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Medical Tribune 12/2018

2 THEMA DER WOCHE

2 THEMA DER WOCHE Medical Tribune j Nr. 12 j 21. März 2018 Impressum Internationale Wochenzeitung für Österreich Der Druck wird immer größer www.medizin-medien.at | www.medonline.at Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: Verlag und Herausgeber: Medizin Medien Austria GmbH; 1120 Wien; Grünbergstr. 15; Tel.: (01) 54 600-0, Fax: (01) 54 600-710 Geschäftsführer: Dr. Karl Ulrich Prokuristin: Pia Holzer Berater des Herausgebers: Univ.-Prof. Dr. med. Heinz F. Hammer Leitung Medizin Medien/Redaktion: Mag. (FH) Manuela Klauser, DW 650, m.klauser@medizin-medien.at Chefredaktion: Mag. Hans-Jörg Bruckberger, DW 620, h.bruckberger@medizin-medien.at Redaktion: Mag. Patricia Herzberger (Chefin vom Dienst), Mag. Anita Groß, Dr. med. Luitgard Grossberger, Carina Kern, MSc Fax: DW 735, redaktion@medical-tribune.at Ständige Mitarbeiter: Mag. Nicole Bachler, Reno Barth, Univ.-Prof. Dr. med. Heinz F. Hammer, Univ.-Prof. Dr. med. Johann Hammer, Mag. Dr. med. Rüdiger Höflechner, Mag. Michael Krassnitzer, Mag. 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Gesellschafter der Medizin Medien Austria GmbH: Alleinige Gesellschafterin der Medizin Medien Austria GmbH ist Süddeutscher Verlag Hüthig Fachinformationen GmbH (SVHFI). Gesellschafter SVHFI sind die Süddeutscher Verlag GmbH mit 99,718%, Herr Holger Hüthig mit 0,102%, Frau Ruth Hüthig mit 0,09%, Herr Sebastian Hüthig mit 0,045% und Frau Beatrice Hüthig mit 0,045%. Anmerkungen des Verlages: Mit der Einsendung eines Manuskriptes erklärt sich der Urheber damit einverstanden, dass sein Beitrag ganz oder teilweise in allen Ausgaben, Sonderpublikationen und elektronischen Medien der Medizin Medien Austria GmbH und der verbundenen Verlage veröffentlicht werden kann. Alle Rechte, insbesondere das Recht der Ver vielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. 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Uns erreichen Sie wie folgt: Per Post: Medizin Medien Austria GmbH, Grünbergstraße 15 / Stiege 1, 1120 Wien Österreich. Per Telefon: +43 1 54 600-689. Per E-Mail: datenschutz@medizin-medien.at. Leseranalyse medizinischer Fachzeitschriften WISSENSCHAFT ■ Für Wettbewerbsfähigkeit und technologischen Fortschritt braucht es vor allem Mut zu Grenzen überschreitenden Interaktionen. Diesbezüglich drängt die EU jetzt zu handeln. CARINA KERN Die Situation ist dramatisch: Immer mehr Forscher wandern aufgrund hinderlicher Kettenvertragsregelung und schwindender Fördermöglichkeiten aus. Mittlerweile warnt die EU vor einem Verlust von hunderttausenden Forschern in Europa in den kommenden Jahren. Während der Schritt ins Ausland verhältnismäßig rasch umgesetzt ist, braucht es für eine Rückkehr eine gute Planung und ausreichend Nerven. Über die Erfahrungen, zukünftigen Perspektiven und Erwartungen an Europa wurde in der Aula der Wissenschaften diskutiert. Finanzfesseln sitzen straff Die Wissenschaft in Österreich befindet sich in einem gewaltigen internationalen Wettbewerb. Damit sich das Land in Zukunft gegen die starke Konkurrenz behaupten kann, gilt es die Zügel straffer zu ziehen. Aufgrund demografischer Entwicklungen und wirtschaftlicher Einflüsse ist es besonders wichtig, eine attraktive Wirkstätte für junge Köpfe Gute Preise. Gute Besserung. Mehr Service. AU/GEN/17/0083b „Wir sind, was die europaweite Quote für die Ausgaben im Bereich Forschung und Entwicklung betrifft, äußerst schlecht aufgestellt.