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Medical Tribune 23/2018

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4 POLITIK & PRAXIS

4 POLITIK & PRAXIS Medical Tribune j Nr. 23 j 6. Juni 2018 Schlagabtausch im Sozialausschuss SV-REFORM ■ Ministerin Hartinger-Klein verteidigt gegenüber der Opposition den Umbau der Sozialversicherung und hält an der Ein-Milliarden-Sparlatte fest. Indes spricht eine weitere Kasse von „Negativ-Propaganda“. ANITA GROSS Die neuerlichen Erklärungen von FP-Sozialministerin Beate Hartinger-Klein, warum die Zusammenlegungen der 21 Sozialversicherungsträger (inklusive fünf Betriebskrankenkassen, aber ohne 15 Krankenfürsorgeanstalten) auf vier oder fünf zu mehr „Fairness“ führen und langfristig das System finanziell absichern würden, überzeugten die Opposition vorige Woche im Sozialausschuss nicht. Sowohl SPÖ, Liste Pilz und NEOS konfrontierten die auch für Gesundheitsagenden zuständige Ressortchefin mit massiver Kritik. Der rote Vorgänger Ihr roter Vorgänger, NAbg. Alois Stöger, ehemaliger Sozialminister und Gesundheitsminister sowie dereinst OÖGKK-Obmann, bezweifelte die hohe Anzahl an Funktionären (zuletzt war gar von 2000 die Rede, die auf 400 reduziert werden sollten). Laut ASVG könne es nur 460 Versichertenvertreter geben. Parteikollegin NAbg. Gabriele Heinisch-Hosek zog das Einsparungspotenzial von einer Milliarde Euro in Zweifel, zudem habe der Hauptverband ohnehin eine Leistungsharmonisierung eingeleitet, man brauche daher keinen weiteren „Verwaltungsmoloch“. NEOS-Gesundheitssprecher Gerald ■ MEINUNG Dr. Ernest Pichlbauer Unabhängiger Gesundheitsökonom, Wien Der Raubritter ÖGK Getragen von einer eigenartigen, fast nationalistischen Einstellung teilen Kassen-Obleute und Ärztekammer-Präsidenten mit, dass der Bund (wer?) uns dreist berauben oder enteignen wird, uns wird es schlecht ergehen wegen: Reform der Sozialversicherung* Allgemeine Unfallversicherungsanstalt SVA der gewerblichen Wirtschaft Versicherungsanstalt für Eisenbahn & Bergbau Sozialversicherungsanstalt der Bauern Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter Loacker kritisierte, dass die Reform u.a. die 15 KFA nicht berücksichtige. PILZ-NAbg. Daniela Holzinger-Vogtenhuber sorgte sich, ob sich dann ohne AUVA jeder privat für Freizeitunfälle versichern müsse. 1. dreistem Rücklagen-Raub: Es gibt unterschiedliche Rücklagen. Eine ist die gesetzliche Leistungssicherungsrücklage, die in der Höhe eines Monatsumsatzes bar vorhanden sein soll. Das schaffen von neun GKKs gerade einmal vier. Die anderen, sieht man von der KGKK ab, die praktisch pleite ist, schaffen so etwa 60 Prozent der geforderten Höhe. Richtig reich sind OÖGKK und SGKK. Wenn es zur Fusion kommt, muss die ÖGK Leistungssicherungsrücklagen bilden, daher werden die bestehenden bei ihr zusammengefasst – that’s it! Die Rücklagen der vier GKKs, die über den gesetzlich geforderten liegen, bleiben im jeweiligen Bundesland, das autonom darüber verfügen darf, womit die ÖGK von Anfang an etwa 300 Mio. Euro zu wenig Reserven haben wird! Solidarität endet an Landesgrenzen, selbst in einer, die Internationale absingenden, Gewerkschaft. 