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Medical Tribune 29-35/2018

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2 THEMA DER WOCHE

2 THEMA DER WOCHE Medical Tribune j Nr. 2935 j 29. August 2018 Impressum Internationale Wochenzeitung für Österreich Reform mit Hindernissen www.medizin-medien.at | www.medonline.at Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: Verlag und Herausgeber: Medizin Medien Austria GmbH; 1120 Wien; Grünbergstr. 15; Tel.: (01) 54 600-0, Fax: (01) 54 600-710 Geschäftsführer: Thomas Letz Prokuristen: Mag. (FH) Andreas Eder, Mag. Magdalena Paulnsteiner, Dr. Christine Zwinger, Malte Wagner Berater des Herausgebers: Univ.-Prof. Dr. med. Heinz F. Hammer Chefredaktion: Mag. Hans-Jörg Bruckberger, DW 620, h.bruckberger@ medizin-medien.at Redaktion: Mag. Patricia Herzberger (Chefin vom Dienst), Mag. Anita Groß, Dr. med. Luitgard Grossberger Fax: DW 735, redaktion@medical-tribune.at Ständige Mitarbeiter: Mag. Nicole Bachler, Reno Barth, Univ.-Prof. Dr. med. Heinz F. Hammer, Univ.-Prof. Dr. med. Johann Hammer, Mag. Dr. med. Rüdiger Höflechner, Mag. Michael Krassnitzer, Mag. Karin Martin, Hannes Schlosser, Dr. med. Ulrike Stelzl, Mag. Petra Vock Lektorat: Mag. Eva Posch Layout und Herstellung: Günther Machek, Hans Ljung, Johannes Spandl Leitung Medizin Medien/ Verkauf: Reinhard Rosenberger, DW 510, r.rosenberger@ medizin-medien.at Anzeigen: sales@medizin-medien.at Anzeigenabwicklung: Christian Wieser, MA; DW 697, c.wieser@medizin-medien.at Aboservice Medical Tribune: 1110 Wien, Simmeringer Hauptstraße 24, Tel.: (01) 361 70 70-572, Fax: (01) 361 70 70-9572, aboservice@medizin-medien.at Bezugsbedingungen: Einzelpreis € 4,–, Jahresabo € 81,– (inkl. Porto), Studenten und Ärzte in Ausbildung € 61,– Konto für Abo-Zahlung: UniCredit Bank Austria AG, Konto-Nr.: 100 19 608 321, BLZ: 12000; IBAN: AT25 1200 0100 1960 8321, BIC: BKAUATWW Bankverbindung: UniCredit Bank Austria AG, Konto-Nr.: 100 19 608 107, BLZ: 12000; IBAN: AT80 1200 0100 1960 8107, BIC: BKAUATWW Druck: Druckerei Ferdinand Berger & Söhne GmbH, Wiener Straße 80, 3580 Horn, www.berger.at Auflage: 16.100 Stk. 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Aus den angekündigten 500 Millionen Euro, die die Versicherung einsparen hätte sollen, wurden 430, von denen die AUVA selbst aber nur 135 Millionen einsparen muss. Die restlichen rund 294 Millionen sollen mittels Querfinanzierung sogenannter versicherungsfremder Leistungen, die die AUVA derzeit erbringt, erzielt werden. „Spitäler, Leistungen und medizinisches System bleiben. Die Verwaltung wird ohne Kündigungen abgespeckt und ich gebe noch einmal eine Leistungsgarantie ab“, kommentierte Bundesministerin Beate Hartinger-Klein die erzielte Lösung. Sie betonte, dass es keine Gesundheits-, sondern eine Strukturreform sei. AU/GNRT/17/0045e Gute Preise. Gute Besserung. Mehr Service. ■ MELDUNGEN PVE-Karte: Erst sieben von 75 grün Bis Ende 2021 sollen bundesweit 75 Primärversorgungseinheiten (PVE) realisiert sein, erst sieben sind jedoch in Betrieb. Das zeigt eine Karte des Hauptverbandes (Stand 6.7.2018). Grün eingezeichnet sind zwei (von 16) PVE in Wien, ein steirisches (von 11) und vier (von 13) in Oberösterreich. Dort eröffnete am 2.7. auch das erste PV-Netzwerk Österreichs mit drei Standorten. Mehr