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Medical Tribune 16/2017

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4 POLITIK & PRAXIS

4 POLITIK & PRAXIS Medical Tribune j Nr. 16 j 19. April 2017 9x Gesundheitspolitik Gesundheitspolitische Entwicklungen und Ereignisse in den neun Bundesländern Vorarlberg • Nach einjähriger Testphase wird der „Krankenhaus Pass“ für demente oder schwer behinderte Patienten landesweit erhältlich. • Das Land hat die Bereiche Gesundheit und Pflege erstmals gemeinsam geplant. Laut Strukturplan (bis 2020 bzw. 2025) sollen die Landeskrankenanstalten zu einer Mehrstandort-Krankenanstalt zusammengefasst werden. Tirol Salzburg • Tirol will Gesundheitstourismus als Wirtschaftsmotor etablieren: Ein EU-gefördertes Projekt namens „WinHealth“ soll in Kooperation mit Partnern in Österreich und Italien gesundheitstouristische Angebote zur Diversifizierung des Wintertourismus entwickeln. • Bei der Rektorswahl der Med-Uni Innsbruck wurde die amtierende Rektorin Helga Fritsch vom Senat gestrichen. Aus dem Dreiervorschlag der Findungskommission ist nur noch ein Kandidat erhalten. • Der Blutbeutel-Hersteller Fresenius HemoCare will sein Werk in Eugendorf mit 69 Mitarbeitern bis Ende 2017 schließen. Die Nachfrage nach Blutbeuteln sei weltweit rückläufig. • Das Land Salzburg ruft zu Bewerbungen für den „European Health Award“ in Gastein auf. Einreichungen: bis 26. Mai. Kärnten • Im SOS-Kinderdorf Moosburg wurde das neue Hermann-Gmeiner-Zentrum für Beratung und Therapie, ein Ambulatorium für Neurologie und Psychiatrie, eröffnet. Oberösterreich • Der Linzer Suchtmediziner Kurosch Yazdi räumt im Buch „Die Cannabis-Lüge“ mit dem Harmlos-Image der Droge auf und warnt vor gestiegenem THC-Gehalt. • Mit privater Zusatzversicherung bekommen Patienten schneller einen OP- Termin, kritisiert die Arbei terkammer Oberösterreich das 2012 eingeführte Wartezeitenregime als zahnlos. Steiermark • Herz- und lungenkranke Kinder aus der Steiermark, Kärnten und dem Südburgenland können ab Jänner 2018 in einer neuen Reha-Einrichtung betreut werden. In Wildbad (Bezirk Murau) erfolgte der Spatenstich für den Bau der Einrichtung. Sie stellt auch Plätze für die psychiatrische Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen bereit. Niederösterreich • 6000 Angestellte bei niedergelassenen Ärzten können sich freuen: Die Sozialpartner einigten sich auf eine Lohnerhöhung von 2,3 Prozent. Das Mindestgehalt für die Ordinationsassistenz steigt um 200 Euro auf 1550 Euro. • Der NÖ Ärztedienst wird neu geregelt. Fortan übernehmen Ärzte von Notruf NÖ auch am Wochenende die Dienstbereitschaft in der Nacht. Wien • Bei der E-Card gibt es in Wien wenige Missbrauchsfälle. Die Gebietskrankenkasse gibt für die Jahre 2014 bis 2016 nur 21 bestätigte Fälle an. • Seit 1. April ist die neue Rettungs-Struktur in Kraft: Der Krankenanstaltenverbund (KAV) übernimmt die Notärzte von der Wiener Berufsrettung (MA 70). Burgenland • Im Fall um die vorzeitige Abberufung des Geschäftsführers der KRAGES (Burgenländische Krankenanstalten-Gesellschaft m.b.H.), Rene Schnedl, gehen die Wogen hoch. Schnedl kündigte rechtliche Schritte beim Arbeits- und Sozialgericht an. Die ÖVP Burgenland will als größte Oppositionspartei den Rechnungshof einschalten, da es SP-Landeshauptmann Hans Niessl um eine Demontage Schnedls gehe. Lindner koaliert abgespeckt ÄK-WAHL ■ „Neue Vereinigung“ holte gleich viele Mandate wie „IGAÄ“ des steirischen Ärzte-Chefs Dr. Herwig Lindner. Diesem gelang wieder eine – abgespeckte – Koalition. Bereits zwei Tage nach der Wahl am 6. April 2017 stand fest: Der steirische Ärztekammer-Präsident heißt auch weiterhin Dr. Herwig Lindner. Und das trotz Mandatsgleichstandes seiner „Interessensgemeinschaft Angestellte Ärzte“ (IGAÄ) mit der „Neuen