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Medical Tribune 13/2017

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16 MEDIZIN

16 MEDIZIN Medical Tribune j Nr. 13 j 29. März 2017 ■ MEDIZIN UND ICH VON A BIS Z Sind das Patienten oder Konsumenten? ■ BUCHTIPP Von Dr. Ulrike Stelzl Kassenärztin für Allgemeinmedizin in Graz Monster der Medizingeschichte Ich hege keinerlei Standesdünkel, Überlegenheitsvorstellungen oder Göttin-in-Weiß-Komplexe. Aber genug ist genug! Ich biete meinen Patienten eine moderne, saubere Ordination mit guten Öffnungszeiten, engagierten und sehr freundlichen Mitarbeitern, Terminvereinbarung mit fast wartezeitenfreiem Drankommen und organisatorische Höchstleistungen. Von der Befundmitteilung über Telefon und sogar E-Mail bis nach Südafrika über das Ausfüllen aller möglichen und unmöglichen Anträge bis zur Vereinbarung von Akutterminen bei den Fachärzten im Bezirk. Und sogar bis zur Vereinbarung von ansonsten unmöglich zu erlangenden Terminen bei irgendwelchen unerreichbaren Spezialisten. Meine Mitarbeiter und ich reißen uns sozusagen die Haxen aus oder, wie man auf Englisch sagen würde, „we bend over backwards“ und machen dann noch einen Salto und drei doppelte Rittberger, um unsere Patienten optimal zu versorgen. W wie Wunschkonzert Nur diese machen es einem oft nicht leicht. Gerade sitzt mir eine Lehrerin gegenüber. Sie hat wieder einmal Husten und fühlt sich nicht gut. Außerdem meint sie, dass sie in letzter Zeit manchmal Herzrasen verspüren würde. Ich biete an, sie weiter abzuklären, ein EKG könnten wir machen und Blutbild, Lungenfunktion und Entzündungswerte. Außerdem ist die Vorsorgeuntersuchung überfällig. Würde ich gleich kombinieren. Nein, dafür hat sie jetzt keine Zeit. Das EKG will sie, die Entzündungswerte auch. Außerdem möchte sie noch einen kompletten Vitaminspiegel und was sonst noch für sie von Interesse ist. Ich entgegne, dass irgendwelche Interessenswerte leider von der Krankenkasse nicht abgedeckt würden. Und was mich anbelangt, so zahlt mir die Kasse weder das EKG noch die schon durchgeführte gründliche körperliche Prof. Dr. Wolfgang Hach und Prof. Dr. Viola Hach-Wunderle beschreiben in ihrem Buch „Von Monstern, Pest & Syphilis“ von Krankheitsbildern und Gesundheitslehren vergangener Jahrhunderte. Anhand von Auszügen aus Originaltexten zeichnen sie ein lebhaftes Bild z.B. von der Pest in Wien, von der Syphilis in Europa. Nachzulesen sind die Beschreibung der „Sympathetischen Sylbe“ durch Paracelsus und die Kasuistik des Wundarztes Matthaeus Gothofridus Purmannus 1716. Aber auch der „Pathophysiognomie“ ist ein Kapitel gewidmet. Wolfgang Hach, Viola Hach-Wunderle: Von Monstern, Pest und Syphilis – Medizingeschichte in fünf Jahrhunderten. Schattauer 2017, ISBN 978-3-7945-3210-0, 288 S., 20,60 € Untersuchung noch das Labor. Deshalb würde ich ja auch gerne die VU machen und abrechnen, damit ich auch was davon habe. Ich bin gerne gründlich und nehme mir gerne Zeit und mache auch gerne alle notwendigen Untersuchungen. Aber man glaubt’s nicht: Ich bekomme auch gerne was dafür bezahlt! Das sage ich meinen Patienten manchmal ganz offen. Die Dame kann damit allerdings wenig anfangen. Ich wäre doch dazu da, das zu tun, was sie möchte, und ob ich das bezahlt bekomme oder nicht, ist ja nicht ihr Problem. Außerdem will sie die Untersuchungen (sie hat einen Einschubtermin, das Wartezimmer ist voll) jetzt gleich. Warten kommt nicht infrage und morgen Früh ist ihr zu spät. Wie ich auf die Idee käme, dass sie für so etwas wie einen Arzttermin bei der Arbeit irgendwas verschiebt oder umorganisiert! Schließlich finden wir eine gute Lösung. Ich schicke sie in ein Labor in der Innenstadt, wo sie ohne Termin gleich hingehen kann (und gut warten wird), schreibe einen Überweisungsschein und sage ihr, dass ich ihr dann gerne telefonisch morgen Auskunft über die Werte und die therapeutischen Konsequenzen gebe. Allerdings müsste sie mich dazu anrufen. Wieso? Soll ich mich doch bei ihr melden! Zur Sicherheit bekommt sie auch noch einen Überweisungsschein an den Lungenfacharzt und Internisten, falls die Beschwerden nicht aufhören, kann sie dort EKG und Lufu machen, für die sie bei mir jetzt keine Zeit hat. Das