demnächst. RED Ministerin Beate Hartinger-Klein und AUVA-Obmann Anton Ofner päsentierten das Reform-Konzept. Maßnahmen gesetzt Konkret soll die AUVA 74,8 Millionen Euro in der Verwaltung einsparen. Die Zahl der Organisationseinheiten soll reduziert und freiwerdende Stellen nicht nachbesetzt werden. Das soll 25,5 Millionen Euro bringen. Weiters will man die operative Betriebsführung der Krankenanstalten an eine 100-prozentige AUVA- Tochter auslagern. Das soll bis 2029 realisiert werden und 33 Millionen Euro einsparen. Weitere Punkte betreffen den Ausbau der Hautprävention (9,8 Mio. bis 2029), eine Effizienzsteigerung beim Facility Management und bei Beschaffungen (3 Mio. bis 2020), die Reduktion von IT-Aufwänden (2,5 Mio. bis 2020) sowie Subventionsreduktionen (1 Mio. bis 2019). Durch verstärkte Kooperationen Therapie des Mammakarzinoms Antiöstrogen für die 1x monatlich Gabe REFERENZPRÄPARAT: FASLODEX ® Grüne Box (IND) seit 1. Juli 1x monatlich i.m. TEVA_Werbeauftritt_Mammakarzinom_Anz_133x120_2018_RZ.indd 1 Fachkurzinformationen 06.06.18 auf Seite 17:4614 Masern-Alarm: Massiver Anstieg Mehr als 41.000 Menschen infizierten sich bis Ende Juni 2018 in der WHO-Region Europa mit Masern. Auch in Österreich steige die Zahl der Masern-Infektionen, betonte kürzlich Volksanwalt Dr. Günther Kräuter. Er fordert eine Impfpflicht im Mutter-Kind-Pass. Alarmiert zeigte sich auch Ärzte-Chef Dr. Thomas Szekeres, er appellierte an Patienten und Ärzte, den Impfstatus routinemäßig zu checken. RED mit anderen Trägern (z.B. AKH Wien, Landeskrankenanstalten etc.) sollen weitere 60 Millionen Euro eingespart werden. Bei einem Jahresbudget von 1,4 Milliarden Euro muss die AUVA also in sechs Jahren rund zehn Prozent ihres Budgets einsparen. Bei dem weit größeren Brocken, den genannten 294 Millionen Euro, handelt es sich um Entgeltfortzahlungen für Arbeitnehmer in Klein- und Mittelbetrieben (Einsparpotenzial 111 Mio.), die zu hohen Zahlungen für in anderen Spitälern behandelte Arbeitsunfälle (156 Mio.) sowie die Vergütung oder Abtretung der Präventionsleistungen für KMU (27 Mio.). Diese sollen mittels gesetzlicher Maßnahmen von der AUVA zu einem anderen Träger – vermutlich der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) – verschoben werden. Hierfür hagelte es auch die meiste Kritik. Denn während sich die AUVA ausschließlich aus Arbeitgeberbeiträgen finanziert – und diese ja bekanntlich von 1,3 zunächst einmal auf 1,2 und dann langfristig auf 0,8 Prozent gesenkt werden sollen –, finanzieren sich die Gebietskrankenkassen sowohl durch Arbeitgeber- als auch durch Arbeitnehmerbeiträge. SP-Bundesgeschäftsführer Max Lercher sprach von einem „waghalsigen AUVA-Finanzierungsgebäude für die Ab gabensenkung der Wirtschaft“ und sah ein „unwürdiges Hütchenspiel“ auf dem Rücken der Kinder-Onko: Lösung im Ländle naht In Vorarlberg zeichnet sich eine Lösung für die kinderonkologische Versorgung ab: Konsiliarärzte aus St. Gallen in der Schweiz könnten die Betreuung von krebskranken Kindern im Krankenhaus Dornbirn mangels eigener Kinderonkologen übernehmen – vorübergehend. Ein konkretes Gespräch zwischen dem Land Vorarlberg und dem Spital St. Gallen sei für Ende August geplant.RED Patienten, während NEOS eine „mutlose Nullnummer“ kritisierte und die Liste Pilz eine „AUVA-Reform- Maus“. Lob