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Medical Tribune 13/2017

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2 THEMA DER WOCHE

2 THEMA DER WOCHE Medical Tribune j Nr. 13 j 29. März 2017 „Es war kein Dialog mehr möglich“ INTERVIEW ■ Die Reaktionen auf die Absetzung von Prof. Dr. Udo Janßen als Chef des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) sprechen Bände. Eine, die besonders „erleichtert“ ist: Personalvertreterin Susanne Jonak. Impressum Internationale Wochenzeitung für Österreich www.medizin-medien.at www.medonline.at ANITA GROSS Der deutsche Manager Janßen, der sich zu Jahresbeginn noch fest im Sattel wähnte, wurde in den frühen Morgenstunden des 20. März 2017 unsanft abgeworfen und musste sein Büro räumen. Opposition und Ärztekammer Wien begrüßten die Entscheidung von Neo-Stadträtin Sandra Frauenberger, der Nachfolgerin von Mag. Sonja Wehsely, die schon vor einem Monat zurückgetreten war. Belegschaftsvertreter hatten Janßen heftig kritisiert und seine Kompetenz infrage gestellt, wie MT Ende Jänner berichtete. Entsprechend erfreut zeigt sich jetzt auch die Gewerkschafterin Susanne Jonak, die Vorsitzende der Hauptgruppe II. Wann haben Sie von der Freistellung Udo Janßens erfahren? Susanne Jonak: Wir haben es am 20. März in der Früh um 9.20 Uhr, also kurz vor der Pressekonferenz, von der Stadträtin selber durch eine kurze Mitteilung erfahren. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt gerade eine Sitzung mit Personalvertretern und waren von der Nachricht erleichtert, weil das Gesprächsklima mit dem Generaldirektor schon sehr gelitten hat – es war ja kein gescheiter Dialog mehr möglich. Wie funktioniert bisher die Zusammenarbeit mit Neo-Stadträtin Sandra Frauenberger? Jonak: Wir haben einen ausgezeichneten Gesprächskontakt mit Stadträtin Frauenberger. Sie kommt selbst aus der Gewerkschaft und weiß die Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft zu schätzen und auch, dass man nur miteinander kann und nicht gegeneinander. Dass man natürlich nicht immer derselben Meinung sein wird, das ist logisch, aber ein gutes Gesprächsklima ist natürlich zu bevorzugen, weil man vieles im Vorfeld ausdiskutieren und viel fairer miteinander umgehen kann. Wir sind zuversichtlich, dass wir einen konstruktiven Dialog im Sinne der Kolleginnen und Kollegen aufbauen und zunehmend das Vertrauen wieder herstellen werden. Ein Arzt aus einem KAV-Spital hat der MT erzählt, dass die neue Stadträtin – im Gegensatz zu Vorgängerin Wehsely – ohne KAV-Führung in die Häuser geht. Sie hat auch jedem mit den Worten „Hallo, ich bin Sandra Frauenberger“ die Hand gegeben und war bei den Morgenbesprechungen dabei. Die Mitarbeiter hatten den Eindruck, dass ihre Arbeit „endlich gesehen“ wird. Jonak: Ja, sie macht sich selbst ein Bild auf den Stationen, Abteilungen und redet direkt mit den Mitarbeitern. Das kommt auch sehr gut an, weil sie sich wirklich alle Sorgen anhört und den Mitarbeitern das Gefühl gibt: Endlich hört uns einmal jemand zu. Dass nicht immer gleich alles gelöst wird, diese Erwartung Gewerkschafterin Jonak freut sich auf ein neues Miteinander. Pflasterabbildung in Originalgröße Rivastigmin 9,5mg / 24h haben die Mitarbeiter oft gar nicht, aber das Vertrauen, es ist jemand da, der mich versteht, ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Das tut sie und das kommt sehr gut an. Wie ist das Vertrauensverhältnis mit der interimistischen Leitung, Univ.