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Medical Tribune 23/2017

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16 MEDIZIN

16 MEDIZIN Medical Tribune j Nr. 23 j 7. Juni 2017 ■ MEDIZIN UND ICH VON A BIS Z Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker ■ BUCHTIPP Von Dr. Ulrike Stelzl Kassenärztin für Allgemeinmedizin in Graz Reisehandbuch für Neurotiker Patienten wird immer empfohlen, den Beipack zu lesen, denn dieser ist sicher ausführlicher und genauer, als Arzt oder Apotheker es jemals sein könnten. Außerdem enthält er garantiert so viele Grauslichkeiten, dass man sich als Patient dann dreimal überlegt, ob man das verschriebene Medikament wirklich nehmen möchte. Nur die ganz Mutigen ringen sich nach der Lektüre eines durchschnittlichen Beipacktextes dazu durch, die Tabletten wirklich zu schlucken. Oder die ganz Dummen. Die, die einfach nicht verstanden haben, dass in jeder Ecke des Blisters Tod und Verderben lauern. Ich persönlich vermeide es, wenn irgend geht, einen Beipack zu lesen. Denn zu den Dummen gehöre ich nicht und das mit dem Mut ist so eine Sache. Ich vertraue gerne auf die Weisheit und das Wissen der rezeptierenden Kollegen. Wenn ich wieder einmal selber an mir herumdoktere, greife ich gerne zu Altbewährtem. Oder ich frage einen anderen Arzt. Und oftmals frage ich auch den Apotheker, ich habe da eine Doktorin der Pharmazie in etwa anderthalb Kilometer links von meiner Ordi und einen Magister derselben zirka 500 Meter rechts von der Ordi. Beide schätze ich sehr ob ihres Wissens und ihres Engagements. Ich persönlich halte uns Ärzte nicht für die Krone der Schöpfung, also habe ich kein Problem damit, den Apotheker zu fragen. Und nicht nur den. Manchmal auch die Krankenschwester, den Physiotherapeuten oder den Viechdoktor. Während die einen schon voller Vorfreude die letzten Urlaubsdetails checken, graut anderen schon jetzt davor, was ihnen auf ihrer nächsten Reise alles blühen kann: Ärger am Flughafen, gefolgt von Flugangst, ungewohntes Essen, Infektionen, Klaustrophobie und vielerlei weitere unvorhersehbare Unannehmlichkeiten. Françoise Hauser hat genau für diese Reisenden (und ihre Mitreisenden) einen humorvollen Ratgeber mit vielen praktischen Tipps verfasst, der alle Angsthasen und Phobiker sicher durch den Reisealltag lotst. Françoise Hauser: Noch nicht da und schon am Ende – Reisehandbuch für Neurotiker. Piper 2017, ISBN 978-3-492-30827-4, 240 Seiten, 10,30 € K wie Kontrolle Ich bin auch froh, wenn ich weiß, dass meine Rezepte noch einmal von einem mit Großhirn ausgestatteten Wesen kontrolliert und die Pillen nicht wahllos ausgegeben werden. Schließlich kann sogar ich mich irren. (Fällt mir schwer, das zuzugeben, aber möglich ist wäre es schon.) Und dann bin ich heilfroh, wenn der Patient nicht vergiftet wird, sich in Magenkrämpfen windet, urtikariell oder ödematös aufgeht wie eine Wuchtel oder gar tot umfällt. Wie gesagt. Ich finde Vertrauen gut, aber Kontrolle noch besser. So weit, so gut. Was ich aber auf den Tod nicht ausstehen kann, sind Inkompetenz und Besserwisserei. Und diese gefährliche Kombination macht auch vor Apotheken nicht halt. Mir scheint, ganz im Gegenteil, selbige im Sturm zu erobern. Unlängst sitze ich einer Patientin gegenüber, die zur dritten Kontrolle ihrer Sinusitis kommt. Vor Sinusitiden habe ich mittlerweile richtig Angst. Da die Dinger nämlich immer gefühlte Ewigkeiten dauern, egal, was man therapeutisch macht, und völlig wurscht, ob man sich doch zur Gabe von Antibiotika vom Patienten überreden lässt, sind sie eine Qual für den Patienten. Und für seinen Arzt. Denn der immer gleiche Mensch erscheint mit der immer gleichen Erkrankung und den immer gleichen Symptomen zur x-ten Kontrolle. Nur Geduld hat er keine und der Blick wird immer anklagender. Manchmal möchte ich mich am liebsten unter den Schreibtisch verkrümeln. Jedenfalls schwört mir die Dame, dass sie ihre Medikamente ganz brav nimmt. Auf näheres Nachfragen meinerseits finde ich aber heraus, dass sie nicht wie rezeptiert Ibuprofen 600 3 x 1 schluckt, sondern jeweils nur eine halbe Tablette morgens und abends. Die Apothekerin hätte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen bei meiner Dosierung und gemeint, das wäre viel zu viel. Jetzt wird mir klar, warum der Kopfschmerz nicht weggeht. Und da in derselben Apo mir kürzlich ein Kind 1000 mg Klacid® Safterl