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Medical Tribune 23/2017

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4 POLITIK & PRAXIS

4 POLITIK & PRAXIS Medical Tribune j Nr. 23 j 7. Juni 2017 So regeln Sie Ihre Nachfolge PRAXIS-ÜBERGABE ■ Der niedergelassene Bereich steuert auf eine Pensionierungswelle zu. Die Ärzte stehen vor der Entscheidung, was sie mit ihrer Praxis tun sollen. Medical Tribune fragte Experten nach einem Leitfaden. HANS-JÖRG BRUCKBERGER Inserat_A5_Menopause_2017 03.05.17 10:33 Seite 1 Die Ärztekammer hat Alarm geschlagen, befürchtet Engpässe in der Versorgung: Vor zehn Jahren gab es rund 4100 niedergelassene Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag in Österreich, heute sind es nur noch 3880. Davon erreichen mehr als 60 Prozent in den kommenden zehn Jahren das Pensionsalter. Auch bei den Fachärzten mit Kassenvertrag steht eine Pensionierungswelle bevor. All diese Ärzte stehen vor einer wichtigen Entscheidung: Was sollen sie mit ihrer Praxis tun und was ist im Detail zu beachten? Medical Tribune hat dazu die Expertise des renommierten Bankhaus Carl Spängler * eingeholt, das reichlich Erfahrung in Sachen Unternehmensnachfolge hat und Familienbetriebe aus verschiedenen Branchen berät. „Jede Unternehmensnachfolge verlangt nach einem individuellen Lösungsansatz, es gibt aber grundsätzliche Leitlinien, die zu beachten sind“, erklärt Dr. Martin Apprich, Bereichsleiter Family Management. Wichtig sei die rechtzeitige und geplante Auseinandersetzung mit dem Thema, was häufig unterschätzt und nicht eingehalten wird. Vielleicht auch, weil man sich nicht gern mit dem eigenen Alter auseinandersetzt. Laut Apprich sollte ein Planungshorizont von bis zu zehn Jahren beachtet werden. Grundsätzlich gibt es stets drei Optionen: 1. Der Verkauf des Unternehmens an einen Dritten: Hierbei ist die Kaufpreisvorstellung natürlich von zentraler Bedeutung, eine Kaufpreisermittlung, also Bewertung der Arztpraxis erforderlich. „Der Firmenwert ist in der Regel der Patientenstamm, dazu kommen Behandlungsgeräte und mitunter auch 2017 7.-9. Dezember 2017, Hotel Hilton Wien M ENOPAUSE ANDROPAUSE 2017 ANTI-AGING VERANSTALTER: M. M. METKA J. C. HUBER W. CLEMENTI Kongress-Sprachen: Deutsch und Englisch www.menopausekongress.at SAVE THE DATE DER MENOPAUSEKONGRESS die Immobilie, so sie in Eigenbesitz ist und mit verkauft werden soll“, sagt Apprich. 2. Eine Nachfolge aus der Familie: Das ist gerade in der Medizin häuftig der Fall. Eine kürzlich im Fachblatt „BMC Medical Education“ publizierte Studie belegt, dass Medizinstudenten gehäuft Ärzte in der Verwandtschaft haben. Wird eine Praxis familienintern übergeben, wird es aber oft kompliziert. „Neben steuerlichen und rechtlichen Regelungen muss man die familiäre Komponente berücksichtigen“, so Elisabeth Kast ler, die ebenfalls im Family Management der Bank tätig ist. Ratsam sei es, die Rollen beteiligter Personen im Vorfeld genau zu definieren, insbesondere, wenn andere Familienmitglieder oder Partner in der Arztpraxis mitarbeiten. Mögliche Spannungsfelder bei der Übergabe sollten gemeinsam erkannt und bewusst gemacht werden. Kongress-Sekretariat, KUONI Congress Vienna Lerchenfelder Gürtel 43, A-1160 Vienna, Austria Tel. + 43/1/319 76 90-57, Fax + 43/1/319 11 80 Hr. Marcus Lepschi, BA, e-mail: menopause@at.kuoni.com „In der Familie sollte ein Konsens über den geplanten Weg geschaffen werden“, sagt die Expertin. Um einen Pensionsschock des Übergebers zu vermeiden, böte sich ein sukzessiver Rückzug an. Kastler: „Idealerweise erstellt man gemeinsam einen Zeitplan mit einem klaren Ziel, wann die Übergabe stattfinden soll und füllt einzelne Phasen bis zum Einstieg in die Praxis dann mit Inhalten.“ Last but not least muss man eine ausreichende Altersversorgung für den Übergeber sicherstellen. 