passt ihr besser. Klar, Facharzt ist natürlich auch wichtiger als nur Allgemeinmedizinerin. Was ich noch für sie tun kann, ist auch leicht erklärt: In der Kartei steht jetzt mit 15 Rufzeichen angemerkt: Nie mehr recallen zur Vorsorgeuntersuchung und nur mehr Behandlung im Notfall!!! Als Nächstes erscheint ein junger Engländer. Seit einem Jahr lebt er in Österreich. Im Rahmen seiner Vorsorgeuntersuchung hatte ich seinen Impfpass durchgesehen und befunden, dass so einiges zum Auffrischen wäre. Ich gebe ihm die Rezepte. Wieso er sich das selber in der Apo holen müsste? Weil ich keine Haus apotheke habe und auch nicht Impfstoffe bunkern will für den Fall, dass ich dann auf den Ausgaben hocken bleibe, wenn ich nicht alle verimpfe. Außerdem will ich nichts verkaufen und womöglich noch einen Gewerbeschein. (Warum rechtfertige ich mich eigentlich?) Und dann sage ich ihm noch, dass die Impfungen und Impfgebühr nicht von der Kasse bezahlt werden. Worauf er richtig ungehalten wird und anfängt zu mosern, dass das eine Frechheit sei, er hätte ein Recht darauf, das vom Staat zu bekommen usw. „Junge, was hat der Staat dafür eigentlich von dir gekriegt?“ Danach kommt eine Dame mit ihrer Tochter. Nach der Begrüßung sagt sie zu mir: „Wir kennen uns ja schon, wir haben ja schon ganz kurz über Nahrungsmittelintoleranzen geredet.“ Ganz kurz? Meine Haare stehen zu Berge. Ich erinnere mich genau an das einstündige Gespräch letzten Dienstagabend. Ich hatte währenddessen meine Assistentin nach Hause geschickt, damit sie keine Überstunde machen muss. Heute möchte man eh nur eine umfassende Ernährungsberatung. Ich kapituliere. Bei dem Gedanken an noch eine Stunde mit den beiden – unbezahlt natürlich, denn: „Wieso, Sie haben ja die GKK? Sie müssen uns ja beraten!“ – muss ich gar nichts. Ich erkläre mich kurzerhand für inkompetent und schicke sie zur Diätassistentin aufs Ambulatorium. Alles, was recht ist. Ich will unterstützen, helfen, zuhören, begleiten und Verständnis haben. Ich will arbeiten, mich anstrengen und es passt schon, mich manchmal zu verausgaben. Aber es reicht mit „will haben“! Ich bin eure Hausärztin, nicht euer Haussklave! MT-INTERAKTIV Sagen Sie uns Ihre Meinung auf www.medonline.at redaktion@medical-tribune.at FOTO: FURGLER Keimgut ungekünstelt Abneigung, Ekel kelt. aufrecht stehender Kultstein fossiler Rohstoff Wasservogel Kurzwort: Abonnement 9 österr. Begründer d. Psychoanalyse † Lebewesen, Geschöpf Fehlgeburt (Med.) Schwindel (Med.) Schlagader exotische Frucht sauber, fleckenlos Schluss Nervenzentrum altgriech. Marktplatz 6 griech. Buchstabe poetisch: unbeständig Gebirgskette (span.) offenes Meer 2 Kaufoption im Wertpapierhandel englisch: Mädchen Eierspeise skandinavisch: zum Wohl! US-Arztfamilie (19. und 20. Jh.) germanische Bronzetrompete Augendeckel 1 älteste lat. Bibelübersetzung Verdienste Schreibstift für Wandtafeln Fußpunkt zerbrochen bayrisch: still ® 4 svd2011-211 Symbol der Trauer (Fahne) mundartl.: Gletscher 1 Ausdruck der Multiplikation altgriech. Freundin, Geliebte 2 Treppe Vorname der Schauspielerin Moreau Berbervolk der Sahara 3 8 zur Haut gehörend (Med.) dänische Insel südl. von Fünen Thema eines Werkes (frz.) 4 Randbeet Version eines PC-Programms 5 3 poln. Schriftsteller † 2006 6 5 früherer Erlass eines Sultans nichts anderes, bloß 7 Zeichen für Kosinus Art, Gattung (franz.) 8 7 Überstürzung, Eile Heilverfahren Gehirnstrommessung (Abk.) 9 MT-Rätsel Der renommierte Psychiater und Suchtexperte Reinhard Haller hat mit „Nie mehr süchtig sein – Leben in Balance“ (Ecowin Verlag 2017, ISBN 978-3-7110-0123-8) sein Standardwerk zum Thema Sucht an die raschen Entwicklungen der letzten Jahre angepasst und aktualisiert. Hochaktuell sind beispielsweise immer noch Alkohol und Cannabis, neu dazugekommen die Verhaltenssüchte Internet- und Handysucht. Haller analysiert die Ursachen der Sucht, beschreibt alltägliche und krankhafte Formen der Abhängigkeit und zeigt Wege zu ihrer Überwindung auf. Schicken Sie die Lösung per Fax (01/54600-735) oder E-Mail (sekretariat@medizin-medien.at) bis 4.4. an die Redak tion und gewinnen Sie dieses Buch. Das Lösungswort aus MT 12 lautet „Mittelohr“. 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