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Medical Tribune 23/2017

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2 THEMA DER WOCHE

2 THEMA DER WOCHE Medical Tribune j Nr. 23 j 7. Juni 2017 Impressum Internationale Wochenzeitung für Österreich www.medizin-medien.at www.medonline.at Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: Verlag und Herausgeber: Medizin Medien Austria GmbH 1120 Wien, Grünbergstr. 15 Tel.: (01) 54 600-0, Fax: (01) 54 600-710 Geschäftsführer: Thomas Zembacher Prokuristin: Pia Holzer Berater des Herausgebers: Univ.-Prof. Dr. med. Heinz F. Hammer Leitung Medizin Medien/Redaktion: Mag. (FH) Manuela Klauser, DW 650, m.klauser@medizin-medien.at Chefredaktion: Mag. Hans-Jörg Bruckberger, DW 620, h.bruckberger@medizin-medien.at Redaktion: Mag. Patricia Herzberger (Chefin vom Dienst), Mag. Anita Groß, Dr. med. Luitgard Grossberger, Iris Kofler, MSc Fax: DW 735, redaktion@medical-tribune.at Ständige Mitarbeiter: Mag. Nicole Bachler, Reno Barth, Univ.-Prof. Dr. med. Heinz F. Hammer, Univ.-Prof. Dr. med. Johann Hammer, Mag. Dr. med. Rüdiger Höflechner, Mag. Michael Krassnitzer, Mag. 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Ein Psychiater für die Uni Innsbruck INTERVIEW ■ Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Fleischhacker ist der neu gewählte Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck (MUI). Im MT-Gespräch schildert er die Motive seiner Kandidatur und seine Ziele als Rektor. HANNES SCHLOSSER Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Fleischhacker wird der fünfte Rektor der MUI. Seit ihrer Gründung ist die öffentliche Wahrnehmung der MUI vielfach durch Negativschlagzeilen geprägt. Die Bewerbung der amtierenden Rektorin, Univ.- Prof. Dr. Helga Fritsch, um eine zweite Amtszeit hat keine erforderlichen Mehrheiten gefunden. Fleischhacker ist gebürtiger Niederösterreicher, hat in Innsbruck studiert und ist seit 1978 an der Innsbrucker Uniklinik für Psychiatrie tätig. 1994 wurde er dort stellvertretender Klinikvorstand und ist seit 2008 Geschäftsführender Direktor des Departments für Psychiatrie und Psychotherapie. Im Oktober tritt er sein neues Amt an – mit viel Optimismus, wie sich im Gespräch mit der MT zeigt. Keiner Ihrer Vorgänger hat den Rektorenstuhl freiwillig verlassen. Warum soll es Ihnen anders ergehen? Fleischhacker: Das kann ich natürlich nicht vorhersagen, habe aber den Eindruck, dass manche Dissonanzen auf Kommunikationsproblemen beruhten. Das war einer der Gründe, die für mich den Ausschlag gaben, mich zu bewerben. Als Psychiater lernt man zuzuhören, mit Kompromissen zu leben und Konflikte zu managen. Zudem habe ich den Vorteil, auf Vorarbeiten aufbauen zu können, wozu v.a. das noch amtierende Rektorat viel beigetragen hat. Polemisch formuliert: Braucht die MUI einen Psychiater? Fleischhacker: Natürlich nicht. Das ist wohl nicht nur eine polemische, sondern auch eine ironisierende Formulierung. Allerdings zielte meine Ausund Fortbildung zu einem Gutteil auf zwischenmenschliche Kommunikation ab. Derlei Kompetenzen sind hilfreich in einer Führungsposition und lassen mich mit viel Optimismus an diese Aufgabe herangehen. Wäre ich pessimistisch, hätte ich mich nicht beworben. 