“ Prof. Dr. Markus Valtiner zu bieten. Sie nicht mehr halten zu können, würde auf lange Sicht bedeuten, dass Europa nicht zum dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum werden kann. Das ist eines der Hauptziele der EU. Laut einer Umfrage sehen aber nur rund 40 Prozent sämtlich befragter Universitätsprofessoren gute Chancen für den Nachwuchs, eine Laufbahn als Hochschullehrer antreten zu können. Das führe dazu, dass der wissenschaftliche Nachwuchs in Österreich in die Wirtschaft wechselt oder in das Ausland abwandert. „Um in Österreich ein hohes Niveau halten zu können, müssen wir hinaus in die Welt“, eröffnete Prof. DDr. Johann Georg Danzl vom Institute of Science and Technology Austria die Diskussion. „Es braucht ein weites Interaktionsfeld, um längerfristig für gute Qualität zu sorgen. Investitionen im Jetzt können Österreich ganz nach vorne bringen“, so Danzl weiter. Zum Großteil treibt es Jungwissenschaftler weit über die kontinentalen Grenzen hinaus. Zurück kehren sie mit wertvollen Erfahrungen. Jedoch hält sich der Jubel unter den Rückkehrern in Grenzen: keine ausreichenden Förderungsmittel durch den Ein Ständer, so lange man einen braucht Tadalafi l ratiopharm ® • PDE-5-Hemmer zur Behandlung der erektilen Dysfunktion • Bis zu 36 Stunden Wirkdauer • Gleichwertig zu Cialis ® • 20 mg Filmtablette mit Bruchkerbe • Kostengünstig REFERENZPRÄPARAT CIALIS ® Filmtabletten 10 mg (4 St) und 20 mg (4, 8, 12 St) Fachkurzinformationen auf Seite 14 Staat, rare Projekte und die mühsame Suche nach einem fordernden, stimulierenden Arbeitsumfeld. Für eine Re-Integration in die Forschungsstruktur gibt es zwar finanzielle Unterstützung durch Stipendien oder Preise, diese machen allerdings nur einen Bruchteil des notwendigen Budgetpolsters aus. „Ohne den Startpreis des Wissenschaftsfonds FWF wäre es mir nicht möglich gewesen, nach Wien zu gehen, um eine eigene Gruppe aufzubauen“, erzählt Prof. Dr. Notburga Gierlinger vom Institut für Biophysik an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) aus Erfahrung. „Es braucht Vertrauen in den Nachwuchs, der vor allem im Ausland Erfahrungen sammeln muss, um in späterer Folge zur Entwicklung neuer Konzepte des Gesundheitssystems beitragen kann“, kommentiert Danzl. Während die Stimmen nach ausreichender Förderung, über das Ablaufdatum hinaus, immer lauter werden, gilt es allerdings noch wesentlich substanziellere Probleme zu lösen. Weiblichen Anteil steigern Es bleibt doch immer noch das alte Lied: Nur rund ein Viertel der Wissenschaftler in Österreich sind Frauen. Damit hat sich der Schnitt des weiblichen Anteils auf höheren akademischen Posten nur marginal gebessert. International betrachtet ist die Ausgangslage punkto Frauen- und Familienförderung unterschiedlich. „Frauen haben es mit der Mobilität immer etwas schwerer. Meistens ist es die Frau, die mit dem Mann ins Ausland mitgeht“, meint Gierlinger. Seitens des Fonds zur Förderung der Wissenschaft in