bekommen hat, da die Apothekerin gemeint hat, 500 wären zu wenig, greife ich wutschnaubend zum Telefon. Der in Ausbildung befindliche Sohn des Konzessionsinhabers erklärt mir patzig, dass sie als Pharmazeuten genug Kompetenz und Wissen hätten, Medikamente richtig auszugeben. Für Rückfragen im Zweifelsfall hält er sich zu gut. Da er auch konsequent meinen Doktortitel weglässt, reißt mein Geduldsfaden noch schneller. Schön wäre es in solchen Fällen, die Schädeldecke aufklappen zu können, ein wenig gesunden Menschenverstand, etwas Intelligenz, eine Brise Höflichkeit und ein paar Seiten Knigge hineinzutransplantieren. Auf jeden Fall werden unsere Patienten jetzt angehalten, dort bitte wenn möglich nicht hinzugehen. Aber wahrscheinlich hat er meine Leute eh nicht nötig. Immerhin verdient er gutes Geld damit, meinen Eisenmangelpatientinnen das billige Lösferron gegen ein sauteures Privatpräparat zu tauschen und den Diabetikern irgendein Stoffwechselwunder anzudrehen. Was ich auch liebe, ist, wenn den Patienten erklärt wird, sie bräuchten keinen Arzt. Und ein Rezept schon gar nicht. Sie bekämen alles so. Gerade habe ich einen Hypertoniker deswegen angepflaumt, da sein letztes Ramipril-Rezept das Datum der vorjährigen Vorsorgeuntersuchung trägt. Er nimmt es aber eh brav. Die Apo gibt es ihm einfach ohne Rezept. Damit nimmt er es immer und immer weiter ohne Kontrolle oder Adaptierung. Dann ist da noch die Dame, die sich keine Twinrix® Impfung geben lassen will, denn die Apothekerin hätte gesagt, als Verheiratete könnte man keine Hepatitis B bekommen. Eh klar, weil noch nie eine Ehe auseinander, eine Verheiratete fremd oder ein treusorgender Gatte ins Puff gegangen ist. Das schönste Apothekenerlebnis aber hat Patient G. Mit einem Rezept des unaussprechlichen Antiepileptikums Levetiracetam bewaffnet betritt er die Apotheke. Die Jungpharmazeutin sieht es sich an und meint: „Das haben wir nicht, aber im Seractil® ist das Gleiche drin.“ Glücklicherweise ist er vom Fach und kann sich wehren. MT-INTERAKTIV Sagen Sie uns Ihre Meinung auf www.medonline.at redaktion@medical-tribune.at amtl. Schriftstück Kerzenständer asiat. Gebirge Spitzname Eisenhowers † Schellfisch, Dorsch beratende Körperschaft Verdauungsorgan Froschlurch Fragewort Riesenschlange altniederl. Kupfermünze lat.: Kunst erster Halswirbel das „Buch d. Bücher“ kelt. Name Irlands Eiterbläschen ugs.: Küsschen 4 Klostervorsteher französisch: klein 1 Sultanat auf Borneo Luft holen chem. Element ungelegen, unwillkommen die Sterne betreffend blutstillendes Mittel Rechtsstellung (jur.) chines. Form der Selbstverteidigung Nibelungenmutter ein Feldspat, Schmuckstein Anzahl der öst. Bundesländer ® 9 svd2011-222 Hptst. der Republik Irland 1 5 Abk.: Desoxyribonukleinsäure lateinisch: Gold schweiz.: Baskenmütze Burgschauspielerin (Dorothea) 10 † 1986 römischer Kaiser (54–68) Heilbehandlung mit Wärme 2 ungar. Wein 3 8 Bild als Meditationshilfe Krankenlager Abbauform im Bergbau 4 Wiener Schauspielerin † 1934 Hptst. in Europa (Landessprache) Ruinenstadt in Ostanatolien Verwandter 5 2 Verzierung Stern in der „Leier“ kleine Trommel 6 6 früherer asiatischer Nomade elektrisch gelad. Teilchen 7 7 in der Nähe von Felsendurchgang ungar.-dt.- österr. Star (Marika) † 2004 8 Apostel der Grönländer † 1758 franz. Schriftsteller † 1857 9 selten 10 3 MT-Rätsel Im Sommer 2015 treffen sich im völlig überfüllten Lager Traiskirchen dem Krieg Entronnene und vom Frieden Verwöhnte, Seherinnen und politisch Kurzsichtige, Hetzer und Gehetzte. Menschen und Ideen geraten aneinander, es kracht. In „Traiskirchen. Das Musical“ verflechten sich welt umspannende Liebesgeschichten, groteske Missverständnisse und politische Intrigen zu einem komischen, verwegenen Spektakel, das einige der dringenden Fragen stellt, die uns die nächsten Jahre beschäftigen werden. Schicken Sie die Lösung per Fax (01/54600-735) oder E-Mail (sekretariat@medizin-medien.at) bis 13.6. an die Redak tion und gewinnen Sie 2 x 2 Karten für die Vorstellung am 21.6. im Stadttheater Wiener Neustadt. Das Lösungswort aus MT 22 lautet „Hyperopie“. Mit Ihrer Teilnahme akzeptieren Sie die AGB sowie die Datenschutzbestimmungen der Medizin Medien Austria. Die AGB und die Datenschutzbestimmungen finden Sie auf www.medonline.at. DVR-Nr.: 4007613 FOTOS: FURGLER; CHRISTIAN STANGL

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