-Prof. Dr. Michael Binder, Leiter Vorstandsbereich Health Care Management/Pflegemanagement, und den Generaldirektor-Stellvertretern Thomas Balazs und Mag. Evelyn Kölldörfer-Leitgeb? Jonak: Wir waren noch am selben Tag, also am 20. März, eingeladen zu einem ersten kurzen Gespräch. Sie werden jetzt intensiv an einer Aufteilung der Bereiche arbeiten. Sie sagen auch, sie möchten in Zukunft gerne im Vorfeld alles mit uns diskutieren, auch Dinge, die nicht unbedingt gesetzlich verankert sind, aber trotzdem Auswirkungen auf die Kollegenschaft haben. Also, der Einstieg war sehr positiv. Wir hoffen, dass den Worten Taten folgen, aber ich bin zuversichtlich. Allerdings waren Balazs und Kölldorfer-Leitgeb Teil der Führung und haben auch alles unterschrieben. Sind sie damit nicht mitverantwortlich, z.B. für die Malaise rund um den Bau des KH Nord? Oder war es wirklich nur das offenbare Führungsversagen von Janßen? Jonak: Das ist schwierig zu sagen. Man weiß ja nicht genau, wem soll man jetzt etwas zuordnen: War es nur Janßen oder konnten sie gar nicht anders, weil er so entschieden hat? Daher sage ich, ich gebe den Kollegen natürlich eine Chance. Sie haben uns zugesichert, sie möchten gerne Druck aus dem Transformationsprozess (Umsetzung Spitalskonzept 2030, Anm.) herausnehmen, das ist alles zu viel. Das ist genau das, was wir B I O Ä Q U I V A L E N T Z U : Exelon ® transdermales Pflaster Rivastigmin ratiopharm ® ... das transdermale Pflaster in der Anti-Alzheimer Palette von ratiopharm Gelbe Box (RE2) 4,6 | 9,5 | 13,3 mg/24 h Fachkurzinformationen auf Seite 14 auch vorgeschlagen haben. Schauen wir uns das jetzt an, versuchen wir es gemeinsam. Wir werden hartnäckig darauf achten, dass wirklich auch das eintritt, was wir uns vorstellen, und die Stadträtin wird uns hier unterstützen, davon gehe ich aus, sie hat uns ja bis jetzt unterstützt. Von daher bin ich zuversichtlich. Wir werden auch vorlegen: Welche Themen sind uns jetzt wichtig zu bearbeiten, umzusetzen oder rückzustellen? Worüber viele KAV-Mitarbeiter den Kopf schütteln: Janßen, der einen Vertrag bis 2019 hatte, erhält jetzt eine Zahlung von 395.000 Euro. Die Gewerkschaft hat ja bereits 2013 vor Antritt Janßens recherchiert und AU/GNRT/14/0014c(2) schon in Deutschland sind ihm fehlende Führungseignung und mangelnde Kommunikations- und Sozialkompetenz nachgesagt worden. Damals haben Sie Wehsely alle Bedenken übermittelt und trotzdem hat sie Janßen engagiert. Jonak: Ja, und es sind nachweislich Aufgaben nicht zur Zufriedenheit erfüllt worden. Wir wären schon glücklich, wenn wir uns im Bereich der Beraterfirmen immense Kosten einsparen könnten, da hätten wir gleich einen „Quick-Win“ im KAV und sofort Einnahmen, wenn die Beraterkosten zum Beispiel auf 50 Prozent reduziert würden. Viele verstehen auch nicht, was eine Führungskraft eigentlich alles „anstellen“ kann – folgenlos? Denn hätte Janßen auf Gehaltsfortzahlung bzw. Vertragserfüllung bestanden, wäre der ihm zustehende Betrag sogar mehr als doppelt so hoch gewesen. Jonak: Im Vergleich muss ich sagen: Ein Beamter sitzt wegen viel geringerer „Delikte“ vor der Disziplinarkommission – da geht es oft um viel banalere Dinge, als hier vorgefallen sind. Aber wir haben nie hinter dem Berg gehalten, wir haben immer alles öffentlich geklärt, es ist alles relativ transparent, z.B. betreffend das ewige Verschieben der Auszahlung der Zulagen, das Nicht-Kommunizieren mit den Mitarbeitern usw. Nur – Mitarbeiter zu finden, die gegen den Generaldirektor aussagen, das ist halt schwierig, auch wenn sie wissen, dass er nicht mehr da ist. Nach Präsentation der KAV-Neustruktur durch Bürgermeister Dr. Michael