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Medical Tribune 22/2018

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4 POLITIK & PRAXIS

4 POLITIK & PRAXIS Medical Tribune j Nr. 22 j 30. Mai 2018 Drei Tage Vergnügen sind der Finanz zu viel ÄRZTEREISEN ■ Wann können Fortbildungsreisen und Kongresskosten steuerlich als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten abgeschrieben werden? Medical Tribune stellte 10 praxisnahe Fragen und holte von einem Wiener Steuerexperten die Antworten dazu ein. KARIN MARTIN Mediziner müssen sich laufend fortbilden. Eine entsprechende Verpflichtung ist bekanntlich berufsrechtlich verankert. Oft finden entsprechende Veranstaltungen und Kongresse in Fremdenverkehrsorten statt. „Diese bieten schließlich zumeist die nötige Infrastruktur und werden von den Besuchern gerne aufgesucht“, weiß Mag. Wolfgang Leonhart, Steuerberater in Wien-Mariahilf. Das Problem dabei? Kongress- und Studienreisen in beliebte Tourismuszentren sind auch ein häufiger Reibungspunkt mit dem Finanzamt, wenn die Kosten steuerlich abgesetzt werden. Insbesondere sogenannte „Mischreisen“ beruflich/privat werden mit Argusaugen betrachtet. Das sollten Sie dazu wissen: Wann werden Ärztereisen als Betriebsausgabe bei selbstständig tätigen Ärzten bzw. als Werbungskosten bei angestellten Kollegen anerkannt? Die Abzugsfähigkeit von Fortbildungskosten und Reisespesen hängt primär von der ausschließlichen oder nahezu ausschließlichen beruflichen Veranlassung ab. Leonhart: „Die Finanzbehörde legt diesfalls einen sehr engen Maßstab an.“ Für Kongresse gilt z.B., dass lediglich Tage mit ganztägigen Fachvorträgen steuerlich geltend gemacht werden dürfen. Als Fortbildung wird generell nur akzeptiert, wenn die konkrete Berufsausbildung bereits abgeschlossen ist und die bisherigen beruflichen und betrieblichen Kenntnisse verbessert oder erhalten werden sollen. Was ist bezüglich der Fortbildungsinhalte bei Studienreisen zu beachten? Experte Leonhart fasst zusammen: Die Planung und Durchführung der Reise haben entweder im Rahmen einer lehrgangsmäßigen Organisation oder sonst in einer Weise zu erfolgen, die die zumindest weitaus überwiegende berufliche Bedingtheit einwandfrei erkennen lässt. Die Reise muss dem Arzt die Möglichkeit bieten, Kenntnisse zu erwerben, die eine einigermaßen konkrete Verwertung in seinem Beruf zulassen. Buchtipp Wolfgang Leonhart: Arzt und Steuern. So „steuern“ Sie richtig! Für alle Gesundheitsberufe. Verlagshaus der Ärzte, 5. Auflage 2015, 500 Seiten, ISBN 978- 3-99052-070-3, 69,90 Euro Das Reiseprogramm und seine Durchführung müssen derart einseitig und nahezu ausschließlich auf Ärzte abgestellt sein, dass sie jeglicher Anziehungskraft auf Teilnehmer anderer Professionen entbehrt. Allgemein interessierende Programmpunkte dürfen zeitlich gesehen nicht mehr Raum als jene einnehmen, die während der laufenden Berufsausübung als Freizeit regelmäßig verwendet werden. Dabei ist von einer durchschnittlichen Normalarbeitszeit von acht Stunden täglich auszugehen. Welche Programmpunkte sind problematisch? Nicht berücksichtigt können etwa werden: Persönlichkeitsentwicklungskurse, Sportkurse, Führerscheinkurse und Ähnliches. Psychologische Seminare sind abzugsfähig, wenn für den Arzt psychologische Grund- und Aufbaukenntnisse unabdingbar sind. Sprachkurse werden nur akzeptiert, wenn sie (nahezu) ausschließlich auf den Arztberuf abgestellt sind. Mit Argusaugen betrachtet die Finanz Aktivitäten im Freien. Leonhart: „Der VwGH hat z.B. im Falle einer Ärztefortbildung in Obergurgl die steuerliche Absetzungsfähigkeit versagt, da täglich vier Stunden als vortragsfreie Zeit für Skifahren usw. vorgesehen waren.