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Medical Tribune 44/2018

2 THEMA DER WOCHE

2 THEMA DER WOCHE Medical Tribune j Nr. 43 j 24. Oktober 2018 Impressum Internationale Wochenzeitung für Österreich Neue Perspektive für größere Brüste www.medizin-medien.at | www.medonline.at Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: Verlag und Herausgeber: Medizin Medien Austria GmbH; 1120 Wien; Grünbergstr. 15; Tel.: (01) 54 600-0, Fax: (01) 54 600-710 Geschäftsführer: Thomas Letz Prokuristen: Mag. (FH) Andreas Eder, Mag. Magdalena Paulnsteiner, Dr. Christine Zwinger, Malte Wagner Berater des Herausgebers: Univ.-Prof. Dr. med. Heinz F. Hammer Chefredaktion: Mag. Hans-Jörg Bruckberger, DW 620, h.bruckberger@medizin-medien.at Redaktion: Mag. Patricia Herzberger (Chefin vom Dienst), Mag. Anita Groß, Dr. med. Sarah Hartmann. Fax: DW 735, redaktion@medical-tribune.at Ständige Mitarbeiter: Mag. Nicole Bachler, Reno Barth, Dr. med. Luitgard Grossberger, Univ.-Prof. Dr. med. Heinz F. Hammer, Univ.-Prof. Dr. med. Johann Hammer, Mag. Dr. med. Rüdiger Höflechner, Mag. Michael Krassnitzer, Mag. 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Leseranalyse medizinischer Fachzeitschriften FORSCHUNG ■ Der Innsbrucker Dr. Carlo Hasenöhrl hat maßgeblich an der Entwicklung neuer Brustimplantate mitgewirkt. Diese sind oval, haben eine fein strukturierte Oberfläche und sollen das Risiko von Kapselfibrosen reduzieren. HANNES SCHLOSSER In der weit überwiegenden Mehrzahl werden in Europa und den USA Brustvergrößerungen über den submammären Zugang, also über die Unterbrustfalte, vorgenommen. Einer der wenigen, der den axilliären Zugang bevorzugt, ist der Innsbrucker plastische Chirurg Dr. Carlo Hasenöhrl: „Ich wollte eine narbenfreie Brust und habe gesehen, durch die Verwendung von Endoskopen kann ich mit dem Schnitt immer kleiner werden, und eine kleine Narbe ist gerade im ästhetischen Bereich schon ein wesentlicher Punkt.“ Bis heute wird der Eingriff über die Achsel von zahlreichen kritischen Stimmen begleitet. Zu den genannten Problemen zählen eine erhöhte Infektionsgefahr, Läsionen von Lymphbahnen sowie die Notwendigkeit, im Falle einer Kapselfibrose und einem deshalb notwendigen Implantatwechsel einen anderen operativen Zugang wählen zu müssen. Hasenöhrl bestreitet diese Kritikpunkte und verweist auf seine langjährige Erfahrung: „Ich habe Erinnerungen verblassen ... Hilfe bleibt haften! Rivastigmin ratiopharm ® ... das transdermale Pflaster in der Anti-Alzheimer Palette von ratiopharm AU/GNRT/14/0014c(3) BIOÄQUIVALENT ZU: EXELON ® TRANSDERMALES PFLASTER Gute Preise. Gute Besserung. Mehr Service. keine Infektionen bei meinen Patientinnen in den 26 Jahren, in denen ich diese Technik anwende, und kann sehr wohl über die Achsel gegebenenfalls einen Implantatwechsel durchführen.