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krebs:hilfe! 03/2019

18 ASCO GU

18 ASCO GU 2019 Hofman präsentiert Studiendaten, wonach die Mehrheit der Patienten auf eine zielgerichtete Radiotherapie mit LuPSMA ansprach. Neuer Standard bei Nierenzellkarzinom Pembrolizumab/Axitinib verlängerte das Überleben bei allen RCC-Risikogruppen und unabhängig vom PD-L1-Status. Zu weiteren Highlights des Genitourinary (GU) Cancers Symposiums der ASCO zählten 13 Oral Abstracts aus allen Uro-Entitäten (siehe Kasten). Von Mag. Anna Egger Pembrolizumab/Axitinib bei RCC überlegen Ergebnisse der Phase-III-Studie KEY- NOTE-426 zeigen, dass die Erstlinientherapie mit Pembrolizumab/Axitinib das progressionsfreie Überleben (PFS) und Gesamtüberleben (OS) beim metastasierten Nierenzellkarzinom (mRCC) gegenüber dem bisherigen Standard Sunitinib verlängert (n=861; Powles T et al., Abstract 543). Nach einem medianen Follow-up von 12,8 Monaten lag das 1-Jahres-OS bei 89,9 vs. 78,3 Prozent (HR 0,53), unabhängig von Risikogruppe und PD-L1-Status. Das mediane PFS betrug 15,1 vs. 11,1 Monate und die Gesamtansprechrate (ORR) 59,3 vs. 35,7 Prozent mit der Kombination vs. Sunitinib. Die mediane Ansprechdauer war mit Pembrolizumab/Axitinib zum Zeitpunkt der Auswertung nicht erreicht und lag bei 15,2 Monaten mit Sunitinib. 59 vs. 43,1 Prozent der Patienten sind weiterhin in Therapie. Bei 62,9 vs. 58,1 Prozent kam es zu Powles zufolge verbessert Pembrolizumab/Axitinib erstmals PFS, OS und Ansprechen bei mRCC gegenüber Sunitinib. ernsten therapieassoziierten Nebenwirkungen, die bei 8,2 vs. 10,1 Prozent zu einem Therapieabbruch führten. Studienautor Prof. Dr. Thomas Powles, London, UK, kommentiert: „Bisher haben wir keine Nierenzellkarzinomstudie gesehen, die Ansprechen, PFS und OS verbesserte. Daher sind diese Ergebnisse ein großer Schritt nach vorne.“ Offen bleibt für Powles die Frage nach Biomarkern, um das Ansprechen vorherzusagen. „PD-L1 konnte bisher nicht als Marker für den Erfolg einer Immuntherapie nachgewiesen werden. Möglich ist aber auch, dass durch die Kombination von Pembrolizumab mit Axitinib, der prädiktive Wert von PD-L1 maskiert wird.“ Dr. Lori Wood, Halifax, Kanada, die eingeladen wurde, den Abstract zu diskutieren, kommt zu folgendem Schluss: „2019 wird die Mehrheit der Patienten mit fortgeschrittenem klarzelligem Nierenzellkarzinom für die Kombination aus Checkpoint-Inhibitor und Axitinib infrage kommen. Anzumerken ist, dass hier Axitinib und kein anderer VEGF-TKI zum Einsatz kommen sollte.“ Bezüglich der Toxizitäten betont Wood die höhere Rate an Grad-3/4-ALT- und -AST-Erhöhungen mit der Kombination im Vergleich zu einem der Wirkstoffe alleine. Die Expertin verweist zudem auf die therapieassoziierte Mortalitätsrate, die bei 0,9 Prozent mit Pembrolizumab/Axitinib lag. Mit Nivolumab/Ipilimumab, so Wood, lag diese Rate bei 1,5 Prozent (CheckMate-214). „In der Praxis müssen wir daher das Protokoll entsprechend der Studien sehr genau einhalten, denn anderenfalls könnten diese Raten im Real World Setting höher werden“, so Wood. Wichtig sei auch, zu berücksichtigen, dass Nebenwirkungen nicht unbedingt in den ersten vier, acht oder zwölf Wochen auftreten. Wood berichtet beispielsweise von einem Patienten unter Nivolumab, bei dem nach 33 Monaten und nun nach 66 Monaten unter Therapie wieder eine Grad-2-Pneumonitis auftrat. „Wir sollten daher nicht drei, vier oder fünf Zyklen aufschreiben, ohne den Patienten zwischendurch zu sehen.