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krebs:hilfe! 03/2019

12 NEWS

12 NEWS Kaiser-Franz-Josef-Spital Wien Onko-Zentrum bekommt ein eigenes Gebäude Das Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital (KFJ) wird eines der drei Onkologie- Zentren sein, die der Krankenanstaltenverbund in seinen Häusern vorsieht. 2021 wird das Zentrum am KFJ auch über ein eigenes Gebäude verfügen. Dafür wird das derzeitige Geriatriezentrum mit Ende des Jahres geschlossen und das Haus entsprechend den Bedürfnissen der onkologischen Patienten bzw. deren Diagnostik und Therapie adaptiert. Die Eröffnung ist für Beginn 2021 geplant. Dr. Julia Röper-Kelmayr, LL.M., MBA Radiologie-Primaria am LKH Rohrbach LKH Dornbirn, Kinderonkologie Kooperation mit St. Gallen und Innsbruck Als der langjährige Kinderonkologe am Landeskrankenhaus Dornbirn, Primar Dr. Bernd Ausserer, im April 2018 in Pension ging, hinterließ er eine Lücke. Ohne Aussicht auf einen Nachfolger musste das Land Vorarlberg eine Übergangslösung finden. Seit 1. Dezember gibt es zusätzlich zur bestehenden Kooperation mit der Universitätsklinik Innsbruck die Möglichkeit, die Behandlung von Leukämien im Kinderspital St. Gallen durchzuführen. Die Umstrukturierungspläne am Landeskrankenhaus Dornbirn hatten zu einem Aufschrei von betroffenen Eltern geführt, die sich unter dem Motto „Pro Kinder-Onko“ gegen die befürchtete Schließung der Kinderonkologie in Vorarlberg formierten (die krebs:hilfe! berichtete). Die Stadt Dornbirn und das Land Vorarlberg suchten intensiv nach einer Lösung, wie die onkologische Behandlung von Kindern und Jugendlichen weiter möglichst wohnortnah gewährleistet werden kann. Die bereits bestehende Kooperation mit der Universitätsklinik Innsbruck wurde ausgebaut. Mit dem Kinderspital St. Gallen konnte ein weiterer Kooperationspartner für die häufigsten pädiatrischen Krebserkrankungen, Leukämien, gefunden werden. Betroffene Kinder können zwischen der Behandlung in Innsbruck und St. Gallen wählen. Eine Möglichkeit, die angenommen wird. Zwei der derzeit fünf Vorarlberger Leukämie-Patienten entschieden sich für eine Behandlung in St. Gallen, das zwar in der Schweiz, aber nur rund 35 Autominuten bzw. 37 km von Dornbirn entfernt ist. „Wesentlich ist, dass die betroffenen Familien sich – sowohl in Innsbruck wie auch in St. Gallen – gut betreut fühlen“, betont die Dornbirner Bürgermeisterin Andrea Kaufmann. Deshalb gibt es jetzt auch eine Case- Managerin, die betroffene Familien bei den Anträgen sowie der Organisation von Terminen und Transporten unterstützt. Zusätzlich sucht das Landeskrankenhaus Dornbirn weiterhin nach Fachärzten für die Kinderonkologie. Denn Ziel sei nach wie vor, die kinderonkologische Expertise in Vorarlberg zu sichern, so Kaufmann. Am ersten Februar ging nicht nur das lang erwartete MRT-Gerät im LKH Rohrbach in Betrieb, auch die Leitung des Radiologie-Instituts wurde neu besetzt. Prim. Dr. Julia Röper-Kelmayr (2. v. r.) bringt zehn Jahre Erfahrung als Oberärztin des zentralen Radiologie- Instituts am Linzer Kepleruniklinikum mit nach Rohrbach. Darüber hinaus verfügt sie über einen Master of Medical Law und einen in Health Care Management. Dr. Ingrid Steindl Primaria für Gynäkologie Seit dem Sommer leitet Dr. Ingrid Steindl die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im KH der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt. Die erfahrene Medizinerin ist bereits seit vielen Jahren am Haus tätig, zuletzt als Leiterin der gynäkoonkologischen Ambulanz. Assoc.