kam vom ÖVP-Wirtschaftsbund. So sei die AUVA nun „auf einem guten Weg“. Das Bekenntnis der Regierung, die Lohnnebenkosten für Österreichs Betriebe zu senken, sei sehr zu begrüßen. Die Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse, Ingrid Reischl, ließ hingegen kein gutes Haar an der Reform. Sie meinte, hinter den Einsparungen verberge sich eine „astreine Entlastung der Unternehmen auf Kosten der Arbeitnehmer. Denn den Gebietskrankenkassen werden nach den genannten Zahlungen jährlich zumindest rund 150 Millionen Euro zusätzlich aufgebürdet“. Statt das System auszuhungern, sei eine Modernisierung des Leistungsspektrums der AUVA nötig. Belegschaft rebelliert Auch die AUVA-Belegschaft zeigte sich nicht erfreut. Noch vor der Präsentation des Konzepts taten Gewerkschaft und Betriebsrat bei Betriebsversammlungen an fast allen Standorten ihren Unmut kund. Die geschäftsführende GPA-Vorsitzende Barbara Treiber sprach von einer „brutalen Umverteilung von unten nach oben“. Hartinger-Klein und ÖVP-Klubobmann August Wöginger appellierten indes an SPÖ und Gewerkschaft, ihre „Angstmache“ zu beenden. Zurückhaltend reagierte Hauptverbandschef Dr. Alexander Biach. Bei den Verwaltungseinsparungen könnte im ersten Jahr ein Zugriff auf Rücklagen notwendig sein. Er betonte, dass die gesetzlichen Maßnahmen für eine weitere Beitragssenkung (also von den angepeilten 1,2 auf 0,8 Prozent) nicht zulasten anderer Systempartner erfolgen können. AUVA in Zahlen: ▶ Die Unfallkrankenhäuser der AUVA behandeln – Stand 2017 – jährlich 370.000 Patienten, von denen 88,1 % keine Arbeitsunfälle erlitten haben. ▶ In den Reha-Zentren der AUVA werden 69,9 % von 5.000 Patienten nach Arbeitsunfällen behandelt, Freizeit unfälle machen 30,2 % der Aufenthalte aus. Aus für blauen Dunst an Schulen Seit 1. Juli 2018 sind keine Ausnahmen mehr vom Rauchverbot an Schulen möglich. Auf den gesamten Schulliegenschaften inklusive Freiflächen wie Schulhof dürfen weder Schüler noch Lehrer rauchen. Lediglich „rein privat genützte Bereiche“ wie etwa die Dienstwohnung eines Schulwarts sind vom Rauchverbot nicht betroffen, heißt in einem Rundschreiben des Bildungsministeriums. APA FOTO: BKA MT_29-35-s02.indd 2 24.08.2018 10:58:14

Medical Tribune j Nr. 2935 j 29. August 2018 POLITIK & PRAXIS 3 ■ MEINUNG Dr. Harald Retschitzegger Palliativmediziner und Geriater in Wien Gelobtes Land für Arzt und Apotheker USA ■ Beim Blick über den großen Teich wird wohl manch einer geradezu blass vor Neid: In den USA zählen gleich mehrere Gesundheitsberufe zu den bestbezahlten Jobs überhaupt. Apotheker verdienen mehr als Anwälte. FOTO: PRIVAT Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne „Wo ist der Anfang hin …? Alles ,startet‘ – nichts fängt mehr an!“, habe ich vor kurzem im Radio gehört. Und ich dachte mir: Ja, das stimmt wirklich, alles startet – wo ist der Anfang hin? Dabei wohnt jedem Anfang ein Zauber inne, wie Hermann Hesse schon vor knapp 80 Jahren in seinem Gedicht „Stufen“ schrieb. Dem Anfang neuen Lebens, dem Anfang einer Freundschaft und Beziehung, dem Anfang eines neuen Jahres, eines neuen Arbeitsplatzes, eines Studiums oder einer Auslandsreise. Immer wieder fängt etwas an. Und geht es Ihnen auch so, dass sich „Anfang“ wohliger und entspannter anfühlt als ein „Start“? Im Start steckt rasch der