2014 verkündeten die MUI und die Tilak (heute Tirol Kliniken), der Zusammenarbeitsvertag werde die permanenten Streitereien beenden. Sie haben die Kommunikationsprobleme zwischen den beiden Institutionen bereits zu ihrem ersten Arbeitsschwerpunkt erklärt ... Fleischhacker: Die Kommunikationsund Zusammenarbeitsstruktur zwischen MUI und Tirol Kliniken bedarf einer Optimierung – vorsichtig ausgedrückt. Der Zusammenarbeitsvertrag war ein wichtiger erster Schritt, der, soweit ich das beurteilen kann, nicht ausreichend weiterentwickelt wurde. Beide Einrichtungen wurden in den letzten Jahren zunehmend von Tagesproblemen eingeholt, weshalb gemeinsame strategische Überlegungen nicht ausreichend Raum gefunden haben. Wieso funktioniert das an den Medizinischen Universitäten in Wien und Graz besser? Wolfgang Fleischhacker möchte Grabenkämpfe in der MUI beenden. Fleischhacker: Die Grazer haben so einen Vertrag schon seit Jahrzehnten und Wien hat ein anderes System. Die Mischsituation mit Landes- und Bundesbediensteten, wie in Graz und Innsbruck, gibt es dort nicht. Ich sehe es als ein zentrales Element meiner Tätigkeit als Rektor, hier ein strategisches Konzept mit zu entwickeln, das auf Jahre hinaus hält. AU/GNRT/16/0032b Gute Preise. Gute Besserung. Mehr Service. Das ist einer meiner Ansprüche an dieses Amt. Viele Sorgen haben die Tirol Kliniken und die MUI gemeinsam, wobei die Lösung nicht allein die Aufgabe von Führungspersonen sein kann. Dazu braucht es Teamarbeit und die Einbeziehung von externen Experten. Ich bin in diesem Zusammenhang bereits in Kontakt mit dem Institut für Hochschulmanagement an der WU Wien. Einige Konflikte fußen in unterschiedlichen Interessen. Etwa, wenn es um den Anteil der Forschung an der Arbeitszeit der Bundesärzte geht. Die MUI will, dass ihre Ärzte forschen, die Kliniken möglichst viele Zeitressourcen in der Krankenversorgung – wie löst man das Dilemma? Fleischhacker: Ich bestreite, dass es hier einen Interessensgegensatz gibt. Forschung, Lehre und Krankenversorgung ergänzen einander. Die Medizin-Universitäten sind von Gesetzes wegen verpflichtet, an der Krankenversorgung teilzunehmen, auch vor dem Hintergrund der Ausbildung. Junge Ärztinnen und Ärzte können nichts lernen, wenn sie nicht an der Versorgung teilnehmen. Zugleich profitieren die Tirol Kliniken davon, dass hier Forschung und Lehre betrieben werden. Modernste Therapien werden erforscht und finden direkt in die Patientenversorgung Eingang. In Wirklichkeit sollten beide Partner von diesen sogenannten Widersprüchen profitieren, die ich als essenzielle Ergänzung sehe. Das Arbeitszeitruhegesetz hat uns allerdings personalmäßig in eine große Bredouille gebracht. Ich orte seitens des Landes Tirol jedoch Verständnis dafür, dass es einen zusätzlichen Personalbedarf gibt. Die Arbeitszeitbegrenzung auf 48 Stunden war zehn Jahre bekannt und man wusste, das wird verpflichtend. War das nicht grob fahrlässig, sich kaum darauf vorzubereiten? Rasagilin ratiopharm ® ersetzt AZILECT ® Anti-Parkinson-Mittel/MAO-B-Hemmer Ident zu AZILECT ® Jede Tablette enthält 1 mg Rasagilin (als Mesilat) 1 Tablette 1x täglich, unabhängig von den Mahlzeiten Grüne Box (IND-frei) Kostengünstig DAS ORIGINAL GENERIKUM IN DER GRÜNEN BOX Fachkurzinformationen auf Seite 14 Rasagilin_Ins_112x100_ABF_2.Welle_RZ.indd 1 09.12.16 10:43 Fleischhacker: Ich versuche, mich weniger nach hinten zu orientieren und Schuldige zu suchen. Wir müssen dieses Problem gemeinsam lösen. Es ist insgesamt ein Desiderat meiner Amtsperiode als Rektor, nicht alte Konflikte aufzuarbeiten, sondern lösungsorientiert nach vorn zu schauen. Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg will eine „Medical School“ zur Sicherung der medizinischen Versorgung Tirols einrichten. Manche warnen vor einer „Mediziner-Light-Ausbildung“ . Fleischhacker: Diese Idee geistert seit etwa zwei Jahren herum, ich möchte erst dann dazu Stellung beziehen, wenn ich entsprechende Konzepte kenne. Konfliktlinien verlaufen auch innerhalb der MUI und Konkurrenzkämpfe unter Ärzten haben in den letzten Jahren wiederholt das Image der MUI und ihrer Rektoren beschädigt. Fleischhacker: Ich will es positiv umformulieren: Mir ist es ein großes Anliegen, wieder mehr Wertschätzung zu vermitteln. Im Laufe der letzten Jahre wurde mir klar, wie viel gute Arbeit in unterschiedlichen Bereichen an dieser Medizin-Universität geleistet wird, von der niemand weiß. Wir waren in Negativschlagzeilen verhaftet und haben das viele Gute nicht mehr wahrgenommen. Es wäre ein wichtiger Schritt, innerhalb der MUI wieder eine Corporate Identity herzustellen. In meiner Assistentenzeit waren wir stolz, der Medizinischen Fakultät der Leopold-Franzens-Universität anzugehören. In den ersten Autonomiewirren, seit wir von der Stammuniversität ausgeschieden wurden, ist das verloren gegangen. Es gibt Statistiken, wonach die MUI, wenn man es aufs Personal hochrechnet, bei Publikationen und Drittmitteleinwerbung erfolgreicher ist, als die anderen Medizinunis in Österreich. Es gibt in dem Campus, in dem wir arbeiten, Ärztinnen und Ärzte, die Weltruf haben, international wertgeschätzt sind. Wenn die Trennung ein Fehler war, könnte man sie doch rückgängig machen. Fleischhacker: Es wäre besser nicht passiert und ich habe mich damals massiv gegen die Trennung eingesetzt. Aber wir können es jetzt nicht rückgängig machen. Das würde die Pflanze gefährden, die wir jetzt hochbringen und die da und dort schon wunderbar sprießt. Uns als 17. Fakultät der LFU zu finden, hielte ich für einen dramatischen Rückschritt. Das sage ich, obwohl ich ein vielleicht antiquierter Vertreter der universitas litterarum bin. Ob es einem recht ist oder nicht, es geht auch im universitären Bereich in Richtung Spezialisierung. Das leibnizsche Gesamtbildungskonzept ist leider kein viables mehr. Wo sehen Sie die MUI zwischen den Zuschreibungen Weltklasse und Regionaluniversität? Fleischhacker: Ich warne vor unseligen Vergleichen mit amerikanischen oder europäischen Spitzenuniversitäten, die über zehn- bis hundertfach größere Budgets verfügen. Es ist unrealistisch, in allen Bereichen mitspielen zu können. Aber die eine oder andere Nische, in der wir wirklich gut sind, muss man natürlich weiter pflegen. In solchen Bereichen ist der angesprochene Anspruch auf Weltruf sicher nicht zu hoch gegriffen. MT-INTERAKTIV Sagen Sie uns Ihre Meinung auf www.medonline.at redaktion@medical-tribune.at FOTO: HANNES SCHLOSSER

Medical Tribune j Nr. 23 j 7. Juni 2017 3 ▶ POLITIK & PRAXIS ■ MELDUNGEN Schockierte Ärzte im Unfallspital Das Lorenz-Böhler-Spital in Wien versorgt an Wochenenden keine Patienten in unmittelbarer Lebensgefahr mehr. Diese werden seit April in das ebenfalls zur AUVA gehörende UKH Meidling gebracht und dort versorgt. Begründet wird das mit notwendigen Strukturänderungen. Die Belegschaft ist „not amused“: Eine Betriebsversammlung hat eine Resolution verabschiedet, die der MT vorliegt. Sie spricht sich für eine weiterhin „uneingeschränkte Versorgung unserer Patienten auf höchstem Niveau“ aus. Auch die Ärztekammer kritisiert die teilweise Außerbetriebnahme des Schockraums. APA FOTO: MICHALWLOCH / ISTOCK So belastbar es auch ist: Irgendwann stößt jedes System an seine Grenzen – bei Notfallambulanzen ist das ganz genauso. Rezepte gegen volle Ambulanzen MODELLE ■ Zahlreiche funktionierende Maßnahmen, um den Ansturm der Patienten auf die Notfallambulanzen in den Griff zu bekommen, wurden bei einer Veranstaltung der Ärztekammer vorgestellt. MICHAEL KRASSNITZER „Jede Fehl-Selbstzuweisung zwischen 22 und sechs Uhr ist eine zu viel.