Häupl (nach Redaktionsschluss) wird auch über die Nachfolge Janßens diskutiert. Die Ärztekammer will einen Arzt. Wer wäre ihr Wunschkandidat, der sich für die Ausschreibung bewerben soll? Jonak: Wir hatten ja jetzt zwei Ärzte, zuerst Dr. Wilhelm Marhold, dann Janßen. Ich habe keinen Wunsch, aus welcher Berufsgruppe – auch nicht, ob Mann oder Frau. Es muss eine Person sein, die das Vertrauen der Mitarbeiter wieder erreichen kann, und es muss auf jeden Fall jemand sein, der Wiens Spitalssystem kennt. Es macht wenig Sinn, jemanden von außen zu importieren und da hineinzupflanzen. Zur Person Susanne Jonak ist Personalvertreterin und Gewerkschafterin in einem: Als Vorsitzende der „younion – Hauptgruppe II“ im Wiener Krankenanstaltenverbund KAV vertritt sie die Interessen der knapp 30.000 KAV-Mitarbeiter, von denen rund 22.000 Mitarbeiter zur Gewerkschaft younion gehören. Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: Verlag und Herausgeber: Medizin Medien Austria GmbH 1120 Wien, Grünbergstr. 15 Tel.: (01) 54 600-0, Fax: (01) 54 600-710 Geschäftsführer: Thomas Zembacher Prokuristin: Pia Holzer Berater des Herausgebers: Univ.-Prof. Dr. med. Heinz F. Hammer Leitung Medizin Medien/Redaktion: Mag. (FH) Manuela Klauser, DW 650, m.klauser@medizin-medien.at Chefredaktion: Mag. 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Die Durchführung von Werbungen aller Art, insbesondere Inseratenwerbung (Anzeigenannahme), Plakatwerbung, Ton- und Bildwerbung, Reportagen, Ausarbeitung von Werbeplänen und alle sonstigen zur Förderung der Kundenwerbung dienenden Leistungen. Gesellschafter der Medizin Medien Austria GmbH: Alleinige Gesellschafterin der Medizin Medien Austria GmbH ist Süddeutscher Verlag Hüthig Fachinformationen GmbH (SVHFI). Gesellschafter SVHFI sind die Süddeutscher Verlag GmbH mit 99,718%, Herr Holger Hüthig mit 0,102%, Frau Ruth Hüthig mit 0,09%, Herr Sebastian Hüthig mit 0,045% und Frau Beatrice Hüthig mit 0,045%. Anmerkungen des Verlages Mit der Einsendung eines Manuskriptes erklärt sich der Urheber damit einverstanden, dass sein Beitrag ganz oder teilweise in allen Ausgaben, Sonderpublikationen und elektronischen Medien der Medizin Medien Austria GmbH und der verbundenen Verlage veröffentlicht werden kann. Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfäl tigt, verwertet oder verbreitet werden. Zur besseren Lesbarkeit wurde an einigen Stellen die männliche Schreibweise gewählt, z.B. „Ärzte“ statt „Ärztinnen“. Dabei handelt es sich ausdrücklich um keine Bevorzugung eines Geschlechts. Leseranalyse medizinischer Fachzeitschriften FOTO: FOTOSTUDIO RICHARD SCHUSTER

Medical Tribune j Nr. 13 j 29. März 2017 3 ▶ POLITIK & PRAXIS ■ MELDUNGEN MRT: Nicht nur Wartezeit steigt In den Verhandlungen von Vertretern des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger mit dem zuständigen Fachverband der Wirtschaftskammer über eine Regelung zur Vermeidung der langen Wartezeiten auf MRT-Untersuchungen gab es bis Redaktionsschluss keine Einigung. Die Ausgaben für MRT-Untersuchungen sind zuletzt deutlich gestiegen. 