Wettbewerb, der Vergleich – und auch gleich das Ziel. Ein neues Arbeitsjahr Im Anfang liegt der Weg, und liegen Ahnung, Vorausschau, Faszination, oft und hoffentlich Staunen; aber auch Unsicherheit, Zweifel, Sorge vielleicht. Wird es gut gehen? Was kann passieren? „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“ Für viele fängt in diesen Wochen ein neues Arbeitsjahr, eine neue Saison, ein weiteres Semester an. Ja, es fängt an, es ist normalerweise kein Start, kein Rennen, kein Kampf. Es ist Leben. Der Anfang immer wieder neuen Lebens, unseres Lebens, das anfängt und weiter voranschreitet. „Das Leben ist keine Generalprobe“, heißt es. Haben wir schon damit begonnen – angefangen? Jeder Tag ist Aufführung, jeder Tag ist Gegenwart, mehr vorerst nicht. Darf etwas überhaupt enden? Und wie ist es am anderen Endpunkt des Weges? Gibt es noch ein „Ende“, darf etwas enden, endet etwas – oder gibt es nur das erreichte oder nicht erreichte Ziel? Darf ein Mensch irgendwann zu Ende leben; bis zum Ende leben? Wir sind für unser eigenes Leben verantwortlich – so, dass wir es gut leben! Und darüber hinaus können wir im Gesundheitsbereich mithelfen, dass uns anvertraute Menschen gut leben können, vom Anfang bis zum Ende. Leben geht irgendwann zu Ende. Und es muss nicht Versagen, nicht Betriebs unfall, nicht Versäumnis und Fehler sein – so wie es oft gesehen wird. Wir begleiten Menschen und Leben. Vom Anfang bis zum Ende. MT-INTERAKTIV Sagen Sie uns Ihre Meinung redaktion@medical-tribune.at HANS-JÖRG BRUCKBERGER 195.842 US-Dollar. So viel verdient in den USA ein durchschnittlicher angestellter Arzt. Das entspricht umgerechnet etwa 172.000 Euro. Damit ist der Beruf auch der bestbezahlte Job in Amerika. Das geht aus einem aktuellen Gehaltsvergleich des Internetportals Glassdoor hervor. Der „typische amerikanische Vollbeschäftigte“ kommt indes auf eine Jahresgage in einer Größenordnung von nur rund 45.000 Dollar. Überraschender sind allerdings die weiteren Platzierungen: Die Plätze zwei und drei gehen an Apotheker: Ein „pharmacist“ verdient laut den auf Millionen Jobs basierenden Daten des Portals im Schnitt 127.120 Dollar (rund 111.000 Euro), als Führungskraft in einer Apotheke kommt man gar auf rund 146.400 Dollar (knapp 129.000 Euro). Ein durchschnittlicher angestellter Anwalt muss dagegen mit knapp 97.000 Dollar auskommen. Der Vergleich mit hiesigen Gagen ist ernüchternd: In Österreich sieht der Kollektivvertrag für Apotheker im ersten Dienstjahr 2.757 Euro pro Monat vor, im 20. Dienstjahr 4.296 Euro und nach 34 Dienstjahren wird die 5.000-Euro- Grenze überschritten. Auf Jahresbasis wären selbst Letzteres „nur“ 70.000 Euro. Dem nicht genug rangieren unter den Top Ten der bestbezahlten US- Jobs zwei weitere Gesundheitsberufe: Als Arzthelfer verdient man angeblich 108.761 Dollar im Jahr und als Krankenschwester immer noch wohlfeile 106.962 Dollar. Topmanagement-Positionen, sogenannte „C-Suite-Level Jobs“, wurden in dem Ranking freilich ausgeklammert. Schulterschluss in Alpbach KOOPERATION ■ Bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen vergangene Woche besiegelten Apothekerkammer und Ärztekammer, verstärkt im Sinne der Patienten zusammenzuarbeiten: Die Apotheker bieten neue HIV-Selbsttests an. Bei einem positiven Testergebnis empfehlen sie die Patienten