“ Dr. Harald Mayer, Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), spricht eine zunehmende Problematik an: Die Anzahl der Patienten, die in die Notfallambulanzen der österreichischen Spitäler strömen – vor allem in der Nacht und an Wochenenden –, wächst ständig. An den Notfallaufnahmen in Graz zum Beispiel ist die Frequenz von rund 36.000 Patienten im Jahr 2007 auf rund 45.000 Patienten im Jahr 2014 angestiegen. Wie Krankenhäuser dieser Herausforderung begegnen können, stand im Mittelpunkt der zweiten Auflage der Veranstaltung IN FUSION, die vor Kurzem in Wien stattfand. Unter dem Titel „24 Stunden Ambulanz. Wer macht’s? Wer zahlt’s? Wer braucht’s?“ wurden Modelle präsentiert, mit denen Spitäler auf den Patientenansturm reagieren. Der Grazer Weg In Graz hat man eine Einrichtung namens EBA (Erstversorgung, Beobachtung, Aufnahme) am Universitätsklinikum und am LKH West installiert. Dort werden alle Patienten nach dem Manchester-Triage-System ersteingeschätzt, echte Notfallpatienten vorrangig behandelt, die Wartezeit aller anderen richtet sich nach der Dringlichkeit. „57 Prozent unserer Patienten sind Selbstzuweiser“, berichtet Dr. Eiko Meister, der als Oberarzt an der EBA arbeitet. Unter diesen sind vor allem zwei Gruppen stark vertreten: Junge, gebildete Menschen aus der „One-Stop-Shop-Generation“, die in die Ambulanz kommen, um alles gleich in einem Aufwasch zu erledigen, sowie Menschen mit Migrationshintergrund. „Diese sind es aus ihren Herkunftsländern gewohnt, bei gesundheitlichen Problemen in ein Krankenhaus zu gehen“, erläutert Meister. Manchester in Wien Eine dritte problematische Gruppe sind geriatrische Patienten, die vorzugsweise am Freitagnachmittag von Pflegeeinrichtungen an die Grazer Spitäler überwiesen wurden. Um dies einzudämmen, hat die Stadt Graz den Geriatrischen Konsiliardienst (GEKO) ins Leben gerufen: Jeden Donnerstag und Freitag fährt ein Facharzt für Innere Medizin mit ÖÄK-Diplom Palliativmedizin alle geriatrischen Pflegezentren ab, um sich um etwaige Problemfälle zu kümmern. „Seit Einführung des GEKO tendieren die Überweisungen geriatrischer Patienten am Freitagnachmittag gegen null“, berichtet Meister. Am Wiener AKH strömen jährlich 90.000 Patienten in die Notfallaufnahme. „Etwa die Hälfte davon benötigt keine Spitalsbetreuung“, weiß Univ.-Prof. Dr. Gabriela Kornek, Ärztliche Direktorin des AKH. Daher wurde Ende des Vorjahres in Kooperation mit dem Ärztefunkdienst und der Wiener Gebietskrankenkasse eine Allgemeinmedizinische Akutversorgung (AMA) installiert. Auch hier werden die eintreffenden Patienten nach dem Manchester-Triage-System eingeschätzt. Um die Patienten, deren Dringlichkeit als niedrig eingestuft wurde, kümmert sich während der Wochentage ein Allgemeinmediziner, an den Wochenenden zwei. Für eine nicht-akute fachärztliche Behandlung werden die Patienten niedergelassenen Fachärzten zugewiesen. An der Wiener Kinderklinik werden die Patienten schon seit Längerem gemäß klinischer Dringlichkeit eingestuft und eine maximale Wartezeit festgelegt. Vor drei Monaten ist man dazu übergegangen, Fälle ohne Dringlichkeit konsequent an niedergelassene Pädiater zu verweisen. „Das spricht sich herum“, berichtet Kornek: „Mittlerweile kommen dramatisch weniger Kinder in die Kinderklinik, die nicht dorthin gehören.