2015 haben die Krankenkassen dafür 94,3 Millionen Euro aufgewendet (2014 waren es 78 Millionen). Die Zahl der MRT-Untersuchungen, die 62 Institute durchgeführt haben, ist in diesem Zeitraum von 587.500 auf über 600.620 gestiegen. Die Zahl der CT-Untersuchungen ist hingegen von 352.850 auf 310.200 gesunken. Dennoch sind auch die Ausgaben dafür von 25,9 auf 29,1 Millionen Euro gewachsen. APA FOTO: BRIANAJACKSON / ISTOCK Geld regiert die Welt – und immer mehr auch das österreichischen Gesundheitssystem. Kritik an krankem Kassen-System PODIUMSDISKUSSION ■ Gibt es einen Mangel an Kassenverträgen wegen berechnender Krankenkassen? Schließlich sind Wahlarzt- und Ambulanz-Besucher aus ihrer Sicht kostengünstige Patienten. PETRA VOCK Sind Patienten bereits dazu gezwungen, bei Arztbesuchen in die Tasche zu greifen, weil das kassenärztliche System versagt? Ja, meint Dr. Martin Gleitsmann, Geschäftsführer der Plattform Gesundheitswirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich: „Im großstädtischen Raum gibt es in einigen Bereichen keinen Zugang mehr zum Vertragssystem, die Menschen müssen daher in großem Stil Wahlärzte aufsuchen und dabei ordentlich Geld in die Hand nehmen.“ Die Diskussion um Selbstbehalte sei „unglaublich verlogen“, empörte sich Gleitsmann am Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongress, der vor Kurzem in Wien über die Bühne gegangen ist: „De facto gibt es diese, und sie sind gewaltig.“ Zu wenig Verträge Eine Ausdünnung des kassenärztlichen Bereichs kritisierte Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der Österreichischen Patientenanwälte. Er betonte, dass es ihm nicht um die Abschaffung der Wahlärzte gehe, sondern darum, „dass Patienten in einem öffentlichen solidarischen Gesundheitssystem nicht in diesen Sektor gezwungen werden sollen“. Das kassenärztliche System werde seinen Aufgaben immer weniger gerecht – mit dem Ergebnis, dass Patienten auf Wahlärzte und in Ambulanzen ausweichen. Beides sei für die Kassen „ein gutes Geschäft“, erinnerte Bachinger daran, dass die mangelnde Gegensteuerung auch mit der Finanzierungslogik zu tun habe: „Jede Kasse muss froh sein, wenn Patienten beim Wahlarzt ein zweites Mal in die Tasche greifen, denn erstens wird nur ein kleiner Teil eingereicht und zweitens werden nur bis zu 80 Prozent der Kassentarife vergütet.“ Kostengünstig für die Kassen seien Patienten, die in die Ambulanz gehen, betonte Bachinger, denn dafür sei ja ein anderer Finanzierungsträger zuständig, während die Kassen nur einen pauschalierten Betrag beisteuern müssten. Dass das kassenärztliche System zunehmend schwächelt, meint auch der Wiener Ärztekammer-Präsident Dr. Thomas Szekeres und belegte dies mit Zahlen: „Wir haben heute 1650 Kassenärzte in Wien, 2010 waren es noch 1741. Die Zahl der Kassenverträge geht zurück, während Wien explosionsartig wächst und die Menschen immer älter werden und mehr medizinische Hilfe benötigen.“ Der Grund dafür sei die „Nicht-Verfügbarkeit der Verträge“, sieht Szekeres die Bringschuld bei den Krankenkassen. Denn was die Ärzte betrifft, so fänden sich trotz schlechter Bezahlung immer noch ausreichend Bewerber, um die Verträge zu besetzen – mit Ausnahme weniger Verträge im Bereich der Kinderheilkunde. Verschärft werde die Mangel-Situation noch dadurch, dass durch die Reduktion der durchschnittlichen Arbeitszeit von 70 auf 48 Stunden auch „die Leistungsfähigkeit der Spitäler gesunken“ sei. Der Krankenkassen-Schelte schloss sich Dr. Friedrich Anton Weiser, Gründer der Gruppenpraxis „Medico Chirurgicum“, an und nannte ein Beispiel aus der Praxis: So betrage etwa der zwischen Kammer und Kasse ausverhandelte Tarif für eine Kolonoskopie 200 Euro, während die Kosten dafür laut „drei unabhängigen, auch der Kasse bekannten Kostenkalkulationen“ bei 350 Euro lägen. „Die Krankenkassen nehmen also stillschweigend zur Kenntnis, dass wir uns durch Zuzahlungen irgendwie querfinanzieren. An sich finde ich das widerlich“, sagte Weiser und schloss sich Bachingers Kritik an der Finanzierungslogik