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Medical Tribune 39/2018

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2 THEMA DER WOCHE

2 THEMA DER WOCHE Medical Tribune j Nr. 39 j 26. September 2018 Impressum Internationale Wochenzeitung für Österreich Zank um die Qualitätssicherung www.medizin-medien.at | www.medonline.at Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: Verlag und Herausgeber: Medizin Medien Austria GmbH; 1120 Wien; Grünbergstr. 15; Tel.: (01) 54 600-0, Fax: (01) 54 600-710 Geschäftsführer: Thomas Letz Prokuristen: Mag. (FH) Andreas Eder, Mag. Magdalena Paulnsteiner, Dr. Christine Zwinger, Malte Wagner Berater des Herausgebers: Univ.-Prof. Dr. med. Heinz F. Hammer Chefredaktion: Mag. Hans-Jörg Bruckberger, DW 620, h.bruckberger@medizin-medien.at Redaktion: Mag. Patricia Herzberger (Chefin vom Dienst), Mag. Anita Groß, Dr. med. Sarah Hartmann. Fax: DW 735, redaktion@medical-tribune.at Ständige Mitarbeiter: Mag. Nicole Bachler, Reno Barth, Dr. med. Luitgard Grossberger, Univ.-Prof. Dr. med. Heinz F. Hammer, Univ.-Prof. Dr. med. Johann Hammer, Mag. Dr. med. Rüdiger Höflechner, Mag. Michael Krassnitzer, Mag. Karin Martin, Hannes Schlosser, Dr. med. Ulrike Stelzl, Mag. Petra Vock Lektorat: Mag. Eva Posch Layout und Herstellung: Günther Machek, Hans Ljung, Johannes Spandl Leitung Medizin Medien/Verkauf: Martina Schoen, MA, DW 540, m.schoen@medizin-medien.at Anzeigen: sales@medizin-medien.at Anzeigenabwicklung: Christian Wieser, MA; DW 697, c.wieser@medizin-medien.at Aboservice Medical Tribune: 1110 Wien, Simmeringer Hauptstraße 24, Tel.: (01) 361 70 70- 572, Fax: (01) 361 70 70-9572, aboservice@medizinmedien.at Bezugsbedingungen: Einzelpreis € 4,–, Jahresabo € 81,– (inkl. Porto), Studenten und Ärzte in Ausbildung € 61,– Konto für Abo-Zahlung: UniCredit Bank Austria AG, Konto-Nr.: 100 19 608 321, BLZ: 12000; IBAN: AT25 1200 0100 1960 8321, BIC: BKAUATWW Bankverbindung: UniCredit Bank Austria AG, Konto-Nr.: 100 19 608 107, BLZ: 12000; IBAN: AT80 1200 0100 1960 8107, BIC: BKAUATWW Druck: Druckerei Ferdinand Berger & Söhne GmbH, Wiener Straße 80, 3580 Horn, www.berger.at Auflage: 16.100 Stk. Blattlinie: Informiert Ärzte über Medizin, Gesundheitspolitik und Praxisführung Unternehmensgegenstand der Medizin Medien Austria GmbH: Herausgabe, Verlag, Druck und Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften sowie sonstiger periodischer Druckschriften. Die Produktion und der Vertrieb von Videofilmen. Die Durchführung von Werbungen aller Art, insbesondere Inseratenwerbung (Anzeigenannahme), Plakatwerbung, Ton- und Bildwerbung, Reportagen, Ausarbeitung von Werbeplänen und alle sonstigen zur Förderung der Kundenwerbung dienenden Leistungen. Gesellschafter der Medizin Medien Austria GmbH: Alleinige Gesellschafterin der Medizin Medien Austria GmbH ist die Süddeutscher Verlag Hüthig GmbH. Gesell–schafter der Süddeutscher Verlag Hüthig GmbH sind die Süddeutscher Verlag GmbH mit 99,81 %, Herr Holger Hüthig mit 0,10 % und Frau Ruth Hüthig mit 0,09 %. 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Leseranalyse medizinischer Fachzeitschriften KONTROLLE ■ Die Qualitätssicherung in den österreichischen Arztpraxen ist ein umstrittenes Thema. Gleich drei kritische Studien werden gerade von der GÖG analysiert. Derweil wird heftig diskutiert. MICHAEL KRASSNITZER Intransparenz, mangelnde Unabhängigkeit von der Ärztekammer, falsche Schwerpunktsetzung, fragwürdige Evaluierung: Der niederösterreichische Patientenanwalt Dr. Gerald Bachinger hat einiges an der Qualitätssicherung in den österreichischen Arztpraxen auszusetzen. Beim Gesundheitspolitischen Forum in Wien, einer monatlichen Veranstaltungsreihe der Karl Landsteiner Gesellschaft, führte Bachinger