Vereinigung“. Beide Gruppierungen schafften 13 von insgesamt 41 Mandaten. Die „Neue Vereinigung“ hatte gegenüber 2012 drei Mandate dazugewonnen. Die IGAÄ verlor zwar zwei Mandate, dafür hat die ihr nahestehende „Interessensgemeinschaft Niedergelassene Ärzte“ (IGNÄ), die 2012 noch gemeinsam mit der IGAÄ angetreten war, drei Mandate geholt – macht unterm Strich plus ein Mandat. Zweiter: Aktion Freier Ärzte Die „Aktion Freier Arzt (AFA)“ erhielt mit ihren Listen „Meindl/Stryeck“ und „Meister/Werner“ neun Mandate (plus eins), der „Verein für Wahlärzte und Spitalsärzte Steiermark“ holte nur ein Mandat (minus sechs) und die sechste angetretene Gruppierung, die „Liste der Angestellten Ärzte/Ärztinnen in der Sozialversicherung“, erreichte zwei Mandate (plus eins). „Wir waren nach der Wahl offen, mit jeder Fraktion Gespräche für eine Präs. Dr. Herwig Lindner IG Angestellte Ärzte: „Alle konstruktiven Kräfte sind herzlich zur Zusammenarbeit eingeladen.“ Koalition zu führen“, schilderte Dr. Attila Pataki von der „Neuen Vereinigung“ auf MT-Anfrage. Mit der AFA habe es „intensive Gespräche“ gegeben, ebenso mit den „Sozialversicherungsärzten“. Dass es mit der AFA zu keinem Abschluss gekommen sei, „lag nicht an uns“, beteuert der niedergelassene Grazer Chirurg. Und die IGAÄ hätte kein Interesse „an einem substanziellen Gespräch“ gehabt. Insgesamt sei das Wahlergebnis der Dr. Attila Pataki Die Neue Vereinigung: „Die IGAÄ hatte kein Interesse an einem substanziellen Gespräch.“ „Neuen Vereinigung“ von 13 Mandaten „respektabel und zufriedenstellend“, v.a. in der Angestellten-Kurie (von vier auf acht). „Leider haben wir unser großes Ziel – die absolute Mehrheit in der Kurie der Niedergelassenen Ärzte – nicht erreicht“, analysiert Pataki, dies allein wäre „der Garant für einen aus unserer Sicht unbedingt notwendigen Wechsel“ in der steirischen Kammer gewesen. Dieser findet nun nicht statt. Vorigen Mittwoch präsentierten Lindner sowie AFA-Obmann Dr. Eiko Meister, Dr. Norbert Meindl (AFA) und Dr. Dietmar Bayer (IGNÄ) ihre „Partnerschaft“. Alle „konstruktiven Kräfte“ seien aber herzlich zur Zusammenarbeit eingeladen. „Wir schließen niemanden aus, dem die steirische Ärzteschaft am Herzen liegt. Einige haben diese Einladung schon angenommen“, betonen Lindner und Meister in einem gemeinsamen MT-Statement. Die neue Koalition umfasst mit 25 von 41 Mandaten nur mehr eine schmale Mehrheit (die alte hatte 31 Mandate). Die Vollversammlung findet am 11. Mai statt. Die Wahlbeteiligung lag bei 51,6 Prozent – laut Pataki „nicht zufriedenstellend“, auch wenn es woanders noch schlechter sei. GRO ■ MEINUNG Dr. Ernest Pichlbauer Unabhängiger Gesundheitsökonom, Wien Diabetes-Strategie – die mittlerweile dritte in 30 Jahren 53 Seiten hat die ministerielle Diabetes-Strategie, mit der wir „dieser enormen gesundheitspolitischen Aufgabe begegnen“ – in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Doch was wurde eigentlich aus der Diabetes-Strategie, die vor fast 30 Jahren erschien – und auf zwei Seiten Platz fand? Damals wurde etwa die anhaltende Verbesserung der gesundheitlichen Situation (qualitativ und quantitativ sollen alle Diabetiker annähernd ein normales Leben führen) als Ziel definiert. 2017 lautet das Ziel: Alle in Österreich lebenden und an Diabetes erkrankten Menschen sollen möglichst lange mit hoher Lebensqualität leben können. Es sind also die gleichen Ziele, wie überhaupt praktisch alles schon in dem 30 Jahre alten Strategiepapier, genannt WHO St. Vincent Deklaration, steht. Von der Verbesserung des Wissensstandes in der Bevölkerung und unter Fachkräften über Förderung von Prävention und Selbst-Management bis hin zur Notwendigkeit, Behandlungsregister zu führen – alles da! Wegen diesem uralten Strategiepapier, das auch klare Fünf-Jahres- Ziele (also zu