“ Impuls für transaxilliäre Operationsmethode Möglicherweise wird die Zahl der plastischen Chirurgen, welche die transaxilliären Brustvergrößerung präferieren, in absehbarer Zeit deutlich steigen. Hasenöhrl hat in Zusammenarbeit mit einem führenden Implantathersteller eine zweijährige Studie durchgeführt, welche dieser Operationsmethode neue Perspektiven eröffnet. Die neuen Implantate Carlo Hasenöhrl bevorzugt bei der Brustvergößerung einen axilliären Zugang. Gelbe Box (RE2) 4,6 | 9,5 | 13,3 mg/24 h Rivastigmin 9,5 mg/24h Pfl asterabbildung in Originalgröße Fachkurzinformationen auf Seite 14 sind oval, extrem elastisch, reißfest und mit einer Nano-Oberfläche ausgestattet. In der Vergangenheit waren alle Brustimplantate mit rauen Oberflächen zur Verhinderung von Kapselfibrosen ausgestattet worden. Das hat im Prinzip gut funktioniert, allerdings hat sich in den letzten Jahrzehnten das Verhalten der Frauen verändert, sie sind aktiver und sportlicher geworden, erläutert Hasenöhrl. Dadurch kommt es vermehrt zu Scherkräften zwischen dem Brustgewebe und der verwachsenen Bindegewebskapsel, mit der Folge, dass sich um diese noch eine Hülle bildete, und es ist wieder das Problem mit der Kapselfibrose entstanden. Deshalb sei man nach und nach dazu übergegangen, Implantatoberflächen feiner zu strukturieren, betont Hasenöhrl. Damit war aber bei tropfenförmigen Implantaten die Gefahr gegeben, dass diese verrutschen und sich dabei die Form der Brust verändert. In der Studien- und Testphase der beiden letzten Jahre hat Hasenöhrl ovale Implantate verwendet, die sich Dr. Carlo Hasenöhrl Plastischer Chirurg in Innsbruck „Ich wollte eine narbenfreie Brust und habe gesehen, durch die Verwendung von Endoskopen kann ich mit dem Schnitt immer kleiner werden, und eine kleine Narbe ist gerade im ästhetischen Bereich schon ein wesentlicher Punkt.“ durch verschiedene Gelfließfähigkeiten auszeichnen. Die Ergebnisse bestätigen seine Annahmen: „Ich war immer davon überzeugt, dass es diese ovalen Implantate braucht.“ Das von vielen Ärzten dabei befürchtete Risiko der Positionsänderung ist nach Hasenöhrls Erfahrungen widerlegt: „Es ist eine Frage der operativen Technik bzw. der Taschenbildung, dass das Implantat richtig stehen bleibt.“ Sehr viele Patientinnen wären auf diese Möglichkeit angewiesen, betont Hasenöhrl, insbesondere gelte das für größere Frauen mit schmälerem Oberkörper. Um einen Zentimeter kürzerer Schnitt Hasenöhrl ist davon überzeugt, dass diese neuen, von ihm mitentwickelten Implantate 2019 auf den Markt kommen, und sieht in Verbindung damit auch eine Stärkung der von ihm angewandten Methode des axilliären Zugangs. Zu den Besonderheiten des neuen Implantatmaterials zählt auch, dass der bisher beim axillären Zugang drei Zentimeter lange Schnitt um einen Zentimeter kürzer wird ausfallen können. Jüngst hat Hasenöhrl über seine Arbeitsweise mit großer Resonanz in Japan referiert, 2019 wird in Innsbruck unter seiner Leitung ein eigenes Symposium abgehalten. Carlo Hasenöhrl hat 1992 in Innsbruck ein Kompentenzzentrum für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie unter der Bezeichnung „house of excellentbeauty“ (www.excellentbeauty.com) gegründet. Seit 2012 ist dieses Haus auch eine private Krankenanstalt, in der inzwischen zwei weitere plastische Chirurgen tätig sind. Eine weitere Praxis betreibt der Innsbrucker Experte in Wien. An beiden Orten ist er überdies Belegarzt in Privatkliniken. Als seine persönlichen Schwerpunkte nennt er Eingriffe im Gesicht und an der Brust. In der Brustchirurgie würden knapp 80 Prozent auf Vergrößerungen entfallen, der Rest auf Verkleinerungen. Vergrößerungen gibt es in