gleich drei Studien ins Feld, die seine Einschätzung unterstützen. Die jüngste davon ist ein im Juni veröffentlichter Rechnungshofbericht, in dem die Qualitätssicherung bei niedergelassenen Ärzten untersucht wurde. Moniert wird darin, dass Patienten keine Möglichkeit haben, sich anhand bundesweit einheitlicher Kriterien über die Behandlungsqualität zu informieren. Empfohlen wird die Entwicklung von Qualitätsstandards mit verpflichtenden Vorgaben bis zum Ende der Zielsteuerungsperiode 2021. Auch dass sich die Ärzte gewissermaßen selbst kontrollieren, wird bemängelt. Die ÖQMed GmbH, welche Gute Preise. Gute Besserung. Mehr Service. AU/GNRT/18/0026b MT-INTERAKTIV Sagen Sie uns Ihre Meinung redaktion@medical-tribune.at „Die vom Rechnungshof Gescholtene ist nicht die ÖQMed, sondern die Gesundheitspolitik. Den Betroffenen ist es allerdings gelungen, sich zu bücken, sodass die ÖQMed im Schaufenster dasteht.“ die Qualitätssicherung im niedergelassenen Bereich durchführt, ist ja ein Tochter unternehmen der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und wird durch die Beiträge der Ärzteschaft finanziert. Der Rechnungshof regt an zu prüfen, ob die ÖQMed anders finanziert und damit unabhängig werden könnte. Die Prüfinstanz sieht auch Mängel bei der Kontrolle. Zum einen sei das Selbstassessment mit seinen Ja/ Nein-Fragen unzureichend, zum anderen werden die Angaben nicht häufig genug überprüft. Bei der Selbstevaluierung gaben 97 Prozent der Ärzte an, dass in ihrer Ordination kein Mangel vorliegt. Die Überprüfung der ÖQMed stellte hingegen bei rund 18 Prozent der Ordinationen zumindest einen Mangel fest. Die Wahrscheinlichkeit eines Ordinationsbesuchs sei aber sehr gering. Ein weiterer Kritikpunkt des Rechnungshofes: Die Ergebnisqualität im niedergelassenen Bereich werde nicht systematisiert und bundesweit einheitlich gemessen – und das, obwohl das Gesundheits-Zielsteuerungsgesetz ebenso wie der Bundes-Zielsteuerungsvertrag eine Ergebnisqualitätsmessung IND-frei in den grünen Bereich Der Cholesterin-Resorptionshemmer von ratiopharm 1 Quellen: Warenverzeichnis I sowie Erstattungskodex und Veröffentlichungen auf www.avsv.at REFERENZPRÄPARAT EZETROL ® Grüne Box anstelle Gelbe Box 1 Fachkurzinformationen auf Seite 16 Dr. Artur Wechselberger „Ich erwarte mir sehr viel von der wissenschaftlichen Aufarbeitung dieser Studien durch die GÖG.“ Dr. Gerald Bachinger im ambulanten Bereich vorsehen. Schuld daran sei freilich das Gesundheitsministerium, das diese Vorgaben seit 2005 nicht erfülle. Die zweite kritische Studie nennt sich „Qualität in Arztpraxen“, wurde vom Institut für Höhere Studien (IHS) durchgeführt und im April publiziert. „Das von der ÖQMed ausgearbeitete und durchgeführte Qualitätssicherungsverfahren wurde bisher von mehreren Seiten kritisiert und scheint auch dem internationalen Vergleich nicht standzuhalten”, heißt es darin: Es weise „fundamentale methodische Schwächen“ auf und entspreche nicht dem aktuellen wissenschaftlichen Stand. Moniert werden fehlende Konsequenzen bei Nicht-Einhaltung der Fortbildungspflicht, die Art der Fragestellungen beim Selbstassessment der Ärzte und der Fokus auf die Strukturqualität. „Aber aus Patientensicht ist die Ergebnisqualität das Wichtigste“, kommentiert Bachinger. In der IS-Studie wird auch eine systematische externe Überprüfung durch eine von der ÖÄK unabhängige Stelle gefordert. Die dritte vom Patientenanwalt ins Treffen geführte Studie ist aus dem Vorjahr und wurde von der London School of Economics durchgeführt. Auf insgesamt 1.400 Seiten geht es zwar vornehmlich um Optionen bei der Reform der Sozialversicherung, aber die Qualität im niedergelassenen Bereich ist auch ein Thema. Auch hier wird bemängelt, dass die Arbeit