“ Wie verhält es sich bei Sportseminaren für (angehende) Sportmediziner? Selbst hier gelten strenge Maßstäbe. In einem Urteil sah der VwGH einen Fortbildungslehrgang am Arlberg, an dem ein Sportmediziner teilnahm, weder als Werbungskosten noch als Betriebsausgabe absetzbar. Er begründete dies mit der wesentlichen Mitveranlassung durch private Freizeitgestaltung. In der Zeit von 9.30 bis 15.30 Uhr standen für die Teilnehmer täglich „Ärztesportstunden“ auf dem Programm. Mit professionell ausgebildeten Trainern wurden neben dem Skifahren dynamische Übungen durchgeführt; sowie anschließend klinische Untersuchungen und praktische Erfahrungen ausgewertet, wie Langzeitbelastung und Muskelkater. „Laut den Vorgaben der Ärztekammer müssen Sportmediziner ja eine Ärztesport-Fortbildung im Ausmaß von 20 Stunden besuchen. Sie ist auch Voraussetzung, um das Diplom als Sportmediziner zu erlangen“, gibt Leonhart zu bedenken. Doch auch diese Tatsache habe nichts an der Meinung des VwGH geändert, dass es sich um Freizeitgestaltung handle. Da sich die Reise nicht in eindeutig voneinander abgrenzbare Zeitanteile beruflich/privat einteilen ließ – und die insgesamt 40 Stunden Theorie im Programm, verteilt auf die gesamte Woche, zu wenig waren – kam es zur Nicht-Abzugsfähigkeit. Lediglich am Sonntag fand ein ganztägiges Fachprogramm statt. Dieser Tag war daher isoliert steuerlich absetzbar. Dürfen „Touristik“-Tage mit eingeplant werden? Die Finanz untersucht anhand des tatsächlich durchgeführten Reiseprogrammes, an welchen Tagen Veranstaltungen, Besichtigungen usw., die als Arbeitsprogramm im ärztlichen Interesse zu betrachten sind, durchgeführt wurden. Den „Arbeitstagen“ werden jene Tage gegenübergestellt, die touristische Programmpunkte enthalten. Entfallen auf eine Woche mehr als zwei Tage „Touristik“, so überschreiten die nichtberuflichen Verrichtungen gewidmeten Tage das normale Freizeitausmaß von 5:2. Es liegt ein sogenanntes „Mischprogramm“ vor. Die Reisekosten sind deshalb zur Gänze nicht abzugsfähig. Es können nur noch die Seminar- oder Kongressgebühren zum Abzug gebracht werden. Was, wenn man nach Abschluss des Kongresses weiterhin im Unterbringungsort verweilen möchte? Laut neuer Rechtsansicht des VwGH ist in einem solchen Fall ein anteiliger Abzug der Reisekosten möglich, da sich beruflich und privat veranlasste Reiseabschnitte klar und einwandfrei trennen lassen. Leonhart bringt folgendes Beispiel: Sie fliegen zu einem dreitägigen Ärztekongress nach Rom und runden den Aufenthalt anschließend mit einem viertägigen Urlaub ab. Nach der aktuellen Rechtsprechung muss das Finanzamt insbesondere die Flug- und Hotelkosten zumindest in Höhe von 3/7 berücksichtigen, weil dieses Verhältnis der beruflichen Veranlassung entspricht. Was ist bei vom Dienstgeber angeordneten „gemischten“ Reisen zu beachten? Bei fremdbestimmter Veranlassung, wie einer vom Arbeitgeber angeordneten Fortbildungsreise, können die gesamten Fahrtkosten steuerlich berücksichtigt werden, auch wenn zusätzlich private Unternehmungen stattfinden. Was sollte bei Mitnahme des Ehepartners bedacht werden? Ist der Ehepartner nicht ebenfalls als praktizierender Arzt oder zumindest als qualifizierter Helfer in der Praxis tätig, so sieht die Finanz das als starkes Indiz für eine Privatreise und prüft besonders genau. Ist beispielsweise die Gattin als Ordinationshilfe angestellt, so gelten hingegen deren Fortbildungen im fachlich-medizinischen Sinn als Betriebsausgaben. Leon hart rät: „Bei gemeinsamen Fortbildungen ist Veranstaltungen der Vorzug zu geben, bei denen neben dem medizinisch-wissenschaftlichen Programm auch Seminare für Assistenten und Helfer vorgesehen sind.