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Medical Tribune 23/2017

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6 Medical Tribune j Nr. 23 j 7. Juni 2017 ▶ DERMATOLOGIE Das ewige Leid mit dem Haarkleid KONGRESS ■ Von altersbedingten oder hormonellen Veränderungen über echte Krankheiten hin zur Eitelkeit: Haare bereiten unzähligen Frauen große Probleme. Aus weniger mehr zu machen, gelingt eher schlecht. Umgekehrt gibt es einige Möglichkeiten, die Pracht zu reduzieren. DR. ANJA BRAUNWARTH Etwa mit Beginn der Menopause machen sich auch an den Haaren Veränderungen bemerkbar. Eine diffus oder in Mustern verminderte Dichte, feine und kurze Haare, mehr Trockenheit und Brüchigkeit kennzeichnen diese Phase. Dazu kommt, dass die Wachstumszyklen immer kürzer werden. berichtete Prof. Dr. Ulrike Blume-Peytavi von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, auf der Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft*. Während bei älteren postmenopausalen Frauen häufig die bekannte androgenetische Alopezie vorliegt, handelt es sich bei den perimenopausalen Modifikationen wohl nicht um ein rein hormonelles Problem. Denn sie sprechen nicht auf die gängigen Therapien an und auch eine Hormonersatztherapie beeinflusst die Qualität des Capillitiums nicht. „Wir gehen also von einer Alterserscheinung multifaktorieller Genese aus“, erklärte Blume-Peytavi. Dabei könnten z.B. Neun Wege zur Haarentfernung „permanent“ ▶ Elektrolyse (kann Narben hinterlassen!) ▶ hochenergetische Blitzlampe* (intense pulsed light, IPL) ▶ Laser* ▶ Enthaarungscreme Begleiterkrankungen, Umwelteinflüsse oder Medikamente eine Rolle spielen. Möglicherweise liegt auch eine Störung im „clock gene“ vor, das als Impulsgeber für das Haarwachstum dient. Frontal betonte Alopezie: Das Haar „wandert“ ins Gesicht temporär LAKTOSEFREI ▶ Zupfen ▶ Fadenepilation ▶ Wachsen ▶ „Sugaring“ (Zuckerpaste, die mit den Haaren abgezogen wird) ▶ Rasieren * immer gut kühlen und Bereiche mit dysplastischen Naevi aussparen! Der starke H2-Blocker Einige Zusammenhänge rund um die Wechseljahre ließen sich inzwischen sichern. Bei diffuser Alopezie besteht eine signifikante Korrelation zur Abnahme der Körperbehaarung und zu steigendem Alter. Ein frontal betonter Haarausfall ist mit verstärk ter Gesichtsbehaarung assoziiert und trifft eher jüngere Frauen. Was die Behandlung angeht, gibt es keine wirklich effektiven Ansätze. Vitamine, vor allem Biotin und Niacin, können das Wachstum etwas stimulieren und die Nährstoffversorgung der Haare günstig beeinflussen. Supplemente fördern deren Aufbau und Struktur. Bei Vitamin-D- oder Ferritin-Mangel wirkt eine Substitution unterstützend. Von all diesen „physiologischen“ Vorgängen muss man echte Krankheitsbilder abgrenzen. So können virilisierende Tumore einen Hirsutismus oder Haarausfall verursachen. Die postmenopausal auftretende frontal fibrosierende Alopezie (FFA) imponiert durch einen bandförmig vernarbenden Verlust der frontalen Linie mit frontotemporaler Rückbildung. Bei der Hälfte der Patientinnen betrifft die Erkrankung auch die Augenbrauen und macht sich dort schon etwa drei Jahre vor den Kopfhauterscheinungen bemerkbar. Auch Gesichts- und Körperhaare weisen eine Rascher Beteiligung Schutz auf, allerdings ohne für die fibrosierenden Vernarbungen. Faziale Papeln, Flecken auf der Glabella, perifollikuläre Erytheme, Hyperkerato- den gestressten Magen sen, vermehrtes Kopfhautschwitzen und eingesunkene frontale Venen ge- Der starke H2-Blocker zur Behandlung von übermäßiger Säureproduktion bei übermäßiger Säureproduktion! Fachkurzinformationen auf Seite 14 KWI_Ulcusan_Inserat_170x130mm_20170522.indd 3 22.05.17 15:08 ULC-0004_1704 hören zu weiteren möglichen Symptomen. Bei einigen Frauen finden sich Assoziationen zu Schilddrüsen- oder Lipidstoffwechsel-Erkrankungen. Therapeutisch kommen am häufigsten topische oder intraläsionale Steroide zum Einsatz, die aber in Studien bisher nicht überzeugen konnten. 