“ LuPSMA punktet bei refraktärem Prostatakarzinom Eine einarmige Phase-II-Studie bei Männern mit PSMA-positivem metastasierten, kastrationsresistentem Prostatakarzinom FOTOS: ASCO/TODD BUCHANAN 3:2019

19 (mCRPC), das trotz Standardtherapie pro gredient ist, zeigte, dass in der Mehrzahl der Fälle der Tumor auf die zielgerichtete Radiotherapie mit Lutetium-177 PS- MA-617 (LuPSMA) ansprach (Hofman M et al., Abstract 228). Patienten, die mit LuPSMA behandelt wurden, lebten median 13,3 Monate nach der Therapie, während das durchschnittliche Überleben in diesem Stadium bei neun Monaten liegt. Die Studienteilnehmer waren zwischen 50 und 87 Jahre alt und hatten eine rasche Verdoppelung ihres PSA-Wertes nach median 2,6 Monaten vor Einschluss in die Studie. Die meisten waren mit Docetaxel oder Abirateron und/oder Enzalutamid vorbehandelt. 48 Prozent hatten auch eine Zweitlinientherapie mit Cabazitaxel erhalten. Eine Senkung des PSA-Wertes um 50 Prozent konnte bei 32 von 50 Männern verzeichnet werden. Bei 22 von ihnen verringerte sich der PSA-Wert um 80 Prozent oder mehr. Unter jenen Patienten, bei denen der Tumor ansprach, kam es über median 6,9 Monate nicht zu einem erneuten PSA-Anstieg. 14 der Patienten, deren Tumorwachstum fortschritt, erhielten median zwei weitere Zyklen LuPSMA. Bei neun von ihnen kam es zu einer Senkung des PSA-Wertes um 50 Prozent oder mehr. Das Überleben bei diesen Patienten betrug 33 Monate. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Nausea, Fatigue und Mundtrockenheit, da PSMA auch in Zellen der Speichel- und Tränendrüsen vorhanden ist. Zu den ernsteren Nebenwirkungen, die bei etwa zehn Prozent auftraten, zählten Anämie und Thrombozytopenie. Studienautor Prof. Michael Hofman, Melbourne, Australien, kommentiert: „Es ist aufregend, zu sehen, dass LuPSMA potenzielle Vorteile für die Patientengruppe mit sehr aggressiven Karzinomen bringt, gleichzeitig weniger Nebenwirkungen verursacht und eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität bewirkt. Wichtig zu erwähnen ist auch, dass wir bei manchen progredienten Patienten einen Benefit durch Fortsetzung der LuPSMA-Therapie gesehen haben.“ Zwei randomisierte Studien werden nun folgen, eine davon vergleicht LuPSMA mit einer Chemotherapie, die andere mit der Standardtherapie. < 13 Oral Abstracts Nierenzellkarzinom (RCC) • In KEYNOTE-426 erwies sich Pembrolizumab/Axitinib hinsichtlich PFS (HR 0,69), OS (HR 0,53) und Gesamtansprechrate (ORR) gegenüber Sunitinib bei fortgeschrittenem (m) RCC signifikant überlegen. Alle Subgruppen profitierten (Powles T et al., Abstract 543) • Eine JAVELIN-Renal-101-Auswertung zeigte Überlegenheit von Avelumab/Axitinib vs. Sunitinib in ORR