“ Welche Aufwendungen sind absetzbar? Die unmittelbaren Kosten der Fortbildungsmaßnahmen, die Fahrtkosten zur Fortbildungsstätte, Tagesgelder, sofern eine Reise im steuerlichen Sinn vorliegt, sowie Kosten für auswärtige Nächtigungen. Leonhart: „Auch bei aufwendigen Fortbildungsaktivitäten, z.B. im Rahmen von Auslandsaufenthalten, darf – soweit der Fortbildungscharakter jedenfalls unbestritten ist – durch das Finanzamt keine ,Rentabilitätsrechnung‘ zur Frage der steuerlichen Anerkennung gestellt werden.“ Ist ein Arzt sowohl selbstständig als auch unselbstständig tätig, so sind in der Regel auch die Fortbildungs- und Reisekosten anteilsmäßig Betriebsausgaben und Werbungskosten. Was gilt in puncto Beweisbarkeit? „Wir raten dringend, das Reiseprogramm den Steuerakten beizulegen, um nicht von Zweifelsfragen seitens der Finanz überrumpelt zu werden“, so Leonhart. Das Programm sei, sofern es den genannten Voraussetzungen gerecht wird, ausreichend in punc to Beweisbarkeit. Zusätzlich müssen sämtliche sonstige Belege wie Hotelrechnungen aufbewahrt werden. Die Beibringung von Testaten verlangt der österreichische Fiskus nicht. Von der freiwilligen Beibringung rät die Österreichische Ärztekammer aus präjudiziellen Gründen ab. Kontakt Mag. Wolfgang Leonhart Steuerberater Mag. Wolfgang Leonhart Wirtschaftsprüfer, Steuerberater c/o Leonhart & Leonhart Wirtschaftstreuhand GmbH u. Co KG, Mariahilfer Str. 74a, 1070 Wien, Tel.: 01/523 17 68, Internet: www.leonhart.at FOTO: ARCHIV

Medical Tribune j Nr. 22 j 30. Mai 2018 POLITIK & PRAXIS 5 ■ MEINUNG Wie reden wir miteinander? Dr. Harald Retschitzegger Palliativmediziner und Geriater in Wien Teamarbeit – das ist selbstverständlich! Mit dieser Antwort werden viele Menschen im Gesundheitssystem zustimmen, wenn sie danach gefragt werden. Wenn wir ins Detail gehen, wird es interessanter, und die Antworten werden differenzierter. Was verstehen die unterschiedlichen Menschen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der verschiedensten Professionen darunter? Mir fällt wieder die vor nicht allzu langer Zeit vernommene Unterteilung eines Kollegen ein, der von „den Ärzten und den Zureichberufen“ sprach. Ich erinnere mich an die Klarstellung mancher Kollegen: „Teamarbeit: Ja! – Auf Augenhöhe? Nein!“ Teamarbeit funktioniert auf Augenhöhe. Ja, es gibt natürlich unterschiedliche Aufgaben der einzelnen Teammitglieder, und Teams funktionieren bewiesenermaßen nur dann, wenn das Team eine Leitung hat. Nichtsdestotrotz kann die Leitung aufgabenspezifisch variieren und je nach Thema zwischenzeitlich übergeben werden. Was wir brauchen, ist die Gewichtung beim jeweiligen „K“: Kompetenz, Kooperation, Kommunikation – oder Konflikt. Im Sinne von: „Wir kennen und schätzen die Kompetenz der Einzelnen und können darauf aufbauen; wir kommunizieren miteinander und ermöglichen dadurch Kooperation – statt Konflikt.“ Was wir dazu auch brauchen, sind Teambesprechungen, gut geleitete und moderierte interprofessionelle und multidisziplinäre Gesprächsrunden, in denen jene Atmosphäre und Offenheit herrscht, in der auch die Leisen und „Schwächeren“ sich zu äußern trauen – und dort auch gehört werden! Ein Klima der Akzeptanz und des wertschätzenden Miteinanders; im Wissen, dass die Qualität der Teamarbeit letztendlich die Qualität der gesamten Arbeit definiert! Die beste Ärztin kann PatientInnen nur so gut behandeln, wie wirksam auch die Zusammenarbeit mit dem Krankenpfleger und die pflegerische Qualität ist. Der beste Sozialarbeiter kann nur dann die bestmögliche Lösung für PatientInnen finden, wenn er mit den behandelnden ÄrztInnen wirksam kommunizieren und kooperieren kann. Kommunikation muss und kann man übrigens auch lernen – so wie jede andere Schlüsselqualifikation und spezielle Fachkompetenz. PatientInnen, Angehörige und Teammitglieder werden uns sehr dankbar sein dafür! Vertrauen durch Erfahrung * ■ MELDUNGEN Die weltbesten Gesundheitssysteme Insgesamt habe sich die Qualität und der