-Prof. Dr. Kaan Boztug Der neue Leiter der St. Anna Kinderkrebsforschung Assoc.-Prof. Dr. Kaan Boztug (41), führender Experte für angeborene seltene Erkrankungen der Blutbildung und des Immunsystems, übernahm mit 4. März 2019 die Agenden des wissenschaftlichen Direktors und damit die Verantwortung über die engagierten Forschungsprojekte des 120-köpfigen wissenschaftlichen Teams der St. Anna Kinderkrebsforschung in Wien. Sein Anspruch: die Stellung des Instituts als eines der weltweit führenden Forschungszentren auszubauen sowie interdisziplinäre und internationale Forschungskooperationen von Wien aus zu intensivieren. Boztug wurde in einem kompetitiven internationalen Ausschreibungsverfahren als Topkandidat ausgewählt und von einem hochkarätigen Berufungskomitee berufen. Mit der St. Anna Kinderkrebsforschung verbindet Boztug bereits eine mehrjährige Erfolgsgeschichte: Als Oberarzt in der pädiatrischen Onkologie und Leiter der Immunologie am St. Anna Kinderspital sieht er im Klinikalltag die Möglichkeiten und Grenzen in der Behandlung krebskranker Kinder, die ihn zu tiefer greifenden Forschungsaktivitäten motivieren. FOTOS: GESPAG, WOLFGANG PRUMMER, SABINE SCHWARZ 3:2019

YOUNGSTAR 13 FOTO: BARBARA KROBATH „HNO-Heilkunde ist auch mein Hobby“ Priv.-Doz. Dr. Axel Wolf, Hals-Nasen-Ohren-Universitätsklinik, Graz, lieferte eine der ersten Publikationen zum Mikrobiom des Speichels bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren. Die krebs:hilfe! hat nachgefragt, wie sich Spitzenforschung ausgeht, wenn man fast täglich im OP steht. Von Mag. Anna Egger Für eine Studie zum Mikrobiom des Speichels als Indikator für Karzinogenese bei Oropharynxtumoren erhielt Wolf den Wissenschaftspreis der Österreichischen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopfund Halschirurgie. Darüber hinaus wurde der 32-Jährige kürzlich als einziger Vertreter des deutschsprachigen Raumes in den Vorstand des Junior Board der European Rhinologic Society gewählt. Das Mikrobiom modifizieren Bei der prämierten Arbeit handelt es sich um eine Kooperation mit der Forschungsgruppe um Univ.-Prof. Dr. Christine Moissl-Eichinger. Wolf: „An der Med Uni Graz gibt es eine sehr hohe Expertise in der Mikrobiomforschung. Die nun publizierte Arbeit war eine von mehreren laufenden Pilotstudien. Wir haben Unterschiede im Mikrobiom bei Gesunden und Kranken gesehen und, dass Faktoren wie HPV einen Einfluss auf die Veränderung des Mikrobioms haben. Der nächste Schritt ist, genauer zu typisieren, welche Faktoren Änderungen im Mikrobiom beeinflussen und was das für die Prognose und die Therapieselektion bedeutet.“ Wie das Darmmikrobiom mit dem der Schleimhäute im HNO-Bereich interagiert soll, ebenfalls untersucht werden. Aus jetziger Sicht lässt sich über die Anwendung der Mikrobiomforschung im Kopf-Hals-Bereich nur spekulieren. Eine Zukunftsvision wäre die der frühen Diagnostik, also bei klinisch unauffälligen Personen Mikrobiomveränderungen identifizieren zu können, die einen Hinweis auf Tumorerkrankunen im Kopf-Halsbereich liefern. Darüber hinaus gibt es im Tierversuch Hinweise dafür, dass das menschliche Mikrobiom einen Einfluss auf die Wirksamkeit der Therapie von Tumoren, z.B. für Immuntherapien, haben Wolf: „Patienten nach der OP konservativ weiterzuführen, ist das Herausfordernde, aber auch das Interessante.