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CliniCum 03/2019

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4 l CliniCum 3/2019 l AKTUELLES FRAUEN IN DER MEDIZIN Karrierehindernis Kinderbetreuung Obwohl die Medizin immer weiblicher wird, haben Ärztinnen nach wie vor mit Benachteiligungen zu rechnen, sowohl die Ausbildung als auch die ärztliche Tätigkeit betreffend. Eine Umfrage der Österreichischen Ärztekammer anlässlich des Welt-Frauentages identifiziert massive Karriere-Hindernisse für Frauen in der Medizin – die größten: Familienplanung und Kinderbetreuung. Fast zwei Drittel aller Ärztinnen in Österreich (61%) sehen diese Parameter als Grund dafür, beruflich nicht entsprechend weiterzukommen. Es folgen zu wenig Förderung durch Vorgesetzte (37%), zu wenig Förderung in der Turnusausbildung in relevanten Wissensbereichen (32%), die Bevorzugung von Männern bei interessanten Jobs bzw. Führungspositionen (31%) sowie der Umstand, dass Ärztinnen generell weniger zugetraut wird (30%; Mehrfachnennungen waren möglich). Die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie dürfte mit ein Grund sein, warum mehr Spitalsärztinnen in den Wahlarztbereich (61% jener, die in Zukunft niedergelassen arbeiten möchten) tendieren als in den Kassenbereich (20%). Frauenfeindliches Verhalten ist (auch) in der Medizin ein Problemthema, auch wenn sexuelle Übergriffe die absolute Ausnahme sind: „Meist handelt es sich um geringschätzige und/oder anzügliche Bemerkungen, die von einer Mehrheit der Ärztinnen erlebt oder beobachtet werden“, fasst Studienautorin Alexandra Siegl zusammen. NACHWUCHSSORGEN BEI PATHOLOGEN Professional-Productive-Aging-Programm Mit einem dramatischen Appell wendet sich die Österreichische Gesellschaft für Klinische Pathologie und Molekularpathologie (ÖGPath) an die Öffentlichkeit. Das gesamte Pathologie-basierte therapeutisch-diagnostische System sei in Gefahr, sagt ÖGPath-Vorstand Univ.-Prof. Dr. Martin Klimpfinger: „Ursachen sind die Altersstruktur der tätigen Pathologinnen und Pathologen, der unzureichende Nachwuchs sowie die Schwierigkeiten, Ausbildungsstellen zu besetzen.“ Sollten nicht sofort Gegenmaßnahmen ergriffen werden, steuere man „auf einen Engpass zu“, der spätestens 2024 zu einem „Zusammenbruch des Systems“ führen werde. SPITALSZUSAMMENLEGUNG Ärzte sprechen sich für Leitspital aus In die heftige politische und öffentliche Diskussion rund um das geplante Leitspital für den Bezirk Liezen in Trautenfels haben sich vier leitende Mediziner aus dem Bezirk öffentlich positioniert. In einer gemeinsamen Erklärung bezeichnen Savo Miocinovic, Gerhard Melzer, Karl Wohak und Christian Kaulfersch ein Festhalten an der aktuellen kleinteiligen Struktur aus fachlicher Sicht als eine „Sackgasse“. Das Leitspital in Kombination mit geplanten Gesundheitszentren bzw. der Notfall- und ambulanten Versorgung am Standort Schladming sei „fachlich ohne Alternative“. Damit der medizinische Fortschritt in der Region weiterhin stattfinden könne, brauche es im 21. Jahrhundert Mindestfallzahlen, die an den bisherigen Standorten nicht erreichbar seien, schreiben die Ärzte. „Nur damit kann die Als „relativ preiswerte“ Sofortmaßnahme wünscht sich die ÖGPath ein Professional-Productive-Aging-Programm, in dem Pathologen im Pensionsalter über Sonderverträge zumindest noch in Teilzeitarbeit auf freiwilliger Basis aktiv bleiben können. Damit könnte die für eine ordentliche Versorgung notwendige Personalkapazität in den Abteilungen aufrechterhalten und gleichzeitig erfahrene Fachleute für die Ausbildung des Nachwuchses gewonnen werden, so Klimpfinger. Dazu brauche es aber noch dringend einen politischen Beschluss, um „die Talfahrt fünf vor zwölf noch zu stoppen. Wenn man das jetzt nicht macht, ist das eine grobe Fahrlässigkeit.“ Qualität der Behandlung - und auch jene der Ausund Weiterbildung der Ärzte in der Region gewährleistet werden.“ Wohak ergänzt: „Aus unserer Sicht ist es ein notwendiger Schritt, um das Problem der ärztlichen Versorgung und dem Mangel in anderen Berufsgruppen, etwa bei Hebammen oder Physiotherapeuten, entgegenzuwirken. Angst in der Bevölkerung vor einer Verschlechterung der Versorgung zu schüren ist verantwortungslos und entbehrt jeder Sachlichkeit.