Zugang zu den Gesundheitssystemen weltweit verbessert, lobt eine Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurde. Forscher rund um Dr. Rafael Lozano von der Universität Washington werteten eine globale Gesundheitsdatenbank mit Zahlen aus 2016 aus. Sie haben die Folgen von 32 Erkrankungen in 195 Ländern betrachtet und auf dieser Basis eine Rangliste erstellt. Diese wird von Island angeführt, das auf 97,1 von 100 möglichen Punkten kam. Dahinter folgen Norwegen (96,6) und die Niederlande (96,1). Österreichs Gesundheitssystem kommt mit 93,9 Punkten auf Platz 13. Im Jahr 2000 waren es 87,4 Punkte, 1990 80,9 Zähler. Verbesserungsbedarf besteht hier bei Hautkrebs. Deutschland landete auf Platz 18. Am Ende der Tabelle finden sich vor allem afrikanische Staaten, den schlechtesten Wert erhielt die Zentralafrikanische Republik (18,6 Punkte). RED FOTO: PRIVAT Ärztekammer fordert Aktionsplan In Europa sind 12 bis 16 Millionen Kinder übergewichtig, mit steigender Tendenz. Die WHO erwartet angesichts des Massenphänomens Adipositas auch von Österreich, dass bis zum Jahr 2020 das Übergewicht im Kindes- und Jugendalter stagniert, und wissenschaftlich fundierte Konzepte, um dieses Ziel zu erreichen. Ärztekammer und Ernährungsexperten fordern von der Politik wirksame flächendeckende Präventions- und Behandlungsmodelle. Die Politik muss diesen höchste Priorität einräumen, forderte Dr. Johannes Steinhart, Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer anlässlich des 25. European Congress on Obesity. „Wir brauchen einen Aktionsplan gegen Adipositas.“ RED Fatale Diagnose: Ärztin angeklagt Im Fall der vermeintlichen Migräne- Patientin, die am 18.11.2016 aus der Ambulanz der Barmherzigen Brüder in Linz ohne CCT entlassen wurde und an einer Aneurysmablutung starb, reichte die Staatsanwaltschaft Linz nun einen Strafantrag auf fahrlässige Tötung beim Bezirksgericht ein, wie Medical Tribune von Hinterbliebenen-Vertreter Prof. Dr. Johannes Hintermayr erfuhr. Der diensthabenden Assistenzärztin droht bis zu einem Jahr Haft. Der Gutachter räume aber ein, dass ihre Diagnose wegen „noch unausgereifter fachärztlicher Kompetenz“ verständlich sei. GRO Details sind den jeweiligen Fachinformationen zu entnehmen * Patel M.R., Mahaffey K.W., Garg J. et al. Rivaroxaban versus warfarin in nonvalvular atrial fibrillation. N Engl J Med. 2011; 365(10):883–91; Camm J., Amarenco P., Haas S. et al. XANTUS: A Real-World, Prospective,Observational Study of Patients Treated with Rivaroxaban for Stroke Prevention in Atrial Fibrillation. Eur Heart J. 2015:doi:10.1093/eurheartj/ehv466; Coleman Cl et al., REal-LIfe Evidence of stroke prevention in patientswith atrial Fibrillation – The RELIEF study. Int J Cardiol 203 (2016) 882-884; Hecker J. et al., Effectiveness and safety of rivaroxaban therapy in daily-care patients with atrial fibrillation - Results from the Dresden NOAC Registry http://dx.doi.org/10.1160/ TH15-10-0840 Thrombosis and Haemostasis 115.5/2016; Ageno et al. Safety and effectiveness of oral Rivaroxaban versus standard anticoagulation for the treatment of symptomatic deep vein thrombosis (XALIA): an international prospective non-interventional study. Lancet Haematology, 2016;3(1):e12- e21; Tamayo, S. et al. Characterizing Major Bleeding in Patients With Nonvalvular Atrial Fibrillation: A Pharmacovigilance Study of 27 467 Patients Taking Rivaroxaban. Clin Cardiol. (2015 Jan 14). doi: 10.1002/clc.22373 1. Berechnungen basieren auf IMS Health MIDAS, Database: Monthly Sales Dec. 2016 und IMS Health DPMÖ Datenbank Stand März 2017. L.AT.MKT.04.2017.5740 www.xarelto.at Sämtliche praxisrelevanten Informationen für Sie nur wenige Klicks entfernt! Anzeige Fachkurzinformationen auf Seite 14

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