seiner Praxis fast ausschließlich im ästhetischen Bereich. „Bei den Tumorpatientinnen braucht es den ganzen Apparat dahinter– Onkologie, Nuklearmedizin, Radiologie, Gynäkologie. Das ist sicher kliniklastig“, sagt Hasenöhrl. Wohlbefinden als Teil der Gesundheit Einen Widerspruch zwischen „Heilen“ und „Verschönern“ verneint er indes entschieden: „Selbst in der WHO gilt das psychische Wohlbefinden als Teil der Gesundheit und im Prinzip geht es uns darum, dass sich der Patient in seiner Haut wohlfühlt. Das gehört zur Gesundheit und ist eine medizinische Handlung wie jede andere auch.“ Letztlich findet diese Haltung auch ihren Ausdruck darin, dass „zu uns Patienten kommen und keine Kunden“, wie Carlo Hasenöhrl betont. MT-INTERAKTIV Sagen Sie uns Ihre Meinung redaktion@medical-tribune.at FOTOS: CARLO HASENOEHRL; HANNES SCHLOSSER

Medical Tribune j Nr. 44 j 1. November 2018 3 ▶ POLITIK & PRAXIS Regierung zieht die Kassenreform durch SOZIALVERSICHERUNGEN ■ Die Regierung hat die umstrittene Reform des Krankenkassensystems im Ministerrat beschlossen. Änderungen wurden nur in Teilbereichen vorgenommen. Mit Kritik wird nicht gespart. TANJA BECK/APA „Es ist gelungen“, mit diesen Worten kommentierte Gesundheitsministerin Mag. Beate Hartinger-Klein (FPÖ) den Beschluss der Sozialversicherungsreform im Ministerrat. Kurz zuvor hatte die Regierung den umstrittenen Entwurf zur Kassenreform ohne große Änderungen in Richtung Parlament geschickt. Die Zusammenlegung der Sozialversicherungsträger von 21 auf fünf wurde darin ebenso beibehalten, wie die Reduktion der Funktionäre zu Ungunsten der Dienstnehmer und die Ablösung des Hauptverbandes durch einen schwächeren Dachverband. Bekräftigt wurde der Vorsatz dadurch, bis 2023 eine Milliarde Euro einsparen zu können. Zuvor war die Regierungsvorlage heftig kritisiert worden. Nicht nur (erwarteterweise) von SPÖ, Arbeiterkammer und Gewerkschaft, sondern auch u.a. vom Rechnungshof (RH) und dem Verfassungsdienst. So kritisierte Rechnungshofpräsidentin Dr. Margit Kraker u.a. die Darstellung der Kosten und forderte: „Man muss das Spiel mit Zahlen beenden.“ Sie kritisierte auch, dass der Nachweis zum Einsparen der von der Regierung behaupteten Milliarde fehle, weiters sei bei den in den Erläuterungen angeführten 33 Millionen Euro bis 2023 nicht klar, wie man dazu komme. Außerdem würden die zu erwartenden Mehrkosten verschwiegen. Kraker urgierte daher eine „transparente Darstellung“ und eine seriöse Planung. Der RH kritisierte auch, dass die Zahl der Sozialversicherungsträger nur „nominell“ auf fünf reduziert würde, praktisch bestünden weiter zehn Träger. „Problematisch“ sieht der RH auch die geplante Abschaffung der Kontrollversammlung in den Trägern. Angesichts des hohen Gebarungsvolumens (63,9 Mrd. Euro 2018) „ist ein Kontrollgremium aus der Sicht des RH unbedingt erforderlich“. Der Verfassungsdienst wiederum kritisierte, dass die Sozialministerin gegenüber dem künftigen Dachverband bestimmte Weisungen zu erlassen hat. Gemäß Bundesverfassung hätten die Selbstverwaltungskörper jedoch „das Recht, ihre Aufgaben in eigener Verantwortung frei von Weisungen zu besorgen“. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass bereits jetzt ein Weisungsrecht existiert. Verfassungsrechtliche Turbulenzen könnten sich laut Verfassungsdienst auch bei der Zusammenlegung der Bauernmit der gewerblichen Sozialversicherung bzw. der Eisenbahn/Bergbau-Versicherung mit jener für den öffentlichen Dienst geben, da dies laut Entwurf ohne Änderung des Beitrags- und Leistungsrechts erfolgen soll. Kanzler Kurz, Vizekanzler Strache und Ministerin Hartinger-Klein (v.l.) stellten sich nach Ministerrat der Presse. 40 Änderungen In die Gesetzesvorlage eingearbeitet wurden letztendlich 40 Änderungen. So bleibt es zwar dabei, dass in den Gremien von Krankenkasse und Pensionsversicherung die Arbeitnehmer ihre 4/5-Mehrheit verlieren und die Dienstgeber künftig gleich mächtig sein werden. Der Gewerkschaft sei man aber entgegengekommen, indem nun bei wichtigen Entscheidungen eine doppelte statt einer qualifizierten Mehrheit beider Seiten vorgesehen ist. Beibehalten wird auch die vorgesehene Rotation des Vorsitzenden zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern in der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) und der Pensionsversicherung (PV). Im neuen Dachverband sollen die Chefs jährlich zwischen den fünf Trägern wechseln. Dieser wird wegen der Rotation in ÖGK und PV innerhalb von fünf Jahren sieben verschiedene Köpfe an der Spitze haben. Kritik daran kam u.a. von Hauptverbandsvorsitzenden Dr. Alexander Biach: „Hier geht es nicht darum, irgendwelche Jobs zu erhalten, sondern um eine entscheidungs- und handlungsfähige Sozialversicherung.“ Es gehe nicht um Funktionen, sondern um das Funktionieren des Sozialversicherungssystems. „Wir brauchen eine kontinuierliche Führung, die mit unseren Vertragspartnern rasche Lösungen für die Versicherten liefern kann. Mit sieben Vorsitzenden in fünf Jahren wird das schwer möglich sein“, teilte er in einer Aussendung mit. Ein weiterer heftig kritisierter Punkt war die Übergabe der Beitragsprüfung an den Bund. Hier wurde nun festgelegt, dass die Kassen der Auftraggeber sind und auch einzelne Prüfungen in Unternehmen veranlassen können. Abschwächungen gab es bei den Eignungstests für Kassenfunktionäre. Diese sollen nun drei Jahre Zeit bekommen dafür zu lernen. Auch die Aufsichtsrechte des Bundes werden nicht ganz so stark ausgeweitet: So kann er Tagesordnungspunkte in den Gremien nicht mehr absetzen, sondern nur noch verschieben. Zurückgerudert wurde auch ein wenig bei der Übergabe von Aufgaben vom Verwaltungsrat an die geschäftsführenden Büros der Kassen. Wie geht es weiter? Nachgearbeitet wird bei der Krankenanstaltenfinanzierung, was den neuen Aufteilungsschlüssel der Gelder nach der Umstrukturierung betrifft. In den einzelnen Bundesländern gehe das Geld durch die Auflösung der Gebietskrankenkassen nicht verloren. Es gäbe zwar keinen Ausgleichsfonds mehr, aber die Gesamtverträge liefen weiter und die Mittel dazu würden den Landesstellen von der ÖGK zugeordnet. Nach dem nun erfolgten Beschluss im Ministerrat soll die Regierungsvorlage am 14. November im Sozialausschuss des Nationalrates behandelt werden. Die Beschlüsse im Nationalratsplenum und im Bundesrat sind für Dezember vorgesehen. Damit kann das Gesetz per 1. Jänner 2019 in Kraft treten. Mit 1. April 2019 werden pro Träger Übergangsgremien zur Vorbereitung des