erreichend bis 1994!) definierte, haben alle Länder Diabetes-Strategien und -Programme entworfen. Das hat eine ministerielle Studie aus 2005 gezeigt. Damals wurde erkannt – peinlich –, wir haben nichts! Jetzt aber schnell. Und so entstand die erste österreichische Strategie: „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“. Zehn Jahre nach deren Einführung nehmen zehn Prozent der Diabetiker daran teil – bedenkt man das Inverse Care Law (The availability of good medical care tends to vary inversely with the need for it in the population served – Tudor Hart, Lancet 1971), sind diese zehn Prozent kaum die, die von dem Programm profitieren. Und die, die erreicht werden sollen, die erreichen wir immer noch nicht – 30 Jahre nach der St. Vincent Deklaration. Und so erhalten heute nicht einmal die Hälfte aller Diabetiker ihre nötigen Medikamente – ein EU-Spitzenwert. Ach ja, 1989, das war die Zeit, als Computer mit 486-Prozessoren liefen, Handys (C-Netz) kosteten 50.000 Schilling (3600 €) und das Internet war noch nicht erfunden. Papier ist geduldig – Fortschritt nicht! Tipp: Lesen Sie dazu auch den Bericht auf Seite 3 in dieser Ausgabe. FOTOS: OLIVER WOLF; PATAKI; PRIVAT

Medical Tribune j Nr. 16 j 19. April 2017 5 ▶ UROLOGIE Prostatakarzinome besser per MRT suchen? EAU 2017 ■ Aktuelle Daten aus einer niederländischen Studie legen nahe, dass der Einsatz von MRT das Prostata-Screening sicherer macht, ohne dass dadurch die Sensitivität im Hinblick auf Hochrisikokarzinome sinkt. FOTO: JAMESBENET / ISTOCK RENO BARTH Screening-Programme können nachweislich die Mortalität infolge von Prostatakrebs reduzieren. Allerdings haben diese Programme auch eine Schattenseite: Die PSA-Bestimmung als Screening-Test hat eine hohe Sensitivität, aber lediglich geringe Spezifität. Das Ergebnis sind zahlreiche falsch positive Tests bei Männern, die überhaupt kein Karzinom haben und darüber auch eine hohe Zahl detektierter Low-Risk-Karzinome. Bessere Screening-Methode dringend gesucht Das hat Folgen für die betroffenen Männer. Ein erhöhter PSA-Wert erzeugt nicht nur Angst, er führt häufig auch zu einer Prostatabiopsie (transrectal ultrasound-guided random prostate – TRUS – biopsy) mit nicht zu unterschätzender Morbidität. Bei einer TRUS-Biopsie werden üblicherweise sechs bis zwölf Stanzen (Cores) aus der Prostata entnommen. Diese Prozedur ist einerseits invasiv, birgt darüber hinaus aber auch das Risiko, dass der Tumor, oder auch ein besonders maligner Teil des Tumors, verfehlt wird und damit ein falsch negatives Resultat entsteht. Darüber hinaus besteht die Gefahr einer Urosepsis, die sich in Zeiten vermehrter Antibiotika-Resistenzen auch unter einer fachgerecht durchgeführten Antibiotika-Prophylaxe entwickeln kann. Bessere Screening-Methoden werden daher dringend gesucht. Eine wichtige Rolle könnte dabei in Zukunft die Bildgebung spielen. Eine niederländische Gruppe präsentierte im Rahmen des EAU-Kongresses Daten, die nahelegen, dass durch Einsatz von Magnetresonanztomographie (MRT) die Zahl der Biopsien substanziell reduziert werden könnte. Die Arbeit, die Teil des niederländischen Parts der „European Randomised study for the Screening of Pro state Cancer“ (ERSPC) war, kommt zu dem Ergebnis, dass Screening mittels MRT Überdiagnosen um 50 Prozent und unnotwendige Biopsien um 70 Prozent reduzieren kann, was die Nutzen-Risiko-Balance des PSA-Screenings deutlich zugunsten des Screenings verschieben würde. Es handelt sich um die erste Studie, die zeigt, dass MRT im Rahmen eines Pros tata-Screenings sinnvoll eingesetzt werden kann. Allerdings ist der Weg zu diesem Ziel nicht einfach. Die Prostata ist aus Sicht der Bildgebung ein schwieriges, weil dichtes und heterogenes Organ, was die zuverlässige Diagnose von Veränderungen mittels Bildgebung erheblich