Österreich (FWF) gibt es unterschiedliche Programme zur Frauenförderung. „Seit Bestehen des Schrödinger-Stipendiums bewerben sich Frauen und Männer zum gleichen Anteil um diesen Preis. Allerdings entscheiden die Institute selbst über die Auswahl der Kandidaten“, meint Prof. Dr. Klement Tockner, Präsident des FWF. „Ziel ist es, den Frauenanteil auf 50 Prozent anzuheben. Dafür müssen wir das Arbeitsumfeld wesentlich familienfreundlicher gestalten“, zeigt Tockner auf. Der Frauenanteil bei den ordentlichen Professuren an Universitäten liegt in Österreich bei sechs Prozent und zählt europaweit zu den Schlusslichtern. Für die Habilitation bleibt neben dem straffen Programm der Qualifizierungsvereinbarung und Publikationsdruck wenig Platz für Familie. Immer mehr Frauen entscheiden sich deshalb die Wissenschaft zu verlassen. In anderen Ländern lebt man hingegen schon länger eine familienfreundliche Politik, die sich mit steigenden Quoten des Frauenanteils im Vergleich deutlich abheben. Der Hauptstadt-Effekt Unabhängig von der Finanzierungsfrage stehen aber auch provinzielle Faktoren innerhalb der österreichischen Wissenschaftslandschaft im Vordergrund. Dabei ist die Ausgangslage für die Grundlagen- bzw. angewandte Forschung je nach Bundesland unterschiedlich. Während die Exzellenzen in die Bundeshauptstadt strömen, mangelt es den übrigen Bundesländern an Fachexperten. Diese Verlagerung wird von Jahr zu Jahr deutlicher spürbar. „Nach meiner Auslandserfahrung habe ich Stellen in Linz und Innsbruck angenommen. Die Hauptstadt Wien ist für den Start einer Forscherkarriere aber deshalb so attraktiv, weil es bessere Jobaussichten, größere Forschungsinstitute und Dissertationsmöglichkeiten gibt. An den anderen Bundesländern hat es mir an Interdisziplinarität und Mitteln gefehlt“, so Gierlinger. Die meisten Studierenden, die es nach Wien zieht, um ein naturwissenschaftliches oder Medizin-Studium zu absolvieren, bleiben nach ihrer Ausbildung aber dennoch nicht in Österreich. Trotz der vielversprechenden wissenschaftlichen In frastruktur in Wien, scheint der Glanz schon nach kurzer Zeit verflogen. Andere Länder rücken auf Neben dem FWF bilden die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und das Austria Wirtschaftsservice (AWS) eine potenziell breite und durchaus vielfältige Forschungsförderungslandschaft. „Wir sind, was die europaweite Quote für die Ausgaben im Bereich Forschung und Entwicklung betrifft, dennoch äußerst schlecht aufgestellt“, sagt Prof. Dr. Markus Valtiner vom Institut für angewandte Physik, Technische Universität Wien (TUW). Das Nachbarland Deutschland hingegen stellt für Ausstattung und Material rund 40 Prozent mehr Fördergelder zur Verfügung. Ebenfalls ziehen die Schweiz und die nordischen Länder wie Norwegen und Schweden mit einer beachtlichen R&D-Quote an Österreich vorbei. Aber auch östlichere Länder wie Tschechien und Slowakei forcieren ihre Forschungsziele nun intensiver. „Es bewegt sich im Moment sehr viel. Es muss schnell ein Konsensus für neue Programme gefunden werden“, kommentiert Tockner. Die Spitze der Forschung mit den meisten Patenten bilden traditionell die USA, Deutschland und Japan. Jüngsten Veröffentlichungen nach erreichte Österreich 2017 mit