“ könnte. Ein weiteres Ziel wäre, das Mikrobiom des Speichels indirekt, nämlich über das Darmmikrobiom, zu optimieren. Tapetenwechsel tut gut Wolf hat in Wien Medizin studiert und parallel das Doktorat der Angewandten Medizinischen Wissenschaften gemacht. Neben der Facharztausbildung wurde ihm 2016 die Habilitation zum Privatdozenten von der Med Uni Graz verliehen. Warum er HNO-Arzt werden wollte? „Obwohl es den Ruf eines kleinen Fachs hat, hat man in der HNO einen sehr abwechslungsreichen Alltag. Die Chirurgie beansprucht den Großteil meines Arbeitstages an der Klinik. Darin muss man aktiv sein, um Sicherheit zu haben und sich weiterzuentwickeln. Aber man muss gerade in unserem Fach nach der OP Patienten konservativ weiterführen. Das ist das Herausfordernde, weil es eine Vielzahl an Interaktionen zwischen chirurgischen und konservativen Therapien gibt, aber eben auch das Interessante.“ Einen Patienten von der Erstdiagnose bis zur Nachsorge zu führen und sein Ansprechpartner zu bleiben, ist für Wolf etwas, woraus er Energie schöpft. „Persönlich ist es ein wichtiger Faktor, dass man auch Patienten weiter begleitet, denen es gut geht. Das Ergebnis einer OP kann – gerade in unserem Bereich – nur dann optimal sein, wenn auch die Nach sorge optimal ist. Komplikationen wie Schluckbeschwerden oder Schmerzen nach großen Eingriffen können eine massive Einschränkung der Lebensqualität verursachen, die es zu verbessern gilt.“ „Als HNO-Arzt behandelt man natürlich viele Kinder und sieht ein breites Spektrum an Patienten und Krankheiten. Der Tapetenwechsel zur Onkologie tut schon gut.“ Auch die Forschung mache seinen Alltag abwechslungsreicher und sei weniger Pflicht als Bereicherung. „24 Stunden pro Tag sind oft zu wenig, um alles unterzubringen. Aber in vielen Fällen ist das, was ich mache, für mich keine Arbeit, sondern ein Hobby, das mich interessiert.“ Bereits Studenten die Berührungsängste mit der Forschung zu nehmen, hält Wolf für essenziell. „Hier könnten die Unis ansetzen, um Österreich als Forschungsstandort hochzuhalten.“ Für Wolf selbst war als Student die Zusammenarbeit mit Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Burian im Rahmen der Diplomarbeit ausschlaggebend. „Da habe ich gelernt, dass man etwas Positives mit der wissenschaftlichen Arbeit assoziieren kann und sie nicht nur lästige Pflicht im Rahmen des Studiums bedeutet.“ Brücken bauen Langfristig will Wolf eine Art Baukastensystem etablieren, mit dem man die optimale Therapie für jeden Patienten zusammenstellen kann. Grundlage dafür sei der Brückenbau zu anderen Fachdisziplinen und der Grundlagenforschung. „In der multidisziplinären Zusammenarbeit die Expertise zu bündeln, ist sicher die Zukunft der Medizin generell, weil sich ständig sehr viel entwickelt und wir das Beste für den Patienten herausholen müssen.“ Um das zu erreichen, tauscht Wolf sich viel im In- und Ausland aus. Gelegenheit zum Netzwerken bietet z.B. der jährlich in Graz stattfindende Rhinochirurgie-Kurs, den Wolf mitorganisiert, und an dem HNO-Ärzte aus über 30 Nationen zusammenkommen. < Weitere Vorschläge für Kandidaten dieser Serie richten Sie bitte an krebshilfe@medizin-medien.at 3:2019

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