des Systems an: Seit Jahren sei von Auslagerung vom Spitalsbereich in den niedergelassenen Bereich die Rede, aber in Wahrheit habe niemand ein Interesse daran, den niedergelassenen Bereich zu fördern. Ein schmales Segment Wahlärzte seien immer noch „ein sehr schmales, wenn auch ein notwendiges Segment“, betonte indes Dr. Rainer Thomas, Direktor im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, und verwies auf Zahlen der Sozialversicherung: Während für den niedergelassenen Bereich 2,5 Milliarden Euro pro Jahr aufgewendet würden, gebe die Sozialversicherung für Wahlärzte vergleichsweise schlappe 180 Millionen Euro im Jahr aus. Unterstützung bei der Verteidigung der Sozialversicherung erhielt Thomas von unerwarteter Seite: „Die wirtschaftliche Situation der Stadt Wien ist nicht gerade rosig, es gibt viele Arbeitslose und Pensionisten. Das spiegelt sich in der finanziellen Ausstattung der Gebietskrankenkasse wider, die dann unflexibel sein muss, was die Finanzierung von Kassenärzten betrifft“, räumte Szekeres ein. Hohe Kosten Viele Kosten – und Patientenängste – seien durch die fehlende Steuerung verursacht, betonte Dr. Susanne Rabady, Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinund Familienmedizin: „Man weiß aus Erhebungen, dass pro Patient in der Allgemeinpraxis etwa drei Beratungsanlässe pro Konsultation anfallen, 80 bis 90 Prozent werden abschließend behandelt. Wenn der gleiche Patient keinen Hausarzt hat, sucht er drei Fachärzte auf und dabei verkalkuliert er sich auch noch bei einigen Symptomen.“ Die ungelöste Frage des Verhältnisses der Versorgungsebenen zueinander werde auch durch das aktuelle Primärversorgungskonzept „überhaupt nicht berührt“, kritisierte Rabady. Außerdem würden Primärversorgungszentren erst recht ungeheuer viel Geld kosten: „Kein Mensch redet darüber, was 60 Stunden Betriebszeit an Personalkosten verursachen.“ 9. Österreichischer Gesundheitswirtschaftskongress; Wien, 15. März 2017 Wirtschaft hofft auf EMA Im Werben Wiens um die Zentrale der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), die im Zuge des Brexit aus London übersiedeln muss, schürt Johann F. Kwizda Hoffnung. „Wien hat als wichtige Drehscheibe des Pharmagroßhandels und der Arzneimittellogistik in Zentraleuropa die besten Voraussetzungen für die Ansiedlung der EMA“, sagt der Vertreter des Arzneimittel-Großhandels in der Wiener Wirtschaftskammer. Deren Präsident Walter Ruck habe den Standort in Gesprächen mit EMA-Chef Guido Rasi in London aktiv positioniert. APA Stada verschiebt die Bilanz Der deutsche Arzneimittelhersteller Stada hat seine Bilanzpressekonferenz um eine Woche verschoben. CEO Matthias Wiedenfels begründete dies mit einer kleinen, lokalen Transaktion, über die Stada nie berichtet habe, die nach Absprache mit den Wirtschaftsprüfern aber neu bewertet werden müsse. Sie könnte den Gewinn um einen einstelligen Millionenbetrag beeinflussen. Mit dem laufenden Bieter-Wettstreit um Stada (zwei Konsortien aus Finanzinvestoren rittern um den Konzern) habe die Verschiebung nichts zu tun. APA Neue Notklinik bei Mosul Für die wachsende Anzahl an Flüchtlingen aus der umkämpften irakischen Stadt Mosul – lange die Hochburg der Terrormiliz IS – gibt es eine neue Notklinik. Die WHO eröffnete die neue Einrichtung mit 68 Betten und drei Operationssälen. Diese sei von Westmosul aus innerhalb von 20 Autominuten zu erreichen. Die WHO will bis nächste Woche 30 Krankenwagen an die örtlichen Gesundheitsbehörden liefern. APA

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