einem Plus von 8,2 Prozent den Höchstwert an Patentanmeldungen seit sieben Jahren. Jedes 14. der 2.213 eingereichten Patente kam dabei von heimischen Chemiekonzernen und sichert dem Land somit Rang sieben. Neben diesem Erfolg darf man aber auch anderweitig gratulieren. Der FWF feierte am 4. März seinen 50. Geburtstag und setzt damit seit einem halben Jahrhundert internationale Qualitätsstandards in der Grundlagenforschung in Österreich. Science Talk des Wssenschaftsministeriums, Wien, März 2018 MT_12_18_s02.indd 2 16.03.2018 11:00:43

Medical Tribune j Nr. 12 j 21. März 2018 3 ▶ POLITIK & PRAXIS ■ MELDUNGEN FOTO: ZSV3207 / GETTYIMAGES Noch herrscht Zurückhaltung, aber die Pharma-Riesen sind in Lauerstellung und werden wohl schon bald zuschlagen und sich Firmen einverleiben. Die Ruhe vor dem Sturm PHARMAINDUSTRIE ■ Aufgehoben ist nicht aufgeschoben: Wider Erwarten blieb das Übernahmekarussell 2017 relativ ruhig. Umso mehr Fahrt wird es jetzt aufnehmen. 1,34 Billionen US-Dollar stehen dafür bereit. HANS-JÖRG BRUCKBERGER Angekündigte Revolutionen finden nicht statt. Sagt man. Die Pharmaindustrie lieferte einen weiteren Beweis dafür. Denn entgegen aller Ankündigungen von Analysten blieb der erwartete M&A-Boom (M&A steht für Mergers & Acquisitions) zuletzt aus. Natürlich gab es 2017 spektakuläre Deals, allen voran den knapp 30 Milliarden US-Dollar teuren Kauf des Schweizer Arzneimittelherstellers Actelion durch Johnson & Johnson. Von einer Übernahmewelle kann aber keine Rede sein. Laut der Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) gaben Pharma- und Medtechkonzerne 2017 mit 203 Milliarden Dollar 20 % weniger für Zukäufe aus als im Jahr zuvor. „Die Unternehmen haben abgewartet und sich zurückgehalten. Hauptgründe waren zu hohe Preise für mögliche Übernahmekandidaten sowie die politischen Unsicherheiten in den USA – allen voran die genaue Ausgestaltung der Steuerreform“, heißt es in einer aktuellen Studie. Branchenbeobachter führen zudem Unsicherheiten rund um den Brexit ins Treffen. Noch drastischer sind die Rückgänge im reinen Pharma-Bereich. Der „Pharma/Biotech M&A Report“ von HBM Partners, der Medizintechnik und andere Healthcare-Bereiche ausklammert, beziffert das Transaktionsvolumen für diese engere Branche 2017 mit 72,6 Milliarden Dollar – nach 149 Milliarden 2016 und gar 230 Milliarden 2015. Gefüllte Kriegskassen Nur zwei Pharma-Deals toppten im Vorjahr die Zehn-Milliarden-Dollar-Marke: Neben dem Actelion-Kauf war das die Übernahme von US Kite Pharma durch Gilead um rund 11,2 Milliarden Dollar. In einem sind sich Branchenbeobachter nun einig: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Mit der Zurückhaltung der Branche dürfte es im laufenden Jahr vorbei sein. Die „Feuerkraft“ – also die Mittel, die Unternehmen für Zukäufe mobilisieren können – ist laut EY im Vergleich zum Vorjahr um knapp 10 % auf 1,34 Billionen Dollar gestiegen. „Wir erwarten, dass das M&A-Volumen 2018 wieder deutlich steigen wird“, meint Gerd Stürz, Leiter des Bereiches Life Sciences bei EY. Gründe für Übernahmen gibt es einige. Viele Marktsegmente stagnieren, auslaufende Patente stellen Pharmakonzerne vor Probleme. Mit Übernahmen kann man sich Wachstum kaufen – und neue Fantasie. Dazu