Fusionsprozesses eingesetzt und neue leitende Mitarbeiter gesucht. Mit gleichem Datum will die Regierung die verordnete „Ausgabenbremse“ bei den Sozialversicherungen wieder aufheben. Ab 1. Jänner 2020 soll die neue Kassenstruktur dann gültig sein. Stellungnahme der Österreichischen Ärztekammer FOTO: BKA / ANDY WENZEL Die Österreichische Ärztekammer bedauert in ihrer Stellungnahme zum Gesetzesentwurf, dass in Zusammenhang mit der Kassenfusionierung „viel zu wenig die Auswirkungen auf die Patientinnen und Patienten diskutiert werden.“ Weiters betont sie, dass gerade der niedergelassene Bereich in den vergangenen Jahrzehnten von der Gesundheitspolitik vernachlässigt wurde und unbedingt ausgebaut und nachgerüstet werden muss. „Wenn die Politik mehr Ärztinnen und Ärzte mit Kassenverträgen wünscht, und diese benötigt das System dringend, dann muss sie die Rahmenbedingungen der kassenärztlichen Tätigkeit so attraktiv machen, dass sie konkurrenzfähig sind und der Beruf des Kassenarztes von jungen Medizinerinnen und Medizinern wieder erstrebenswert gesehen wird“, heißt es in der Stellungnahme. Die Ärztekammer fordert weiters, die per 31.12.2018 vorhandenen Rücklagen der Gebietskrankenkassen im jeweiligen Bundesland für den niedergelassenen Bereich zu verwenden. Was die eine Milliarde Euro betrifft, die mit der Reform eingespart werden soll, fordert die Ärztekammer, dass dieses Geld direkt in die medizinische Versorgung investiert werden soll. „Nämlich für mehr Leistungen an den Patientinnen und Patienten, für mehr Geld in die wohnortnahe Versorgung und für die Attraktivierung von Ordinationen im ländlichen Bereich“, so die Kammer. Die tatsächlichen Einsparpotenziale sieht sie allerdings kritisch, zumal Erfahrungen in der Vergangenheit zeigen, dass Fusionen auch mit beträchtlichen Kosten verbunden waren. Sollten Mittel fehlen, sollten diese aus dem Budget zur Verfügung gestellt werden. Die Ärztekammer bot an, gewisse Leistungen, die bisher von den Kassen abgewickelt wurden, zu übernehmen, wie z.B. die Ärzteverrechnung. Gleichzeitig sprach sich die Kammer gegen weitere kasseneigene Einrichtungen aus und forderte die von Gesundheitsministerin Hartinger-Klein bereits mündlich zugesicherte Streichung der Bestimmung zur Kontrolle im Vertragspartnerbereich („Mystery Shopping“). Die ÖÄK forderte außerdem die Möglichkeit des Abschlusses regionaler Gesamtverträge zwischen den örtlich zuständigen Ärztekammern und den Landesstellen der Träger der Krankenversicherung. Weitere Kritikpunkte der ÖÄK betreffen u.a. die Rotation des Vorsitzes des Dachverbandes, der ÖGK und der PV sowie die Forderung, die zum 31. Dezember 2019 vom Hauptverband für die Gebietskrankenkassen abgeschlossenen Gesamtverträge so lange in Kraft zu lassen, als kein diese ersetzender Gesamtvertrag zwischen der ÖGK und der ÖÄK zustande kommt. Darum bin ich gerne Arzt. Die besten Ärzte behalten lange Freude am Beruf. Denn sie fühlen sich kompetent, gute Entscheidungen zu treffen. Dazu wollen wir beitragen: mit zahlreichen Initiativen für Fort- und Weiterbildung. Auf die Inhalte nehmen wir selbstverständlich keinen Einfl uss. Gute Preise. Gute Besserung. Mehr Service. AU/GNRT/18/0036(b)

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