der ÖQMed nicht den aktuellen wissenschaftlichen Standards entspreche. Auf Anregung der Patientenanwaltschaft hat das Gesundheitsministerium laut Bachinger die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) beauftragt, diese Studien zu analysieren und mögliche Konsequenzen daraus zu formulieren. „Ich erwarte mir sehr viel von der wissenschaftlichen Aufarbeitung dieser Studien durch die GÖG“, bekräftigt der Patientenanwalt. Ärztekammer widerspricht „Die vom Rechnungshof Gescholtene ist nicht die ÖQMed, sondern die Gesundheitspolitik. Den Betroffenen ist es allerdings gelungen, sich zu bücken, sodass die ÖQMed im Schaufenster dasteht“, erwidert Dr. Artur Wechselberger, MSc, MBA, Leiter des Referats für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement der ÖÄK und der Präsident der Ärztekammer für Tirol. Er widerspricht der Darstellung, dass das Qualitätsmanagement der ÖQMed nicht auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand sei: „Die im Dezember des Vorjahres veröffentlichte Verordnung der ÖÄK zur Qualitätssicherung der ärztlichen Versorgung entspricht im Großen und Ganzen den späteren Vorschlägen des Rechnungshofes“, bekräftigt Wechselberger: „Die genannten Studien bilden die Vergangenheit ab.“ Wechselberger verteidigt auch den Fokus auf die Struktur- und Prozessqualität bei der Evaluation: „Das Wesentliche ist doch aufzuzeigen, dass man die Strukturen hat, die Voraussetzung für Qualität sind. Wenn es aber gelingt, Parameter für die Ergebnisqualität zu finden, sind wir Ärzte die Ersten, die mitmachen.“ Suche nach Parametern Mit der Suche nach Parametern für die Ergebnisqualität im niedergelassenen Bereich beschäftigt sich Dr. Fabiola Fuchs, MSc. Als frühere Leiterin der Abteilung Medizin und Qualität des Niederösterreichischen Gesundheitsund Sozialfonds (NÖGUS) hat die Medizinerin und Psychotherapeutin ein Instrument zur Ergebnismessung in Krankenhäusern erarbeitet: A-IQI basiert auf rund 190 Indikatoren und wird österreichweit im Spitalsbereich eingesetzt. Als nunmehrige Mitarbeiterin der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse versucht sie auch, Qualitätsparameter für den niedergelassenen Bereich zu entwickeln. Ein aussagekräftiger Ergebnisqualitätsparameter in Zusammenhang mit der Diabetesversorgung im niedergelassenen Bereich wäre etwa die Amputationsrate. „Die Amputationsraten bei den niederösterreichischen Versicherten sind dreimal so hoch wie „Wenn ein Arzt nur 30 oder 40 Darmspiegelungen jährlich durchführt – wo ist da die Qualität?“ Dr. Fabiola Fuchs OECD-Durchschnitt“, referiert Fuchs eine wenig schmeichelhafte Zahl. Ein weiterer Parameter könnte die Komplikationsrate bei Koloskopien sein. Sie räumt freilich ein, dass die Generierung von Ergebnissen im niedergelassenen Bereich ungleich schwieriger ist als in den Spitälern und dass es zunächst leichter wäre, sich auf Prozessqualität zu konzentrieren. Ein Beispiel dafür wären Mindestfallzahlen. „Die Österreichische Gesellschaft für Hepatologie verlangt für eine Zertifizierung eine Mindestzahl von 200 Koloskopien im Jahr. Über die genaue Höhe kann man diskutieren, aber wenn ein Arzt nur 30 oder 40 Darmspiegelungen jährlich durchführt – wo ist da die Qualität?“ MT_39_s02.indd 2 20.09.2018 14:11:36