und PFS in allen Risikogruppen. Bei PD-L1-positivem Status sind ORR und PFS ebenfalls signifikant besser, bei PD-L1-negativem liegt die HR für das PFS bei 0,8 (Choueiri TK et al., Abstract 544). • Gemäß der Phase-II-Ergebnisse aus CALYPSE resultierte die Kombination Savolitinib/Durvalumab bei VEGF-naiven oder therapierefraktären Patienten mit papillärem mRCC in einer ORR von 27 Prozent (11/41; Powles T et al., Abstract 545). • In der Phase-II-Studie KEYNOTE-427 resultierte Pembrolizumab in einer ORR von 24,8 Prozent (41/165) bei nicht-klarzelligem RCC. Insbesondere Patienten mit papillärer oder nicht klassifizierter Histologie und PD-L1-positivem Status sprachen gut an (McDermott DF et al., Abstract 546). Hodenkrebs • Die Interimsergebnisse aus PRIMETEXT mit primärer retroperitonealer Lymphknotendissektion bei Stadium-II-A/B-Seminomen mit adjuvanter Therapie zeigten eine Rezidivrate von 29 Prozent, was eine Weiterführung der Phase-II-Studie rechtfertige, so Albers P et al. (Abstract 507). Phäochromozytom • Comprehensive Genomic Profiling (CGP) kann wichtige therapeutische Targets für das mPhäochromozytom aufzeigen, darunter RET, NF1 und FGFR1, so Bratslavsky G et al., die nun CGP als Methode zur Entwicklung zielgerichteter Therapien weiter untersuchen wollen (Abstract 508). Prostatakarzinom (PC) • Initiale Phase-II-Daten mit Nivolumab/Ipilimumab bei metastasiertem kastrationsresistenten (CR)PC zeigten eine ORR von 25 bzw. zehn Prozent bei Patienten, die nach ≥1 Hormontherapie zweiter Generation bzw. nach einer Chemotherapie progredient waren (Sharma P et al., Abstract 142). • Die Zahl zirkulierender Tumorzellen bot auf Patientenebene eine bessere Unterscheidung zwischen Responder- und Non-Responder-Überlebenskurven als der PSA50-Wert (≥50% PSA-Abfall seit Baseline; Scher HI et al., Abstract 143). • Die Phase-III-Studie ARAMIS zeigte ein signifikant längeres metastasenfreies Überleben mit Darolutamid als Placebo (40,4 vs. 18,4 Monate; HR 0,71; p=0,045) bei nicht-metastasiertem CRPC (Fizazi K et al., Abs tract 140). • Die finale LATITUDE-Analyse bei neu diagnostiziertem metastasierten kastrationsnaiven Hochrisiko-PC zeigt weiterhin einen signifikanten OS-Vorteil für Abirateron/ Prednisolon plus Androgendeprivationstherapie (ADT) vs. ADT allein (Fizazi K et al., Abstract 141) • Der Phase-III-Studie ARCHES zufolge verbessert Enzalutamid/ADT vs. ADT signifikant das radiologische PFS bei metastasiertem Hormon-sensitiven PC (Armstrong AJ et al., Abstract 687). Urothelkarzinom (UC) • Sacituzumab Govitecan (IMMU-132), bestehend aus einem monoklonalen Antikörper gegen Trop-2, und dem aktiven Metaboliten von Irinotecan SN 38, zeigte in einer Phase-I/II-Studie mit rezidiviertem/refraktärem mUC eine ORR von 31 Prozent (Tagawa ST et al., Abstract 354). • In der Phase-III-Studie RANGE mit Ramucirumab/Docetaxel vs. Docetaxel bei platinrefraktärem mUC korrelierte eine gesteigerte Ramucirumab-Exposition mit einer reduzierten HR für das Gesamtüberleben (De Wit R et al., Abstract 353). 3:2019

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