5α-Reduktasehemmer und Hydroxychloroquin zeigten in kleineren Untersuchungen gute Ergebnisse, letztlich mangelt es aber laut Blume-Peytavi an evidenzbasierten Therapieoptionen. Die aktuellen Empfehlungen reihen die Behandlungsmöglichkeiten in drei Linien ein (siehe unten). Haartransplantation nur kurzfristig erfolgreich Für die Wirksamkeit von Biologika gibt es keine Belege, Haartransplantationen versprechen kaum Erfolg, denn auf längere Sicht kommt es zum erneuten Verlust der übertragenen Segmente. Der anderen Seite der Medaille widmete sich Prof. Dr. Claudia Borelli von der Ästhetischen Dermatologie an der Universitäts-Hautklinik Tübingen. Was tun, wenn man Haare sachgerecht loswerden will? Wo und ab welcher Menge die Haarpracht stört, unterliegt natürlich sehr der Mode, betonte Borelli. Eine ausgeprägt krankhafte Vermehrung kann bei einem Hyperandrogenismus, z.B. durch ein polyzystisches Ovar-Syndrom, oder einem Hirsutismus vorliegen. Permanent bedeutet nicht lebenslang Wer Haare verlieren will, hat grundsätzlich die Wahl zwischen temporärer oder permanenter Entfernung (siehe Tabelle), wobei permanent nicht „lebenslang“ bedeutet. Definitionsgemäß bleiben die „Borsten“ dann mehr als drei Monate fern. Die Photoepilation funktioniert vermutlich über eine selektive thermische Schädigung des Haarfollikels und dessen Schaftes. Studien zeigten, dass sechs Wochen später Der H2-Blocker die Follikel durch Kollagenfasern ersetzt worden waren, ohne dass es zur Koagulation, dermalen Kollagenvermehrung oder Narbenbildung kam. Mögliche Begleitreaktionen bzw. Nebenwirkungen von Laser und Blitzlampen umfassen Follikulitiden, Herpes-simplex-Infektionen (v.a. nach Anwendung an der Oberlipppe), paradoxe Reaktionen und selten Blasen, Krusten oder Pigmentstörungen. Perifollikuläre Ödeme und Erytheme gehören auch dazu, sind aber als Zeichen des erzielten Effektes gewollt. „Zu zahm dürfen wir nicht sein“, unterstrich Borelli diese Aussage. Die Therapien werden im Allgemeinen nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, mit Ausnahme des Hirsutismus, hier lohnt in jedem Fall eine Anfrage. Diodenlaser und IPL-Geräte stehen auch für den Hausgebrauch zur Verfügung. Priv.-Doz. Dr. Maja Hofmann, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin, steht dem eigenmächtigen Gebrauch allerdings kritisch gegenüber. Die Schwierigkeiten beginnen schon mit den seitenlangen Gebrauchsanweisungen. „Da steigen die meisten irgendwann aus und machen auf eigene Faust irgendwie weiter“, sagte Hofmann. Dann die Dosierung: Nach Expertenschätzungen (sichere Daten gibt es nicht!) sind mindestens 5 J/cm 2 nötig, um den Follikel dauerhaft zu schädigen. In Arztpraxen setzt man aber 10– 60 J/cm 2 ein. Auch wenn manche Hersteller schreiben, ihre Geräte würden bis zu 20 J abgeben, zeigten Messungen, dass die Energiedichten um bis zu 38 % niedriger lagen als behauptet. Sicherheitshinweise fehlen oft gänzlich, sodass die Nutzer gar nicht an mögliche Komplikationen, z.B. Verbrennungen, denken. Insgesamt nannte die Expertin den Markt unübersichtlich und die Studienlage mangelhaft. Die High-Tech-Epilierer für daheim können daher ihrer Ansicht nach den Arzt nicht ersetzen. * 49. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft; Berlin, April 2017 Das hilft gegen frontal fibrosierende Alopezie Erstlinien-Behandlung ▶ Triamcinolon-Injektionen in den aktiven Rand ▶ topische Steroide in Schaumform Zweitlinien-Behandlung ▶ Hydroxychloroquin (2 x 200 mg/Tag) über sechs bis neun Monate ▶ orale Kortisonpulstherapie alleine oder in Kombination ▶ Finasterid 2,5 mg/Tag kombiniert mit Minoxidillösung oder Dutasterid 0,5 mg/Tag Drittlinien-Behandlung ▶ Mycophenolatmofetil 2 x 1 g/Tag

