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krebs:hilfe! 03/2019

FALLBERICHT 24

FALLBERICHT 24 ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG Durvalumab (Imfinzi®) OP-Alternative bei ungünstig gelegenem NSCLC Durch sequenzielle Radiochemotherapie gefolgt von Immuntherapie mit Durvalumab konnte einer Lungenkrebs-Patientin eine Operation erspart und zunächst eine Stabilisierung sowie langfristig sogar eine Remission erzielt werden. Von OÄ Dr. Romana Wass, PhD Im Juli 2017 wurde eine 58-jährige Patientin (Ex-Raucherin mit 50 kumulativen Packungsjahren) an unserer Klinik vorstellig. Sie war von ihrem Lungenfacharzt aufgrund eines mehrere Monate lang andauernden trockenen Reizhustens überwiesen worden. Ihr sonstiger Allgemeinzustand war gut – sie war davor völlig gesund gewesen. Juni 2017: 5cm große Raumforderung im rechten Unterlappen Die akzelerierte Radiotherapie Diagnostik Im daraufhin durchgeführten Thorax-CT zeigte sich eine links-zentral perihilär gelegene Raumforderung, aufgrund derer der Verdacht auf ein Bronchialkarzinom geäußert wurde. Die bronchoskopische Diagnosesicherung bestätigte dies leider: Es wurde ein p16-negatives, c-MET-positives (>80% IHC), EGFR-Immunhistochemiepositives Plattenepithelkarzinom festgestellt. Der Tumor war zudem deutlich PD-L1-positiv (>50%). Zusätzlich fanden sich zwei pathologisch vergrößerte Lymphknoten, aber keinerlei Fernmetastasen. Daraus ergab sich ein Staging von T2b N2 M0 sowie ein klinisches Stadium IIIA. September 2018: Partielle Remission nach acht Monaten Durvalumab Die akzelerierte Radiotherapie wird zweimal täglich appliziert und mittels intensitätsmodulierter Strahlentherapie-Technik (IMRT) durchgeführt. Die IMRT erlaubt es, Tumore mit höherer Dosis zu bestrahlen. Eine mittels Conebeam-CT vor jeder Fraktion durchgeführte Image-Guidance ermöglicht eine exakte Positionierung der Dosisverteilung an maligne Geweberegionen bei bestmöglicher Schonung der Risikoorgane. Die IMRT wird speziell dann durchgeführt, wenn der Tumor in der Nähe kritischer oder strahlenempfindlicher Organe lokalisiert ist. Radiochemotherapie Aufgrund der ungünstigen Lage des Tumors entschlossen wir uns zu einer Radiochemotherapie mit der am Uniklinikum Salzburg typischerweise angewandten akzelerierten Bestrahlung (siehe Kasten). Dabei wird wegen der hohen Bestrahlungs dosis ein sequenzielles Regime angewandt. Die Patientin erhielt also im September 2017 eine Chemotherapie bestehend aus zwei Zyklen Carboplatin/ Gemcitabin. Im Anschluss erfolgte die erste von zwei Bestrahlungsserien, wobei in Einzelfraktionen von 1,8 Gy eine Gesamtdosis von 54 Gy am Primärtumor appliziert wurde. Zeitgleich erfolgte die Bestrahlung der befallenen Lymphknotenstationen (LAW) mit 1,6 Gy sowie des elektiven Lymphabflusses (ENI) mit einer Einzeldosis von 1,4 Gy. Aufgrund einer Ösophagitis (Grad II), die die Patientin trotz entsprechender Medikation als sehr störend empfand, wurde früher als geplant auf eine zweite Serie umgestellt, in der der Tumor bis 61,2 Gy aufgesättigt wurde. Somit erhielt die Patientin eine Gesamtdosis von 79,2 Gy im Primärtumor, 61,2 Gy im LAW und 47,6 Gy im ENI. Immuntherapie Im Dezember, zwei Monate nach Ende der zweiten Bestrahlungsserie, wurde eine Immuntherapie mit Durvalumab eingeleitet, die sie seither alle zwei Wochen erhält. 1, 2 Im Zuge von Zwischenstagings im Jänner und Mai 2018 wurde eine stabile Erkrankung festgestellt. In einem CT im September 2018, acht Monate nach Einleitung der Durvalumab-Therapie, zeigte sich eine weitere Befundbesserung mit einer partiellen Remission. Im Dezember 2018 wurde die Therapie mit Durvalumab nach einem Jahr beendet. Die Patientin ist beschwerdefrei, es geht ihr sehr gut und sie kommt regelmäßig zu Kontrollen an die Klinik. < 1 Antonia SJ et al., N Engl J Med 2017; 377(20): 1919–29 ; 2 Antonia SJ et al., N Engl J Med 2018; 379: 2342–50 OÄ Dr. Romana Wass, PhD Klinik für Lungenheilkunde, Universitätsklinikum Linz Mit freundlicher Unterstützung von AstraZeneca AT-2365 FACHKURZINFORMATION SIEHE SEITE 26 FOTO: BARBARA KROBATH, ABBILDUNGEN: WASS/UNIKLINIKUM SALZBURG 3:2019

NEUE PRODUKTE 25 FOTOS: NCI/UNIV. OF PITTSBURGH CANCER INSTITUTE, WIKIMEDIA/JAMES HEILMAN Tecentriq® (Atezolizumab) FDA: Accelerated Approval bei Brustkrebs Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA erteilte eine beschleunigte Zulassung von Atezolizumab in Kombination mit nabPaclitaxel zur Behandlung von Patientinnen mit nicht-resezierbarem lokal fortgeschrittenen oder metastasiertem triple-negativen Brustkrebs (TNBC). Die Indikation besteht nur bei Patientinnen, die PD-L1-exprimierende Tumor-infiltrierende Immunzellen in mindestens einem Prozent des Tumors aufweisen. Die PD-L1-Testung erfolgt mithilfe eines von der FDA zugelassenen Testverfahrens. Dafür wurde gleichzeitig der VENTANA PD-L1 (SP142) Assay zugelassen. Triple-negative Brustkrebszelle in Retraktion und Apoptose nach Therapie Die Zulassung basiert auf den Ergebnissen der multizentrischen internationalen IMpassion130-Studie mit 902 Patientinnen mit nicht-resektablem lokal fortgeschrittenen oder metastasierten TNBC, die zuvor keine Chemotherapie in diesem Krankheitsstadium erhalten hatten. Die Studienmedikation bestand aus Atezolizumab vs. Placebo, jeweils in Kombination mit nabPaclitaxel. Bei Patientinnen, deren Tumore PD-L1 exprimierten, lag das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) bei 7,4 vs. 4,8 Monaten im Atezolizumab- vs. Placebo-Arm (HR 0,6; p

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