“ Die Mediziner wünschen sich auch, „diese wichtige Entscheidung über die Zukunft der Gesundheitsversorgung im größten Bezirk Österreichs nach fachlichen und nicht nach politischen Kriterien zu treffen“. Auf Betreiben der Opposition im Landtag wird im April dennoch eine Volksbefragung darüber stattfinden. ÄRZTEKAMMER Indirekte Impfpflicht für Minderjährige Die Wiener Ärztekammer spricht sich für eine indirekte, an die Auszahlung des Kinderbetreuungsgeldes/Familienbeihilfe gekoppelte Impfpflicht für Minderjährige bis zum vollendeten 14. Lebensjahr aus. Die Forderung umfasst alle im Gratisimpfprogramm vorgesehenen Impfungen. „Bei nicht erfolgten Impfungen inklusive Auffrischungen soll der Zugang zu den öffentlichen Kindergärten verwehrt werden“, heißt es in einem Vorstandsbeschluss. Die steirische Ärztekammer hat zeitgleich die Bevölkerung befragt, was sie über das Impfen insgesamt und die Impfpflicht im Speziellen hält. 79 Prozent deklarieren sich in der Online- Umfrage als Impfbefürworter, 13 Prozent als Impfgegner (8% keine Antwort/weiß nicht). Männer sind eher Impfbefürworter als Frauen, die Zustimmung bei Älteren (82%) ist höher als bei Jüngeren. In den Landeshauptstädten gibt es die meisten Impfbefürworter (84%), in Ostund Südösterreich mehr als im Westen. Die stärkste Gruppe der Impfbefürworter sind Eltern mit Kindern bis zu sechs Jahren (86%). Die Forderung der Wiener Ärztekammer nach einer indirekten „Impfpflicht“ befürworten laut dieser Umfrage knapp zwei Drittel der Bevölkerung (63%). Sollte es zu einer Volksbefragung über die Koppelung kommen, wollen 72 Prozent auf jeden Fall oder eher daran teilnehmen, vor allem die Jungen (76% der 16- bis 29-Jährigen). Bei Menschen in Haushalten mit Kindern bis zu 14 Jahren sind es sogar 84 Prozent. Von den 72 Prozent, die auf jeden Fall oder eher teilnehmen wollen, würden sogar 72 Prozent für eine teilweise Koppelung von Familienbeihilfe und Kinderbetreuungsgeld an die Beteiligung beim Gratis-Impfprogramm stimmen – fast drei Viertel. Aus diesen Ergebnissen lässt sich für den steirischen Ärztekammerpräsident Herwig Linder zumindest eine „Minimalanforderung“ ableiten: „ein gesicherter Impfschutz für alle, die viele Sozialkontakte haben, vor allem alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheits-, Pflege-, Sozialund Bildungsbereich. Wer täglich mit vielen, vor allem kranken und schwachen Menschen zu tun hat, darf nicht ohne Impfschutz sein.“ Fotos: Stígur Már Karlsson/Heimsmyndir/GettyImages, Choreograph/GettyImages

5 Fotos: Charité/Schroeder, MedUni Graz EUROPAWEITE FORSCHUNGSINITIATIVE Europa strebt Führungsrolle bei Advanced Therapies an Die europaweite Forschungsinitiative RESTORE soll Europa eine Führungsrolle im Bereich der Advanced Therapy Medicinal Products (kurz: Advanced Therapies) sichern. Diese – manchmal auch als „lebende Medikamente“ bezeichneten Therapien umfassen u.a. Zell- und Gentherapieprodukte, Gewebezubereitungen oder Kombinationen dieser Zubereitungen mit Biomaterialien. Die Europäische Kommission unterstützt die Initiative nicht nur finanziell, sondern hat unlängst das federführende Konsortium (Charité – Universitätsmedizin Berlin und Berlin Institute of Health) eingeladen, das Erstkonzept weiterzuentwickeln und „den Kreis der Forschenden und Institutionen zu erweitern, um Europa im STATISTIK AUSTRIA Gesundheitsausgaben 2017 Die laufenden Gesundheitsausgaben einschließlich der Ausgaben für Langzeitpflege lagen in Österreich 2017 laut Statistik Austria wie seit 2014 bei 10,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Insgesamt betrugen die Ausgaben für Gesundheitsleistungen und -güter im Jahr 2017 38,5 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2016 erhöhten sie sich somit nominell (zu laufenden Preisen) um 1,3 Milliarden Euro. Mit einem Anteil von 10,4 Prozent des BIP liegt Österreich im OECD-Vergleich auf dem 8. Platz aller 36 OECD-Mitgliedstaaten, nahezu gleichauf mit Kanada und Norwegen. Angeführt wird der OECD- Vergleich erneut von den USA mit 17,2 Prozent, gefolgt von der Schweiz (12,3%). Der OECD-Durchschnitt beträgt 8,8 Prozent, jener der 23 EU-Mitgliedstaaten 8,6 Prozent. Die öffentlichen Ausgaben für die Fondskrankenanstalten inklusive Spitalsambulanzen betrugen 2017 in Österreich 11,5 Milliarden Euro. Den Großteil davon trugen die Sozialversicherungsträger mit einem Anteil von 5,2 Milliarden Euro (45,5%), danach folgten die Bundes länder mit 3,7 Milliarden (32,6%) sowie der Bund mit 1,3 (11,3%) und die Gemeinden mit 1,2 Milliarden (10,6%). Am höchsten waren die Ausgaben in Wien (3,2 Mrd. Euro), am niedrigsten im Burgenland (245 Mio. Euro). Bereich der