3. Die Betriebsaufgabe: Hier sind wiederum steuerliche Folgen zu beachten, etwa eine Betriebsaufgabebegünstigung, die man nutzen sollte. Martin Apprich rät zu einem rechtzeitigen Gespräch mit dem Steuerberater und dem Rechtsanwalt, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten und steuerliche Belastungen so gering wie möglich zu halten. Doch egal, ob das Unternehmen bzw. die Praxis verkauft wird oder ein Nachfolger aus der Familie gefunden wird, eines ist immer zu beachten: die Vermögensnachfolge. Und auch hier sind zentrale Punkte zu klären. Soll die Übergabe der einzelnen Vermögenswerte zu Lebzeiten oder von Todes wegen erfolgen? In letzterem Fall: Soll dies per Testament oder durch gesetzliche Erbfolge geregelt werden? Jedenfalls wird empfohlen, dass die Prozesse der Unternehmens- und Vermögensnachfolge durch externe Moderation begleitet und im Anschluss die entsprechenden Experten (Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater usw.) eingebunden werden. Es geht darum, eine Lösung zu finden, die von allen Familienmitgliedern als fair empfunden wird. Gespräche in der Familie beugen Konflikten vor, Streitigkeiten im Erbfall sollen vermieden werden. Der ominöse Koffer Und es sollte stets einen Notfallplan geben: Vorkehrungen für unerwartete Ereignisse wie Unfall oder Krankheit. Dazu gehört eine Vorsorgevollmacht für den Fall des Verlustes der Geschäftsfähigkeit, der Einsichts- und Urteilsfähigkeit oder der Äußerungsfähigkeit. Für den Fall der Fälle sollte eine Person des Vertrauens zur Besorgung bestimmter Angelegenheiten wie die Vertretung vor Behörden und anderen Institutionen vorgesehen werden. Auch Wohnungs-, Gesundheits- und Pflegeangelegenheiten sowie Vermögensangelegenheiten inkl. Bankvollmacht müssen rechtzeitig geklärt werden. Die Spängler-Experten raten sogar dazu, einen Notfallkoffer bzw. -ordner zu erstellen, in dem eine Aufstellung aller Verträge und Vereinbarungen, EDV-Zugangsdaten sowie wichtige Ansprechpersonen gesammelt dokumentiert werden. Kastler: „Für Familienmitglieder bzw. Erben ist das eine wesentliche Erleichterung, wenn sie sich nicht erst alles mühsam zusammensuchen müssen.“ * www. spaengler.at Kontakt: elisabeth.kastler@spaengler.at Tel. 0043 662 8686-4011 ■ MEINUNG Fokussierte Unintelligenz Dr. Harald Retschitzegger Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG) Da man der schon einige Jahre alten Aussage von Michael Häupl: „Wahlkampf ist die Zeit fokussierter Unintelligenz“ aus Erfahrung schwer widersprechen kann, können wir uns ja auf einiges gefasst machen. Weder wissen wir, was des Pudels Kern sein wird, noch, wie es über Kurz oder Lang weitergehen wird. Da wir darüber hinaus soeben gesehen haben, dass im Zuge eines politischen Besuches in Europa sogar dem fast immer lächelnden Papst Franziskus dieses Markenzeichen der liebenden Lebensfreude kurzzeitig abhanden kommen kann, sollten wir unser eigenes inneres Kontrastprogramm für die kommenden Monate überlegen. Eine hervorragende Möglichkeit dafür stellen immer wieder Literatur und Theater dar. Im Wiener Akademietheater hatte mit „Die Perser“ kürzlich die älteste überlieferte Tragödie der Weltliteratur Premiere. Der Verfasser Aischylos (525–456 v.Chr.) hat selbst auf griechischer Seite am Kampf gegen die Perser teilgenommen. Zum siegreichen Volk gehörig hat er vor knapp 2500 Jahren das Schicksal der Perser in diesem Werk beschrieben. Die Eindrücklichkeit des Stückes und dieser großartigen Inszenierung humanisiert und trifft unser Innerstes – wenn wir uns darauf einlassen. Achtsamkeit für das Alter(n) Theater ist alt – und für manche antiquiert. Apropos alt: Auch wenn wir von den alten „Digitalis“-Medikamenten immer weiter wegkommen, schreiten „Digitalisierung“ und Technisierung voran. Und genauso kann durch den Blick auf das Alte gutes Neues geschaffen werden. Die demographische Entwicklung lehrt uns die notwendige Achtsamkeit für das Alter. Nein – „das Alter“ gibt es ja nicht – nur das Altern. In diesem Sinn dürfen wir hoffen, dass das Altern in unserer Gesellschaft hochgehalten wird und wir das zunehmende Altern nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Ausdruck von Leben und Lebensfreude sehen. Allerdings: Diese alte Politik des Stillstands der vergangenen Jahre, in denen dauernder Vorwahlkampf und gegenseitige Blockade dominierten, will niemand. Setzen wir also dem kommenden Herbst die „Trotzmacht des Geistes entgegen“, eine lebensrettende Erfahrung von Viktor Frankl aus schrecklichen, ganz anderen Zeiten. Lesen wir! Gehen wir ins Theater! MT-INTERAKTIV Sagen Sie uns Ihre Meinung auf www.medonline.at redaktion@medical-tribune.at FOTO: PRIVAT

