter ansprachen. Das 9-Monate-PFS bzw. -OS lag bei 76 bzw. 87 Prozent. Zu therapieassoziierten Grad-3/4-Nebenwirkungen kam es bei 32 Prozent der Patienten. Die Kombination Nivolumab/Ipilimumab zeigte verbesserten klinischen Benefit bei beherrschbarem Sicherheitsprofil und könnte einen neuen Standard bei dMMR/ MSI-H-Patienten repräsentieren, so die Autoren. < ASCO GI 2018 Research Releases https://gicasym.org/daily-news/ • Ein Screening zirkulierender Tumorzellen detektierte Vorstufen eines Kolorektalkarzinoms bzw. Stadium-I-IV-Tumore mit einer Genauigkeit von 84 bis 88 Prozent (Tsai W-S et al., Abstract 556). • Ramucirumab als Zusatz zur Erstlinienchemotherapie beim metastasierten Magenkarzinom verlängerte das PFS zwar signifikant, aber nur um median neun Tage (Fuchs S et al., Abstract 5). • Die Roboter-assistierte thorako-laparoskopische Ösophagektomie verbesserte das postoperative Ergebnis bei resektablem intrathorakalem Ösophaguskarzinom gegenüber offener Ösophagektomie (Van Der Sluis PC et al., Abstract 6). • Die Detektion von exosomalem PD-L1 könnte das Überleben beim Magenkarzinom vorhersagen und induzierte höhere Levels an T-Zell-Apoptose gegenüber löslichem PD-L1, wie eine Auswertung aus Plasmaproben von 69 Patienten mit Magenkarzinom nahelegt (Yibo F et al., Abstract 47). • Sorafenib in Kombination mit transarterieller Chemoembolisation (TACE) verlängerte die Zeit bis zu nicht behandelbarer Progression gegenüber TACE alleine bei nicht resektablem hepatozellulärem Karzinom (HCC; Kudo M et al., Abstract 206). • Cabozantinib verlängerte gegenüber Placebo das OS bei Patienten mit fortgeschrittenem HCC nach einer systemischen Vortherapie, so das Ergebnis der globalen Phase-III-Studie CELESTIAL (Ghassan K et al., Abstract 207). • Pembrolizumab bewirkte eine Gesamtansprechrate von 16,3 Prozent bei Patienten mit fortgeschrittenem HCC nach Sorafenib (Zhu AX et al., Abstract 209). • Lanreotid vs. Placebo erwies sich als effektiv in der Kontrolle von Karzinoidsyndrom-Symptomen bei Patienten mit neuroendokrinenen Tumoren mit oder ohne Somatostatin-Analoga-Vorbehandlung (Wolin EM et al., Abstract 347). • Nivolumab/Ipilimumab erzielte bei Patienten mit Kolorektalkarzinom und DNA- Mismatch-Repair-Defizienz/hoher Mikrosatelliteninstabiliät eine Gesamtansprechrate von 55 Prozent (Andre T et al., Abstract 553). 1–2/2018

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