kommen relativ neue Phänomene, die etablierte Konzerne unter zusätzlichen Druck setzen: Große Technologiekonzerne à la Apple oder Amazon drängen, wie MT erst kürzlich berichtet hat, in den Life­ Sciences-Markt und in den USA konsolidieren die Krankenversicherer. So entstehen neue Riesen mit Marktmacht gegenüber den Pharma-Produzenten. Bestes Beispiel: Die Apothekenkette CVS hatte Ende 2017 angekündigt, den Krankenversicherer Aetna für 77 Milliarden Dollar zu übernehmen. Experten sehen das nicht zuletzt als Reaktion auf die Konkurrenz durch Onlinehändler. Amazon hat erst kürzlich eine eigene OTC-Marke namens „Basic Care“ gelauncht und in einigen US-Bundesstaaten auch schon Lizenzen für verschreibungspflichtige Mittel beantragt. Solche Deals könnten bald auf der Tagesordnung stehen: „Angesichts der geänderten Kundenerwartungen könnten wir einige sektorenübergreifende Megafusionen beobachten“, sagt EY-Experte Dr. Siegfried Bialojan. Die Medtech- und Pharmaunternehmen stehen unter Zugzwang, zumal sie auch datengestützte Plattformen entwickeln müssen, die den Patienten Mehrwert bringen (personalisierte und effektivere Therapien mithilfe von Big Data). In Asien geht die Post ab Am meisten wird sich in Asien tun. Dort liegen die großen Wachstumsmärkte der Zukunft und gleichzeitig ergeben sich vergleichsweise günstige Produktionsmöglichkeiten. Die internationale Anwaltskanzlei Baker McKenzie prophezeit allein heuer einen Anstieg der M&A-Tätigkeit in der Region „Asia-Pacific“ um nicht weniger als 80 % auf gut 55 Mrd. Dollar. Pharmakonzerne werden in den kommenden Monaten also voraussichtlich einige Schlagzeilen füllen. Medical Tribune ist vorbereitet und startet hiermit eine Serie, in der wir große Pharma-Riesen kurz vorstellen werden. Den Auftakt macht ein Konzern, dessen Geschichte geradezu geprägt ist von Fusionen, was sogar aus dem Namen ersichtlich ist (siehe unten). GlaxoSmithKline: Fusionen am laufenden Band SERIE: PHARMARIESEN ■ Die Geschichte des achtgrößten Pharmakonzerns der Welt ist geprägt von Mega-Deals. Nicht ganz zwei Monate hat es gedauert, am Ende war es der bis dahin größte Firmenzusammenschluss in der Geschichte Großbritanniens. Anfang März 1995 stimmte der Vorstand der britischen Pharmafirma Wellcome, der zuerst eine Übernahme abgelehnt hatte, einer Fusion mit dem Konkurrenten Glaxo zu. Leidtragende waren die Beschäftigten, denn ein knappes halbes Jahr später erklärte der zu diesem Zeitpunkt größte Pharmakonzern der Welt, dass er 7.500 Stellen abbauen werde. Etwas mehr als zwei Jahre später platzte dann die nächste Bombe. Im Jänner 1998 meldeten die beiden Pharmakonzerne Glaxo Wellcome und SmithKline Beecham, der 1989 aus einem Zusammenschluss der britischen Beecham-Gruppe mit dem US-Unternehmen SmithKline Beckman entstanden war, dass man über eine Fusion verhandle. Wenige Wochen danach war der Traum auch schon wieder geplatzt. Grund: Man konnte sich nicht auf die Fusionsbedingungen einigen. Die US-Firma Merck & Co, mittlerweile an Glaxo Wellcome vorbeigezogen, blieb damals die weltweite Nummer eins im Pharmamarkt. Am 14. Jänner 2000 bestätigten die beiden Firmen schließlich, dass sie wieder Fusionsgespräche aufgenommen hätten. Gut Ding braucht Weile Von da an