Advanced Therapies an die Spitze zu bringen“. Über 250 Experten aus der Wissenschaft und der Industrie sowie Vertreter von gemeinnützigen Organisationen und Patientenverbänden aus ganz Europa und weiteren Ländern haben ihre Unterstützung für die Gesundheitsinitiative RESTORE zugesagt und auf das bedeutende wissenschaftliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Potenzial von Advanced Therapies verwiesen. Aktuell starten die Vorbereitungen zur Etablierung der groß angelegten Forschungsinitiative. „Wir werden alles daran setzen, sämtliche Stakeholder einzubinden, die Herausforderungen zu identifizieren und unseren Plan weiter auszuarbeiten, wie Advanced Therapies in den klinischen Alltag einzubinden sind, damit jeder FORSCHUNG IN ÖSTERREICH Antibiotikaresistente Keime Die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht eine der wichtigsten globalen Herausforderungen darin, die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen zu verstehen und Gegenmaßnahmen zu entwickeln, da immer mehr Menschen weltweit an antibiotikaresistenten Keimen erkranken und sterben. Im Rahmen des interdisziplinären, durch den FWF geförderten Projektes „Plant-associated microbial communities in indoor environment“ untersuchte ein Forschungsteam, wie die mikrobielle Kontrolle – das Ausmaß der Reinigungs- und Hygienemaßnahmen – die Entwicklung von Resistenzen beeinflusst. An dem Projekt beteiligten sich neben internationalen Partnern auch die MedUni Graz und BioTechMed-Graz. Die Forscher verglichen das Mikrobiom sowie das Resistom – also alle vorhandenen Mikroorganismen und Antibiotikaresistenzen – an der Intensivstation der Universitätsklinik für Innere Medizin am LKH-Universitätsklinikum Graz mit mikrobiell stark kontrollierten Reinräumen der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie mit öffentlichen und privaten Gebäuden, die mikrobiell kaum kontrolliert werden. Die Analysen zeigen, dass in Räumen mit hohem Hygieneniveau die mikrobielle Vielfalt abnimmt, sich aber die Diversität der Resistenzen erhöht. „In stark mikrobiell kontrollierten Umgebungen der Intensivstation und der industriell genutzten Reinräume finden sich vermehrt Antibiotikaresistenzen, die ein hohes Potenzial aufweisen, sich mit Krankheitserregern zu verbinden“, erklärt Studienleiter Alexander Mahnert vom Institut für Umweltbiotechnologie der TU Graz, der jetzt an der MedUni Graz forscht. Patient in Europa, der von diesen neuartigen Behandlungsansätzen profitieren kann, dazu auch die Möglichkeit bekommt“, fasst der Koordinator des Projekts Prof. Dr. Hans-Dieter Volk zusammen. Volk ist Leiter des Instituts für Medizinische Immunologie der Charité, Direktor des BIH Centrums für Regenerative Therapien sowie am Berlin Center of Advanced Therapies (BeCAT) der Charité und des BIH tätig. Wenn das europäische Konsortium im Verlauf des Wettbewerbs erfolgreich bleibt, wird es als groß angelegte Forschungsinitiative („Large- Scale Research Initiative“) im Framework-Programm der EU etabliert. Dafür könnte es langfristig bis zu eine Milliarde Euro in Forschungsvorhaben zu neuen Therapien investieren. Weitere Informationen: http://www.restore-h2020.eu Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass eine stabile mikrobielle Vielfalt in klinischen Bereichen der Ausbreitung von Resistenzen entgegenwirkt. „Die mikrobielle Kontrolle von Krankheitserregern wird schon bei Kulturpflanzen und auch am Menschen im Rahmen der Stuhltransplantation erfolgreich angewendet. Unsere Studie ist eine erste Basis dafür, solche Ideen zukünftig auch in Innenräumen zu verfolgen“, sagt Gabriele Berg, Leiterin des Instituts für Umweltbiotechnologie der TU Graz. Regelmäßiges Lüften, Zimmerpflanzen, der gezielte Einsatz von nützlichen Mikroorganismen oder die Reduktion von antibakteriellen Reinigungsmitteln könnten erste Strategien sein, um die mikrobielle Vielfalt zu erhalten oder zu verbessern. In einem nächsten Schritt möchte das Forschungsteam an der TU Graz nun biotechnologische Lösungen für eine maßgeschneiderte mikrobielle Vielfalt entwickeln und implementieren. Originalartikel: Man-made microbial resistances in built environments in Nature Communications 10, Article number: 968 (2019); https://www. nature.com/articles/s41467-019-08864-0 Untersucht wurde unter anderem die Intensivstation der Universitätsklinik für Innere Medizin am LKH-Universitätsklinikum Graz

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