2. dramatischer Leistungskürzung und Streichung von Kassenärzten durch Vorenthaltung der Beitragseinnahmensteigerung: Angeblich werden unter dem Titel Hunderte Millionen nach Wien fließen und dort bleiben, weil die Bundesländer nur mehr kriegen, was sie 2017 erhielten. Nun, aktuell werden die steuerbaren Anteile der GKK-Ausgaben über neun, mit Landes-Ärztekammern verhandelte, Honorarkataloge geregelt. Durch die Reform werden diese zu einem zusammengefasst, der dann für alle gilt. Kommt es zu einer Beitragseinnahmensteigerung, was von der Lohnentwicklung abhängt, wird diese natürlich in die Regionen zurückfließen, abhängig davon, wie krank die Bevölkerung ist. Denn: Die Gelder folgen jenen Leistungen (aus dem neuen Honorar-Katalog), die der Patient braucht. Wenn es zu Verschiebungen zwischen Bundesländern kommt, dann derart, dass gesündere und reichere „Bundesländer“ die kränkeren und ärmeren unterstützten – und das bewegt sich, Gott sei Dank, in marginalen Größenordnungen. 5 Betriebskrankenkassen Pensionsversicherungsanstalt VA Notariat *AUVA-Erhalt abhängig von der Erfüllung der Vorgaben Österreichische Gesundheitskasse Sozialversicherung für Selbstständige Versicherungsanstalt für den öffentlichen Dienst Pensionsversicherung 54 Beschlüsse, eine Aktion Nein, hier müsse auch künftig keiner eine Privatversicherung abschließen, versicherte Hartinger-Klein. In puncto Verwaltung verwies sie auf eigene Erfahrungen: Es könne nicht angehen, dass man 54 Beschlüsse brauche, um eine Maßnahme in die Wege zu leiten. Die fünf Betriebskassen könnten in die ÖGK (Österreichische Gesundheitskasse) hineinoptieren, drei hätten schon Fusionsinteresse gezeigt, und für die KFA seien die Länder zuständig. Dies stellte wiederum NAbg. Dietmar Keck (SP) infrage, es hätte sehr wohl die gesetzliche Möglichkeit gegeben, die KFA in die Reform miteinzubeziehen. Auch außerhalb des Parlaments hält die von der VP/FP-Regierung geplante Kassenreform das Land in Atem (siehe auch unten). Die STGKK hält „der von der Bundesregierung betriebenen Negativ-Propanda“ entgegen, dass die STGKK im Vorjahr die Versicherungsleistungen um 64,4 Millionen Euro steigern und mit 1,59 Prozent Verwaltungsaufwand einen historischen Tiefstand erreichen konnte. STGKK-Obmann Josef Harb: „Wer angesichts solcher Zahlen von einem aufgeblähten Kassenapparat spricht, verbreitet bewusst falsche Tatsachen.“ Die Steiermark sei auch beim Ausbau der ärztlichen Versorgung durch Primärversorgungseinheiten österreichweit Vorreiter. Laut Harb kommen zu den bestehenden Einrichtungen (Mariazell, Eisenerz, Weiz und Vorau) Admont, Bad Aussee, Rottenmann und Schladming dazu. Salzburg und sein Mammon So wie die OÖGKK pocht auch die SGKK darauf, dass das „Geld der Salzburger“, inklusive der Rücklagen der SGKK, in Salzburg bleiben sollen. In Salzburg würden bereits 33 Einrichtungen und Unternehmen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich die „Salzburger Deklaration“ (Beschluss aller neun Ärztekammern und neun GKKs für den Erhalt regionaler Entscheidungsfähigkeit) unterstützen, darunter die Salzburger Gesellschaft für Allgemeinmedizin, der Psychotherapie-Landesverband, Sanitätshäuser, Pro Mente Salzburg. GÖD springt für AUVA in Bresche RESOLUTION ■ Nun pocht nicht nur der rot dominierte Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB), sondern selbst die schwarze Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) auf den Erhalt der AUVA und der Selbstverwaltung in der Sozialversicherung. In einer vorige Woche einstimmig beschlossenen