erschwert. „Wir müssen die Kosten in den Griff bekommen“ Im Rahmen der aktuellen niederländischen Studie wurden in einer Population mehrfach vorgescreenter Männer die Ergebnisse der TRUS-Biopsie mit den Ergebnissen von MRT-Untersuchungen verglichen. Bei Patienten mit einem PSA ≥ 3,0 ng/ml wurden TRUS-Biopsien mit entweder sechs oder zwölf Cores durchgeführt. Bei den Männern, denen zwölf Stanzen entnommen wurden, war zuvor eine MRT durchgeführt worden. Wenn diese den Verdacht auf ein Karzinom nahelegte, wurden auf Basis der MRT weitere Proben entnommen. Die Studie zeigte für Zwölf-Coreund Sechs-Core-Biopsien sowie für die MRT ähnliche Detektionsraten im Hinblick auf Hochrisikokarzinome. Bei jenen Männern, bei denen die MRT vor einer möglichen Biopsie Bis zum Routine-Einsatz von Bildgebung zu Screening-Zwecken sind noch einige Fragen zu beantworten. erfolgte, waren in 70 Prozent Biopsien überhaupt verzichtbar, da in der MRT keine Hinweise auf ein Karzinom zu erkennen waren. Damit wäre, so die Autoren, eine Reduktion der (Über)- Diagnosen nicht aggressiver Karzinome um rund die Hälfte möglich. „Damit könnte sich die Gleichung grundlegend verändern“, sagt Studienautor Dr. Arnout Alberts vom Erasmus Medical Centre in Rotterdam: „Unsere Daten legen nahe, dass MRT statt TRUS-Biopsie ein signifikant besseres Verhältnis von Nutzen zu Risiko bietet und für Männer mit Prostatakrebs-Risiko echte Vorteile bietet.“ Allerdings stehe man noch am Anfang. „Wir müssen nun in großen Studien zeigen, dass das auch in einem alltäglichen Screening-Setting funktioniert, und wir müssen die Statistik und die Kosten besser in den Griff bekommen.“ Ein MRT- Screening werde teurer als die heute eingesetzten Strategien im Prostata-Screening. Dazu müsse man aber sagen, dass die Einführung des Mammographie-Screenings vor zehn Jahren ebenfalls teuer gewesen sei, so Allberts. „Wir müssen also entscheiden, ob es das wert ist. In unserer Studie konnten wir eine 70-prozentige Reduktion von Biopsien und eine 50-prozentige Reduktion von Überdiagnosen demonstrieren. Wenn sich das in größeren Studien bestätigen lässt, würde es letztlich auch deutliche langfristige finanzielle Einsparungen bringen.“ Das sieht man auch bei der EAU so. Prof. Dr. Jochen Walz, Vorsitzender der EAU Section of Urological Imaging, kommentierte: „MRT hat das Potenzial, die Diagnostik des Prostatakar zinoms zu verbessern. Allerdings müssen wir uns im Klaren darüber sein, dass die MRT der Prostata schwierig ist und die Zuverlässigkeit der Ergebnisse deutlich von den Fähigkeiten der befundenden Spezialisten abhängt.“ Bevor man MRT- Screening auf breiter Basis anbieten könne, müssten diese Themen bearbeitet werden, so Walz weiter. Aus diesem Grund haben die EAU und die European Society of Urogenital Radiology eine gemeinsame Qualitätsinitiative für die Prostata-MRT gestartet. Walz: „Darüber hinaus benötigen wir realistische Analysen der Kosten und der benötigten Ressourcen, bevor wir eine Empfehlung für den Routine- Einsatz abgeben können.“ Kongress der European Association of Urology (EAU); London, März 2017 HEISSER TIPP FÜR DIE KOMMENDE ALLERGIESAISON allegra ® . Das Antihistaminikum der neuesten Generation. GRÜNE BOX REZEPTFREI FKI siehe Seite 14 allegra ® lindert allergiebedingte Symptome schnell und anhaltend. Als Antihistaminikum der dritten Generation macht es nicht müde und beeinträchtigt nicht die Reaktionsgeschwindigkeit. 1 allegra ® ist das einzige rezeptfreie Antihistaminikum der neuesten Generation und in der Grünen Box. 2 1) Van Cauwenberge P, Juniper EF. Clin Exp Allergy 2000. 2) Erstattungscodex-EKO Stand 1. Jänner 2017, Seite 356 SAAT.FEX.17.01.0048 allegra_Anz_Pharmaceutical_Tribune_200x74mm_Lo1_iso-v2_RZ.indd 1 20.02.17 12:15

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