Medical Tribune j Nr. 39 j 26. September 2018 3 ▶ POLITIK & PRAXIS ■ MELDUNGEN Bioethiker loben Forschungsgesetz Bioethiker bewerten das im April beschlossene neue Forschungsorganisationsgesetz (FOG), mit dem der Wissenschaft der Zugang zu Informationen aus staatlichen Datenbanken erleichtert wird, positiv. Als „extrem forschungsfreundliche Lösung“ bezeichnet Univ.-Prof Dr. Christiane Wendehorst das Gesetz. Künftig werden auch Daten aus der elektronischen Gesundheitsakte ELGA für die Forschung zugänglich gemacht. APA FOTO: GERT EGGENBERGER Die im Mai 2017 ins Amt gewählte Petra Preiss ist die erste Ärztekammer-Präsidentin Österreichs. „Ich bin mit Leib und Seele Chirurgin“ KÄRNTEN ■ Dr. Petra Preiss ist die einzige Frau an der Spitze einer Landeskammer, noch dazu einer, die vor ihrer Wahl zerstritten war. Bei der größten Baustelle im Land, dem Mangel an prakischen Ärzten, sei vor allem die Politik gefordert. ROBERT BENEDIKT Sie sind nun seit eineinhalb Jahren als Präsidentin der Kärntner Ärztekammer tätig. Haben Sie gewusst, was auf Sie zukommt? Preiss: Ich war ja schon vorher fünf Jahre lang in der Standesvertretung präsent, da kannte ich die übliche Agenda. Aber dass die Präsidentschaft so zeitintensiv ist, merkt man erst, wenn man die zur Unterschrift vorliegenden Dokumente sieht. Das heißt, dass Sie Ihren Hauptberuf als Chirurgin am Klinikum Klagenfurt nur mehr in Teilzeit ausüben? Preiss: Das heißt es überhaupt nicht. Ich bin mit Leib und Seele Chirurgin und übe meinen Beruf nach wie vor zu 100 Prozent aus. Wenn man einige Jahre keine Praxis hat, ist man als Chirurg „gestorben“. So halte ich mich jeden Mittwoch in der Kammer auf, um dort meine Aufgaben zu erledigen. Diese Stunden bringe ich nach Möglichkeit an den anderen Wochentagen wieder herein. Sie können auf 16 Monate Präsidentschaft zurückblicken. Was sind die dringendsten Baustellen im Land? Preiss: Da ist an erster Stelle zweifellos der Mangel an praktischen Ärzten zu nennen, der sich in den nächsten Jahren noch verstärken wird. Denn im nächsten Jahrzehnt werden rund 50 Prozent der praktischen Ärzte im Land in Pension gehen. Und geeignete Nachfolger sind kaum in Sicht. Wer ist da gefordert? Preiss: In erster Linie die Politik, die dafür sorgen sollte, dass genügend praktische Ärzte ausgebildet werden, die dann auch im Land bleiben. Man muss zugestehen, dass sich viele darum bemühen, diesem Mangel entgegenzuwirken, aber noch niemand hat ein Rezept gefunden. Haben Sie eine Idee? Preiss: Ich kann nur sagen, was geschehen müsste: Viele Jungmediziner müssten dazu bewegt werden, sich zum Allgemeinmediziner ausbilden zu lassen. Damit hätte man schon vor 20 Jahren beginnen müssen. Denn bis ein Arzt praktizieren darf, muss er mindestens 16 Jahre Ausbildung hinter sich bringen. So wie es jetzt läuft, ist absehbar, dass wir nur rund ein Fünftel des künftigen Bedarfes an Landärzten aufbringen. Könnten die geplanten Primärversorgungszentren eine Lösung für die medizinische Versorgung am Land sein? Preiss: Theoretisch ja, aber hier in Kärnten gibt es noch kein einziges dieser Zentren, weil es auch keine Ärzte gibt, die darin arbeiten wollen. Sie arbeiten selbst am Klinikum in Klagenfurt. Gibt es dort keinen Nachwuchs für die Allgemeinmedizin? Preiss: Nur sehr wenig, weil sich die meisten Kollegen einer Ausbildung zum Facharzt zuwenden. Woran liegt das Ihrer Ansicht nach? Preiss: Dafür gibt es wohl mehrere Gründe. Das Dasein eines Landarztes mit Nacht- und Wochenenddiensten sowie Hausbesuchen passt heute nicht mehr in das Lebenskonzept von Jungmedizinern. Dazu kommt, dass sich die Einkommenssituation in den Krankenhäusern nach einem langen „Kampf ums Geld“ wesentlich verbessert hat. Dazu kommt noch, dass die Ausbildung zum Allgemeinmediziner derzeit ziemlich unbefriedigend ist. Das Klinikum Klagenfurt hat lange Zeit unter einem schlechten Ruf gelitten, der sich besonders bei der Anwerbung von Fachärzten negativ ausgewirkt hat. Gibt es dieses schlechte Image noch? Preiss: Das mag zwar in einigen Köpfen noch herumgeistern, entspricht aber schon lange nicht mehr der Wirklichkeit. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir uns nicht gut verkaufen. Wenn intern zu viel gejammert wird, dringt das natürlich auch nach außen. Ich sage immer: Unser Image-Problem ist größer als unser medizinisches. Außerdem hat die Gehaltsreform dazu geführt, dass es sich finanziell wieder lohnt, am Klinikum zu arbeiten. Genauso schlecht war vor Ihrer Wahl der Ruf der Kärntner Ärztekammer, weil immer wieder interne Streitigkeiten nach außen gedrungen sind. Herrscht jetzt wieder Frieden? Preiss: Ich möchte nicht behaupten, dass ich allein dafür gesorgt habe. Aber ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass jetzt in der Kärntner Standesvertretung wieder eine Atmosphäre der gegenseitigen Achtung und der gedeihlichen Kooperation herrscht. Mehr möchte ich dazu aber nicht sagen, weil sonst die alten Geschichten wieder aufzukochen drohen. Unter Ärzten in anderen Bundesländern kursiert das Gerücht, dass in Kärnten ärztliche Notdienste aus Kostengründen mit Krankenschwestern besetzt werden sollen. Entspricht das den Tatsachen und wie steht die Kammer dazu? Preiss: Das überrascht mich sehr, weil es nicht den Tatsachen entspricht. Ich weiß, dass man in anderen Ländern solche Modelle versuchen will, aber hier in Kärnten gibt es das noch nicht. Aber ich möchte die Idee nicht von der Hand weisen: Denn die Entscheidung, wohin sich der Patient mit seinem Anliegen wenden soll, kann auch eine erfahrene Krankenschwester treffen. Darüber hinaus möchte ich da rauf verweisen, dass der Rotkreuz-Disponent, der die Anrufe unter der Nummer 144 entgegennimmt, auch kein Arzt ist. Eine atmosphärische Frage zum Abschluss: Sie sind die einzige Landespräsidentin einer Ärztekammer in Österreich. Ergeben sich daraus Vor- oder Nachteile? Preiss: Nachteile habe ich dadurch noch nicht erfahren. Ich hoffe allerdings, eine Vorreiterin zu sein, was die Besetzung von Spitzenpositionen in der Ärztevertretung betrifft. Denn die sind nach wie vor eine Männerdomäne. Die Präsidenten sind außer mir sowieso alle männlich. Kurienobfrauen gibt es in ganz Österreich nur zwei, eine im Burgenland und eine in Kärnten. Die Österreicher sind Sportmuffel Jeder dritte Österreicher betreibt laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO keinen Sport. Empfehlungen zufolge sollten Erwachsene pro Woche mindestens 150 Minuten Bewegung mit mittlerer Intensität oder 75 Minuten mit höherer Intensität und mindestens zweimal muskelkräftigende Aktivitäten ausüben. 53 Prozent der Österreicher erfüllen diese minimalen Anforderungen nicht. APA Kein Glyphosat in Tschechien Die tschechische Regierung hat angekündigt, den Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in der Landwirtschaft zu beschränken. Ab dem 1. Jänner 2019 dürften Mittel mit diesem Pflanzengift nicht mehr flächendeckend oder zur Beschleunigung des Reifungsprozesses zum Beispiel bei Getreide Verwendung finden. Die WHO-Krebsforschungsagentur IARC klassifizierte den Stoff im Jahr 2015 als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“. APA Novartis knüpft Boni an Ethik Der Schweizer Pharmakonzern Novartis knüpft die Auszahlung von Bonuszahlungen an seine Vertriebsmitarbeiter auch an ihr ethisch korrektes Verhalten. Das Unternehmen ist in Reihe von Skandalen verstrickt, unter anderem geht es um unlautere Lobbying-Praktiken in den USA. APA US-Pharmariesen in Steueroasen Die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam verdächtigt US-amerikanische Pharmakonzerne, Gewinne in Steueroasen verschoben und so Steuern hinterzogen zu haben. Allein die vier Unternehmen Pfizer, Merck, Johnson & Johnson und Abbott sollen in Industrie- und Entwicklungsländern in den Jahren 2013 bis 2015 rund 3,8 Milliarden US-Dollar an Steuern nicht entrichtet haben. APA MT_39_s03.indd 3 21.09.2018 12:03:28

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