Resolution fordert die GÖD-Bundeskonferenz, die Selbstverwaltung „muss bestehen bleiben“. Das österreichische Sozialversicherungssystem sei „hervorragend und effektiv“, die Verwaltungskosten geringer als in vergleichbaren Ländern. Auch müssten die Versicherungsträger weiterhin die Beiträge STANDORT ■ Das Ringen hat begonnen: Nach dem Land Oberösterreich will sich nun auch Salzburg um den Standort für die neue „Österreichische Gesundheitskasse“ (ÖGK) bemühen. Wie Gesundheitslandesrat Christian Stöckl (ÖVP) der APA mitteilte, wolle er sich beim Bund dafür starkmachen, die neue Zentrale in der Landeshauptstadt anzusiedeln. „Das passt genau in die von uns angestrebte Dezentralisierung. Es müssen nicht alle Einrichtungen in Wien sein.“ Salzburg sei aufgrund der Lage einheben und die Betriebe prüfen. Die Einbringungsquote der Sozialversicherung betrage 99,7 Prozent. Zwar plant die Regierung, die Beitragseinhebung bei der neuen Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) zu belassen, prüfen soll aber das Finanzministerium. Die drohende Auflösung der AUVA, sollte diese nicht eine halbe Milliarde Euro an Einsparungen vorschlagen, quittierte die GÖD in der Resolution so: „Die AUVA, ihre Leistungen und Einrichtungen müssen erhalten bleiben.“ Zudem fordert die GÖD ein Bekenntnis zur Sozialpartnerschaft und den Erhalt der Kammern samt den derzeitigen Umlagen. APA Ringen um die ÖGK hat begonnen in der geografischen Mitte von Österreich als Standort prädestiniert. Zudem liege die heutige Salzburger Gebietskrankenkasse (SGKK) zentral am Hauptbahnhof und verfüge über entsprechende Baugrundstücke für eine allfällige Erweiterung. Schon bei Initiativen wie der Lehrpraxenfinanzierung für Allgemeinmediziner (ein Modell, das später vom Bund übernommen wurde) hätten Land Salzburg, die SGKK und die Ärztekammer bewiesen, dass man gut zusammenarbeiten kann. APA ■ MELDUNGEN Wiener Rettung gegen „Gaffer“ „Hab Anstand, halt Abstand“ lautet das Motto der neuen Kampagne der Wiener Berufsrettung gemeinsam mit der Stadt Wien gegen Schaulustige. Die „Gaffer“-Problematik sei zuletzt mit der Verbreitung der Smartphones immer größer geworden, beklagt die Berufsrettung. Das Filmen behindere die Einsatzkräfte und gefährde Leben. APA Pharmaindustrie schlägt Alarm Unter dem Radar der öffentlichen Aufmerksamkeit plant die Europäische Kommission Änderungen des Patentsystems in Europa. Im Arzneimittelsektor droht eine Aufweichung des europäischen Patentrechtes mit verkürzten Patentlaufzeiten. Schließlich stellt Brüssel die ergänzenden Schutzzertifikate (SPC) zur Diskussion. Genau davor warnt nun die pharmazeutische Industrie. „Eine Verkürzung der Patentlaufzeit hätte gravierende Folgen für den Forschungsstandort Europa“, warnt der heimische Branchenverband Pharmig. Schließlich sei der Patentschutz ein wesentlicher Treiber in der Arzneimittelentwicklung mit ihren hohen Investitionssummen. RED Initiative knackt den 100er Bewegung, Ernährung und soziale Kontakte nehmen einen wichtigen Platz in der Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität von älteren Menschen ein. Genau darauf zielt das „Gesund fürs Leben“ Projekt des Wiener Hilfswerks ab, das von der Wiener Gesundheitsförderung und dem Fonds Gesundes Österreich gefördert wird. Ehrenamtliche GesundheitspartnerInnen (Alter 50+) besuchen ältere Menschen (ab 60 