“ Ausnahmefall Tirol In Tirol gibt es zwei Projekte, um den Patientenansturm auf die Ambulanzen abzufedern. Nachdem es nicht gelungen war, die Kassenstelle für Kinder- und Jugendheilkunde in Reutte zu besetzen, wurde eine kinderärztliche Versorgungseinrichtung innerhalb der Mauern des Bezirkskrankenhauses Reutte geschaffen. Nun stellt Fachpersonal, das im Außerferner Spital angestellt ist, eine umfassende ambulante Basisversorgung für Kinder sicher. „Damit kann eine umfangreiche Palette an Leistungen angeboten werden, die ein einzelner Arzt gar nicht anbieten könnte“, erklärt Dr. Arno Melitopulos, Direktor der Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK), welche die Versorgungseinrichtung gemeinsam mit dem Gesundheitsfonds Tirol finanziert. Wie in Graz und Wien wurde auch an der Uniklinik Innsbruck, an deren Notfallambulanz sich zuletzt 22.000 Menschen jährlich wandten, eine Erstaufnahmeeinheit installiert. Auch hier werden die Patienten triagiert. Um die Versorgung aufrechtzuerhalten, ist die TGKK bereit, über ihren eigenen Schatten zu springen. In einem Tiroler Wintersportort war es zu der Situation gekommen, dass der dortige Allgemeinmediziner alleine die Versorgung nicht mehr aufrechterhalten konnte. Die Gebietskrankenkasse erlaubte es dem Mediziner ausnahmsweise, einen Kollegen anzustellen – eine Forderung, die auch im Rahmen von IN FUSION mehrmals vorgebracht wurde. „Am Ende des Tages war für uns relevant, dass es eine zufriedenstellende Lösung gab“, begründet Melitopulos die Ausnahmeregelung. Ordination in Linz In Linz schließlich wird gerade von der Oberösterreichischen Ärztekammer, der Gebietskrankenkasse und dem Land eine sogenannte vorgelagerte Versorgungseinheit (VVE) geplant, die an den Tagesrandzeiten und am Wochenende Patienten abfangen soll. Dabei soll es sich rechtlich um eine Ordination handeln. Die beiden geplanten Standorte sollen – je nach Aufnahmetag – beim Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz und bei der Blutzentrale des Roten Kreuzes liegen und haben den Zweck, die Patienten unmittelbar zur richtigen Versorgungsstruktur zu lenken. „Es handelt sich nur um einen Mosaikstein, aber wir hoffen, dass dadurch die Ambulanzen entlastet werden“, sagt Dr. Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe, die das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern betreibt. „Arzt-Rebell“ blitzt mit Klage ab Lungenfacharzt Dr. Gernot Rainer ist mit seiner Klage gegen den Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) am Arbeits- und Sozialgericht abgeblitzt. Er hatte die Nicht-Verlängerung seines Dienstvertrags auf sein gewerkschaftliches Engagement (er gründete die Ärztevertretung „Asklepios“) zurückgeführt und auf Wieder-Einstellung geklagt. Sein Anwalt hatte im Vorfeld des Urteils bereits angekündigt, gegebenenfalls in Berufung zu gehen. APA Apothekengruppe verordnet sich IPO Die Apothekengruppe „Zur Rose“ erwägt einen Börsengang (Initial Public Offering, IPO) mit Kapitalerhöhung, um schneller wachsen zu können. Die Online-Apotheke und Ärztegrossistin beschäftigt über 800 Mitarbeiter und erzielte 2016 einen Umsatz von 880 Millionen Schweizer Franken. APA Bürgerinitiative pro Cannabis Ein Komitee aus schwer kranken Hanfpatienten hat 10.000 Unterschriften zum Startschuss der Medical Cannabis Bürgerinitiative an das Parlament übergeben. Die von der Arge Canna initiierte und vom Hanf-Institut unterstützte Bürgerinitiative fordert die Straffreistellung für Produktion und Besitz von Cannabis für Patienten mit entsprechender medizinischer Indikation und kann auf der Parlaments-Webseite unterstützt werden. APA Rendi-Wagner gibt nicht auf Gesundheitsministerin Dr. Pamela Rendi-Wagner hofft, dass ihr Gesetz zur Primärversorgung noch vor der Wahl beschlossen wird. Im ORF kündigte sie neue Gespräche mit Koalitionspartner, Sozialversicherung und Ärztekammer an. APA

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