Medical Tribune j Nr. 23 j 7. Juni 2017 DERMATOLOGIE 7 Diabetikern schlägt einiges auf die Haut BEGLEITERSCHEINUNG ■ Viele Hauterkrankungen sind mit einem Diabetes mellitus assoziiert, wie etwa Acanthosis nigricans oder Necrobiosis lipoidica. DR. DOROTHEA RANFT Ein Diabetes mellitus kommt selten allein: So sind die unterschiedlichsten Haut erkrankungen mit ihm assoziiert. Sogar die Beweglichkeit der Hände und die Atemfunktion können erheblich eingeschränkt sein. Und die Therapie ist nicht immer eindeutig definiert. Mit kleinen erythematös-braunen Papeln und Knötchen meist im Bereich der Schienbeinvorderkante beginnt die Necrobiosis lipoidica. Die Primärläsionen dehnen sich rasch zu isolierten, selten auch multiplen gelbbraunen Plaques aus. Typisch ist ein helles, atrophes Zentrum, umgeben von einem rot-violetten Randsaum. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer, so Prof. Dr. Rolf-Markus Szeimies vom Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen. Prophylaktisch wirkt ein Verletzungsschutz für die Schienbeinvorderkante, evidenzbasierte Therapiemöglichkeiten fehlen bisher, eine topische Steroidtherapie ist möglich. Eine weitere Haut erkrankung, die Bullosis diabeticorum, manifestiert sich vor allem bei Patienten mit Typ-1-Diabetes. Typisch sind pralle Blasen, die einige Millimeter bis wenige Zentimeter messen und sich insbesondere an Füßen und Unterschenkeln ausbilden. Besonders gefährdet sind Patienten mit langer Diabetesdauer, Neuropathie und Retinopathie. Die Läsionen verheilen meist spontan nach zwei bis vier Wochen, eine aseptische Behandlung von Blasen und Erosionen beugt Superinfektionen vor. Auch die Vitiligo tritt vermehrt bei Typ-1-Diabetikern auf, vermutlich ausgelöst durch Autoantikörper gegen Melanozyten. Die Therapie gestaltet sich schwierig. Empfohlen wird unter anderem eine Schmalspektrum-UV-B-Therapie und die topische Anwendung von Steroiden bzw. Calcineurin-Inhibitoren. Störende Herde können Kollegen mit Camouflage abdecken. Nach wie vor kontrovers diskutiert wird der Zusammenhang zwischen Lichen ruber planus und Glukosestoffwechsel. Auffällig ist, dass etwa 50 Prozent der Patienten mit Knötchenflechte auch eine Störung im Zuckermetabolismus aufweisen, 25 Prozent sind Diabetiker. Wegen dieser engen Assoziation empfiehlt Szeimies, bei Patienten mit Lichen ruber planus die Nüchternglukose zu bestimmen. Acanthosis nigricans kann auch bei Krebs entstehen Als besonders störend gilt Acanthosis nigricans („dirty neck“), die vielfach mit einem Diabetes vergesellschaftet ist, aber auch als Paraneoplasie auftritt. Typisch sind graubraune, samtartige Hyperpigmentierungen in den Intertrigines sowie Hals und Nacken. Oft begleiten pendulierende weiche Fibrome diese Hauterscheinung. Die Therapie ist schwierig, topische Retino ide, Dermabrasion und Laser zeigten nur eine eingeschränkte Wirksamkeit. Ein prognostisch ungünstiges Zeichen ist die diabetische Dermopathie, sie zeigt eine enge Assoziation mit Nephropathie, Retinopathie, Neuropathie und KHK. Betroffen sind vor allem Männer, typisch sind umschriebene hell- bis dunkelbraune Läsionen an den Streckseiten der unteren Extremitäten. Scleroedema verschwindet in der Regel von allein stoppt Pilzbefall! FOTOS: WIKIMEDIA / WARFIELDIAN_NECROBIOSISLIPOIDICA Bei der Necrobiosis lipoidica treten zunächst rote Papeln auf, die zu größeren, gelben Plaques werden. Auch Erkrankungen des Bindegewebes treten bei Diabetikern gehäuft auf. Das Scleroedema dia beticorum führt zu einer Verdickung und Induration der Haut vor allem an Nacken, Armen und oberem Rücken. Dadurch kann es zu Bewegungseinschränkungen bis hin zur Atembehinderung kommen. Histologisch finden sich Muzinablagerungen. Wirksame Therapien für die meist selbstlimitierende Erkrankung fehlen bisher, sinnvoll ist eine optimale Stoffwechseleinstellung – eventuell auch prophylaktisch. Jeder dritte Diabetiker hat eine steife Hand Ebenfalls mit eingeschränkter Beweglichkeit geht das Syndrom der „steifen Hand“ einher, an dem immerhin 30 bis 40 Prozent der Diabetiker leiden. Typisch für die Cheiropathie ist eine wachsartige Verdickung der Haut vor allem an den Handinnenflächen, die die Streckfähigkeit der Finger beeinträchtigt. Therapeutisch ist neben einer guten Blutzucker-Einstellung eine Physiotherapie geeignet. Diabetologie-Update-Seminar der Deutschen Diabetes-Gesellschaft; Mainz, März 2017 04/2017 Micetal ® Creme 30 g Micetal ® Medizinisches Shampoo 100 g (Gel) Fachkurzinformationen auf Seite 14 micetal_anz_170x384.indd 1 20.04.2017 09:08:21

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