ging alles sehr schnell: Bereits drei Tage nach der Ankündigung verlautbarten Glaxo und SmithKline ihren Zusammenschluss zum weltgrößten Pharmakonzern. Gemeinsam konnte der neue Riese einen Marktwert von damals 183 Milliarden Euro in die Waagschale werfen. Im Dezember 2000 war es dann endgültig so weit. Nach dem Sanktus der Wettbewerbshüter in der EU und den USA (unter Auflagen) entstand der neue Weltmarktführer in der Pharmaindustrie mit einem Marktanteil von damals 7,3 %. Zuletzt (2016) belegte GlaxoSmith­ Kline Platz acht in der Rangliste der weltweit größten Pharmakonzerne. Der Konzern erzielte einen Gesamtumsatz von 27,9 Milliarden Pfund. 58 % davon stammten aus dem reinen Pharmageschäft, 16 % aus dem Geschäft mit Impfstoffen und 26 % wurden mit Consumer-Healthcare-Artikeln (u.a. Sensodyne Zahncreme) umgesetzt.HF Rauchverbot < 18 schon ab Sommer Ausgerechnet das Burgenland, das von einer SP/FP-Koalition regiert wird, tritt beim Rauchverbot für unter 18-Jährige in Vorleistung. Noch vor dem Sommer (nicht erst ab 2019, wie von der VP/FP-Bundesregierung geplant) soll die Novelle zum Jugendschutzgesetz in Kraft treten, die Beschlussfassung im Landtag ist für 29. Mai 2018 geplant. Es brauche aber ausgewogene Regelungen, wie weit Gastronomen oder Veranstalter kontrollieren müssen, sagt FP-Klubobmann Géza Molnár. Denn eine derartige Kontrolle sei bei Großveranstaltungen, wie z.B. „Nova Rock“, nicht praktikabel. APA/RED Kinder-Reha in der Steiermark Am 3. April 2018 öffnet ein Kinder­ Reha-Zentrum in der OptimaMed Gesundheitstherme Wildbad Einöd an der steirisch-kärntnerischen Grenze. 52 Plätze stehen für den Bereich der Kardiologie, Pulmologie und der psychischen Gesundheit von Kindern zur Verfügung. Gemeinsam mit der Familie werde für jedes Kind ein individuelles Programm entwickelt, sagt Dr. Martin Edlinger, Ärztlicher Direktor des Kinder-Reha-Zentrums, das zur SeneCura-Gruppe gehört. Anmeldungen ab sofort möglich: www.sozial versicherung.at („Rehabilitation“). APA Arzt & Apotheker bilden sich fort In Oberösterreich fand kürzlich erstmals ein gemeinsamer Fortbildungsabend für Allgemeinmediziner und Apotheker statt. Themen waren Gefäßaltermessung und Hypertonie. Organisiert hatte ihn die OÖ Apothekerkammer in Kooperation mit der OÖ Gesellschaft für Allgemeinmedizin (OBGAM) und der Hypertensiologie-Gesellschaft (ÖGH), mit Unterstützung der Firma IEM. Der Abend war laut Veranstalter ein „voller Erfolg“, weitere gemeinsame Fortbildungen sollen daher folgen. RED Deutsche streiten um Homöopathie Deutsche Homöopathie-Kritiker rund um die Münsteraner Medizinethikerin Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert wollen die Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ auf dem Praxisschild kippen, weil es sich um eine „esoterische Heilslehre“ handle. Beim Ärztetag in Erfurt vom 8.–12. Mai 2018 wollen sie eine entsprechende Änderung der Weiterbildungsordnung erreichen. Der Zentralverein homöopathischer Ärzte wies den Vorstoß zurück, die ärztliche Zusatzbezeichnung sei „ein Garant für eine gute und sichere Versorgung der Patienten“, so Verbandsvorsitzende Dr. Cornela Bajic. DPA MT_12_18_s03.indd 3 16.03.2018 11:28:15

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