Jahren) zu Hause und machen mit ihnen muskelkräftigende Übungen. Zusätzlich geben sie Tipps für eine gesunde Ernährung. Die Initiative feierte einen schönen Erfolg: Kürzlich hat das 100. Paar zu trainieren begonnen. APA Wanted: Ärzte in Tschechien Gegen den immer gravierender werdenden Ärztemangel in Tschechien – Hunderte gehen jährlich ins westliche Ausland, rund 1000 Ärzte dürften dem Land bereits fehlen –, beschloss die Regierung nun eine Ausnahmeregelung: Sie lockerte die Approbationsregeln für rund 200 (Zahn-)Ärzte aus der Ukraine, die bereits in Tschechien arbeiten, was aber die tschechische Ärztekammer aus Qualitätsgründen scharf kritisiert. APA MT-INTERAKTIV Sagen Sie uns Ihre Meinung redaktion@medical-tribune.at

Medical Tribune j Nr. 23 j 6. Juni 2018 MEDIZIN 5 Nebenwirkungen der Strahlen besänftigen SCHMERZMEDIZIN ■ Die Strahlentherapie hat in der palliativen Versorgung mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Setzen Ärzte die Methode jedoch gezielt ein und wissen sie mit ihren Nebenwirkungen umzugehen, kann sie die Lebensqualität ihrer Krebspatienten deutlich verbessern. Prüfen Sie sich selbst! Dr. Katie Spencer und Kollegen sehen die palliative Radiotherapie zu Unrecht an den Pranger gestellt. Ob die Vorurteile durch Missverständnisse oder schlechte Erfahrungen rühren – anbieten sollten Sie sie Ihren Krebspatienten im Endstadium in jedem Fall. Sie appelieren an ihre Kollegen, sich drei Fragen zu stellen: ▶ Denken Sie zurück, als Sie Ihren Patienten im Endstadium zum letzten Mal sahen. Wie stark haben Sie die lokalisierte Erkrankung als mögliche Ursache seiner Symptome berücksichtigt? ▶ Können Sie Ihre Patienten an jemanden überweisen, der ihn über eine palliative Strahlentherapie aufklärt? ▶ Was würden Sie jetzt anders machen? Akute Nebenwirkungen der Radiotherapie in den Griff bekommen Knochenmetastasen Lungenkarzinom Hautkrebs Magen- oder Darmkrebs Gehirntumoren Nebenwirkung ▶ vermehrte Schmerzen innerhalb der ersten Woche (35 %), Dauer etwa drei Tage ▶ Husten ▶ sonnenbrandähnliche Rötungen über dem bestrahlten Bereich bis zu zehn Tage ▶ Haarausfall ▶ Übelkeit ▶ Fatigue ▶ Kopfschmerzen (32 %) ▶ Übelkeit und Erbrechen (10–16 %) Nach der Radiotherapie konnte ihr Ehemann seiner Lieblingsbeschäftigung weiterhin nachgehen und im Garten arbeiten. Rückenschmerzen und die Symptome der Nervenkompressionen infolge des Multiplen Myeloms gingen so weit zurück, dass er, so oft es ging, mit seinen Enkeln spielte. Berichte wie diese lassen Dr. Katie Spencer vom Institut für Krebs und Pathologie der Universität Leeds und ihre Kollegen ein Plädoyer für die palliative Strahlentherapie halten. Mithilfe der Behandlung können Ärzte die Schmerzen ihrer Krebspatienten noch im Endstadium lindern und so die Lebensqualität verbessern. Umfragen zeigen jedoch, dass kaum jemand die Option anbietet. Allgemeinmedizinern und Palliativärzten fehle es am Verständnis für die Vorteile, sie scheinen eher die potenziellen Nebenwirkungen zu sehen, schreiben die Autoren. Dabei verschwinden viele unerwünschte Symptome innerhalb von vier bis sechs Wochen nach der letzten Sitzung. Bis dahin helfen Antiemetika, Kortikosteroide oder An algetika. Art und Umfang der Nebenwirkungen hingen von der applizierten Dosis und der bestrahlten Körperstelle ab, entsprechend spezifsch sollten die Gegenmaßnahmen ausfallen (s. Tabelle). Ein weiterer Pluspunkt der palliativen Variante: Es kommen deutlich geringere Gesamtdosen als in der kurativen Strahlentherapie zum Einsatz. Gefahr für Niere ist überbewertet KONTRASTMITTEL ■ Von einer kontrastmittelinduzierten Nephropathie (CIN) wurde erstmals 1954 berichtet. Ende der 1970er-Jahre kam es dazu, dass Radiologen Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion kein Kontrastmittel (KM) mehr verabreichten. Gerade im stationären Bereich muss man aber festhalten, dass sehr viele Patienten generell einen Anstieg ihres Kreatinins entwickeln – dieser gilt oft als Marker für eine CIN. Eine vergleichende Untersuchung zeigte, dass dieser Anstieg in den ersten Tagen teilweise bei Kontrollen größer ausfiel als bei Menschen mit einer KM-Untersuchung, erklärte Prof. Dr. Christiane Erley von der Medizinischen Klinik II am St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof beim DGIM-Kongress in Mannheim. 2013 erschien eine Metaanalyse, die die Existenz einer CIN infrage stellte. Denn es ergab sich eine ähnliche Inzidenz von akutem Nierenversagen, Dialysepflicht und Tod unter Patienten mit oder ohne KM. Zu vergleichbaren Ergebnissen kamen retrospektive Kohorten-Einzelanalysen. Und schließlich fanden sich in einer prospektiven Studie mit 716 Patienten keine wesentlichen Unterschiede in der GFR vor und 72 Stunden nach CT/MRT mit oder ohne Kontrastmittel. Auch bei der Prävention scheint manches eine Mär. Die Leitlinien raten bei Niereninsuffizienten vorab zur Gabe isotoner Kochsalzlösung. Doch unter 660 Betroffenen entwickelten 2,7 % der Gewässerten eine CIN und 2,6 % ohne diese Prophylaxe. Und dieses Jahr konnte eine Publikation keinerlei Vorteile durch Bikarbonat- oder Acetylcysteingabe ermitteln. Alles spricht also dafür, dass die kon trastmittelinduzierte Nephropathie ein überbewertetes Problem darstellt, so das Fazit von Erley. ABR Abhilfe ▶ 8 mg Dexamethason oral einmal täglich vor der Behandlung und für weitere vier Tage alternativ: orale Protonenpumpenhemmer ▶ schwache Opioide ▶ täglich mit unparfümierten Cremes oder Seife waschen, nicht-haftende Wundauflagen ▶ ggf. Perücken ▶ Antiemetika 30–60 Minuten vor, während und nach der Behandlung (z.B. 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten) ▶ so viel Bewegung wie möglich ▶ einfaches Analgetikum mit 4 mg Dexamethason einmal täglich ▶ Antiemetika; bei persistierenden Beschwerden Dexamethason Besserung bereits am nächsten Tag möglich Auch dauert sie kürzer, etwa ein bis drei Wochen. Manchmal reicht schon eine Sitzung. Bei Knochenmetastasen können bis zu 60 Prozent der Betroffenen im Median von zwei bis drei Wochen mit einer deutlichen Schmerzreduktion rechnen. Patienten mit Rückenmarkskompressionen, deren Prognose unter sechs Monaten liegt, profitieren bereits innerhalb von 24 Stunden von der Therapie. Einige der thorakalen Symptome von Lungentumoren wie Dyspnoe, Brustschmerzen oder Schluckbeschwerden lassen sich durch den gezielten Einsatz von Strahlen lindern. Zwei Drittel der Patienten berichten von einer deutlichen Reduktion. Ebenso scheint die palliative Radio therapie bei Schluckstörungen im Rahmen eines ösophagealen Krebsleidens den Patienten gut zu bekommen. Für die Autoren steht daher fest, dass die Radiotherapie zukünftig eine größere Rolle innerhalb der Palliativversorgung spielen wird