an eine medizinische Einrichtung weiter, um möglichst frühzeitig eine Diagnose stellen und eine Behandlung beginnen zu können. Laut Apothekerkammerpräsidentin Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr schaffen die Apotheker durch ihre Beratungstätigkeit hier einen „immensen Mehrwert für die Betroffenen, den es in dieser Art noch nie zuvor gegeben hat“. Gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium, Ärzten, der Österreichischen Aids Gesellschaft und der Aids Hilfe wurden zertifizierte Schulungen für Apotheker sowie standardisierte Beratungsleitfäden samt Kundeninformationsbroschüren erarbeitet. Weiters sollen laufend regionale Fortbildungsveranstaltungen sowie Online-Schulungen angeboten werden. Für Ärztekammerpräsident Dr. Thomas Szekeres ist der HIV-Selbsttest ein „gutes Beispiel für eine Kooperation zugunsten der Menschen“. Einerseits sei der niederschwellige Zugang wichtig, andererseits zähle der Umgang mit einem positiven Testergebnis „zu den anspruchsvollen Aufgaben in der Medizin und muss von Ärzten übernommen werden“. Der Apotheker und FP-NAbg. Gerhard Kaniak verwies darauf, dass Sozialministerin Beate Hartinger-Klein die Aufnahme des HIV-Tests in die Gesunden untersuchung angekündigt habe. „Österreich ist zwar ein ‚Weltmeister‘ im HIV-Testen“, ergänzte Life-Ball-Organisator Gery Keszler, „letztendlich sind wir aber Schlusslicht in der EU – es dauert im Durchschnitt 3,8 Jahre, bis ein Betroffener eine HIV-Diagnose bekommt.“ Der neue HIV-Selbsttest setze die Hemmschwelle, sich auf HIV untersuchen zu lassen, weiter herunter und sei eine große Chance. E-Medikation für Niedergelassene Auch an anderer Front traten Arzt und Apotheker gemeinsam in Alpbach auf, flankiert vom Hauptverband: Das Ausrollen der E-Medikation in Arztpraxen und Apotheken laufe nach Plan, versichern Szekeres, Dr. Gerhard Kobinger von der Apothekerkammer und Hauptverbands-Chef Dr. Alexander Biach. Die Apothekerkammer hat mit dem Hauptverband einen Vertrag geschlossen, wonach Apotheken nun – ebenso wie Ärzte – einen Zuschuss von 20 Euro pro Monat für EDV-Wartungskosten erhalten. Bislang sind laut Biach rund 1600 Ärzte und 340 Apotheken im E-Medikationssystem. Im Herbst starten Tirol, Salzburg und Oberösterreich, 2019 Niederösterreich, Burgenland und Wien. 2020/21 soll das elektronische Rezept ohne Papier folgen. TB/APA Die bestbezahlten Jobs in den USA* durchschnittliches Jahresgehalt in US-$ (gerundet) Arzt/Ärztin 195.800 Apotheken-Geschäftsführung 146.400 Apotheker(in) 127.100 „Enterprise Architect“ (IT) 115.900 Unternehmensberater(in) 115.600 Software-Entwickler(in) 108.900 Arzthelfer(in) 108.800 Software-Ingenieur(in) 107.500 Krankenpfleger(in) 107.000 Software-Architekt(in) 105.300 * exkl. Topmanagement-Jobs Quelle: Glassdoor Angebot und Nachfrage Neben den Gesundheitsberufen fällt noch ein Bereich positiv auf: der Technologiesektor. Diesem sind 13 der 25 höchstbezahlten Jobs zuzuordnen. Beide Sektoren zeichnen sich laut den Initiatoren der Studie durch zwei Dinge aus: Die Nachfrage nach Fachkräften ist hoch, das Angebot an qualifiziertem Personal jedoch gering, also steigen die Löhne. Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Die Website PayScale.com beispielsweise hat gemeinsam mit CNNMoney im Vorjahr eine Liste erstellt, der zufolge ebenfalls Gesundheitsberufe die vorderen Plätze belegen. Hierbei wurde bei den Ärzten differenziert: Platz fünf belegen Zahnärzte, die den Angaben zufolge im Schnitt 151.000 Dollar verdienen, Platz drei die Allgemeinmediziner (179.000 Dollar). Davor landen Radiologen (316.000 Dollar) sowie Anästhesisten mit einem Jahresgehalt von durchschnittlich 335.000 Dollar. Das entspricht umgerechnet etwa 294.000 Euro. Zum Vergleich: In Deutschland kommt ein Facharzt laut praktischerarzt.de im Schnitt auf 84.000 Euro im Jahr, ein Oberarzt auf 114.000 Euro. Ein Anästhesist verdient etwa 190.000 Euro pro Jahr. In Österreich ist die Datenlage ver gleichsweise dürftig. „In der Regel verdienen Herr und Frau Doktor in Österreich 2.700 bis 4.600 Euro. Inklusive diverser Zuschläge ergibt sich ein Bruttojahreslohn in der Höhe von bis zu 94.000 Euro“, heißt es auf bruttonetto-rechner.at. Laut neuvoo. at beträgt das Durchschnittsgehalt für Ärzte hierzulande 65.023 Euro pro Jahr, ein Anästhesist kommt auf rund 80.000 Euro. Finger weg: Partnerarzt-Angebot VERRECHNUNG ■ Die Wiener Ärztekammer rät Niedergelassenen dringend davon ab, Partnerarzt-Vorschläge von privaten Versicherungen zu unterzeichnen. Anlass: Uniqa und Merkur beginnen laut „Presse“ (7.8.2018) eine „Parallelstruktur zum staatlichen Kassensystem“ aufzuziehen. Sie bieten in diversen Pilotprojekten in Wien, Graz und Linz Niedergelassenen an, Wahlarzt-Leistungen direkt mit der Versicherung abzurechnen. Was auf den ersten Blick vorteilhaft erscheint, sei „eine Mogelpackung“, warnt Ärzte-Chef Dr. Thomas Szekeres in einer Aussendung. Denn die Versicherung setze einseitig einen nicht angemessenen Privattarif fest, an den die Ärzte dann gebunden sind. Außerdem sei die Direktverrechnung keineswegs gesichert, weil es keine Kostengarantie der Versicherung gebe. Hinzu kommt laut Niedergelassenen-Chef Dr. Johannes Steinhart, dass Partnerärzte der Uniqa zeitnahe Termine garantieren und für telefonische und Videokonsultationen erreichbar sein müssen – auch nachts und an Wochenenden. RED/GRO SV-Gipfel: Rute bleibt im Fenster REFORM ■ Die VP/FP-Regierung lud am 23.8.2018 erstmals zu einem Sozialversicherungsgipfel mit den vier Sozialpartnern: Wolfgang Katzian (ÖGB), Renate Anderl (Arbeiterkammer), Dr. Harald Mahrer (Wirtschaftskammer) und Josef Moosbrugger (Landwirtschaftskammer). Thema war die Kassenfusion von 21 auf fünf. Die Ärztekammer wurde nicht eingeladen, Hauptverbands-Chef Dr. Alexander Biach schon. Nach gut einer Stunde gab es kein gemeinsames Statement, sondern mehrere Auftritte nacheinander im selben Raum. Dennoch berichteten Katzian und Anderl von einem „konstruktiven Gespräch“ und einem Ende der „Gerüchtebörse“. Künftig sollen nämlich die Sozialpartner umfassend informiert werden, so die Zusicherung. Danach zeigten sich Mahrer und Biach, jedoch ohne Moosbrugger. Biach bedankte sich, dass man den Reformprozess „nun gemeinsam“ angehe. Zuletzt bremste VP-Kanzler Sebastian Kurz mit FP-Vize Heinz-Christian Strache, VP-Klubomann August Wöginger und FP-Sozialministerin Beate Hartinger-Klein die Erwartungen gleich wieder ein: Man sei zur Einbindung bereit, aber die Reform komme auch ohne die Zustimmung der Sozialpartner. RED/G RO MT_29-35-s03.indd 3 24.08.2018 09:52:35

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