Medical Tribune j Nr. 23 j 7. Juni 2017 POLITIK & PRAXIS 5 Rekord bei Arzneimittelfälschungen PRODUKTPIRATERIE ■ 2016 verzeichnete der Zoll einen traurigen Höchstwert: Noch nie waren so viele gefälschte Arzneimittel entdeckt worden. TANJA BECK Noch nie war die Zahl der vom Zoll aufgegriffenen Arzneimittel so hoch wie im Jahr 2016. „Bei 900 Aufgriffen wurden insgesamt 53.389 Medikamentenplagiate beschlagnahmt“, heißt es im vor Kurzem vom Finanzministerium veröffentlichten Produktpirateriereport (siehe Tabelle unten). Der Wert dieser Arzneimittelfälschungen betrug – gemessen am Preis der entsprechenden Originalpräparate – knapp 1,1 Millionen Euro. „Medikamente werden von skrupellosen Geschäftemachern gefälscht, die nahezu vollständig im Untergrund agieren. Diese Fälschungen werden unter Bedingungen produziert, gelagert und transportiert, die nicht annähernd den geltenden Standards der Pharmaindustrie entsprechen“, so Gerhard Marosi, verantwortlich für den Kampf gegen Produktpiraterie im Bundesministerium für Finanzen in einer Aussendung. Marosi warnt: „Von diesen Plagiaten geht eine große Bedrohung für die Gesundheit und Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger aus!“ Die Hitliste der gefälschten Arzneimittel wird nach wie vor von Lifestyle-Präparaten angeführt – allen voran Potenzmittel, Diätpillen und Haarwuchspräparate. Neue Vertriebswege Bei der Einfuhr der gefälschten Arzneimittel gibt es seit Jahrzehnten ein Katzund Maus-Spiel zwischen Zollfahndern und Fälschern. Gelingt Ersteren ein Aufgriffserfolg, weichen Letztere auf neue Routen aus. Eine relativ neue Methode ist es, die gefälschten Medikamente in großen Mengen nach Europa zu schmuggeln und hier über eigens aufgebaute Vertriebsnetze zu verteilen. Da die Sendungen dann innerhalb der EU per Post versandt werden, unterliegen sie nicht mehr den Zollkontrollen. Dass sich dieser Schmuggelweg auch professionell aufziehen lässt, bewiesen die Fälscher 2016. So wurden in Deutschland ansässige „Fulfillment Center“ als Verteiler verwendet. Diese spezialisierten Logistikdienstleister, die mit dem Abschluss des Vertrages zwischen Käufer und Verkäufer nichts zu tun haben, übernehmen Aufgaben wie insbesondere Lagerhaltung und Versand, die nach der Online-Bestellung erfolgen. So wurden von den insgesamt 900 im Vorjahr aufgegriffenen Aufgriffe seit 2005 Jahr Anzahl der Fälle (Sendungen) Anzahl der gefälschten Medikamente 2005 1 55 2006 127 12.271 2007 958 42.386 2008 783 40.078 2009 593 27.095 2010 404 16.903 2011 823 41.589 2012 630 33.404 2013 436 22.293 2014 163 5.404 2015 479 17.268 2016 900 53.389 Sendungen mit gefälschten Arzneimitteln 595 „Pakete“ (mit 33.039 Medikamentenplagiaten) über solche Logistikzentren aus Deutschland geliefert. Das sind mehr als zwei Drittel der vom österreichischen Zoll aufgegriffenen Fälschungen! Die Experten des Finanzministeriums betonen, dass die deutsche Zollverwaltung bereits über Colitis ulcerosa diesen Vertriebsweg informiert und ersucht wurde, entsprechende rechtliche Maßnahmen dagegen zu setzen. Dass das versendende Land nichts mit dem Ursprungsland zu tun haben muss, konnten die Zollfahnder ebenfalls dokumentieren. So stammen 98,78 Prozent der aufgegriffenen Arzneimittelfälschungen aus Indien. Mesagran® Granu-Stix 3g Einziges Mesalazin-Granulat mit 2-Komponenten-Galenik mit Matrix-Kern Gefälschte Arzneimittel haben auch deutliche Auswirkungen auf die Wirtschaft. Das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum ließ im Vorjahr eine Studie erstellen, dies untersucht. Demnach gehen der österreichischen Arzneimittelbranche 109 Millionen Euro durch gefälschte Arzneimittel verloren. 37.700 Arbeitsplätze – Zuverlässige Freisetzung im gesamten Kolon bis zum Rektum – Hohe Wirksamkeit auch bei Proktosigmoiditis: 86 % in Remission* – 3 g-Beutel für die komfortable Therapie: 1x täglich 1 Beutel *Kruis et al. Gut. 2009;58:233-240. macht den Unterschied 1x täglich 3g werden jedes Jahr alleine in Österreich durch die Fakes eingebüßt. Durch nicht geleistete Steuern und Abgaben verliert der Staat jedes Jahr 1,7 Milliarden. Wohlgemerkt: Die Studie wurde zur besseren Vergleichbarkeit in Großhandelspreisen gerechnet, die Auswirkungen auf den Endverbrauchermarkt sind daher noch gar nicht mit eingerechnet. Fachkurzinformationen auf Seite 14

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