als bisher. Treffsicherheit der Strahlen wird immer höher Wissenschaftler arbeiten stetig daran, das Verfahren zu optimieren. Mithilfe der stereotaktischen Radiotherapie etwa versuchen sie, die Dosen aus dem Linearbeschleuniger gezielter auf den Tumor bzw. die einzelnen Metastasen zu lenken. Antikörper oder mit radioaktiven Substanzen kombinierte Moleküle schaffen es bereits, die Strahlenquellen bei metastasiertem Prostatakarzinomen näher an das Krebsgeschwür heranzutragen. Internationale Studien deuten in diesem Zusammenhang in eine vielversprechende Richtung, so die Experten. MIC/MF Spencer K et al., BMJ 2018; 360: k821 DRONABINOL bei Schmerz und Schlafstörungen Von Dr. Martin Pinsger, MSc, Schmerzkompetenzzentrum Bad Vöslau Die Behandlung mit Cannabinoiden nimmt in der Versorgung schwerkranker und leidender Patienten einen zunehmend wichtigen Platz ein. Dass Cannabinoide eine Medikation für den niedergelassenen Bereich sind, zeigt die Dokumentation der Patientenfälle meines Schmerzkompetenzzentrums. Der Einsatz von Cannabinoiden ist in meiner Praxis seit 2001 gut verankert. In den letzten zehn Jahren habe ich ca. 1000 Patienten auf Cannabinoide eingestellt, wovon 700 in einem Register erfasst sind. Dr. Martin Pinsger, MSc Das Endocannabinoidsystem wieder in die Balance bringen Das Endocannabinoidsystem wirkt bei vielen Funktio nen, abhängig von der Ausgangssituation des Organismus, mit. Sanftes Einschleichen, moderate und sehr breite Wirkung sowie die Möglichkeit, jederzeit abzusetzen, zeichnen die Cannabinoide im klinischen Alltag aus. Cannabinoide, wie zum Beispiel Dronabinol, werden dort unterstützend eingesetzt, wo das Endocannabinoidsystem aus der Balance geraten ist. Solche Imbalancen manifestieren sich bei unterschiedlichen chronischen Krankheiten und zeigen ein Spektrum an Symptomen: chronische Schmerzpatienten sind meist irgendwann mürbe, müde, erschöpft und hoffnungslos. Dieses Profil von Schmerz, Angst, Hoffnungslosigkeit und WERBUNG Bewegungsunfähigkeit macht die besondere Wirkung aus, und diese Parameter können auch ganz gut dokumentiert werden. Zu Beginn sind es Schlaf, innere Ruhe, Müdig keit und Appetit stei gerung, woran die Verbesserung festgestellt werden kann. Später folgen jene Parameter, die mit psychischen und sozialen Veränderungen einhergehen. Schmerzreduktion kommt oft zuletzt, wenn der Patient wieder in Balance ist und sein Distress sich gelockert hat. Nicht jeder Patient spricht auf Cannabinoide an. Ist er aber ein Responder, so halten sich die Nebenwirkungen mit evtl. Müdigkeit, Mundtrockenheit, anfangs Schwindel und Unsicherheit in Grenzen. Regelmäßige Evaluierungen für einen optimalen Therapieerfolg Viele Patienten schätzen die Wirkung falsch ein und sehen die Müdigkeit und die Ruhe, die sie nun erleben dürfen, als Nebenwirkung, die sie nicht erleiden wollen. Es ist hier notwendig, den Patienten zu informieren, dass Cannabinoide nicht immer genommen werden müssen und dass der Anfang einer Therapie nicht das Endergebnis ist. Von ärztlicher Seite erf ordert eine erfolgreiche Cannabinoid­ Behandlung einen ge zielten Einsatz, eine gute Patien tenführung und da rüber hinaus ganzheitliches Denken und Ausdauer. Für die Patienten ermöglicht die Therapie wieder die Hoffnung auf Besserung. © science relations

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